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Atommüll Schweiz, NAGRA & Risiko: Kritische Infos zu den atomaren Endlagerplänen in Benken & am Hochrhein

08.05.2014

Atommüll Schweiz & NAGRA: Kritische Infos zu den atomaren Endlagerplänen in Benken


Wohin mit dem radioaktivem Abfall der eine Million Jahre strahlt?


Aktueller Einschub (14.September 2016)
Artikel: "Atommüllendlagersuche: Geologe Marcos Buser zweifelt an der Sicherheit der Standorte"
"Die von der Nagra favorisierten Tiefenlager-Standorte Zürcher Weinland und Bözberg zu denen nachträglich auch noch Nördlich Lägeren gekommen ist, sind laut Buser alles andere als sicher: „Alle drei liegen am Rande oder teilweise oder ganz über dem Permokarbon-Trog. Dieser Trog wurde nie umfassend untersucht auf Tiefe, Spannungen, Inhalt.“ Die Antwort auf diese Fragen sei aber unabdingbar für die Sicherheit eines Tiefenlagers. Auf diesem Permokarbontrog, vereinfacht gesagt einem Riss oder einer Senke in dem kristallinen Gestein der oberen Erdkruste, liegen die später entstandenen Sedimentgesteine, darunter auch der für ein Tiefenlager ausgesuchte Opalinuston. Von der Beschaffenheit des Troges und seinem Inhalt hängt die Stabilität dieser Sedimente ab. Weitere Spannungen im kristallinen Grundgebirge, wie sie zur Trogbildung geführt haben, könnten die darüber liegenden Sedimentschichten ebenso in Bewegung bringen, wie die spätere Ausbeutung seines Inhalts, Erdgas oder Kohle zum Beispiel, oder die Nutzung für Geothermie.

Dieser Trog sei seiner ersten Erwähnung im Jahr 1973 durch den Geologen Kurt Lemcke nie umfassend untersucht worden. Die Nagra habe zwar seismische Untersuchungen aus der Zeit der Erdölsuche in diesem Gebiet ausgewertet und auch eigene Untersuchungen gemacht, so die Tiefbohrungen Weiach und Riniken, aber essenzielle Erkenntnisse über den Trog, seine Tiefe, seine Begrenzungen, seine Entstehungsgeschichte sowie über die in ihm ablaufenden Prozesse fehlten immer noch. Buser verwies im Gespräch in diesem Zusammenhang auf Untersuchungen und Publikationen der Nagra, die unter anderem im Gebiet des Zürcher Weinlandes eine Gabelung des Troges zeigen. Um der Antwort auf die Frage nach der Sicherheit für ein Tiefenlager näherzukommen, seien mehrere Tiefbohrungen in den Trog, sowohl am Südrand (Baden – Irchel – Herdern –Lineament) und in den nordöstlichen Schwellenzonen (Zürcher Weinland) nötig. Würden dabei größere Reserven von nutzbaren Rohstoffen auftauchen, käme das Gebiet für ein Tiefenlager nicht mehr in Frage. Bruchzonen, hydraulische Durchlässigkeit und auf mögliche neuerliche Bewegungen hindeutende Situationen, besonders an den Trogrändern, seien weitere Ausschlusskriterien."
Quelle: Südkurier
Den ganzen Artikel gibt´s hier.




Atommüll Schweiz: Gorleben am Hochrhein?
Der weltbekannte Rheinfall bei Schaffhausen entstand vor ca. 14 000 - 17 000 Jahren während der letzten Eiszeit. Im kleinen Schweizer Dorf Benken, direkt am Rheinfall und der Grenze gelegen, könnte das Schweizer Endlager für hochradioaktiven Atommüll entstehen, denn Benken ist bisher der beste aller geologisch schlechten Standorte in der Schweiz. Ebenfalls im Gespräch und Auswahlverfahren sind neben Benken im Zürcher Weinland auch die Gebiete Nördlich Lägern und Bözberg in denen das zwischenzeitlich von der Nagra bevorzugte Wirtgestein – der Opalinuston – vorkommt.


Newsletter Atom Schweiz: Wir mailen Ihnen aktuelle Infos zu den Themen Atommüll und zu den Atomanlagen am Hochrhein in der Schweiz. Einfach die Grafik anklicken.


Für die so genannten schwach- und mittelaktiven Atomabfälle
kommen nach Ansicht der Atomlobby die Gebiete Südranden, Jura-Südfuss sowie Wellenberg in Frage. Für diese Abfälle eignen sich nach Ansicht der Nagra neben dem Opalinuston als Wirtgesteine die Effinger Schichten, der Braune Dogger und die Mergelformationen des Helvetikums. Sehr wahrscheinlich ist es allerdings, dass der leicht- und mittelaktive Atommüll auch nach Benken, in ein ungeeignetes Endlager, kommt. Auf die Frage: „Wäre es ökonomisch und politisch nicht sinnvoller, für alle Abfälle nur ein Lager zu bauen?“ antwortete das Mitglied der Nagra Geschäftsführung, Markus Fritschi: „Technisch wäre es in geeigneten Gebieten möglich, am selben Ort in unterschiedlichen Tiefen stark wie auch schwach radioaktive Abfälle unterzubringen. Auch organisatorisch und wirtschaftlich hätte eine solche Lösung Vorteile.“ Zitatende Verschiedene Standorte werden häufig auch genannt um die Standorte geschickt gegeneinander ausspielen zu können. Das Endlager für hochradioaktiven Müll muss die gefährlichsten Gifte der Menschheit für eine Million Jahre sicher aufbewahren können.

Die Frage der Sicherheit
oder Unsicherheit eines solchen Atommülllagers in der Schweiz betrifft nicht nur die Anwohner in einem kleinen Radius um das Lager. Ein undichtes Atommülllager in Benken am Rheinfall wäre eine Katastrophe für alle Menschen der Region und insbesondere die vielen Millionen Menschen in der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Belgien und Holland, die ihr Trinkwasser aus dem Uferfiltrat des Rheins beziehen. Atommüll am Rhein und seinen Zuflüssen ist eine potentielle Gefahr für alle Rheinanlieger.



AKW Leibstadt & Atommüll

Schweiz: Woher kommt der hochradioaktive Atommüll?
Hochradioaktiver Müll entsteht insbesondere in Atomkraftwerken. Wenn man den bisherigen Angaben der Nationalen Genossenschaft zur Lagerung radioaktiver Abfälle (NAGRA) glauben kann, soll hauptsächlich der Müll aus den fünf Schweizer AKW ins Endlager. Die Brennelemente der Atomanlagen wurden bisher in Cap la Hague und Sellafield "wiederaufbereitet". Zusätzlich zu den gefährlichen Atomtransporten kam es in den dortigen Wiederaufarbeitungsanlagen zu einer radioaktiven Vergiftung des Meeres und der Luft. Der dort anfallende, stark radioaktive Müll kommt jetzt in ein großes Zwischenlager in Würenlingen (Aargau). Dort muss er zumindest 40 Jahre abkühlen, bevor er "endlagerfähig" ist. Da die "legale" Meeresvergiftung durch die Wiederaufarbeitungsanlagen immer mehr auf Widerstand stößt und da die Aufarbeitung immer teurer wird, könnten in Zukunft auch die extrem giftigen Brennstäbe nach einer Zwischenlagerung direkt endgelagert werden.
Zum Glück gibt es die früher praktizierte legale Meeresvergiftung durch Versenkung von Schweizer Atommüll nicht mehr.

