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Buchsbaumzünsler 2015: Gift & Bienen & die Macht der Konzerne! Bekämpfen oder verzichten? Biologische Bekämpfung? Was tun?

05.05.2015

Buchsbaumzünsler 2015: Gift & Bienen & die Macht der Konzerne! Bekämpfen oder verzichten? Biologische Bekämpfung? Was tun?


Auch im Jahr 2015 fallen immer mehr Buchsbäume
in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz dem Buchsbaumzünsler zum Opfer. Der Buchsbaumzünsler, ein ostasiatischer Kleinschmetterling aus der Familie der Crambidae, wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts nach Mitteleuropa eingeschleppt und er verbreitet sich auch in Deutschland immer schneller.

Eine Ursache der Plage: Geiz ist geil
Wir alle verdienen gerne 30 Euro in der Stunde und kaufen gleichzeitig liebend gerne Produkte, die in China unter Sklavenhalterbedingungen für einen Stundenlohn von 50 Cent produziert wurden. Der Buchsbaum wurde viele hundert Jahre in Deutschland und Europa gezüchtet und vermehrt. Aber der Import aus China war für Baumärkte und Gartencenter im Zeitalter der Globalisierung einfach billiger. Und mit dem "billigen" Import haben wir uns den neuen aggressiven Schädling eingefangen. Manchmal schlägt die Natur einfach zurück und zeigt, dass Geiz ziemlich teuer werden kann...

Die Buchsbaumzünzler-Bekämpfung in den Gärten
wird häufig mit Giften durchgeführt. Zur Zeit gibt es in vielen Gärten wieder richtige "Gift-Orgien" wie in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Aus diesem Grund haben wir einige erste Informationen zu diesem wichtigen Garten-und Umweltthema zusammen getragen.

Buchsbaumzünsler! Was tun?


  • Keine Gifte, insbesondere keine bienengefährlichen Gifte im Hausgarten
  • Verzichten Sie auf die wissenschaftlich höchst umstrittenen Spritzmittel mit Neonicotinoiden, auch wenn auf der Packung bisher noch "bienenungefährlich" steht
  • Absammeln der Raupen (Ökologisch sehr "korrekt", allerdings nur bei kleinen Einzelbüschen wirklich machbar.)
  • Absaugen mit starkem Staubsauger, oder auswaschen mit starkem Wasserstrahl. (Diese Methode ist nicht unumstritten, da auch Nützlinge und andere Tiere betroffen sein können)
  • Im Winter den Buchs auf Befall untersuchen und Gespinste, in denen die Raupen überwintern, herausschneiden
  • Ein Rückschnitt zum richtigen Zeitpunkt lohnt sich, da die Eier in den äußeren Blättern abgelegt werden und die geschlüpften Raupen sich dann ins buschinnere zurückziehen
  • Immer wieder Kontrolle des Buchse, gegebenen Falls Herausschneiden der Gespinste und Befallsnester
  • Abgelesene Raupen, und befallene Büsche nie auf den Kompost, sondern in einer festen Tüte in den Hausmüll. (Bei großen Pflanzen gibt es hier in den Gemeinden unterschiedliche Möglichkeiten der Entsorgung)
  • Nistkästen aufhängen. Noch kennen viele Vogelarten die "neu eingewanderte" Nahrungsquelle nicht. Es gibt aber erste Hinweise, dass immer mehr einheimische Vögel die Raupen fressen. Nistkästen
  • Die kleinen Raupen können auch erfolgreich mit "biologischen Insektiziden" wie Bacillus thuringiensis oder Neem-Präparaten behandelt werden. (Genau die Gebrauchsanleitung beachten)
  • Der letzte Tipp fällt uns am schwersten.
    Da eine einmalige Bekämpfung nicht ausreicht, stehen wir alle vor der Frage, ob wir wirklich jedes Jahr die oben aufgeführten mühsamen Maßnahmen mehrfach durchführen wollen und können. Diese Frage stellt sich auch für die Menschen, die noch auf Gift im Garten setzen. Vielleicht müssen wir auch auf den Buchsbaum, diesen Teil unserer Gartengeschichte und das Prunkstück nicht nur der Bauerngärten, verzichten und auf andere Pflanzen (Eiben...) oder langfristig auf resistente Sorten ausweichen. Globalisierte Warenströme und der menschengemachte Klimawandel werden uns in Zukunft immer wieder vor solche schwierigen Entscheidungen stellen. Beim Buchsbaum trifft uns dies nur härter als bei den vielen anderen Pflanzen- und Tierarten, die durch unser Zutun täglich weltweit still und unbemerkt verschwinden.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer

