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Ausbau der Autobahn A5: Lärm, Abgas, Feinstaub, Privatisierung & Klimawandel / Autobahnausbau am Oberrhein

04.08.2016

Ausbau der Autobahn A5: Lärm, Abgas, Feinstaub, Privatisierung & Klimawandel / Autobahnausbau am Oberrhein


BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland


  • Regionalverband Südlicher Oberrhein
  • Stadtverband Freiburg
  • Kreisverbände Emmendingen und Ortenau


An die Medien
4.8.16
Nachdem bisher in der veröffentlichten Meinung, beim Thema Ausbau der A5, fast nur die Ausbaulobbyisten zu Worte kamen und nachdem unsere Ausbau-Kritik während der Weltklimakonferenz keinen Niederschlag in den Medien fand, wenden wir uns noch einmal mit einer Presseerklärung an die Medien.

Es gibt eine kleine und eine große Logik

  • Die "kleine" Logik sagt: Immer mehr LKW, immer mehr PKW, immer mehr Verkehr. Wir müssen die Autobahn ausbauen. 1959 gab´s ähnliches Denken schon mal. Das damals erschienene Buch "Die autogerechte Stadt – Ein Weg aus dem Verkehrs-Chaos" führte tatsächlich zu einer menschenfeindlich-autofreundlichen Umgestaltung der Städte, die heute als Verbrechen an Mensch, Natur und Umwelt erkannt wird.
  • Die "große" Logik sagt: In Zeiten des Klimawandels dürfen wir keine Strukturen schaffen, die uns dauerhaft mehr CO2, Feinstaub und Lärm bringen. Wir müssen Verkehr reduzieren, LKW auf die Schiene bringen, Ferientermine entzerren und durch kluge Maßnahmen (Tempolimit...) den Verkehr besser und gleichmäßiger fließen lassen...

Raten Sie mal, welche Logik sich in der "Ökoregion" am Oberrhein wohl durchsetzen wird?


In Paris fand am 11. Dezember 2015 mit großem Getöse die Weltklimakonferenz statt. Eine Vielzahl von PolitikerInnen und viele Medien versuchten den Eindruck zu erwecken, der bedrohliche Klimawandel sei in einer Welt "unbegrenzten Wachstums und organisierter Gier" durch das Drehen an ein paar Stellschrauben auf 2 Grad zu begrenzen.

Auch in der selbsternannten "Ökoregion" am Oberrhein und in der "Green City" Freiburg ist Klimawandel ein "großes" Thema
Doch die heftige Einseitigkeit, mit der CDU, Freie Wähler, SPD & FDP - gegen die Stimmen der regionalen GRÜNEN - für den sechsspurigen Autobahnausbau der A5 am Oberrhein agieren, zeigt, dass Ökologie und Nachhaltigkeit nur ein dünn aufgetragener Lack sind. Autobahnausbau bedeutet dauerhaft mehr Verkehr, Klimawandel, Feinstaub, Lärm und CO2. Die Forderungen der Lobbyisten und Autobahn-Privatisierer zeigen, was von den Klima-Reden der Politiker am Oberrhein und in Paris zu halten ist.
Wie immer in der selbsternannten "Ökoregion" wird der Autobahnausbau natürlich heftig scheinökologisch parfürmiert und mit einem breiten Pinsel als notwendige Realpolitik grüngestrichen.

"Wir können nichts für die Verkehrszunahme", ist so ein vorgeschobenes Argument und die aktuell gerade selbstverschuldete massive Verkehrs- und LKW-Zunahme durch die Zalando-Ansiedlung in Lahr ist natürlich kein Thema.

Was nützt ein sechsspuriger Autobahnausbau, wenn die Schweizer Autobahn vierspurig bleibt? Hier wird mit dem Sachzwangsprinzip die Schweiz bearbeitet, die am meisten unter dem Transitverkehr leidet. Die Güter im Fernverkehr gehören auf die Bahn und das nicht erst ab der Grenze. Theoretisch und in hübschen, vorzeigbaren Nischen wollen doch zwischenzeitlich alle Politiker das 2-Grad-Ziel erreichen, doch die globale & regionale Realpolitik in Zeiten des Klimawandels ist zerstörerisch.

Öffentlich diskutiert und kritisiert wurde und wird am Oberrhein immer nur der Bahnausbau. Doch in Sachen Abgase, Klimawandel, Feinstaub und Dauerlärm ist die Autobahn das größere Problem.