Wie viel Atommüll soll ins Endlager?
Der BUND hat einige Fragen an die NAGRA gestellt. Es ging um die zentralen Fragen, die in den Hochglanzprospekten der NAGRA nicht behandelt werden, z.B. nach der chemischen Zusammensetzung der Abfälle, der geplanten Dauer der Endlagerung und der Menge der Abfälle. Die einzige konkrete Antwort war, dass 130 m³ hochradioaktive Abfälle und 4800 m³ Brennelemente ins Endlager kommen sollen. Über die Zusammensetzung, die Gefährlichkeit und die Halbwertszeiten der Abfälle wollte die NAGRA noch nichts sagen. Eine ehrliche, umfassende Antwort passt nicht ins psychologisch geschickte Durchsetzungskonzept der Atomindustrie. Da in der Zentralschweiz (Nidwalden) der Widerstand gegen Atommüll zunimmt, besteht die große Gefahr, dass jetzt auch der leicht- und mittelaktive Müll ins Grenzgebiet nach Benken kommt, weil hier mit einem geringeren Widerstand gerechnet wird und die deutsche Bevölkerung am Verfahren nicht ernsthaft beteiligt wird.



Wie gefährlich sind Schweizer Atomabfälle?
In einem AKW entsteht in einem Jahr pro Megawatt Leistung ungefähr die kurz- und langlebige Radioaktivität einer Hiroshimabombe. Das heißt, allein im AKW Leibstadt entsteht jährlich die Radioaktivität von ca. 1100 Hiroshimabomben. Ein Teil dieser Radioaktivität zerfällt nach relativ kurzer Zeit. Manche radioaktiven Abfälle haben eine kurze Halbwertszeit von wenigen Jahren, z.B. Krypton-85: 10,76 Jahre. Andere radioaktive Gifte haben extrem lange Halbwertszeiten, z.B. Jod-129: 17 000 000 Jahre. Ins Endlager kommt ein "Cocktail" aus vielen gefährlichen Abfallstoffen. Ein atomares Endlager muss also Sicherheit über mindestens eine Million Jahre geben, über Zeiträume, die unser Vorstellungsvermögen sprengen. Es fällt schwer, die Gefahren und Gefährdungszeiträume von Atommüll zu denken.


Das Beispiel Plutonium
Beim Betrieb eines AKW mit 1000 MW Leistung entstehen pro Jahr ca. 200 - 250 kg Plutonium.

Der giftigste Stoff der Welt
"Plutonium - sinnigerweise benannt nach Pluto, dem griechischen Gott des Totenreiches - ist der giftigste Stoff, den es gibt. Seine kurzreichende Alpha-Strahlung reißt gewissermaßen tiefe Schneisen in jedes lebende Gewebe und zerstört es. Dabei kann es nur schwer oder gar nicht ausgeschieden werden, es setzt sich fest, reichert sich sogar an, die Strahlung ist bei einer Halbwertszeit von 24 000 Jahren faktisch dauerhaft vorhanden. Bereits wenige Millionstel Gramm (Mikrogramm) können sofort, sogar nur etliche Milliardstel Gramm (Nanogramm) langfristig tödlich wirken..."
Zitat: Frankfurter Rundschau



Plutonium und der Pharao
Wenn der bekannte ägyptische Pharao Cheops vor 4550 Jahren nicht die berühmte Pyramide gebaut, sondern ein AKW 4 Jahre lang betrieben hätte, dann wären neben vielen anderen Abfällen ca. 1000 kg Plutonium zusammengekommen. Bei einer Halbwertszeit von 24 110 Jahren (Plutonium 239) wären heute noch 877 kg vorhanden. Nach 10 Halbwertszeiten, also nach 241 100 Jahren, müssten immer noch ca. 0,1 % der Ausgangsmenge, also 1 kg Plutonium, dauerhaft sicher gelagert werden. Mit der schon im Normalbetrieb gefährlichen Nutzung der Atomenergie (Harrisburg, Tschernobyl, Fukushima...) hat die Atomindustrie weltweit ein unglaubliches Gefahrenpotential für die nachfolgenden Generationen geschaffen.

Halbwertszeiten einiger anderer radioaktiver Nuklide:
ElementFormelzeichenHalbwertszeit
Tellur128Teca. 7·1024 Jahre (7 Quadrillionen Jahre)
Bismut209Bica. 1,9·1019 Jahre (19 Trillionen Jahre)
Thorium232Th14,05 Mrd. Jahre
Uran238U4,468 Mrd. Jahre
Uran235U704 Mio. Jahre
Plutonium239Pu24.110 Jahre
Kohlenstoff14C5.730 Jahre
Radium226Ra1.602 Jahre
Plutonium238Pu87,74 Jahre
Caesium137Cs30,2 Jahre
Tritium3H12,36 Jahre
Kobalt60Co5,3 Jahre
Schwefel35S87,5 Tage
Radon222Rn3,8 Tage
Francium223Fr22 Minuten
Thorium223Th0,6 Sekunden
Polonium212Po0,3 µs
Beryllium8Be9 · 10-17 s (90 Trillionstelsekunden)




Atomarer Abfall in der Schweiz: Warum nicht in die Alpen?
Beim Gedanken an ein sicheres Endlager in der Schweiz denken die meisten Menschen zuerst an die Alpen. Aber die Alpen sind ein geologisch sehr junges Gebirge, das jährlich immer noch um einige Millimeter wächst. Ein solch junges Gebirge hat Risse, Klüfte und Spalten und kommt als atomares Endlager für langlebige hochradioaktive Spaltprodukte nicht in Frage.

Kostenexplosion beim Schweizer Atommüll
Die prognostizierten Kosten für die Entsorgung des Atommülls sind in den letzten 20 Jahren horrend gestiegen: 1992 glaubte die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra), ein Lager werde vier Milliarden Franken kosten. Seither sind die Berechnungen regelmässig nach oben korrigiert worden – bis auf 16 Milliarden Franken 2011.

Oder in den Opalinuston nach Benken, Nördlich Lägern oder an den Bözberg?
Da die Alpen nicht in Frage kamen, war ein Endlager in tiefen Granitschichten, überdeckt von Sedimenten als zweite Sicherheitsbarriere, das ursprüngliche Konzept der NAGRA. Doch fand sich in der Schweiz trotz intensiver, teurer Suche keine geeignete Granitformation im Untergrund. Und dann erlebten die Umweltschützer auf beiden Seiten des Hochrheins, wie die NAGRA nach dem Scheitern der Endlagerpläne im Granit plötzlich ein anderes Wirtsgestein als "ideale" Endlagerstätte ins Gespräch brachte. Aus dem ursprünglich geplanten Endlager im Granit wurde über Nacht die Endlagervariante Sediment. Ein Endlager für die gefährlichsten Gifte der Menschheit soll jetzt auch im Sedimentgestein (Opalinuston) möglich sein. Bei der NAGRA bestimmt das Gestein das Bewusstsein.

Im Untergrund von Benken
gibt es zwischen 400 und 600 Meter Tiefe eine nur ca. 105 - 125 Meter dicke (dünne!?) Schicht Opalinuston, die den Atommüll aufnehmen soll. Nördlich Lägern oder an den Bözberg sind diese Schichten vermutlich ähnlich dünn.

Geologisches Profil Benken


Im internationalen Vergleich
sind dies sehr schmale Schichten von Opalinuston. Diesen, für Sicherheitsfragen so wichtigen, internationalen Vergleich scheut die Schweizer Atomlobby wie der Teufel das Weihwasser. Geschickt haben die Durchsetzungsstrategen des Atomlagers diese zentrale Sicherheitsfrage bisher aus der (veröffentlichten) Diskussion herausgehalten. Meidet die "Killing Fields" der öffentlichen Debatte nennen PR-Agenturen eine solche Strategie.



Offene Fragen
Wer kann beurteilen, wie sicher der Untergrund von Benken, Nördlich Lägern und Bözberg für viele hunderttausend Jahre ist? Was passiert, wenn durch die Wärmeabgabe des Atommülls der Opalinuston trocknet und sich Risse bilden? Das von Ingenieuren, Technikern und Politikern für hunderttausende von Jahren absolut sicher gehaltene atomare Endlager in Morsleben droht bereits wenige Jahrzehnte nach der Inbetriebnahme zusammenzustürzen. In das Atommülllager Asse dringt Wasser ein, die "für absolut sicher" erklärte Giftmülldeponie Stocamine im Elsass brannte aus und musste geschlossen werden.

