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Artensterben 11/2018 - Ursachen & Fakten: Menschengemachte Artenausrottung!

31.10.2018

Artensterben 11/2018 - Ursachen & Fakten: Menschengemachte Artenausrottung!



Aktueller Einschub vom 31.10.18:


Die Zahl der weltweit lebenden Wirbeltiere ist laut einem Bericht der Umweltschutzorganisation WWF in den vergangenen Jahrzehnten drastisch geschrumpft. Zwischen 1970 und 2014 sei die Zahl der in Wildnis lebenden Wirbeltiere durch menschliche Aktivitäten um 60 Prozent zurückgegangen, heißt es im WWF-Weltzustandsbericht 2018. Die Schuld trage der Mensch, denn durch Landwirtschaft, Bergbau und das Wachsen der Städte verlieren die Tiere ihren Lebensraum.


Fünf Mal gab es in den vergangenen 540 Millionen Jahren gewaltige Artensterben, zeigen Fossilienfunde. Forscher sehen eine aktuelle, menschengemachte, sechste Welle in vollem Gange. Allein seit dem Jahr 1500 seien mehr als 320 terrestrische Wirbeltiere ausgestorben, die Bestände der verbliebenen seien im Schnitt um ein Viertel geschrumpft, schreiben Wissenschaftler um Rodolfo Dirzo von der Stanford University in "Science". Nach einem Bericht der Vereinten Nationen zur Artenvielfalt sterben bis zu 130 Tier- und Pflanzenarten täglich aus.
Der Mensch im Anthropozän hat auf die Artenvielfalt also langfristig eine "ähnlich verheerende" Wirkung wie der große Meteor-Einschlag vor 65 Millionen Jahren.


Das menschengemachte Artensterben ist kein "aktuelles Phänomen".
Mindestens 200 große Säugetiere verschwanden in den vergangenen 135.000 Jahren. Eine Analyse zeigt: Schuld am Aussterben war meist der Mensch - nicht das Klima. Das Aussterben der meisten großen Säugetierarten der vergangenen 135.000 Jahre geht auf das Konto des Menschen. Diese erschreckende Bilanz zogen dänische Forscher um Christopher Sandom von der Universität Aarhus in den "Proceedings B" der britischen Royal Society. Und Artensterben war und ist immer auch Artenausrottung.

"Wissenschaftler um Sean Maxwell von der University of Queensland in Brisbane
in Australien haben fast 8.700 Spezies untersucht, die auf der Roten Liste bedrohter Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) stehen. Ihre Ergebnisse haben sie im August 2016 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.
Laut der Studie sind 72 Prozent der Arten durch die Übernutzung von Ressourcen bedroht, entweder die jeweilige Art selbst oder Teile ihres Lebensraums. Waldrodungen gefährden mehr als 4.000 Spezies, zum Beispiel den Tropenvogel Borneowolltimalie (Ptilocichla leucogrammica), die indische Nikobaren-Spitzmaus (Crocidura nicobarica) und die Stumpfnasenaffen (Rhinopithecus) in Myanmar. Der zweitwichtigste Faktor ist die Landwirtschaft. Sie trifft 62 Prozent der einbezogenen Arten, lautet die Einschätzung der Wissenschaftler. Allein der Getreideanbau gefährde 4.600 Arten wie die Fresno-Kängururatte (Dipodomys nitratoides) und den Afrikanischen Wildhund (Lycaon pictus). Die dafür genutzten Flächen gehen als Lebensraum verloren. An dritter Stelle der Bedrohungen steht für die Forscher die Urbanisierung." Quelle: BR


Neusprech...
"Der langsam zurückkehrende Wolf war in Deutschland lange ausgestorben" steht immer wieder in den Medien. "Ausgestorben" ist ein seltsam beschönigendes Neusprech-Wort. Es klingt nach "still von uns gegangen". Bekämpft, verfolgt, ausgerottet, ausgemerzt..., diese Begriffe beschreiben den Umstand des "Aussterbens" ein wenig treffender und das trifft auch viele andere Arten zu. Den Dodo haben wir Menschen um 1690 ausgelöscht, den Riesenalk 1844, den letzten Atlasbären 1869 und das letzte Exemplar des Beutelwolfs segnete 1936 das Zeitliche. Eindeutig nachweisen lässt sich das Verschwinden von rund 200 Säugetieren ab einer Größe von 10 Kilogramm: 18 in Afrika, 38 in Asien, 26 in Australasien, 19 in Europa, 43 in Nord- und 62 in Südamerika. Das ist weitaus mehr, als sich mit Klimaveränderungen erklären ließe.


Beschleunigtes Wachstum - beschleunigtes Artensterben
Wir leben in einer globalen Endphase exponentiellen Wachstums. Bei einem anhaltenden Wachstum von 3 % verdoppelt sich das Bruttonationaleinkommen alle 23 Jahre, bei 5 % sogar bereits alle 14 Jahre. Und eine Menge, die exponentiell wächst, vertausendfacht sich jeweils nach der zehnfachen Verdoppelungszeit. Dauerhaftes exponentielles Wachstum einer Wirtschaft ist nicht möglich und führt zwangsläufig zur Selbstzerstörung. Wenn unser System unbegrenzt wächst, wenn weiterhin weltweit Energie, Rohstoffe und gesellschaftliche Reichtümer verschwendet werden, dann stellt sich nicht die Frage ob das System kollabieren könnte, sondern nur noch die Frage, wann dieser Crash kommt. Woher sollen Rohstoffe und Energie kommen, wenn sich der American Way of Life weltweit verbreitet? Wer soll all die Produkte kaufen, wenn unsere Produktivität sich weltweit verbreitet? Und sind die Menschen, die heute den so genannten „hohen „Lebensstandard“ haben, tatsächlich zufrieden und glücklich, oder wachsen mit zunehmendem Wohlstand nicht sogar Habgier und Unzufriedenheit? Wir verwandeln gerade die Natur, die Landwirtschaft und die Welt in eine große Fabrik und die Medien "rätseln" über die Ursache des großen globalen Sterbens.

