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2011 - Umweltpolitischer Jahresrückblick: Mensch, Natur und Umwelt (nicht nur) in Südbaden, Elsass und am Oberrhein

29.12.2011

2011 - Mensch, Natur und Umwelt (nicht nur) in Südbaden, Elsass und am Oberrhein


Ein kurzer Rückblick


Alle Jahre wieder: unser BUND-Rückblick auf das vergangene Jahr. Ein kurzer, zwangsläufig unvollständiger Überblick zu einigen Umwelt- und Naturschutzthemen, nicht nur aus dem Dreyeckland.


Eigentlich sollte der inhaltliche BUND-Schwerpunkt im Jahr 2011
das Themenfeld Flächenverbrauch, Zersiedelung und die zunehmende „Verscheußlichung“ am Oberrhein sein, doch dann kam der Supergau im fernen Fukushima und alles kam anders. Über Monate war im kleinen Freiburger BUND-Büro „die Hölle los“. Am schlimmsten Tag der Katastrophe in Japan wurden auf unserer regionalen Internetseite www.bund-freiburg.de 543.100 mal die Atom-Seiten aufgerufen und im ganzen Monat März gab´s 4.594.000 Seitenaufrufe.

Einen etwas makaberen Erfolg hat der Fukushima-Unfall
gebracht. Endlich hat das Regierungspräsidium Freiburg die alte BUND-Kritik am Fessenheimer „Kataströphchenschutzplan“ aufgegriffen und zumindest den viel zu kleinen Evakuierungsradius von 10 auf 25 Kilometer erweitert. Doch wir wollen nicht die Evakuierungszone erweitern, sondern das älteste französische AKW schnellstmöglich abstellen. Es ist ein nicht hinnehmbarer Skandal, dass „unsere“ EnBW weiterhin vom Fessenheimer Stromverkauf profitiert und die Baumaßnahmen zur Gefahrzeitverlängerung sogar noch mitfinanziert. Hier ist Grün-Rot gefordert, die von der Vorgängerregierung geerbte Fessenheimer Altlast schnell zu „entsorgen“. Die Abschaltung von Fessenheim ist und bleibt eines der zentralen Ziele unserer BUND-Arbeit. Info

Das „kleine Europa der Menschen“ wurde am Ober- und Hochrhein
im Jahr 2011 wieder mit einer Vielzahl von grenzüberschreitenden Aktionen, Demonstrationen und Brückenaktionen praktiziert. Anti-Atom-Demos u.a. in Beznau (CH), Strasbourg (F), Freiburg (D) und an fast allen Grenzübergängen der Region zeigten das gelebte Europa der Bürgerinnen und Bürger. Es gibt tatsächlich noch grenzüberschreitende Aktionen von Menschen, die ohne europäische Zuschüsse und ohne INTERREG-Gelder funktionieren. Das „große Europa“, das von der grenzüberschreitenden Umweltbewegung im Dreyeckland vor fast 4 Jahrzehnten mit Herzblut miterkämpft wurde, hat in diesem Jahr viele Enttäuschungen gebracht. Das offizielle „große Europa“ entpuppt sich immer mehr als das Europa der Konzerne, Banken und Habgierigen.

2011 mussten wir neue Wörter und Begriffe lernen.
Der uns unbekannte Ort Fukushima hat es zu trauriger Berühmtheit gebracht und wir wissen jetzt auch dass das japanische „atomare Dorf“ die undemokratische Verfilzung von Wirtschaft, Politik und Medien bedeutet. Die „kleinen atomaren Dörfer“ in Deutschland und der Schweiz haben in diesem Jahr staufensche Fassadenrisse bekommen. Der viel zu langsame schweizer-deutsche „Atomausstieg“ ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung und der Regierungswechsel in Baden Württemberg zeigt, dass Demokratie funktionieren kann. Nur der Immerschon-Atomlobbyist Oettinger hat die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Unverständlich bleibt, warum das „Technikmuseum“ Beznau (CH), der älteste Druckwasserreaktor der Welt in der reichen Schweiz nicht sofort abgestellt wird. Die demokratiegefährdende Verfilzung im „atomaren“ Dorf in Frankreich zeigt zumindest Haarrisse, aber im Elsass nimmt der erfreulich parteiübergreifende Widerstand gegen das AKW Fessenheim zu.

Gut, dass Herr Gaddafi im Krieg 2011
über keine französischen Atomkraftwaffen verfügte. Schon am 11.12.2007 hatten die französische Umweltorganisation CSFR und der Bund für Umwelt und Naturschutz am Südlichen Oberrhein die gefährlichen Pläne des französischen Staatspräsidenten Sarkozy, Atomkraftwerke und damit Atomkraftwaffen nach Libyen zu exportieren, als Gefährdung des Weltfriedens scharf kritisiert. Die damalige Presseerklärung stieß in den meisten deutsch-französischen Medien auf „keine große Resonanz“, denn im Jahr 2007 war Herr Gaddafi gerade mal wieder ein „guter Diktator“ mit dem sich gute Geschäfte machen ließ. Im Libyen-Krieg 2011 wurde über dieses unangenehme alte Thema der Mantel des Schweigens gehängt. Info

In Freiburg war der Abriss der 33 Jahre jungen Uni-Bibliothek
der große „Hingucker“. 44 Millionen sollen die alten Bau- und Planungssünden, der so genannte „Umbau“ kosten. Nicht nur in Freiburg holen uns die teuren, politisch nie aufgearbeiteten Bausünden des letzten Jahrhunderts ein. Mehr als die Hälfte der Freiburger Brücken, Mauern und Tunnel sind so marode, dass sie dringend saniert werden müssen. Doch dafür fehlt das Geld. Um den weiteren Verfall zu verhindern, müssten jährlich sechs Millionen Euro investiert werden. Bislang sind pro Jahr jedoch nur 1,3 Millionen vorgesehen. Kurzlebige, teure Wegwerfgebäude sind nicht zukunftsfähig und „enkelgerecht“ und sie vergrößern den Schuldenberg. Langlebig, schön, nützlich, funktional und energiesparend muss nach unserer Ansicht gebaut werden. Info