Wem kann die Bevölkerung am Hochrhein glauben?

Den teuren, psychologisch geschickten Werbekampagnen und den Ingenieuren der NAGRA? Oder den kritischen Fachleuten und den Umweltschützern auf beiden Rheinseiten? DieSchweizer Atomlobby wird von einer der mächtigsten Werbeagenturen der Welt, von Burson Marsteller bei ihrer Propaganda unterstützt. Und wo geht bei Prognosen über derart lange Zeiträume Ingenieurwissen in Glauben und Hoffnung über? Viele Politiker hoffen im ruhigen Züricher Weinland oder im "Atom-Aargau" auf einen geringeren Widerstand und eine geduldigere Bevölkerung als beispielsweise in Ollon am Wellenberg. Dort lassen sich die Menschen in Sachen leicht- und mittelaktiver Atommüll nicht alles gefallen und wehren sich. Am Hochrhein bekommen die deutschen Nachbarn sowieso nur die Illusion von Beteiligung.

Gefahren für Anwohner und Rheinanlieger
Gefahren bringt ein Atomlager auf jeden Fall. Die Atommülltransporte und die konkrete Einlagerung wären unfallgefährdet, und jeder Castortransport wäre ein ideales Angriffsziel für Terroristen. Unfallmöglichkeiten gibt es bei der Einlagerung der Abfälle, und ein schwerer Unfall heißt bei Plutonium und anderen radioaktiven Stoffen immer auch Katastrophe und langfristige Räumung von großen Gebieten. Ein undichtes Endlager am Rheinfall oder in Rheineinzugsgebiet könnte das Grundwasser vor Ort, aber auch den Rhein als Trinkwasserquelle von Millionen Europäern gefährden.


Bözberg und Lägern statt Benken?
Seit November 2008 sind neben Benken im Zürcher Weinland auch die Gebiete Nördlich Lägern und Bözberg, in denen das zwischenzeitlich von der Nagra bevorzugte Wirtgestein – der Opalinuston – vorkommt, im offiziellen Auswahlverfahren.
Für den Bözberg sprechen eher politische als geologische Gründe. Es geht um das Zauberwort „Akzeptanz“ im Atomaargau. Die vielen Atomlobbyisten im Aargauer Parlament sprechen für den Bözberg und gegen Benken im Zürcher Weinland.
Drei der fünf Schweizer Atomkraftwerke stehen auf Aargauer Boden im Grenzgebiet am Hochrhein und am Paul-Scherrer-Institut befindet sich das größte Atomforschungszentrum der Schweiz. Ein „atomarer Geldsegen“ hat bereits viele Gemeinden abhängig gemacht. Zudem wird radioaktiver Abfall jetzt schon im oberirdischen Zwischenlager in Würenlingen im Aargau eingelagert. Es ist unverständlich, dass gerade konservative Politiker die atomaren Gefahren für Mensch, Natur und Heimat verdrängen.

Waren die bisherigen Debatten um "Altenativstandorte zu Benken" nur Beruhigungspillen und eine Beschäftigungstherapie für die Umweltbewegung?
Immer mehr Informationen zeigen, dass die Debatten um Alternativen zu Benken vielleicht nur der Akzeptanzerhöhung dienten. Ähnlich wie Benken sind auch die Standorte Bözberg und Lägern geologisch eher zweite Wahl. Aus geologischen Gründen ist es in der Schweiz generell schwierig, dauerhaft sichere Standorte für ein Atommülllager für hochradioaktiven Müll zu finden.

Hier wird es recht spannend, ob die mit der Schweiz geologisch vergleichbaren Standorte in Deutschland am Bodensee tatsächlich in die engere Auswahl für ein deutsches Endlager kommen. Scheiden sie aus geologischen Gründen aus, müssten auch die nur 120 Meter dünnen Schweizer Schichten Opalinuston auch ausfallen...


Gefährlich für die Demokratie und gleichzeitig faszinierend perfekt sind die geschickten Durchsetzungsstrategien der NAGRA und der Schweizer Atomlobby (Burson Marsteller). Aus der Analyse der Niederlagen der Atomindustrie in Lucens, Kaiseraugst und Ollon haben sich neue Methoden der Durchsetzung und Desinformation entwickelt. In der direkten Demokratie ist die Schokolade & Propaganda einfach besser als in Deutschland oder Frankreich.

Im konservativen Kanton Aargau
gibt es massive politische und ökonomische Abhängigkeiten von der Atomindustrie. In den 80er-Jahre hatte die Nagra schon einmal das kristalline Gestein am Bözberg im Visier, dabei jedoch festgestellt, dass die unteren Schichten nicht so homogen sind wie erwünscht und sich daher nicht so gut eignen wie Opalinuston. Das Kristallin-Gebiet liegt außerdem noch näher an der deutschen Landesgrenze als Benken und ist räumlich nicht sehr ausgedehnt. Ein Gebiet, das in den 80er Jahren eher ausgeschlossen wurde, wird jetzt wieder ins Gespräch gebracht, dieses mal aber eher mit dem Focus auf den Opalinuston. (der ursprünglich nur als abdeckendes Gestein für die Endlagerung im Kristallin angedacht war)

Ob die Nagra diesen politisch günstigeren Standort
tatsächlich in Betracht zieht, oder ob es nur darum geht die geschickte Illusion von Ausweichstandorten vorzutäuschen, ist für den Bund für Umwelt und Naturschutz allerdings offen. Ähnlich wie Benken ist auch der Bözberg geologisch eher zweite Wahl. In Deutschland und vielen anderen Ländern kämen solche Standorte mit viel zu dünnen Schichten Opalinuston nicht in die engere Auswahl. Aus geologischen Gründen ist es in der Schweiz generell schwierig bis unmöglich, Standorte für ein Atommülllager zu finden.

Wohin mit dem Atommüll?
Da haben die Atomindustrie und ihre Paten in der Politik (nicht nur in der Schweiz!) uns und den nachfolgenden Generationen ein schier unlösbares Problem beschert. Gute und einfache Lösungen gibt es nicht. Da gibt es gefährliche Utopien "ab in die Sonne" und kluge Überlegungen (Hütekonzept). Da setzen die einen auf Salzstöcke und andere auf Granit.

Marcel Burri beschreibt ein altes Diskussionspapier der atomenergiefreundlichen US Atomic Energy Commission. Diese hatte die geologischen Bedingungen an ein Endlager für hochradioaktive Stoffe folgendermaßen beschrieben:

  • Mindesttiefe für das Lager 3000 Meter
  • in einer unbewohnte Region
  • ohne hohe Erhebungen (Berge) in der Nähe
  • ohne Verbindungen zwischen den unteren Gesteinsschichten und dem Wassersystem an der Oberfläche
  • Keine komplexen geologischen Strukturen (Falten, Spalten)
  • Keine Erdbebengefahr
  • Gewöhnliches Gestein, das wirtschaftlich bedeutungslos ist


Vergleichen Sie bitte selbst die geologische und geographische Situation am Hochrhein mit diesen Anforderungen. Für ein solches Endlager müssten alle Bedingungen erfüllt sein. In Benken, Lägern oder Bözberg trifft keine einzige dieser Bedingungen zu.


Überlegungen und Diskussionsvorschläge
Wenn die (atomare) Badewanne überläuft, dann stellt man zuerst den Wasserhahn (AKW) ab, bevor man ans Aufwischen (Deponieren) geht. Angesichts der beschrieben Lagerprobleme und der Gefahren im so genannten Normalbetrieb müssen die AKW weltweit schnellstmöglich abgestellt werden. Dann müssen kritische und vor allem unabhängige Geologen in der Schweiz und weltweit nach Endlagerstandorten suchen. In diesen möglichen Endlagerstandorten sollte der Atommüll rückholbar eingelagert werden (kontrolliertes Langzeitlager). Diese Atommülllager dürfen nicht der nationalen Souveränität eines einzelnen Staates unterliegen (UN - Hoheit).

