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Bauernregeln, Glyphosat & die Macht der Agrarlobby / Eine kleine, große Niederlage der Naturschutzbewegung im Jahr 2017

28.11.2017

Bauernregeln, Glyphosat & die Macht der Agrarlobby / Eine kleine, große Niederlage der Naturschutzbewegung im Jahr 2017


Die Umwelt- und Naturschutzbewegung hat im Jahr 2017 einige Niederlagen einstecken müssen. Der aktuelle Glyphosat-Kniefall von CSU-Landwirtschaftsminister Schmidt vor der Agrochemielobby, vor Monsanto und Bayer, war schon Februar 2017 absehbar.

Die Schwäche des Natur- und Umweltschutzes und die Stärke und Macht der Agrochemielobby und der Bauernverbände in Zeiten eines massiven Insektensterbens und in einer Zeit zunehmender Nitratwerte im Grundwasser zeigen die nicht gedruckten Plakate des Umweltministeriums im Februar 2017.

"Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat nach der massiven Kritik an den vom Umweltministerium veröffentlichten „Bauernregeln“ eingelenkt und öffentlich um Entschuldigung gebeten", meldeten viele Medien im Februar 2017. Das Bundesumweltministerium konnte dem gut organisierten Druck und der Macht der Agrarlobby, von Bauernverbänden, Gift und Dünger produzierenden Chemiekonzernen und deren Paten in der Politik in CDU, CSU und FDP nicht länger standhalten. Die gut organisierte Kampagne in den Medien und der Shitstorm in den "sozialen" Netzwerken zeigten wieder einmal, wer in diesem Land die Macht hat.
Agrarminister Hauk im "grün-SCHWARZEN" Baden-Württemberg forderte sogar den Rücktritt von Frau Hendricks. Diese populistische Rücktrittsforderung war ein politischer Skandal; eine Forderung, die sich Herr Kretschmann nicht bieten lassen dürfte. In den Bauernregeln wurde niemand beleidigt, sondern es wurden real existierende Probleme pointiert auf den Punkt gebracht.

Hier drei Beispiele:
  • In einer Zeit, in der die Nitratbelastung der Böden und des Grundwassers zunimmt und in der die EU Deutschland wegen mangelnden Grundwasserschutzes verklagt, kann der Satz "Zu viel Dünger auf dem Feld geht erst ins Wasser, dann ins Geld" nicht ganz falsch sein...
  • In einer Zeit, in der das globale und bundesweite Artensterben zunimmt, in der Neonicotinoide Schmetterlinge, Bienen und andere Insekten massiv dezimieren und den Vögeln die Nahrungsgrundlage entziehen, ist die Bauernregel "Haut Ackergift die Pflanzen um, bleiben auch die Vögel stumm" keine Bosheit, sondern eine pointierte Zuspitzung der Realität.
  • Und die Umstände der Massentierhaltung werden mit der Bauernregel 1 "Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein" doch recht freundlich beschrieben.


Die Rücknahme der Kampagne und die Entschuldigung von Frau Hendricks war nicht nur eine Niederlage für das Umweltministerium und eine Vorbereitung der Glyphosat-Entscheiung im November. . Es war auch eine Niederlage für die Umwelt- und die Naturschutzbewegung, denn wir haben dem Ministerium nicht den Rücken gestärkt. Der Konflikt zeigt wieder einmal deutlich, dass die Lobby der Umwelt, der Natur und der Trinkwassertrinker wenig Chancen gegen die Agrarlobby hat. Viele Menschen sind gegen Massentierhaltung. Sie sind aber nicht in der Lage, ihre Interessen zu vertreten.

Ärgerlich ist nicht nur der Erfolg von Bauernverbänden, Gift und Dünger produzierenden Chemiekonzernen und deren Paten in der Politik, sondern die erschreckende Wehr- und Harmlosigkeit der Naturschutz- und Umweltbewegung, die solche Angriffe nicht angemessen pariert, teilweise nicht einmal als Angriff erkennt, wie z.B. auch beim skandalösen, politisch gewollten Entzug der Gemeinnützigkeit von Attac. Wie wollen wir das massive Insektensterben und Artensterben bekämpfen, wenn wir nicht einmal in der Lage sind, gegen solche Kampagnen vorzugehen?

Axel Mayer, BUND-Regionalgeschäftsführer



Zurückgezogene, richtige & nicht beleidigende, neue Bauernregeln
Hier finden Sie alle Plakate
  • "1. Bauernregel: Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein."
  • "2. Bauernregel: Gibt's nur Mais auf weiter Flur, fehlt vom Hamster jede Spur."
  • "3. Bauernregel: Zu viel Dünger auf dem Feld geht erst ins Wasser, dann ins Geld."
  • "4. Bauernregel: Haut Ackergift die Pflanzen um, bleiben auch die Vögel stumm."
  • "5. Bauernregel: Zu viel Dünger, das ist Fakt, ist fürs Grundwasser beknackt."
  • "6. Bauernregel: Ohne Blumen auf der Wiese geht's der Biene richtig miese."
  • "7. Bauernregel: Steh'n im Stall zu viele Kühe, macht die Gülle mächtig Mühe."
  • "8. Bauernregel: Gibt's nur eine Pflanzenart, wird's fürs Rebhuhn richtig hart."
  • "9. Bauernregel: Wenn alles bleibt, so wie es ist, kräht bald kein Hahn mehr auf dem Mist."
  • "10. Bauernregel: Strotzt der Boden vor Nitraten, kann das Wasser arg missraten."
  • "11. Bauernregel: Bleibt Ackergift den Feldern fern, sieht der Artenschutz das gern."