Auch Stuttgart 21
war in Südbaden in diesem Jahr ein großes Thema und angesichts der öffentlich nie diskutierten finanziellen Macht der S21-Bau- und Immobilienlobby war das Abstimmungsergebnis in großen Teilen Südbadens höchst erfreulich. Auch für Bahnhöfe sollte gelten: „Erhalten statt wegwerfen“. Stuttgart 21 kostet „höchstens“ 4,5 Milliarden Euro, und das in einer Zeit, in der Deutschland mit über 2000 Milliarden Euro verschuldet ist. Staat und Bahn müssen in Zeiten knappen Geldes Prioritäten setzen. Und Priorität hat für uns die vernachlässigte Nord-Süd-Trasse am Oberrhein. An dieser zentralen europäischen Verkehrsachse rollen immer mehr Personen- und laut ratternde Güterzüge. Hier brauchen wir gute, menschenfreundliche Bahntrassen und Lärmschutz. Von der erwarteten S21-Kampagne von CDU und FDP war die Umweltbewegung weniger enttäuscht als von der bundesweit erstarkenden S21-Autobahnausbau-Flughafenausbau-Beton-Fraktion in der SPD. Was im Abstimmungskampf von den Medien nie thematisiert wurde, waren die ungleich langen Spieße der Befürworter und der Gegner. Wäre die direkte Demokratie ein Vogel, so könnte sich dieser nur hüpfend vorwärts bewegen, denn er hätte Geld in den Flügeln... Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die versprochenen Baukosten in Stuttgart auch tatsächlich eingehalten werden, und hier werden wir die Lobbyisten an ihre Aussagen und Versprechen erinnern. Info

Jahrelang hatte der BUND am Oberrhein vergeblich gefordert, den Maiswurzelbohrer
mit der ökologisch und ökonomisch sinnvollen Fruchtfolge zu bekämpfen. Endlich, mit jahrelanger Verspätung wird diese alte BUND-Forderung jetzt Realität. Der massive Pestizideinsatz der letzten Jahre und die große Bienenvergiftung im Jahr 2008 wären wirklich nicht nötig gewesen. Info

Die massive Gefährdung der Landschaft und Natur
am Oberrhein wurde dann zum Ende des Fukushima-Jahres doch noch zum BUND-Thema. Während die Bevölkerung im Bundesgebiet abnimmt, boomt der Flächenverbrauch in Südbaden und insbesondere in der Rheinebene. „Flächen sparen“ wollen zwischenzeitlich die PolitikerInnen aller Parteien, doch die Realität sieht anders aus. Städte, Dörfer, Straßen und Einkaufsmärkte wuchern in die Landschaft, die Autobahn wird privatisiert und dreispurig ausgebaut und entlang der Vorbergzone wachsen die Gemeinden zu einem hässlichen Siedlungsbrei zusammen. Die Lebensqualität im immer mehr verbauten und verlärmten Transitland Oberrhein nimmt ab. Dort, wo mit einem neuen Nationalpark Nordschwarzwald Natur erhalten werden soll, wächst der Widerstand der Sägewerksbesitzer.

Das andere große, nicht regionale Thema im Jahr 2011
war die globale Krise. Es wird gesagt, die Griechen, Italiener und der Rest der Welt sollten so arbeiten und produzieren wie wir Deutschen, und die Weltprobleme wären gelöst. Doch trotz Wirtschaftswachstum und hoher Produktivität wuchs in Deutschland der gigantische staatliche Schuldenberg auch im Jahr 2011 weiter an. Nicht einmal Deutschland ist in der Lage "in guten Zeiten" den Schuldenberg abzutragen. Wenn "der Rest der Welt" so leben und produzieren würde wie die Deutschen, dann wären die globalen Rohstoffreserven in wenigen Jahren erschöpft, und wer sollte dann die ganzen Produkte eigentlich kaufen und konsumieren? Das Versprechen vom unbegrenzten Wachstum, in dem die Gier immer schneller wächst als die Menge der produzierten Produkte, ist eine Illusion und einer der nicht diskutierten Gründe für die global wachsende Krise. Wenn Menschen, Staat und Bahn mit Geld, das sie nicht haben, Dinge kaufen und bauen, die sie nicht brauchen, dann führt das zwangsläufig zum Kollaps. Info

Axel Mayer, Geschäftsführer
Nachtrag:
Das Jahr 2011 war das Jahr der Krisen: Wirtschaftskrise, Finanzkrise, Griechenlandkrise... Zu den Ursachen der Krisen gab es eine Vielzahl von Thesen und Überlegungen und dabei ist die Antwort auf die Frage nach den Krisenursachen so einfach. Es ist die Gier.



2011: umweltpolitischer Jahresrückblick - Mensch, Natur und Umwelt (nicht nur) am Oberrhein




Umweltpolitischer Jahresrückblick des Bund für Umwelt und Naturschutz, Regionalverband Südlichen Oberrhein für Südbaden, Elsass und Nordschweiz.
Umwelt Rückblick für die Jahre 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006, 2005, 2004, 2003, 2002, 2001, 1999...

















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Dieser Artikel wurde 3563 mal gelesen und am 12.12.2016 zuletzt geändert.