Und die Schweiz?
Die Schweiz erscheint aufgrund der Größe und der ungünstigen geologischen Gegebenheiten (junge Gebirge, keine massive Granitscholle, viel zu dünne Schichten Opalinuston ...) zu klein und ungeeignet für ein derartiges Endlager für hochradioaktiven Müll. Ein Atommüllexport und gleichzeitiger Weiterbetrieb von AKW ist aber nicht akzeptabel.


NAGRA: Gutachten und Tricks
Gefährlich und gleichzeitig faszinierend sind die geschickten Durchsetzungsstrategien der Atomindustrie und der NAGRA. Sie lässt sich ihre Aussagen und Studien gerne von scheinbar "unabhängigen und neutralen" Institutionen wie der Schweizer HSK (Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen) oder dem deutschen "AK End" bestätigen. Doch wie neutral und unabhängig sind diese Institutionen, auf die sich die NAGRA so gerne beruft? Der AK End soll in Deutschland im Auftrag der Bundesregierung ein Atommülllager durchsetzen. Kein Wunder, dass der AK End die Arbeit der NAGRA für gut befindet. Auch an der Objektivität der Schweizer HSK gibt es berechtigte Zweifel.

Während es die NAGRA geschickt versteht,
jeden Fehler in Gutachten der Kritiker zum nationalen Medienereignis werden zu lassen, finden sich Fehler (HSK) oder Manipulationen der AKW-Betreiberseite fast nicht in den Schweizer Medien. Die Geld- und Manipulationsmacht der Atomindustrie gefährdet die Demokratie. Sie setzt nicht zuletzt auf die "Käuflichkeit" der Menschen und Gemeinden.


NAGRA Propaganda: AKW-GegnerInnen sind Umweltschweine!
Die schweizer NAGRA (Nationale Genossenschaft zur Lagerung radioaktiver Abfälle) hat in einer ihrer vielen Broschüren eine wunderschöne Grafik veröffentlicht, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen. Schauen Sie einfach welche „schönen“ Assoziationen die Grafik auslöst.
Rechts die "Guten", die für saubere Bäche, schöne Natur und für das unsichere atomare Endlager der NAGRA in Benken stehen. Links die "Umweltschweine", die für tote Fische, Abfall in der Natur und abgestorbene Bäume Verantwortung tragen und die gefährlichen Atommüllpläne am Rheinfall ablehnen...

Psychologisch gut gemacht, ziemlich perfide, geschickt manipulierend und damit auf der Höhe der Zeit....
(wir verlieren natürlich kein Wort darüber, dass die Schweizer AKW-Betreiber von 1969 bis 1982 7677 Container Atommüll im Meer versenkt haben)


Benken: Atommüll & Protest

Was tun?
Ein unsicheres Endlager in der Schweiz bringt nicht nur der Hochrheinregion ungeahnte Gefahren. Menschen, Umweltverbände und Bürgerinitiativen auf beiden Seiten des Rheins engagieren sich grenzüberschreitend und gemeinsam gegen diese Gefahr. Nur ein massiver, gewaltfreier Widerstand kann die Gefahr abwenden, doch bisher war der Widerstand eher Folklore... Jetzt ist es wichtig, den Widerstand auch entlang des Rheins bis zur Mündung zu organisieren. Immer noch ist es entsetzlich einfach, die Menschen über die Grenzen hinweg gegeneinander auszuspielen, wie der Streit um Fluglärm zeigt. Es gibt nicht "Unseren Atommüll" und "Euren Atommüll", auch wenn manche Politiker das so sagen - so wenig wie es nach Tschernobyl "Unsere Gefahr" und "Eure Gefahr" gegeben hat.

Wikipedia & AKW & NAGRA
Heftig sind die Einflussversuche der Atomlobby auf viele Wikipedia Seiten, insbesondere auf die Seiten zu den schweizer AKW und der Nagra. Häufig gibt es keinerlei Infos zur Abgabe von Radioaktivität im "Normalbetrieb" zu Risiken oder zur Unfallgefahr. Wir dürfen Wikipedia nicht den Werbeabteilungen der Atomkonzerne und der Nagra überlassen.

Informieren Sie sich, engagieren Sie sich!
Dieses Papier und insbesondere die Diskussionsvorschläge zu Möglichkeiten der Endlagerung sollen dem Einstieg in die Diskussion dienen. Endgültige Wahrheiten gibt es hier nicht. Die Initiativen vor Ort und der BUND brauchen Unterstützung bei Ihrer Arbeit.

Wo sind die vielen Stelltafeln, Plakate, Schilder, Aufkleber, Leserbriefe, die das Nein der Region zeigen?


http://www.bund-rvso.de/txt-atompolitik-schweiz.html

Weitere Informationen und Kontaktadressen finden Sie hier auf unserer Homepage. Und schauen Sie ruhig auch mal auf der Homepage der NAGRA vorbei.

Benken - Atommüll Schweiz: 1 Million Jahre unsicher


Wenn Sie sich diese Atom – Infos lesen, sich heftig über die Atomkonzerne, die AXPO, die NAGRA und die Atomparteien ärgern, "die Faust im Sack ballen", nachts mit den Zähnen knirschen, aber ansonsten nichts tun, dann nützt das recht wenig.

  • Engagieren Sie sich! Gegen unsichere Endlager, für die Stilllegung der Atomkraftwerke und gegen die geplanten neuen AKW.
  • Leben Sie energischer. Werden Sie aktiv beim BUND in Deutschland, beim Atomschutzverband TRAS, Schweiz oder bei den Bürgerinitiativen und der Anti-Atom-Bewegung vor Ort.
  • Wichtig: Wenn Sie eine Homepage haben, dann legen Sie doch bitte einen Link zu dieser Seite
  • Wenn Ihr Energieversorgungsunternehmen Sie mit Atomanlagen bedroht, dann lassen Sie sich das nicht gefallen. Wechseln Sie zu einem „echten“ Ökostromanbieter, wie z. B. dem BUND Regionalstrom von den EWS Schönau
  • Bringen Sie das Atomthema zur Sprache: Bei der Arbeit, im Verein, dort wo Sie leben, arbeiten und aktiv sind.
  • Lassen Sie sich nicht gegen Ihre schweizer und deutschen Nachbarn ausspielen. Die Atomlobby arbeitet grenzüberschreitend. Wir Umweltschützer auch.
  • Setzen Sie sich ein, für Mensch, Natur, Umwelt und für eine nachhaltige, erdverträgliche Entwicklung.
  • Engagieren Sie sich für die Demokratie. Die Dauerregierungsmitglieder der Energiekonzerne verstärken ihren Einfluss auf Politik und Medien und gefährden die Demokratie... Gekaufte Demokratie?
  • Bekennen Sie sich zu Ihrem Engagement. Mit einem Leserbrief, einem Aufkleber im Fenster, am Rad, an der Mülltonne, am Auto oder mit einem Plakat am Hoftor (Materialien gibt's beim BUND: Onlineshop ).
  • Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende Werden Sie aktiv beim BUND in Deutschland, oder beim Atomschutzverband TRAS, Schweiz . Flugblätter und Infoarbeit kosten Geld.
  • Sparen Sie Energie und gehen Sie mit uns den Weg ins Solarzeitalter.
  • Elektrisches Heizen ist umweltfeindlich. Die Energiekonzerne werben massiv für diese Form der Energieverschwendung
  • Schreiben Sie mal wieder einen Leserbrief


Axel Mayer



Aktueller Einschub:


Farbe bekennen / Protest deutlich zeigen



Dein Banner / Transparent für den Balkon!!! gibt´s für nur 10 Euro Hier (Und natürlich auch andere Bahnen & Fahnen)


Leibstadt & Radioaktivität: Was verheimlicht das AKW Leibstadt?


