Diese Seite ausdrucken

Windenergie 3/2018: Debatte um Landschaft & Landschaftsschutz, Infraschall, Verspargelung, Vogelschlag, energetische Amortisation und Naturschutz...

05.02.2018

Windenergie 3/2018: Debatte um Landschaft, Vogelschlag, Infraschall, Verspargelung & Landschaftsschutz



"Vorgedanken"


Auch ich trage in mir die Sehnsucht nach den großen, weiten, technisch nicht überformten Landschaften. Gleichzeitig kenne ich die massiven Gefahren von Atomenergie und Klimawandel für Mensch, Natur, Umwelt und Zukunft. In diesem Spannungsfeld stehe ich und kann Windräder akzeptieren ohne sie zu lieben und "beneide" ich ein wenig die Menschen, die sich unter Ausblendung der jeweils anderen Realität, bedingungslos nur einer der beiden Konfliktparteien zuordnen können.
Axel Mayer



Windenergie: Eine kurze Zusammenfassung


Die Windenergie sorgt für Streit
Vom Schwarzwald bis an die Nordsee wird über das Für und Wider der Windenergie, insbesondere aber über den Landschaftsschutz immer noch kontrovers diskutiert.
Es ist gut, dass endlich auch über Landschaft und Landschaftsschutz eine öffentliche Debatte stattfindet. Erstaunlich ist allerdings, dass es diese Debatte immer nur dann gibt, wenn es um die umweltfreundliche Energieerzeugung durch Windkraft geht, und dass die großen anderen Probleme des Landschaftsschutzes viel zu wenig diskutiert werden.

Wo bleibt die Debatte über Landschaftsschutz, wenn neue Straßen gebaut, Flächen zubetoniert und neue, parallel laufende Hochspannungstrassen und Werbetafeln in die Landschaft gesetzt werden? Wo bleibt, abseits der Sonntagsreden der Politiker, das aktive Handeln von Politik und Behörden gegen Landschaftszerstörung, Flächenverbrauch und Verscheußlichung?


Auch industriegelenkte Schein-Bürgerinititativen,
gut getarnte Vertreter der Atom- und Kohlelobby und industrienahe Klimawandelleugner haben in Deutschland jahrzehntelang gegen die Nutzung der Windenergie agitiert
Im Artikel Hansi Müller und die Windkraft-Verschwörer berichtet die Kontext Wochenzeitung darüber.

Von den meisten
der bisher öffentlich vorgetragenen Argumente gegen die Nutzung der Windkraft sind bei ordnungsgemäßem Bau und Planung der Anlagen eigentlich nur zwei Aspekte übrig geblieben:

  • 1) Die (von privaten Initiativen gebauten) Windräder widersprechen den Gewinninteressen der großen Energiekonzerne EnBW, RWE, Vattenfall und Eon und deren politischer Lobby in den Parlamenten
  • 2) Die wichtigen Fragen des Landschafts- und Naturschutzes


Daneben gibt es natürlich auch viele vorgeschobene und aufgebauschte Fragen und Themen wie den Infraschall


Gerade die großen Energieversorgungsunternehmen wie EnBW, RWE, Vattenfall und Eon
und einige große industrielle Stromverbraucher hatten vor Fukushima im Hintergrund an den Strippen des Widerstandes gegen die Windenergienutzung gezogen, zukunftsfähige Energien und die Energiewende gezogen. Die Konzerne treten in diesen Konflikten schon lange nicht mehr selber auf. Sie lassen die schmutzige Arbeit von gut organisierten Klimawandelleugnern, von der "Initiative Neue (un-)Soziale Marktwirtschaft" und industrienahen Verbänden, Stiftungen , von der AfD und Bürgerinitiativen erledigen. Nachdem jahrzehntelang in den Broschüren der Atomlobby gesagt wurde "Windenergie kann nicht funktionieren", wurde diese Form der Energieerzeugung, die sehr gut funktioniert, massiv bekämpft. Jetzt planen und bauen die Energiekonzerne große, und - gemessen an den Offshore-Anlagen - sehr teure Windparks in der Nord- und Ostsee und die "Energiewende" wurde auch gezielt für die Interessen dieser Groß-Windparkbetreiber gestrickt...