Bauernregel Vogelsterben


In einer Zeit, in der das globale und bundesweite Artensterben zunimmt, in der Neonicotinoide Schmetterlinge, Bienen und andere Insekten dezimieren und das Vogelsterben verstärken, ist die Bauernregel "Haut Ackergift die Pflanzen um, bleiben auch die Vögel stumm" keine Bosheit, sondern eine pointierte Zuspitzung der Realität.


Bauernregeln 2017 & die Macht der Agrarlobby / Die größte Niederlage der Naturschutzbewegung im Jahr 2017


Infos zum Schmetterlingssterben / Insektensterben / Insektensterbenleugnern


Aktueller, wichtiger Einschub:

Bauernregeln, Glyphosat & die Macht der Agrarlobby / Eine kleine, große Niederlage der Naturschutzbewegung im Jahr 2017

Die Umwelt- und Naturschutzbewegung hat im Jahr 2017 einige Niederlagen einstecken müssen. Der aktuelle Glyphosat-Kniefall von CSU-Landwirtschaftsminister Schmidt vor der Agrochemielobby, vor Monsanto und Bayer, war schon Februar 2017 absehbar.

Die Schwäche des Natur- und Umweltschutzes und die Stärke und Macht der Agrochemielobby und der Bauernverbände in Zeiten eines massiven Insektensterbens und in einer Zeit zunehmender Nitratwerte im Grundwasser zeigen die nicht gedruckten Plakate des Umweltministeriums im Februar 2017.

"Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat nach der massiven Kritik an den vom Umweltministerium veröffentlichten „Bauernregeln“ eingelenkt und öffentlich um Entschuldigung gebeten", meldeten viele Medien im Februar 2017. Das Bundesumweltministerium konnte dem gut organisierten Druck und der Macht der Agrarlobby, von Bauernverbänden, Gift und Dünger produzierenden Chemiekonzernen und deren Paten in der Politik in CDU, CSU und FDP nicht länger standhalten. Die gut organisierte Kampagne in den Medien und der Shitstorm in den "sozialen" Netzwerken zeigten wieder einmal, wer in diesem Land die Macht hat.
Agrarminister Hauk im "grün-SCHWARZEN" Baden-Württemberg forderte sogar den Rücktritt von Frau Hendricks. Diese populistische Rücktrittsforderung war ein politischer Skandal; eine Forderung, die sich Herr Kretschmann nicht bieten lassen dürfte. In den Bauernregeln wurde niemand beleidigt, sondern es wurden real existierende Probleme pointiert auf den Punkt gebracht.

Hier weiterlesen.


Weiterer, aktueller Einschub:
Das "grün-schwarze" Land Baden-Württemberg hat gegen das Insektensterben ein Sonderprogramm biologische Vielfalt aufgestellt. Als wichtige Bausteine nennt es die "Schaffung, Aufwertung und Verbindung von Lebensräumen, wie z. Bsp .Ackerrandstreifen. Diese Ziele verfolgen zum Beispiel das Moorschutzprogramm, der landesweite Biotopverbund, die Qualitätssicherung von Naturschutzgebieten sowie die Aufwertung von Wacholderheiden. Diese Maßnahmen wirken gezielt gegen das Insektensterben und sind entscheidende Handlungsfelder" schreibt das Umweltministerium.
Die Worte Gift, Neonicotinoide und Glyphosat spielen keine Rolle. Es geht um mehr Zuschüsse für die Landwirtschaft und mehr Grün in der Landwirtschaft und Landschaft. Das ist alles hübsch, aber es verkennt das Problem. Das verdrängte Hauptproblem ist die Fernwirkung der Gifte, die Insekten selbst in großen Naturschutzgebieten dezimiert. Die neuen Ackerrandstreifen sind vergiftete Todesfallen für Insekten. Das Insektensterben lässt sich nicht mit Alibi-Biotopen bekämpfen. Einige problematische Agrargifte sind das zentrale Problem. Das Sonderprogramm des Landes Baden-Württemberg setzt an der falschen Stelle an und lenkt vom Grundproblem der Gifte und der Fernvergiftung ab.




Axel Mayer, BUND-Regionalgeschäftsführer


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Dieser Artikel wurde 968 mal gelesen und am 29.11.2017 zuletzt geändert.