Hinter dem Wunsch nach dem sechspurigen Ausbau der A5 steht auch der Plan der Metropolregion Oberrhein zu einer "raschen Verwirklichung der europäischen Verkehrsprojekte am Oberrhein und dem planerisch gewünschten Verkehrsdrehkreuz Oberrhein", ein Plan, der ein wenig an lange zurückliegende Planungen der "autogerechten Innenstadt" erinnert.

Nachtrag:


In Österreich gab es ein wegweisendes Urteil in Sachen Klimaschutz. Am Flughafen Wien-Schwechat darf keine dritte Start- und Landebahn gebaut werden. Der Klimaschutz wiegt nach Ansicht der Richter schwerer als Wirtschaftsinteressen. Das gleiche gilt für den Ausbau der Autobahn A5.




Hier finden Sie unsere Kritik an der Autobahnprivatisierung.


Hier eine kurze Stellungnahme von Klaus Peter Gussfeld, Verkehrsreferent des BUND-Landesverband

A 5 zwischen Offenburg und Bundesgrenze D/CH
Auch der BUND-Landesverband lehnt einen 6-spurigen Ausbau der A 5 zwischen Offenburg und Basel aus grundsätzlichen verkehrswirtschaftlichen Gründen ab. Das Projekt widerspricht den Grundsätzen einer verkehrsträgerübergreifenden integrierten Planung in eklatanter Weise:
  • Es missachtet die Interdependenzen und Verlagerungspotenziale zur parallel verlaufenden Rheintalbahn. Diese europäische Eisenbahn-Hauptverkehrsmagistrale soll - auch mit maßgeblicher Unterstützung und Förderung des Landes - in den nächsten Jahren für fast 5 Mrd. Euro 4-gleisig ausgebaut werden, um insbesondere auch den wachsenden Güterverkehr umweltverträglich bewältigen zu können. Ein 6-spuriger Ausbau der Autobahn konterkariert dieses verkehrspolitische Ziel und stellt die Verlagerungsziele für den Güterverkehr in Frage.
  • Es missachtet die verkehrspolitischen Zielsetzungen der Schweiz, die den alpenquerenden Güterverkehr konsequent auf die Schiene verlagern will. Es macht vor diesem Hintergrund keinen Sinn, den Güterverkehr auf der Autobahn bis zur Landesgrenze zu führen und zu fördern. Ein umweltorientierter strategischer Ansatz zur Bewältigung des Güterverkehrs müsste bereits weit im Hinterland ansetzen und die Voraussetzungen für eine Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene schaffen. Ein 6-spuriger Ausbau der Autobahn dient diesem Ansatz in keiner Weise.
  • Bezogen auf den Pkw-Verkehr missachtet das Projekt die Interdependenzen und Verlagerungspotenziale zu regionalen ÖPNV/SPNV-Konzepten. Vor allem im Einzugsgebiet der Großräume Basel, Freiburg und Offenburg konterkariert ein Ausbau der Autobahn die SPNV-Konzepte "Regio-S-Bahn", "Breisgau-S-Bahn" und "Ortenau-S-Bahn". Nach Umsetzung dieser Konzepte kann ein großer Teil des heute auf der Autobahn verkehrenden Autoverkehrs auf den ÖPNV verlagert werden.


Klaus Peter Gussfeld Verkehrsreferent

Ausbau der Autobahn A5: Lärm, Abgas, Feinstaub & Klimawandel / Autobahnausbau am Oberrhein







Warnungen & Hinweise:

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  • 2) Wenn Sie hier "Die Wahrheit" suchen, werden Sie sie nicht finden. Es gibt sie nicht, "Die Wahrheit", sondern immer nur Annäherungen daran, Wahrheitsfragmente. Es wird Ihnen nichts übrigbleiben, als sich mit den "Wahrheiten" der AKW - Befürworter, der Wachstums- Umweltzerstörungs- und Gentechniklobby, mit Kohle- und Atomparteien und Globalisierungsfreunden auseinander zu setzen, um zu einer eigenen Meinung zu kommen. Verlassen Sie auch einmal den engen "Echoraum" der eigenen Meinung im Internet. Misstrauen Sie Wahrheitsverkündern. Haben Sie Mut Ihren eigenen Verstand zu gebrauchen.
  • 3) Im Zweifel ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.

Axel Mayer




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Dieser Artikel wurde 9413 mal gelesen und am 12.5.2017 zuletzt geändert.