Die Macht der Konzerne


bekamen der kleine BUND am Südlichen Oberrhein im Jahr 2013 in einem massiven Konflikt mit dem Chemiegiganten Bayer zu spüren. Im unten stehenden Artikel zur umweltfreundlichen Bekämpfung des Buchsbaumzünslers hatten wir auf unserer Homepage ein Neonicotinoid, ein Produkt mit dem der Bayer-Konzern viel Geld verdient, als bienengefährlich bezeichnet. Doch wenn von 100 Bienen, die mit diesem Gift in Berührung kommen, am zweiten Tag noch 51 Bienen überlebt haben, dann darf dieses Gift nicht als bienengefährlich bezeichnet werden. Unter Androhung einer Vertragsstrafe von 10.000 Euro (!) mussten wir innerhalb von drei Tagen den Eintrag auf der Homepage ändern. Gleichzeitig wollten die Anwälte der Freiburger Rechtsanwaltskanzlei "Dr. Quart & Kollegen" im Auftrag von Bayer noch viele andere Änderungen im Sinne des Bayer-Konzerns, doch dort wo wir recht haben wird von uns nichts geändert. Unser kleiner BUND-Regionalverband muss mit jedem Cent rechnen, um seine Arbeit leisten zu können und dennoch müssen wir der Macht der großen Konzerne standhalten und dürfen uns nicht verbiegen lassen. Alleine die Kosten im Vorfeld des Verfahrens beliefen sich für uns auf 2440 Euro!

Aktueller Einschub:
BUND Bundesverband gewinnt im Jahr 2015 vor Gericht gegen Bayer
Wegen "geschäftsschädigender Behauptungen" hatte Bayer CropScience Ende 2014 auch eine einstweilige Verfügung gegen den BUND-Bundesverband erwirkt. Am 11. März 2015 entschied das Landgericht Düsseldorf, dass der BUND das Bayer-Pestizid als "bienengefährlich" bezeichnen darf. Ein wichtiger Sieg für die Bienen und für die Meinungsfreiheit.
Wenn wir das Urteil vorliegen haben, werden wir auch unsere regionale Homepage aktualisieren.
Da es bei den bienengefährlichen Neonicotinoiden um satte Gewinne geht, wird die Firma Bayer vermutlich durch alle Instanzen klagen.

  • Mehr Infos zum erfolgreichen Rechtsstreit des BUND-Bundesverbandes: Hier
  • Einen Beitrag zu Umweltrecht und Umweltunrecht finden Sie Hier
  • Kritische Beiträge zu Neonicotinoiden finden Sie Hier und Hier




Links zum Thema Buchsbaumzünsler:
Ein WDR Beitrag


Buchsbaumzünsler: Bekämpfen oder verzichten? Gift oder kein Gift?


Eine lesenswerte Zuschrift an den BUND:
Mit Interesse habe ich Ihren Artikel zum Buchsbaumzünsler gelesen. In unserem
Garten gibt es sehr viele Buchsbaumpflanzen, da wir die Beete im Garten damit
einfassen. Es sind rund 60 Meter ca. 50 cm hoch und 40 cm breit. Eine Hecke hat
drei mal ein mal 1,60 Meter. Einige Bäumchen stehen auch noch herum. Bisher
haben wir den Zünsler abgelesen und zu Beginn der Plage auch chemisch bekämpft.
Dieses Jahr konnten wir nun beobachten, dass Kohlmeisen gezielt den Buchs nach
dem Zünsler absuchen und ihn vertilgen
. Leider hatte ich nie eine Kamera
zur Hand, um dies zu dokumentieren. Ich wollte die Vögel ja auch nicht stören.
Die Sperlinge suchen auch den Buchs ab. Ich habe aber noch nie gesehen, dass die
Sperlinge die Raupen fressen. Bei der Kontrolle der Buchshecken kann ich immer
wieder Fraßspuren entdecken, aber die Raupen sind weg. Das Spritzen habe ich
sofort eingestellt und meinen Bekanntenkreis auch gebeten dies zu tun. Also haben
die Vögel uns jetzt doch geholfen und ich denke, dass uns unsere selbstgezogenen
Buchsbaumhecken noch viel Freude bereiten.

Siegfried Peter/ Achern-Großweier


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Dieser Artikel wurde 40728 mal gelesen und am 21.7.2015 zuletzt geändert.