Was verheimlicht das AKW Leibstadt?
Peinlich rückwärtsgewandtes Urteil des Schweizer Bundesverwaltungsgerichts

In der Schweiz wollten Umweltschützer die Veröffentlichung der radioaktiven Emissionen des AKW Leibstadt (in einem bestimmten Zeitraum) erreichen und selbst die atomkraftfreundliche „Kontroll“-Behörde ENSI hatte diese, heute selbstverständliche, Forderung aufgegriffen.
Doch die Betreiberin des AKW Leibstadt muss die genauen Daten zur radioaktiven Abluft nicht veröffentlichen. Das Bundesverwaltungsgericht hat ihre Beschwerde gegen die Verfügung der Atomaufsicht im Sommer 2016 gutgeheißen...
Eine solche peinliche Nichtinformations- und Geheimhaltungspolitik und ein solches Urteil erinnern an Zustände und Öffentlichkeitsarbeit aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Dieser Textteil aus der NZZ zeigt das rückwärtsgewandte Denken deutlich:
„Das Bundesverwaltungsgericht führt in seinem 35 Seiten zählenden Entscheid aus, die KKL sehe sich regelmässig der mehr oder weniger heftigen Kritik von Organisationen und Parteien ausgesetzt, welche der Kernkraft gegenüber ablehnend eingestellt seien.
Bei den EMI-Daten handle es sich zwar nicht um besonders schützenswerte Personendaten. Die Daten seien jedoch nicht von unerheblicher Brisanz - wegen ihrer Natur, jedoch grundsätzlich nicht wegen ihres Inhalts.
Bei deren Veröffentlichung besteht laut Gericht ein nicht zu vernachlässigendes Risiko, dass die Daten zum Nachteil der AKW-Betreiberin verwendet würden. Die KKL nehme anderseits bewusst in Kauf, dass sich die Weigerung der Offenlegung allenfalls auch negativ auf die Reputation auswirken könne.“ (Zitatende)


Erfreulich kritisch hat der Deutschlandfunk berichtet

In der Werbung der Atomkonzerne werden Atomkraftwerke häufig als "abgasfrei" bezeichnet. Doch Atomkraftwerke geben auch im so genannten Normalbetrieb über den Kamin, das Maschinenhaus und das Abwasser radioaktive Stoffe an die Umwelt ab. Jede noch so geringe radioaktive Strahlung kann Krebs auslösen. In der Umgebung vieler Atomanlagen wurden erhöhte Krebsraten festgestellt. Die erlaubte "Entsorgung durch Verdünnung", die schleichende Verseuchung über den Kamin und das Abwasser ist ein Skandal. Betroffen von den radioaktiven Emissionen der grenznahen Schweizer AKW sind insbesondere die Menschen in der Hauptwindrichtung in Deutschland. Die Öffentlichkeit hat ein selbstverständliches Interesse an der Veröffentlichung der Datenn nicht nur aus Leibstadt, sondern aus allen AKW, egal in welchem Land. Ein kluges Urteil hätte hier Vorbildcharakter gehabt. So müssen wir fragen, was das AKW Leibstadt zu verheimlichen hat!

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer






Information: Atomkraftwerke Schweiz


Kernkraftwerk Beznau 1 und 2
Gösgen
Leibstadt
Mühleberg
Eine Ermutigung! Das alte Gorleben Lied von Walter Mossmann

Hier finden Sie andere Links und Informationen zu wichtigen Atomthemen:
Eine umfassende Information zu den Gefahren der Atomenergie finden Sie hier:
Atom Ausstellung
Mehr Infos: Neue Kernkraftwerke Schweiz?
Mehr Infos: Zwischenlager für Atommüll und Atomfabrik Würenlingen
Mehr Infos: AKW und Atomterrorismus
Mehr Infos: katastrophaler Katastrophenschutz für KKW
Mehr Infos: Akzeptanzforschung, Greenwash und neue Durchsetzungsstrategien für AKW
Mehr Infos: AKW, Atombombe, Atomwaffen, Atomkraftwaffen
mehr Infos: AKW Laufzeitverlängerung ist Gefahrzeitverlängerung
Mehr Infos: Atomkraft, Atomkraftwerk, AKW, Klima und Klimaschutz
Mehr Infos: EPR Europäischer-Druckwasserreaktor / Neue AKW und ihre Gefahren
Mehr Infos: Weltweite Energievorräte/ Energiereserven/ Energieressourcen
Mehr Infos: Funktionsweise - Druckwasserreaktor Atomreaktor Kernreaktor
Mehr Infos: Funktionsweise - Siedewasserreaktor Atomreaktor Kernreaktor

Suche nach dem schweizer Atommüllager seit 30 Jahren
Seit über 30 Jahren sucht die Schweiz nach geeigneten Lagern für radioaktive Abfälle. Bis ein Tiefenlager betriebsbereit ist, dürfte es noch einmal mindestens 20 Jahre dauern. Hier die wichtigsten Stationen der Standortsuche:

  • 1972: Gründung der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) durch die Eidgenossenschaft und die Betreiber der fünf Kernkraftwerke.

  • 1978: Der Bundesrat beauftragt die Nagra mit der Prüfung von Lagermöglichkeiten radioaktiver Abfälle in der Schweiz.

  • Sommer 1988: Der Bundesrat entscheidet, gestützt auf die Untersuchungen der Nagra, dass schwach- und mittelradioaktiver Atommüll in der Schweiz entsorgt werden kann. Er erlaubt der Nagra Sondierungen am Wellenberg in Wolfenschiessen (NW).

  • 1993/1994: Die Nagra schlägt als Lager-Standort für schwach- und mittelaktive Nuklearabfälle den Wellenberg vor, für hochradioaktive und langlebig mittelaktive Abfälle Benken im Zürcher Weinland.

  • 1995/2002: Die Stimmenden in Nidwalden sagen zwei Mal Nein zu Plänen für ein solches Lager im Wellenberg.

  • 18. Juni 2001: Das Zwischenlager für radioaktive Abfälle in Würenlingen (AG) nimmt den Betrieb auf.

  • 20. Dezember 2002: Die Nagra erklärt nach Untersuchungen im Zürcher Weinland, der dortige Opalinuston sei für ein Tiefenlager geeignet. Sie empfiehlt die Fokussierung auf Benken ZH.

  • 10. Mai 2004: Die Schweiz beteiligt sich am EU-Projekt «SAPIERR» zur Suche nach einem multinationalen Endlager für langlebige und hochaktive Atomabfälle. Als möglicher Endlager-Standort wird Russland genannt.

  • 1. Februar 2005: Kernenergiegesetz und -verordnung treten in Kraft. Danach dürfen ab Mitte 2006 keine abgebrannten Brennstäbe mehr ins Ausland (La Hague in Frankreich, Sellafield in Grossbritannien) exportiert werden. Atommüll muss grundsätzlich im Inland entsorgt werden.

  • 12. September 2005: Die Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (HSK) erklärt den Untergrund im Zürcher Weinland für geeignet für ein Atomendlager. Das öffentliche Auflageverfahren beginnt.

  • 28. Juni 2006: Der Bundesrat hält die Lagerung von hoch- und mittelradioaktiven Abfälle aus den Atomkraftwerken in der Schweiz für möglich, die Nagra habe den Nachweis erbracht. Die Standortsuche soll sich nicht auf das Zürcher Weinland beschränken.

  • April 2007: In der Vernehmlassung zum Sachplan Geologische Tiefenlager des Bundes sind sich Parteien und Verbände nicht über die Grösse des Lagers einig: SP und Grüne wollen es auf die fünf bestehenden AKW ausrichten, die Bürgerlichen wollen auch mögliche kommende AKW einbeziehen.

  • 2. April 2008: Der Bundesrat gibt grünes Licht für die Standortsuche.

  • 6. November 2008: Das Bundesamt für Energie nennt sechs Regionen in der zwischen Nordschweiz, Jurasüdfuss und Wellenberg als geeignete Standorte zum Bau von Tiefenlagern für radioaktive Abfälle.


Geplant sind folgende weiteren Schritte:


  • 2008 bis 2016/18: Standortsuche in drei Etappen.

