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Biodiversität am Oberrhein: Große Gefährdungen und kleine Chancen (BUND NABU)

13.01.2010

BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein,Wilhelmstr. 24a, Freiburg
NABU Bezirksverband Südbaden, Habsburgerstr. 9, Freiburg



Biodiversität am Oberrhein: Große Gefährdungen und kleine Chancen

13.1.2010

An die Medien

Am 11. Januar eröffnete Bundeskanzlerin Angela Merkel das "Internationale Jahr der Biodiversität" in Deutschland. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat das Jahr 2010 dem Thema biologische Vielfalt gewidmet, um auf den immensen Verlust von Arten aufmerksam zu machen.








Das Thema Biodiversität hat unsere Aufmerksamkeit auch bitter nötig: In Deutschland sind von den etwa 16.000, auf ihre Gefährdung untersuchten Tierarten, über ein Drittel, und von rund 14.000 Pflanzen- und Pilzarten über ein Viertel bedroht. Mehr als zwei Drittel ihrer Lebensräume wie Moore, Auen, Wiesen und Buchenwälder sind durch Zersiedelung und intensive Forst- und Landwirtschaft gefährdet.

Im "Internationalen Jahr der Biodiversität" möchten der Bund für Umwelt und Naturschutz und der Naturschutzbund am Südlichen Oberrhein auf Bedrohungen und Chancen für die Artenvielfalt am Oberrhein aufmerksam machen.

Die letzten Jahrzehnte waren keine gute Zeit für die Artenvielfalt am Oberrhein. Die größten Zerstörungen gab und gibt es insbesondere in der Rheinebene. Die Naturflächen wurden kleiner, der Flächenverbrauch und die Zersiedelung haben massiv zugenommen und gehen fast ungebremst weiter. Dazu kommen immer neue Straßen und auch die geplante neue Bahntrasse wird (wieder einmal) massive Naturverluste bringen, die auch durch Ausgleichsmaßnahmen nur unzureichend kompensiert werden können. Während an anderen Stellen der Republik die Bevölkerung bereits abnimmt, wächst der Flächenverbrauch in der Region zwischen Schwarzwald und Vogesen, die zusätzlich auch noch im europäischen Wachstumsgürtel, der sogenannten "blauen Banane", liegt. Wir wachsen auf Kosten der Gebiete im Osten der Republik. Gerade auch im Elsass sehen wir mit Sorgen die Pläne, die bestehenden umweltbelastenden Schwerindustriezonen auszubauen.

Die Tendenz zur industriellen Landwirtschaft in Südbaden führt zu einer zunehmenden einheitlichen Maismonokultur. Wo früher artenreiche Wiesen und Streuobstwiesen waren, steht heute fast überall giftgeduschter Mais. Feldlerchen, einst häufige Bewohner der Wiesengebiete, sind in vielen Gebieten der Rheinebene bereits verschwunden. Der große Brachvogel und der Kiebitz stehen in der südbadischen Rheinebene unmittelbar vor dem Aussterben. Die monotone Maissteppe dringt immer stärker in die Seitentäler des Schwarzwaldes und des Kaiserstuhls vor.

Natürlich werden auch am Oberrhein neue Naturschutzgebiete ausgewiesen. Doch während diese unter öffentlichem Beifall eingeweiht werden, verschwinden gleichzeitig wesentlich größere Flächen unter Beton und Asphalt. Gerade auch am Oberrhein gilt: "Der Naturschutz arbeitet am kleinen Detail, die Naturzerstörer arbeiten am großen Ganzen"

An wenigen Stellen gibt es positive Entwicklungen. Viel zu zaghaft werden Naturschutzgebiete ausgewiesen und erste, winzige Teilstücke der kanalisierten Flüsse und Bäche unserer Heimat renaturiert. Das Integrierte Rheinprogramm könnte ein Mehr an Natur und an ökologischen Fortschritten bringen, doch gerade hier nimmt der Druck auf die Naturschutzaspekte des IRP leider zu. Wir freuen uns über die Rückkehr der Lachse und über die Wildkatzen in den Rheinauen und am Kaiserstuhl. Die europäischen Wasserrahmenrichtlinien WRRL schreiben vor, das ökologische Potential der Fließgewässer wiederherzustellen. Hier gibt es große Herausforderungen und Chancen.

Noch gehören manche Gebiete am Oberrhein tatsächlich zu den schönsten und wertvollsten Naturlandschaften Deutschlands, mit einer faszinierenden, einzigartigen und reichhaltigen Flora und Fauna. Dass Wiedehopf, Smaragdeidechse und Küchenschelle am Oberrhein noch vorkommen, ist oft der Verdienst ehrenamtlichen Engagements und einer engagierten, politisch aber geschwächten Naturschutzverwaltung. Jahr für Jahr kommen tausende Menschen an den Kaiserstuhl, um den farbenprächtigen Bienenfresser, die Gottesanbeterin und seltene Orchideen zu bewundern. Doch es scheint weltweit ein Nivellierungsprinzip zu geben, nach dem die wertvollen, einzigartigen Landschaften so lange vermarktet werden, bis aus Schönheit Mittelmaß (oder weniger) wird. Dies gilt insbesondere im Gebiet der "Blauen Banane", im zentraleuropäischen Verdichtungsraum.

Im "Internationalen Jahr der Biodiversität" wollen BUND und NABU aufzeigen, dass Artenvielfalt und Schutz der Natur immer auch dem Menschen nutzt. Zersiedlung, Flächenverbrauch, Verlärmung, Monokulturen und Natur- und Umweltzerstörung bedeuten eben nicht nur Verlust von Artenvielfalt, sondern immer auch Verlust von Lebensqualität. BUND und NABU plädieren für Vielfalt statt Einfalt.

BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein, Axel Mayer, Geschäftsführer
NABU Bezirksverband Südbaden, Dr. Felix Bergmann, Geschäftsführer




Nachträge:



„Die wenigen erhalten gebliebenen, historischen Altstädte und die restlichen Naturschutzgebiete am Oberrhein verbindet eines: Sie sind zunehmend Inseln in einem Meer von Scheußlichkeit.“
Axel Mayer




hier gibt´s ein BUND-Infoblatt zum Thema "Bedrohte Vielfalt am Oberrhein"





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Wo sind die vielen NaturschützerInnen & BiologInnen
in den wichtigen, aktuellen Naturschutzkonflikten am Oberrhein? Es gibt am Oberrhein eine Vielzahl von Menschen mit einem großen Wissen und Sachverstand in Sachen Natur und Umwelt. Doch in den großen Konflikten um unsere bedrohte Restnatur, sei es beim IRP, beim Schmetterlingssterben, bei den Themen Flächenverbrauch und Zersiedelung halten sie sich meist "vornehm" und schüchtern zurück und überlassen die öffentliche Debatte & Leserbriefe den gut organisierten Lobbyisten und dem Stammtisch. Manche Spezialisten sehen auch nur ihr "Lieblingsbiotop" und vergessen darüber den großen Zusammenhang. Nur gemeinsam können wir wir die aktuellen Zerstörungsprozesse bremsen!
Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer










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  • 3) Im Zweifel ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.









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Dieser Artikel wurde 3312 mal gelesen und am 29.5.2021 zuletzt geändert.