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Buchsbaumzünsler 2017: Gift & Bienen & die Macht der Konzerne! Bekämpfen oder verzichten? Biologische Bekämpfung? Was tun?


Buchsbaumzünsler 2017: Gift & Bienen & die Macht der Konzerne! Bekämpfen oder verzichten? Biologische Bekämpfung? Was tun?


Auch im Jahr 2017 fallen immer mehr Buchsbäume
in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz dem Buchsbaumzünsler zum Opfer. Der Buchsbaumzünsler, ein ostasiatischer Kleinschmetterling aus der Familie der Crambidae, wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts nach Mitteleuropa eingeschleppt und er verbreitet sich auch in Deutschland immer schneller.


Zuschriften an den BUND:


  • Positiv!
    Immer mehr einheimische Vögel haben (nach anfänglichem Zögern) die Buchsbaumzünsler-Raupen als neue Futterquelle entdeckt. Im Bereich Heidelberg gibt es Stellen die von Vögeln befallsfrei gemacht wurden und bleiben.
    Dazu gibt´s ein hübsches Video auf youtube

  • Negativ!
    Jetzt bekommen wir erste Rückmeldungen, dass die Vögel die Raupen "nicht vertragen". (Evtl. wegen des Buchsbaum-Gifts in den Raupen?)

  • "Ihren Beitrag zum Buchsbaumzünsler kann ich aktuell positiv kommentieren.
    Wir haben einen großen, etwa einhundert Jahre alten, Ca fünf Meter hohen
    Buchsbaum in unserem Garten in Heidelberg stehen, der uns sehr lieb und teuer
    ist. Trotzdem haben wir, auch um die möglichen Bewohner unserer Nistkästen nicht
    zu vergiften, bisher auf chemische Bekämpfungsmittel verzichtet. Der Buchs ist
    dieses Jahr leider stark mit Buchsbaumzünsler befallen und sieht zum Teil so
    verheerend aus, dass wir um seine Existenz fürchten.
    Wir haben aber ebenfalls beobachten können, dass der Baum seit einigen Tagen von
    Spatzen und Meisen bevölkert wird, die ganz eindeutig immer wieder mit grünen
    Raupen im Schnabel abfliegen. Wir können damit Berichte bestätigen, dass die
    Raupen von einheimischen Vögeln als Futterquelle genutzt werden. Wie diese -
    oder ihr Nachwuchs - dieses Futter vertragen, wissen wir nicht. Wir können nur
    sagen, dass wir die Vögel seit mehr als drei Tagen beim "Absammeln" beobachten.
    In dem für uns einsehbaren Bereich des Baumes haben wir inzwischen keine Raupen
    mehr entdecken könnn. Wir haben uns daher entschieden, die Natur über das
    weitere Schicksal des Buchsbaums bestimmen zu lassen.
    Herzliche Grüße aus Heidelberg"




Eine Ursache der Plage: Geiz ist geil
Wir alle verdienen gerne 30 Euro in der Stunde und kaufen gleichzeitig liebend gerne Produkte, die in China unter Sklavenhalterbedingungen für einen Stundenlohn von 50 Cent produziert wurden. Der Buchsbaum wurde viele hundert Jahre in Deutschland und Europa gezüchtet und vermehrt. Aber der Import aus China war für Baumärkte und Gartencenter im Zeitalter der Globalisierung einfach billiger. Und mit dem "billigen" Import haben wir uns den neuen aggressiven Schädling eingefangen. Manchmal schlägt die Natur einfach zurück und zeigt, dass Geiz ziemlich teuer werden kann...

Die Buchsbaumzünzler-Bekämpfung in den Gärten
wird häufig mit Giften durchgeführt. Zur Zeit gibt es in vielen Gärten wieder richtige "Gift-Orgien" wie in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Aus diesem Grund haben wir einige erste Informationen zu diesem wichtigen Garten-und Umweltthema zusammen getragen. Gerade die Giftgruppe der Neonicotinoide steht im Verdacht, das große, aktuelle Schmetterlingssterben, Insektensterben und Bienensterben auszulösen.

Buchsbaumzünsler! Was tun?