  • 2016/19: Bundesratsentscheid über eine Rahmenbewilligung für geologische Tiefenlager, anschliessend Genehmigung durch das Parlament, Möglichkeit eines Referendums.

  • 2019/23: Baubewilligungen für Felslabore an den Standorten.

  • 2030 bis 2040: Voraussichtliche Inbetriebnahme der Endlager.
    (Wenn es nach dem Willen der Atomlobby geht!)





Endlagersuche in der Schweiz
Der Berg tut nie, was man von ihm erwartet


Ein lesenswerter Beitrag von Susan Boos in der schweizer Wochenzeitung WOZ vom 16.3.2010
Wir danken der Autorin für die Abdruckerlaubnis


"Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) möchte den strahlenden Müll im Mittelland in einer Tonschicht vergraben. Theoretisch eine nachvollziehbare Idee – praktisch eine Lösung, die viele unangenehme Überraschungen bereithält. Ein Besuch im Versuchslabor Mont Terri.

In diesem Gestein,
das aussieht wie Schiefer und im Hügel hinter Saint-­Ursanne zu finden ist, lebt es: ein kleines Bakterium, wild entschlossen, zu existieren – auch ohne Luft und ohne Licht. Ein französischer Wissenschaftler hat die Spezies im Felslabor Mont Terri entdeckt. Das Labor widmet sich exklusiv dem weichen, grauschwarzen Opalinuston, in den man den Schweizer Atommüll versenken möchte. Allerdings nicht in den Hügeln des Kantons Jura, da wird der Ton nur erkundet.

Eigentlich waren die Wissenschaftler­Innen überzeugt,
im Opalinuston kein Leben zu finden. Bakterien sind zwar klein, aber die Poren des Opalinustons sind noch viel kleiner. Bakterien haben gar keinen Platz, um darin zu überleben, sagten sich die WissenschaftlerInnen.

Trotzdem behaupten sich diese Bakterien
seit Jahrmillionen am garstigen Ort, der entstanden ist, als die Gegend noch flach war und auf dem Grund eines Meeres lag. Zu jener Zeit war es kühl und feucht. Der Regen schwemmte Gesteinsschlamm ins Meer, wo er liegen blieb. Mit ihm Ammoniten, kleine Kraken, die wie Schnecken ein Haus herumtrugen. Noch heute findet man die Häuser der filigranen Kopffüssler im Gestein, und sie erzählen, wie alt der Ton ist: 180 Millionen Jahre, auf eine Million Jahre genau.

Der Fund der Bakterien war eine Sensation.
So ist die Welt unter unseren Füssen, immer gut für eine Überraschung. Derweil man in diesem Gestein auf Sensationen gerne verzichten würde. Der Opalinuston sollte berechenbar und zuverlässig sein wie der Sternenhimmel, immer gleich für Tausende von Jahren, damit man getrost den lange strahlenden Atommüll darin versorgen kann. Doch welches Ungemach in der Praxis droht, lässt sich im Mont Terri beobachten.

Swisstopo statt Nagra

Paul Bossart empfängt in der alten Kalkfabrik, gleich neben dem Bahnhof von Saint-Ursanne. Bossart ist Geologe und Direktor des Mont-Terri-Projekts. Fast als Erstes sagt er: «Wir sind neutral!» Er ist bei Swisstopo angestellt, dem Bundesamt, das unter anderem die wunderbaren Schweizer Wanderkarten produziert. Bossarts Lohn kommt also vom Bund, nicht von der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra).

Der Mont Terri gehört dem Kanton Jura, und damit gehört ihm auch das Versuchslabor im Berg. Die Nagra hätte es gerne übernommen, doch das wollte die jurassische Regierung nicht. Sie verlangte, eine unabhängige Instanz müsse das Labor leiten, und deshalb hat jetzt Swiss­topo dort das Sagen. Es koordiniert die rund vierzig Projekte, die die verschiedenen Organisationen im Mont Terri am Laufen haben – mit dabei die Nagra, die französischen, spanischen und kanadischen Pendants der Nagra sowie verschiedene in- und ausländische Atomaufsichts­behörden oder Forschungsinstitute.

Bossart ist schon lange dabei und kennt den Berg. Opalinuston sei im Mittelland und im nördlichen Teil der Schweiz, aber auch im Süden Deutschlands zu finden, sagt Bossart – nur ist er nicht überall so leicht zugänglich wie im Mont Terri. Es gebe ihn auch in Bern, sagt Bossart: «Dort liegt er in etwa 3000 Metern Tiefe, wo man eine Temperatur von annähernd hundert Grad hat – da lässt sich kein Endlager bauen.»

Bossart nimmt Bohrkerne vom Gestell, graue Steinzylinder, die zeigen, was den Opalinuston ausmacht: Er hat die Fähigkeit, Risse wieder selber zu verschliessen. Anders als Granit, wo ein Riss ewig ein Riss bleibt. Risse sind unangenehm in einem Endlager, denn wo sich Risse öffnen, dringt Wasser ein. Und das ist schlecht, sehr schlecht, weil das Wasser die Radionuklide nach draussen tragen kann.

Meerwasser im Berg

Doch der Opalinuston ist dicht, da geht kein Wasser durch. Deshalb scheint er perfekt für Atommüll. Die Idealvorstellung sieht wie folgt aus: Man packt den strahlenden Abfall in weichen Ton, der schmiegt sich lückenlos um die radio­aktive Fracht, packt sie wasserdicht ab und hält sie über Jahrmillionen von der Umwelt fern.

So viel zur Theorie. Das Unangenehme ist nur: Der Ton enthält selber Wasser, 180 Millionen Jahre altes, salziges Meerwasser. Das Wasser ist noch da, doch die Hälfte der Stoffe, die im Meerwasser drin waren, sind weg. «Hinausdiffundiert», sagt Bossart. Simpel ausgedrückt, die Stoffe sind rausgewandert. Am Mont Terri hat dieser Prozess vor zirka sechs Millionen Jahren begonnen, als das Juragebirge aufgefaltet wurde.


Die Radionuklide würden auch irgendwann rausdiffundieren, sagt Bossart, «nach spätestens 100 000 Jahren, wenn die Behälter durchgerostet sind, dürfte dies beginnen».

100 000 Jahre sind eine lange Zeit. Doch die Stoffe, die in einem Atommülllager enden, sind für die Ewigkeit gemacht. Das bekannte, hochgiftige Plutonium-239 hat eine Halbwertszeit von 24 000 Jahren. Plutonium kommt aber nicht weit, weil es an den Tonpartikeln hängen bleibt. Anders ist es mit Jod-129, das irgendwann reichlich im Endlager zu finden sein wird und eine Halbwertszeit von fünfzehn Millionen Jahren hat. Ein Stoff, der sehr reisefreudig ist, weil er sich nicht gern mit dem Ton verbindet.

Die Partizipationsmaschine

Der Bund (die Schweizer Bundesregierung) will diesmal nicht dieselben Fehler machen wie am Wellenberg (vgl. Text «Die Nagra und der Entsorgungsnachweis»). Heute nimmt man die Bevölkerung ernst, was es nicht einfacher macht. Das Bundesamt für Energie (BFE) hat ein breit angelegtes Partizipationsverfahren entwickelt. Alle Gemeinden, die in den auserwählten Standortgebieten liegen, sollen einbezogen werden. Das sind über 160 Gemeinden, auch die deutschen Grenzgemeinden dürfen mitmachen.

In den sechs Standortregionen sind zudem Geschäftsstellen geplant, welche die Partizipation organisieren werden. Man ist darauf bedacht, alle relevanten Gruppierungen zu involvieren und anzuhören – die Bäuerinnen genauso wie die Kleingewerbler oder die EndlagergegnerInnen.

Es ist ein höchst komplexes Gebilde, das da heranwächst. Der Prozess dürfte – so rechnet das BFE – in den ers­ten beiden Etappen, bis zur definitiven Auswahl des Lagerstandortes, etwa 28 Millio­nen Franken kosten. Das meiste davon werde man der Nagra verrechnen, sagt Michael Aeber­sold, der beim BFE für das Verfahren zuständig ist. Noch nie habe es irgendwo auf der Welt bei der Suche nach einem Endlagerstandort ein so breites Partizipationsverfahren gegeben.