Das aktuelle Insektensterben und seine Ursachen (Kurzversion)
Die Ursachen des massiven Insektensterbens sind vielfältig. Es gibt Hauptgründe und Nebengründe für den massiven Rückgang der Arten und es gibt ein massives ökonomisches Interesse der Agrochemielobby und ihrer PR-Agenturen dieses Thema gezielt nur in den kleinen Nischen und Randbereichen zu diskutieren.

Die Hauptursache für das Sterben von Insekten wie Schmetterlingen und Bienen ist die industrielle Landwirtschaft mit ihren Giften (Neonicotinoide...), Herbiziden (Glyphosat...), Überdüngung und die „pflegeleichte“ ausgeräumte, monotone Agrar-Landschaft. Ein besonders bedrückendes Phänomen ist die Fernwirkung der Gifte und Düngemittel selbst in weit entfernte Naturschutzgebiete.

Zu den weiteren Ursachen des Rückgangs zählen Biotopverluste bei Pflanzen aufgrund erhöhten Stickstoffgehalts im Boden. Aus zweimal gemähten artenreichen Wiesen wurden stark gedüngte artenarme Produktionsflächen für Biogasanlagen und Hochleistungskühe. Die Giftorgien in Privatgärten, aktuell bei der Bekämpfung des Buchsbaumzünslers, dürfen bei der Ursachenanalyse nicht außer Acht gelassen werden. Als weitere mögliche Ursachen gelten Klimawandel, Flächenverbrauch und Bebauung, der zunehmend beschleunigte Verkehr, Lichtverschmutzung und die massenhafte Tötung von Insekten an Lichtquellen.

Ein weiterer Hauptgrund des Insektensterbens wird von Naturschützern gerne übersehen. Unsere Landwirtschaft konkurriert auf einem globalisierten Agrarmarkt im Rahmen des Freihandels mit Ländern wie Kanada. Eine immer noch erfreulich kleinräumige Landwirtschaft z.B. in Südbaden, verkauft auf dem gleichen Markt wie die giftdominierte großindustrielle Landwirtschaft in den USA. Wenn nur noch der Preis und die Ideologie des „freien Marktes“ zählt, dann haben Insekten, Vögel, Hecken aber auch die Mehrzahl der Landwirte selber keine Chancen. Die Naturschutzbewegung ist nicht der Feind der Landwirtschaft, sondern der potentiell Verbündete einer naturnäheren, giftärmeren, nachhaltigen und somit auch moderneren und zukunftsorientierten Landwirtschaft. Das Insektensterben kann nicht losgelöst vom generellen, globalen Artensterben gesehen werden. Doch Monotonie breitet sich nicht nur in der Natur aus. So gibt es (um nur ein Beispiel zu nennen) weltweit noch 6.500 Sprachen, doch die Hälfte ist vom Aussterben bedroht. Was wir erleben ist die logische Folge unbegrenzten Wirtschaftswachstums im begrenzten System Erde. Und in den schnell wuchernden Metastasen unseres Industriesystems, in Asien und Afrika, laufen die Zerstörungsprozesse noch schneller ab.

Notwendige Ursachenforschung zum Insektensterben und ihre Probleme.
Während das Insektensterben als solches nur noch von industrienahen Insektensterbenleugnern bestritten wird, gibt es bei der Ursachenforschung, insbesondere bei der Fernwirkung der Gifte noch einen großen Forschungsbedarf. Wir sehen dies, sind aber gebrannte Kinder. Bei Themen wie Klimawandel, Holzschutzmittelgifte, Contergan und Asbest waren die Ursachen teilweise jahrzehntelang bekannt und eine industriegelenkte Ursachenforschung, verbunden mit Verharmlosungs-Kampagnen hat Maßnahmen zur Schadensbegrenzung jahrelang verzögert und verhindert. Dies hat bei Holzschutzmittelgiften, Contergan und Asbest zu Krankheit und Tod vieler Menschen geführt. Der organisierte Kampf der Klimawandelleugner wird weltweit noch größere Opfer fordern.

Die Forderung nach einer industrieunabhängigen Erforschung der Ursachen des Insektensterbens und der Fernwirkung der Gifte, erscheint angesichts der Macht von Bayer, Monsanto und Syngenta und Co. beinahe unrealistisch, muss aber angegangen werden und darf nicht zu einer Verzögerung bei der Bekämpfung des Insektensterbens führen.


Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer, Kreisrat, Vizepräsident Atomschutzverband TRAS


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Artenschutz, Vogelschutz, Artensterben, Insektensterben, Nistkästen bauen...




Aktueller Einschub 5/2018 / Den Frieden bewahren!


Nichts gefährdet Mensch, Natur & Umwelt mehr als der Krieg. Aktuell erleben wir gerade wie Aufrüstung & ein neuer, zweiter Kalter Krieg organisiert wird und wir vergessen, dass wir und alles Leben auf diesem Planeten, den letzten Kalten Krieg nur durch einige glückliche Zufälle lebend überstanden haben...



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Axel Mayer





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Dieser Artikel wurde 3071 mal gelesen und am 31.10.2018 zuletzt geändert.