  • Keine Gifte, insbesondere keine bienengefährlichen Gifte im Hausgarten
  • Verzichten Sie auf die wissenschaftlich höchst umstrittenen Spritzmittel mit Neonicotinoiden, auch wenn auf der Packung bisher noch "bienenungefährlich" steht
  • Absammeln der Raupen (Ökologisch sehr "korrekt", allerdings nur bei kleinen Einzelbüschen wirklich machbar.)
  • Absaugen mit starkem Staubsauger, oder auswaschen mit starkem Wasserstrahl. (Diese Methode ist nicht unumstritten, da auch Nützlinge und andere Tiere betroffen sein können)
  • Im Winter den Buchs auf Befall untersuchen und Gespinste, in denen die Raupen überwintern, herausschneiden
  • Ein Rückschnitt zum richtigen Zeitpunkt lohnt sich, da die Eier in den äußeren Blättern abgelegt werden und die geschlüpften Raupen sich dann ins buschinnere zurückziehen
  • Immer wieder Kontrolle des Buchse, gegebenen Falls Herausschneiden der Gespinste und Befallsnester
  • Abgelesene Raupen, und befallene Büsche nie auf den Kompost, sondern in einer festen Tüte in den Hausmüll. (Bei großen Pflanzen gibt es hier in den Gemeinden unterschiedliche Möglichkeiten der Entsorgung)
  • Nistkästen aufhängen. Es gibt aber zwischenzeitlich viele Hinweise, dass immer mehr einheimische Vögel die Raupen fressen. Nistkästen
  • Die kleinen Raupen können auch erfolgreich mit "biologischen Insektiziden" wie Bacillus thuringiensis oder Neem-Präparaten behandelt werden. (Genau die Gebrauchsanleitung beachten)
  • Der letzte Tipp fällt uns am schwersten.
    Da eine einmalige Bekämpfung nicht ausreicht, stehen wir alle vor der Frage, ob wir wirklich jedes Jahr die oben aufgeführten mühsamen Maßnahmen mehrfach durchführen wollen und können. Diese Frage stellt sich auch für die Menschen, die noch auf Gift im Garten setzen. Vielleicht müssen wir auch auf den Buchsbaum, diesen Teil unserer Gartengeschichte und das Prunkstück nicht nur der Bauerngärten, verzichten und auf andere Pflanzen (Eiben...) oder langfristig auf resistente Sorten ausweichen. Globalisierte Warenströme und der menschengemachte Klimawandel werden uns in Zukunft immer wieder vor solche schwierigen Entscheidungen stellen. Beim Buchsbaum trifft uns dies nur härter als bei den vielen anderen Pflanzen- und Tierarten, die durch unser Zutun täglich weltweit still und unbemerkt verschwinden.


Der massive Gifteinsatz, auch gegen den Buchsbaumzünsler, führt zu einem massiven, bedrohlichen Insektensterben und Schmetterlingssterben.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer


Die Macht der Konzerne


bekam der kleine BUND am Südlichen Oberrhein im Jahr 2013 in einem massiven Konflikt mit dem Chemiegiganten Bayer zu spüren. Im unten stehenden Artikel zur umweltfreundlichen Bekämpfung des Buchsbaumzünslers hatten wir auf unserer Homepage ein Neonicotinoid, ein Produkt mit dem der Bayer-Konzern viel Geld verdient, als bienengefährlich bezeichnet. Doch die Konzerne haben die Macht zu definieren was als bienengefährlich bezeichnet werden darf. Unter Androhung einer Vertragsstrafe von 10.000 Euro (!) mussten wir innerhalb von drei Tagen den Eintrag auf der Homepage ändern. Gleichzeitig wollten die Anwälte der Freiburger Rechtsanwaltskanzlei "Dr. Ouart & Kollegen" im Auftrag von Bayer noch viele andere Änderungen im Sinne des Bayer-Konzerns, doch dort wo wir recht haben wird von uns nichts geändert. Unser kleiner BUND-Regionalverband muss mit jedem Cent rechnen, um seine Arbeit leisten zu können und dennoch müssen wir der Macht der großen Konzerne standhalten und dürfen uns nicht verbiegen lassen. Alleine die Kosten im Vorfeld des Verfahrens beliefen sich für uns auf 2440 Euro!

Aktueller Einschub:
BUND Bundesverband gewinnt im Jahr 2015 vor Gericht gegen Bayer
Wegen "geschäftsschädigender Behauptungen" hatte Bayer CropScience Ende 2014 auch eine einstweilige Verfügung gegen den BUND-Bundesverband erwirkt. Am 11. März 2015 entschied das Landgericht Düsseldorf, dass der BUND das Bayer-Pestizid als "bienengefährlich" bezeichnen darf. Ein wichtiger Sieg für die Bienen und für die Meinungsfreiheit.
Wenn wir das Urteil vorliegen haben, werden wir auch unsere regionale Homepage aktualisieren.
Da es bei den bienengefährlichen Neonicotinoiden um satte Gewinne geht, wird die Firma Bayer vermutlich durch alle Instanzen klagen.