Jean-Jacques Fasnacht, Arzt in Benken, nennt das Partizipationsverfahren «Scheindemokratie». Seit den neunziger Jahren kämpft Fasnacht gegen die Nagra-Pläne im Zürcher Weinland. «Wir müssen uns wirklich sehr gut überlegen, ob wir bei diesem Verfahren überhaupt mitmachen wollen», sagt er. Fasnacht fürchtet, der Widerstand könnte vereinnahmt und pulverisiert werden. Vor allem kritisiert er, dass «das Verfahren nicht ergebnisoffen» sei: «Sie kommen mit einem Endlagermodell, das nicht mehr zeitgemäss ist. Doch das Modell selbst steht gar nicht mehr zur Debatte.»


Damit hat er recht, die Maschine läuft: Das Auswahlverfahren dürfte etwa zehn Jahre dauern. Danach wird der Bund der Nagra eine Rahmenbewilligung erteilen. Dagegen kann das Referendum ergriffen werden. Allerdings wird die ganze Schweiz darüber abstimmen – die betroffene Region hat, so sieht es das Kernenergiegesetz vor, heute kein Vetorecht mehr. Den ZürcherInnen wird es nichts nützen, wenn sie das Lager ablehnen, aber alle andern im Land glauben, im Weinland sei der Atommüll gut aufgehoben.

Das Gas im Fels

Frühestens 2030 dürfte das Lager für die schwach- und mittelaktiven Abfälle bereitstehen, frühestes 2040 wird das Hochaktivlager den Betrieb aufnehmen. Nach fünfzig oder hundert Jahren werden dann die Lager verschlossen und sich selber überlassen. So ist der Plan.

Unten im Tal glitzert der Doubs. Oben, an den Abhängen des Mont Terri, klaffen grosse Löcher. Sie zeugen von der Zeit, als Kalk abgebaut wurde. Später fand man, die Kavernen wären ein praktischer Ort, um Müll verschwinden zu lassen. Nach turbulenten Protesten von UmweltschützerInnen liess der Kanton Jura die Deponie Ende der neunziger Jahre sanieren. 8000 Tonnen Sondermüll mussten rausgeholt werden, ein teures Unterfangen.

Das letzte Loch am Hang führt indes in den Jurahügel hinein, rein ins Felslabor. Drinnen sind die Stollen hell ausgeleuchtet. In den Nischen stehen technische Utensilien für die unterschiedlichsten Versuche. Zwei junge Männer montieren an der Decke eine Art Schlauch, der in den Fels hineingeht. Hier werde untersucht, wie sich das Gas im Ton verhalte, sagt Bossart. Denn das Gas macht Sorgen, obwohl es eigentlich gar kein Gas hat im Opalinuston.

Die Nagra möchte den Atommüll einmal in grossen Stahlbehältern im Ton einlagern. Das Meerwasser im Ton ist jedoch nicht nur salzig, sondern auch aggressiv. Früher oder später wird es mit den Stahltanks in Berührung kommen. Der Stahl wird oxidieren, dabei entsteht Wasserstoff, ein hochexplosives Gas. Paul Bossart sagt, Wasserstoff sei ein seltsames Gas, «wenn es sich ausdehnt, wird es wärmer, anders als bei allen anderen Gasen».

Vor diesem Gas hat man Respekt. Wie verhält es sich? Wird der Gasdruck den Ton aufsprengen? Werden Risse entstehen, die das Lager undicht machen? Es wäre klüger, keine Stahlbehälter im Ton einzulagern, sagt Bossart. Kupfer sei auch nicht viel besser. Manche würden Keramikschäume empfehlen: «Doch bei einem Erdbeben kann das Keramik zerbrechen, und die Radionuklide würden austreten.» Da brauche es noch viel Materialforschung, um den geeigneten Behälter zu finden. Er sei gar nicht sicher, ob es das richtige Material überhaupt gebe, sagt Bossart nachdenklich.

Die fehlende Glaubwürdigkeit

Marcos Buser ist ein alter Profi. Ende der achtziger Jahre schrieb der Geologe für die Schweizerische Energie-Stiftung das legendäre Buch «Mythos Gewähr». Detailliert hat Buser darin aufgezeigt, wie der Bund seine eigenen Rechtsgrundlagen zurechtbog, um kein Atomkraftwerk abstellen zu müssen, obgleich die Atommüllfrage nicht gelöst war.

Heute schaut Buser im Auftrag der jurassischen Regierung im Mont Terri zum Rechten. Er kam zu dieser Aufgabe, weil er für den Kanton Jura die Sondermülldeponien von Saint-Ursanne und von Bonfol (für welche die Basler Chemie verantwortlich war) saniert hat.
Zudem sitzt er in der Kommission für nukleare Sicherheit (KNS), die den Bundesrat in Atomfragen berät.

Buser sagt, geologisch gesehen sei der Opalinuston sicher der beste Ort, um in der Schweiz ein Endlager zu bauen. Er sagt aber auch, dass am Projekt der Nagra noch vieles unklar und nicht zu Ende gedacht sei. Zum Beispiel will die Nagra eine etwa fünf Kilometer lange Rampe bauen, um mit grossen Fahrzeugen ins Endlager zu fahren. Buser hält das für eine höchst problematische Idee. Dadurch würden diverse Wasser führende Gesteinsschichten durchquert, womit ein Wasserpfad direkt ins Endlager gelangen werde. Das Letzte, was man brauchen kann.

Viel klüger wäre es, senkrechte Schächte zu bauen, um den Untergrund möglichst nicht zu stören. Die Nagra gedenke, fünf Meter lange und bis zu dreissig Tonnen schwere abgebrannte Brenn­elemente in den Stollen einzulagern. «Das wird nie funktionieren!», prognostiziert Buser, «so grosse, schwere Kanis­ter bekommt man ohne Sicherheitsprobleme nie in das Endlager rein. Da muss man über die Bücher.»

Das Hauptproblem sei jedoch ein ganz anderes: «Die Nagra ist zuständig für die Forschung. Sie ist finan­ziell von den AKW-Betreibern abhängig. Diese müssen zwar regelmässig Geld in den Stilllegungs- und Entsorgungsfonds einlegen – dieser Fonds wird aber erst für den Bau und den Betrieb des Endlagers eingesetzt.» Forschung, die heute vielleicht sinnvoll, aber teuer sei, werde verpasst, weil die Betreiber kein Interesse haben, mehr Geld als unbedingt nötig auszugeben. «Das Verursacherprinzip ist bei radioaktiven Abfällen ein fundamentaler Konstruktionsfehler: Es geht um Gefahren­zeiträume von Tausenden von Jahren – da müsste eine unabhängige Instanz für die Entwicklung des End­lagerkonzeptes zuständig sein. Und nicht Werke, die in erster Linie Strom für die Gegenwart produzieren müssen, aber eben auch langlebigen Abfall hinterlassen. In hundert Jahren sind die Verursacher nicht mehr da.»


Am Ende sagt er noch: «Wir stecken in einem ausserordentlichen Experiment. Einem Experiment, das es noch nie gegeben hat – und die Experimentatoren, die es in Gang setzen, werden nie erfahren, wie es ausgeht.»

Der Ton mag keinen Beton

Bossart steht mitten im Mont-Terri-Felslabor und sagt wie Buser: Man dürfe den Ton möglichst nicht stören, wenn man sichergehen wolle, dass er die Radio­nuklide einmal über lange Zeit sicher verwahre. Doch schon Zement reicht, um den Ton aus dem Gleichgewicht zu bringen.

«Opalinuston mag keinen Beton», sagt Bossart. Beton enthält Zement und ist viel basischer als der Ton. Die Wände des Felslabors sind mit Spritzbeton abgedeckt, um sie stabiler zu machen. Denn jede Öffnung im Opalinuston wächst langsam zu. Die Tunnels im Felslabor wären nach hundert Jahren verschwunden, würde man die Wände nicht verstärken. Teile des Endlagers sollen einmal über Jahrzehnte offen bleiben, man wird also auch dort die Wände verstärken müssen.

