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2001 - Umweltpolitischer Jahresrückblick: Mensch, Natur und Umwelt (nicht nur) in Südbaden, Elsass und am Oberrhein

30.12.2001

2001 - Umweltpolitischer Jahresrückblick: Mensch, Natur und Umwelt (nicht nur) in Südbaden, Elsass und am Oberrhein



25 Jahre "Kein AKW in Wyhl!"
In alter Verbundenheit haben wir die Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen bei der Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltungen zum fünfundzwanzigjährigen Jubiläum der Bauplatzbesetzung in Wyhl unterstützt. Eine schöne, nicht nur nostalgische Veranstaltung mit einem großen überregionalen Medienecho. Es ist erstaunlich, dass das Medieninteresse an Themen der Vergangenheit größer ist als an manchen, drängend aktuellen Atomthemen.

Atomklo Hochrhein
Still und heimlich und mit vielen Tricks will die Schweizer Atomlobby ihre Pläne für ein atomares Endlager am Rheinfall bei Schaffhausen durchsetzen. Für die "sanfte Durchsetzung" des Gorleben am Hochrhein gibt die Atomindustrie viele Millionen Franken aus. Dem haben wir unser Engagement und viel Medienarbeit entgegengesetzt. Es ist uns und den direkt betroffenen Menschen am Hochrhein noch nicht gelungen, die gefährlichen Anlagen zu verhindern. Aber wir konnten mit Informationen, Flugblättern und überregionaler Medienarbeit die Menschen auf dieses große Problem aufmerksam machen. Und wir werden uns weiter engagieren, denn nur der, der die Gefahren kennt, kann sie abwehren.

Zersiedelung und Flächenverbrauch
waren auch im Jahr 2000 wichtige Umweltthemen im Dreyeckland.. 263 Hektar will die ehemalige Ökohauptstadt Freiburg jetzt zusätzlich bebauen. Dies ist die Fläche von 500 Fußballplätzen oder mehr als die fünffache Fläche der Altstadt. Für einen Skandal hält der BUND die Tatsache, dass 150 Hektar aus bestehenden Natur- und Landschaftsschutzgebieten herausgeschnitten werden sollen. "Breiburg im Breisgau", das steht für den hässlichen Siedlungsbrei, der in und um Freiburg entsteht. Bürgermeister der Freiburger Umlandgemeinden befürchten ein "Ruhrgebiet am Oberrhein", wenn Freiburg an seinen Flächenverbrauchsplänen festhält. Aber gerade auch das Freiburger Umland, die Toscana Deutschlands, die wunderschöne Kultur- und Naturlandschaft am Oberrhein, ist mit Vehemenz dabei, das, was ihren Reiz ausmacht, selbst zu zerstören. Freiburg wuchert in die Schwarzwaldtäler und entlang der Regio S-Bahn ins Umland - entsprechendes gilt für die Mehrzahl der Dörfer und Städte im Oberrheingraben. Obwohl die Bevölkerungszahlen im Bundesgebiet massiv zurückgehen und in den neuen Bundesländern teilweise bis zu 30% der Wohnungen leerstehen, nimmt die Tendenz zu einer scheußlichen, zersiedelten Bandstadt am Oberrhein massiv zu.
Viele neue landschaftszerschneidende Straßenbauprojekte, die Gefahr, mit dem sechspurigen Autobahnausbau endgültige zur europäischen Nord-Süd-Trasse zu werden, die Nichtarchitektur der neuen Gewerbegebiete, der Wegfall von regionalen Grünzügen und Siedlungszäsuren, die Maissteppe der Ebene, die neonschrillen Ortseinfahrten der Dörfer, der Verlust an Natur- und Erholungsflächen.... viele dieser Puzzlesteine ergeben im Zusammenhang gesehen ein Bild großflächiger Zerstörung, verbunden mit einem enormen Verlust an Lebensqualität. Dennoch wird beinahe jede neue Landschaftszerstörung, jede neue Straße von der Mehrzahl der südbadischen Lokalpolitiker bejubelt. Die Bandstadt am Oberrhein und die weitere Zersiedelung und Verscheußlichung der Landschaft in Freiburg und am Oberrhein zu verhindern ist eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben des BUND.