Jedes privat gebaute Windrad kleiner Betreiber ist eine Konkurrenz zu den Atom- und Kohlekraftwerken und den Windparks der Großkonzerne von EnBW, RWE, Vattenfall und E.ON. Das Energieerzeugungsmonopol der Mächtigen wird von den Privaten gebrochen. Es gibt eine mächtige Lobby, die auf Kohle setzt und neue AKW bauen will.


Es gibt aber erfreulicherweise auch Menschen, die ein echtes Interesse an unserer Landschaft haben.
Die Argumente dieser kleinen Gruppe, die sich nicht nur gegen Windräder, sondern auch gegen die vielen anderen Scheußlichkeiten in der Landschaft wehren, müssen ernst genommen werden. Der Widerspruch zwischen dem Wunsch nach weiter, freier, technisch nicht überformter Landschaft und der Nutzung des Windes lässt sich im Binnenland nicht konfliktfrei lösen. Ein Meinungsstreit zu diesem Thema ist legitim. Aus diesem Grund sind wir auch nicht generell und überall für den Einsatz von Windrädern.

Der BUND hat zu diesem Themenbereich
auch wichtige Ausschlusskriterien und Stellungnahmen erarbeitet. Auch die farbliche und gestalterische Anpassung der Windräder an die Landschaft muss dringend weiter entwickelt werden.

  • Warum werden hier nicht endlich einmal Fachleute zu Rate gezogen? Bei jeder Armee der Welt gibt es Spezialisten, deren Aufgabe es ist, Gebäude "in der Landschaft zu verstecken und zu tarnen". Man kann Windrädern keine Tarnkappe aufsetzen. Es müsste aber möglich sein, sie so zu bauen und farblich zu gestalten, dass sie bei den meisten Wetterlagen aus einiger Entfernung nicht mehr auffallen. Hier haben die Planer und Erbauer eine Bringschuld, und auch eine gestalterische "Nachrüstung" mancher Windräder wäre notwendig.
  • Unnötig und dumm ist auch das "nervöse Blinken" der Windräder in der Nacht. Die Vorschriften, die dies erzwingen, scheinen aus der Steinzeit der Fliegerei zu stammen. Wenn dort, wo die Windräder stehen, die Bergkette 200 Meter höher wäre, würde auch niemand eine Lichterkette aufhängen. Mit kleinen Radaranlagen lässt sich das Blinken auch bedarfsgerecht steuern. Bedarfsgerecht heißt, dass das nächtliche Blinken beinah dauerhaft abgestellt wäre.

    Hier geht´s zur BUND-Position zum Thema Windenergie


    Windräder & Vogelschlag


    Windräder töten Vögel und Fledermäuse. Das ist so, das wird in der Öffentlichkeit und den Medien heftig diskutiert und in einer Zeit, in der manche Vogelarten bedroht sind, ist jeder getötete Vogel (insbesondere die bedrohten Arten!) einer zu viel.
    „Irgendwo zwischen 10 000 und 100 000 pro Jahr“ liegt die tatsächliche Zahl der durch Windräder getöteten Vögel nach Einschätzung von Hermann Hötker vom Michael-Otto-Institut im Naturschutzbund Deutschland. Das entspräche einer Quote von ein bis fünf Vögeln pro Anlage und Jahr.
    Dennoch ist es erstaunlich, dass die über 18 Millionen Vögel, die jährlich in Deutschland an Glas und Glasscheiben sterben, kein öffentliches Thema sind. Auch zu den wesentlich massiveren Schäden durch Vogelschlag im Straßenverkehr und entlang von Bahn- und Hochspannungstrassen, zur Bedrohung der Vogelwelt durch Agrargifte und Naturzerstörung gibt es keine Debatte.
    Warum wird die kleinere Bedrohung wahrgenommen und die andere nicht einmal diskutiert? Wer redet von einem Vogelsterben durch Windräder? Wer hat ein Interesse, dass die zentralen Ursachen des Artenschwundes, nämlich Klimawandel und Verlust von Naturlandschaften nicht zum Thema werden?
    Das Thema Windenergie, Windräder, Vögel, Fledermäuse & Vogelschlag ist komplex, schwierig und es gibt keine einfachen Antworten. Dennoch sollte sich auch diese Debatte an Fakten orientieren.
    Mehr Infos: Windräder, Windkraft, Vögel, Fledermäuse & Vogelschlag