In einer der Nischen im Mont-Terri-Stollen läuft ein Betonversuch. Hier würden sie ausprobieren, ob es Betonsorten gebe, die weniger basisch seien und sich besser mit dem Ton vertragen würden, sagt Bossart. Aber er zweifelt, ob sich ein solcher Beton finden lässt.

Beton würde die Chemie im Endlager für immer verändern. Das sei riskant, sagt Bossart, weil sich manche Radio­nuklide in einer anderen chemischen Umgebung anders verhalten würden. Manche, die nicht wasserlöslich waren, werden es plötzlich. Eine ungemütliche Vorstellung in einem Endlager.

Deshalb wird man im Endlager keinen Beton einsetzen dürfen. Es braucht eine andere Lösung, vielleicht mit Eisengittern, die man an den Wänden verankern könne, sagt Bossart. Bevor das Lager verschlossen würde, müsse aber alles Eisen aus den Stollen entfernt werden, wegen des Gases, das sonst entstehe.

Und da sind sie wieder, die Unwegbarkeiten, die der Untergrund stets bereithält. Bislang hat die real existierende Geo­logie am Ende noch jede hübsch gedachte Endlagerlösung vermasselt. Jüngstes Beispiel ist das Prestigeprojekt Yucca Mountain, das die US-Regierung Anfang Februar definitiv aufgeben musste, weil sich der Berg nicht an die Vorstellungen der Endlagersucher gehalten hat und nass war, wo er trocken sein sollte.

Die Nagra und der Entsorgungsnachweis

Seit 1972 sucht die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) nach einem geeigneten Lagerstandort. Die Nagra gehört den AKW-Betreibern, weil diese laut Kernenergiegesetz verpflichtet sind, die «radioaktiven Abfälle auf eigene Kosten sicher zu entsorgen», und zwar in einem «geologischen Tiefenlager», also irgendwo im Untergrund.

Die Nagra ging am Anfang dilettantisch vor, suchte vor allem im Granit, stiess überall auf Widerstand. Sie war wegen des «Projekts Gewähr» unter Druck, das verlangte, bis 1985 müsse nachgewiesen sein, dass sich der Atommüll sicher entsorgen lasse, sonst würden die bestehenden Atomkraftwerke vom Netz genommen. Den Entsorgungsnachweis blieb die Nagra schuldig, doch kein AKW wurde abgestellt.

1986 favorisierte die Nagra den Wellenberg im Kanton Nidwalden als Standort für schwach- und mittelaktiven Abfall. Die Bevölkerung wehrte sich und lehnte im Jahr 2000 das Projekt an der Urne definitiv ab.

Parallel dazu hatte die Nagra im Zürcher Weinland das «Projekt Opalinuston» vorangetrieben. Hier gedachte sie, ein Lager für hochaktiven Müll zu bauen. Sie reichte beim Bund ein entsprechendes Projekt ein. Dieser entschied, damit sei nun der Entsorgungsnachweis erbracht. Aber er verlangte, die Nagra müsse noch weitere Standorte evaluieren. So stehen heute sechs Standorte zur Diskussion: Neben dem Zürcher Weinland das Gebiet nördliche Lägern und der Bözberg – die drei sollen geeignet sein für ein Hoch- wie für ein S­ch­wach- und Mittelaktiv-Lager, alle drei kämen im Opalinuston zu liegen. Daneben gibt es noch drei Standorte, die sich lediglich für ein Schwach- und Mittelaktiv-­Lager eignen sollen: der Jurasüdfuss, der südliche Randen (beide im Opalinuston) sowie der Wellenberg (im Mergel).

Der sogenannte Entsorgungsnachweis besagt, theoretisch lasse sich im Opalinuston ein Endlager bauen – die Forschung im Mont Terri zeigt aber, dass es in der praktischen Umsetzung noch viele schwerwiegende Probleme gibt, bei denen es noch völlig unklar ist, ob sie sich überhaupt lösen lassen.

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Deutsch-Schweizer Atommüllrätsel vom 18.1.2010:


Drei CDU-Politiker aus Baden-Württemberg äußern sich zum Thema Atommülllagerung im Opalinuston. Der Opalinuston in Baden-Württemberg ist ca. 100 Meter dünn, der Opalinuston in Benken in der Schweiz ist 112,34 Meter dünn. Atommüll muss eine Million Jahre sicher gelagert werden. So ähnlich muss es bei der Asse auch angefangen haben...

Axel Mayer / BUND Geschäftsführer
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Herr Ministerpräsident Oettinger in der Badischen Zeitung vom 15. Januar 2010
Badische Zeitung: Gute Noten nach dem Energietest

„Der Kommissar-Anwärter macht kein Geheimnis daraus, dass er eine grenzübergreifende Lösung bevorzugen würde. Die wird in Baden-Württemberg bereits angedacht. Auf Schweizerischer Seite haben Geologen in Benken nahe Schaffhausen eine mehr als hundert Meter dicke Schicht Opalinuston gefunden. Das Gestein gilt als geeignet, Atommüll für unbegrenzte Zeit aufzunehmen. Im kleinen Kreis ließ Oettinger anklingen, dass er erwartet, dass der Widerstand in der Schweiz geringer und die Genehmigung dort leichter zu erlangen ist. Baden-Württemberg sondiere, ob man das Lager mit nutzen könne.“
Quelle: http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/ausland/gute-noten-nach-dem-energietest--25598729.html


Umweltministerin Gönner am 18.09.2009
In Baden-Württemberg ungünstige Bedingungen für Endlagerstandort

„Umweltministerin Gönner warf in der aktuellen Diskussion zur Frage eines atomaren Endlagers Bundesumweltminister Gabriel verantwortungslose Untätigkeit vor. (...) Neben Salz eignen sich nach Expertenmeinung auch Opalinusgesteinsvorkommen zur Einlagerung hochradioaktiven Materials. Zwar komme das Gestein auch in den südlichen Teilen des Landes vor. Nach einer Bewertung des Landesamtes für Geologie seien jedoch die Bedingungen in Baden-Württemberg gegenüber anderen Tonvorkommen ungünstig. So werde von den Experten des Landesamtes die geringe Mächtigkeit/Dicke des Gesteins sowie die die Tonschichten umgebenden Grundwasserleiter als Hindernis angesehen. (...) Baden-Württemberg käme dabei wegen der bereits bekannten kritischen Voraussetzungen nicht ernsthaft in Betracht", stellt Gönner klar.“
Quelle: Umweltministerium Baden-Württemberg


Der ehemalige Umweltminister Müller am 24.1.2002
In einer Presseerklärung schrieb das Ministerium für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg am 24.1.2002, der Opalinuston in Baden-Württemberg sei für Atommüll nicht geeignet. Noch deutlicher wurde der Minister in einer Presserklärung am 05. Oktober 2000:

"Die in Baden-Württemberg vorkommenden Ton- und Tonmergelformationen haben jedoch im Vergleich zu den norddeutschen Lagerstätten nur eine geringe Mächtigkeit. Die Dicke der gesteinskundlich geeigneten Tonschichten ist mit bis zu 100 Metern im Vergleich zu den Tonschichten in Norddeutschland mit Mächtigkeiten von bis zu ca. 1000 Metern gering. "Die in Baden-Württemberg vorkommenden Tone und Tonsteine sind nach Meinung von Fachleuten zur Lagerung von Wärme entwickelnden radioaktiven Abfällen nicht geeignet", erklärte Minister Müller."
Quelle: http://www.bund-rvso.de/schweizer-atommuell.html


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Atommüll Schweiz & NAGRA: Kritische Infos zu den atomaren Endlagerplänen in Benken





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Dieser Artikel wurde 34085 mal gelesen und am 14.9.2016 zuletzt geändert.