Der Überbringer der schlechten Botschaft
bekommt den Ärger und nicht etwa der Verursacher des Übels. Zweimal mussten wir das im Jahr 2000 erfahren. Nach einer Störfallserie bei der Rhodia in Chalampe und einem Unfall mit der Freisetzung von 15 kg Blausäure hatten wir in Erfahrung gebracht ,dass schräg gegenüber von Neuenburg stündlich 26 Tonnen (!!!!) Blausäure produziert werden. Doch Bürgermeister Schuster aus Neuenburg reagierte nicht nachdenklich sondern eher verharmlosend, so, wie man es eher von einem Pressesprecher der Firma Rhodia erwarten würde.
Ähnlich ging es uns mit Herrn Bürgermeister Vonarb aus Breisach. Dort ist zwischenzeitlich die Spitze der Grundwasserversalzung angekommen, nachdem auf der Fessenheimer Rheininsel eine Million Tonnen Salz aus Zwischenlagern ins Grundwasser versickert sind. Ein wissenschaftlich bestätigter Hinweis auf die Gefahr von Leitungskorrosion durch Salz wurde heftig zurückgewiesen. Das Problem wird ausgesessen und verdrängt, und der BUND als Überbringer der schlechten Botschaft bekommt die Hiebe.

Einen guten Vorstand
brachten die Wahlen zum BUND-Regionalvorstand. Da Thomas Landsberg aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden musste und Renate Ellenberg wegen Umzugsplänen nicht mehr aktiv sein kann (Danke für die langjährige und gute Arbeit!!!), wurde neu gewählt. Mit Carla Vollmer, Heike Holtgrewe, Manfred Öhm und Frieder Gauger ist jetzt verstärkt auch die jüngere Generation aus der ehemaligen BUND-Jugend im Vorstand vertreten. Dazu kommen die "Alten Hasen" Frank Baum, Reinhold Hämmerle und Roland Burkhart (Buki) mit ihren regionalen Erfahrungen in Sachen Umwelt- und Naturschutz.. Ein gutes Team, dem auch in den nächsten Jahren die Arbeit nicht ausgehen wird. Mit einer eigenständigen,
selbstbewussten Arbeit, räumlich und inhaltlich näher an Straßburg und Basel als an Stuttgart, werden wir auch in Zukunft die landes- und bundesweite Vielfalt des BUND ergänzen und bereichern. In einem Umweltverband ist es wie in der Natur. Er lebt von der Vielfalt.

Es gäbe noch viel
zu berichten von der erfolgreichen Arbeit der Orts- und Kreisgruppen des BUND (Kein Genmais in Endingen. Von der Rettung eines wertvollen Naturgebietes vor Golfplatzplänen in Bahlingen......). Vom Umzug der BUND Landesgeschäftsstelle nach Stuttgart, der hier in der Region so viel verständlichen Ärger gebracht hat. Vom viel zu frühen Tod von Uli Brinkmann (MdL), einem alten BUND Mitstreiter. Von guten, motivierten, alten und neuen Zivildienstleistenden, die immer wieder neue Impulse bringen. Vom erfolgreichen Team in der BUND-Ökostation. Von unserer neuen Homepage (www.bund-freiburg.de), die im Jahr 2000 über 3000 Zugriffe hatte, von Erfolgen und Niederlagen, Stress und Freude, Innenweltverschmutzung und Rechtsradikalismus, Klimaveränderungen und egoistischen Kampagnen gegen die Ökosteuer, Castortransporten, zunehmenden Alterungsproblemen im AKW Fessenheim, BSE, Miniermotten und neuen Durchsetzungsstrategien der Gen- und Atomlobby ...
Für einen großen Jahresbericht hat die Zeit leider nicht gereicht, denn mit der geplanten Müllverbrennung in Bremgarten, den Atomplänen am Hochrhein und dem Integrierten Rheinprogramm steht wie immer viel zu viel aktuelles Unerledigtes auf der Tagesordnung. Doch ohne ehrenamtliche Mitstreiter, ohne Mitglieder und BUND-Paten, ohne Spender und Spenderinnen und manche kleine Ermutigung wäre unsere Arbeit nicht möglich.

Axel Mayer, Geschäftsführer



-Jahresrückblick Umwelt- des Bund für Umwelt und Naturschutz, Regionalverband Südlichen Oberrhein für Südbaden, Elsass, Nordschweiz und den Rest der Welt.
Umwelt Rückblick für die Jahre 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006, 2005, 2004, 2003, 2002, 2001, 1999...









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Dieser Artikel wurde 3343 mal gelesen und am 12.12.2016 zuletzt geändert.