  • Mehr Infos zum erfolgreichen Rechtsstreit des BUND-Bundesverbandes: Hier
  • Einen Beitrag zu Umweltrecht und Umweltunrecht finden Sie Hier
  • Kritische Beiträge zu Neonicotinoiden finden Sie Hier und Hier




Links zum Thema Buchsbaumzünsler:




Buchsbaumzünsler: Bekämpfen oder verzichten? Gift oder kein Gift?


Zwei lesenswerte Zuschriften an den BUND:
Mit Interesse habe ich Ihren Artikel zum Buchsbaumzünsler gelesen. In unserem
Garten gibt es sehr viele Buchsbaumpflanzen, da wir die Beete im Garten damit
einfassen. Es sind rund 60 Meter ca. 50 cm hoch und 40 cm breit. Eine Hecke hat
drei mal ein mal 1,60 Meter. Einige Bäumchen stehen auch noch herum. Bisher
haben wir den Zünsler abgelesen und zu Beginn der Plage auch chemisch bekämpft.
Dieses Jahr konnten wir nun beobachten, dass Kohlmeisen gezielt den Buchs nach
dem Zünsler absuchen und ihn vertilgen
. Leider hatte ich nie eine Kamera
zur Hand, um dies zu dokumentieren. Ich wollte die Vögel ja auch nicht stören.
Die Sperlinge suchen auch den Buchs ab. Ich habe aber noch nie gesehen, dass die
Sperlinge die Raupen fressen. Bei der Kontrolle der Buchshecken kann ich immer
wieder Fraßspuren entdecken, aber die Raupen sind weg. Das Spritzen habe ich
sofort eingestellt und meinen Bekanntenkreis auch gebeten dies zu tun. Also haben
die Vögel uns jetzt doch geholfen und ich denke, dass uns unsere selbstgezogenen
Buchsbaumhecken noch viel Freude bereiten.

Siegfried Peter/ Achern-Großweier


Betrifft Buchsbaumzünsler.
Wir haben sehr viel Buchs im Garten, der teilweise sehr alt und natürlich auch vom Zünsler betroffen ist.
Das, was sonst so empfohlen wird, wie absammeln usw. ist nicht machbar. Da in unserem Garten noch nie ( mit nie meine ich seit 1890, so alt sind der Garten und das Haus ) Gift gespritzt wurde, kam dies auch jetzt nicht infrage. Wir haben uns für die biologische Bekämpfung entschieden, mit Bacillus thuringiensis. Zusätzlich haben wir 3 Pheromonfallen für den Zünslerfalter aufgestellt. Damit wissen wir, wann wir spritzen müssen. Ich kann Ihnen versichern, es waren nur Zünslerfalter in den Fallen. Letztes Jahr haben wir bei 80 Faltern mit dem Zählen aufgehört. Wir haben entsprechend gespritzt und der Befall war äußerst gering.
Dieses Jahr scheint völlig anders zu sein. Vor ca. 10 Tagen waren 15 Falten in den Fallen, seitdem nichts mehr. Weiterhin konnte ich folgende Beobachtungen machen:
Meisen und Spatzen fliegen auf den Buchs, schieben die oberen Blätter etwas zur
Seite und nehmen was in den Schnabel, um dann wieder zum Nistkasten zu fliegen. Ich konnte mehrfach beobachten, dass es eine Zünslerraupe war. Dass es den Vögeln schlecht ging, konnte ich nicht beobachten. Die jungen Meisen sind alle wohlauf.

Andreas Rüdiger/ bei Stuttgart



Warnungen & Hinweise:

  • 1) Diese Internetseiten sind "altmodisch-textorientiert" und manchmal lang. Wir bieten keine modischen Infohäppchen sondern wenden uns an die kleine Minderheit die noch in der Lage ist längere Texte zu lesen und zu erfassen.
  • 2) Wenn Sie hier "Die Wahrheit" suchen, werden Sie sie nicht finden. Es gibt sie nicht, "Die Wahrheit", sondern immer nur Annäherungen daran, Wahrheitsfragmente. Es wird Ihnen nichts übrigbleiben, als sich mit den "Wahrheiten" der AKW - Befürworter, der Wachstums- Umweltzerstörungs- und Gentechniklobby, mit Kohle- und Atomparteien und Globalisierungsfreunden auseinander zu setzen, um zu einer eigenen Meinung zu kommen. Verlassen Sie auch einmal den engen "Echoraum" der eigenen Meinung im Internet. Misstrauen Sie Wahrheitsverkündern. Haben Sie Mut Ihren eigenen Verstand zu gebrauchen.
  • 3) Im Zweifel ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.

Axel Mayer




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Dieser Artikel wurde 99748 mal gelesen und am 17.5.2017 zuletzt geändert.