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AKW Forsmark - der Beinah - GAU in Schweden

22.08.2006
Atomunfälle und Atompropaganda

Am 27. April 1986 zeigten die Messinstrumente im schwedische Atomkraftwerk Forsmark plötzlich und unerwartet eine überhöhte Strahlung an. Die radioaktive Wolke aus Tschernobyl war in Schweden angekommen und von Forsmark aus ging die Nachricht von der Reaktorkatastrophe in der Ukraine um die Welt.

Am 25. Juli 2006 kam es nach einem Kurzschluss in der Umspannstation zu einem Kurzschluss im Reaktor Forsmark-1, der nach Meinung des ehemaligen Konstruktionsleiters des Kraftwerks, Lars-Olov Höglund, zum größten anzunehmenden Unfall (GAU) hätte führen können. Im Reaktor Forsmark-1 entsteht in einem Jahr die kurz- und langlebige Radioaktivität von über 1000 Hiroshimabomben. Nur durch viele glückliche Zufälle wurde eine Kernschmelze verhindert, die einen Teil Norwesteuropas auf Dauer unbewohnbar hätte machen können.

Ich will hier nicht auf die technischen Details eingehen, über die umfangreich in den Medien berichtet wurde, sondern vier wichtige "Randaspekte" kurz beleuchten:

1)der Beinah GAU in Forsmark zeigte wieder einmal deutlich, dass auch mehrfach angelegte Sicherungssysteme versagen können. Die größte Gefahr sind unerwartete Unfallabläufe mit denen im Vorfeld weder die Betreiber noch die Kritiker gerechnet hatten.

2)Wenn der Unfallablauf, der zu einer Katastrophe hätte führen können, auf der 7stufigen INES - Skala nur als Unfall der Stufe 2 eingestuft wurde, dann zeigt sich, dass diese Skala zur Bewertung von Atomunfällen wenig geeignet ist, und mehr der Beruhigung der Bevölkerung dient.

3)Beunruhigend ist der Umstand, dass der schwerwiegende Atomunfall beinahe eine Woche kein Medienthema war. Unfälle verheimlichen, herunterspielen, verharmlosen... Wer alte Atomkraftwerke länger betreiben und Akzeptanz für neue Reaktoren schaffen will, dem kommen veröffentlichte Unfälle und Beinahekatstrophen äußerst ungelegen. Für "Krisen und Katastrophen-kommunikation" gibt es spezialisierte PR Firmen.

4)Dazu passt auch die gezielte Medienkampagne, ausgelöst durch einen Juristen der zu Vattenfall gehörenden Reaktorbetreiberfirma Forsmark-Kraftgrupp gegen den Konstruktionsleiters des Kraftwerks, Lars-Olov Höglund, der den Skandal an die Öffentlichkeit brachte und der jetzt massiv angegriffen wird.

Der Unfall in Schweden, die zunehmende Terrorismusgefahr, die Debatte um die Gefahrzeitverlängerung für AKW, und die Pläne erst in Finnland, dann in Frankreich und irgendwann vielleicht auch Deutschland neue AKW zu bauen sind Alarmsignale. Axel Mayer

Nachtrag zur PE:

In der Tageszeitung TAZ vom 22.8.2006, berichtet REINHARD WOLFF wie der Energiekonzern Vattenfall versuchte, nach der Panne im AKW Forsmark, Kritiker gezielt zu diskreditieren.

Hier ein Auszug aus dem TAZ Bericht:
Störinfos nach dem Störfall

"Massive Vorwürfe muss sich der Atomkonzern Vattenfall wegen seiner Informationspolitik gefallen lassen. Um die Schwere des Störfalls im AKW Forsmark herunterzuspielen, seien Medien gezielt mit unwahren Informationen gefüttert worden. Das erklärten beispielsweise Redakteure der liberale Regionalzeitung Upsala Nya Tidning.

Konkret geht es um einen Juristen der zu Vattenfall gehörenden Reaktorbetreiberfirma Forsmark-Kraftgrupp. Der soll sich nach dem Störfall mit Details in verschiedenen Redaktionen gemeldet haben. Nachweislich seien diese Informationen falsch gewesen. Zudem habe der Jurist versucht, Lars-Olov Höglund zu diskreditieren. Der ehemalige Reaktorkonstruktionschef hatte erklärt, das schwedische AKW sei nur wenige Minuten an einem GAU vorbeigeschlittert. Der Jurist lancierte Details aus Lars-Olov Höglunds Leben, die seine Urteilskraft in Frage stellen sollten: So wurde behauptet, dass er nie Konstruktionschef von Vattenfall Forsmark war. Und Experte in Sicherheitsfragen sowie so nicht.

Forsmark-Vattenfall bestätigt in einer am Wochenende veröffentlichten Erklärung solche Medienkontakte. Allerdings will der Konzern neben der Upsala Nya Tidning nur noch eine weitere Zeitung mit Fehlinformationen versorgt haben. Und der fragliche Jurist bedauert gegenüber UNT: "Sollten sich die Informationen nun als unrichtig erweisen, ist es natürlich nicht gut, dass wir sie an Medien weitergegeben haben."

Viele der mehrheitlich atomkraftfreundlichen schwedischen Zeitungen hatten sich dankend auf die Zweifel an Höglunds Kompetenz gestürzt - und berichtet, dass es doch nicht so schlimm war, wie der Experte behauptete." Zitatende


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Dieser Artikel wurde 6165 mal gelesen und am 27.6.2007 zuletzt geändert.