    Vorteile der Windenergienutzung aus Sicht der Bayerischen Staatsregierung, die der Windenergie ja nicht gerade sehr positiv gegenüber steht.

    • Windenergie steht als erneuerbare Ressource dauerhaft zur Verfügung
    • Kein Kohlendioxid (CO2)-Ausstoß während des Anlagenbetriebs
    • Geringer Flächenbedarf von Windenergieanlagen
    • Neben der Wasserkraft kostengünstigste Form regenerativer Stromerzeugung
    • Sehr kurze energetische Amortisationszeit (3 bis 6 Monate)
    • Windenergieanlagen produzieren ihren Strom vorwiegend im Winter, wenn der Bedarf am höchsten ist

    Quelle: Bayerische Staatsregierung


    Windenergie und energetische Amortisation
    Eine energetische Amortisation (je nach Standort) in 3 bis 6 Monaten, wie sie die Bayerische Staatsregierung aufführt, bedeutet, dass in diesem kurzen Zeitraum die Energie "geerntet wird, die für den Bau und für die Produktion von Türmen, Getrieben und Flügeln gebraucht wurde. Danach erzeugt das Windrad einfach "Netto-Strom".

    Gerade in Südbaden,
    mit unserem Blick auf das AKW Fessenheim und auf das älteste AKW der Welt in Beznau, können wir nicht egoistisch alle Probleme der Energieerzeugung nach Norddeutschland abschieben. In Baden-Württemberg wurde die Energiepolitik des Landes viel zu lange in der Konzernzentrale der EnBW gemacht. Aus diesem Grund muss die neue grün-rote Landesregierung die alte flächenhafte Verhinderungsplanung beenden, was aber auch nicht Wildwuchs heißen darf.

    In den Abwägungsprozess um den Landschafts- und Naturschutz
    müssen auch die großen "Alternativen" zur Windenergienutzung einbezogen werden, und das waren bisher eben Kohle und Atom. Windräder erzeugen keinen Kinderkrebs und bei der Windenergienutzung fällt kein Atommüll an, der eine Million Jahre gelagert werden muss. Bei einem Unfall im Windpark müssen im Gegensatz zu den Regionen um Tschernobyl und Fukushima keine riesigen Landstriche dauerhaft evakuiert werden. Nach wenigen Monaten Betrieb hat sich ein Windrad energetisch amortisiert. Windräder produzieren kein CO2 und sind ein wichtiger Ausweg aus der drohenden Klimakatastrophe. Nicht Windräder, sondern der Klimawandel bedroht unsere Artenvielfalt. Bei der Windenergienutzung müssen keine Menschen in Uran- und Kohlegruben sterben und Kriege um Wind sind im Gegensatz zu Kriegen um Öl ebenso nicht sehr wahrscheinlich. Die Wertschöpfung bleibt im Land und mit den Gewinnen wird üblicherweise nicht der Islamische Staat suventioniert, was man von unserem Geld, das an die Ölscheichs fließt, leider nicht mit Sicherheit sagen kann.

    Peak Oil, Peak Gas, Peak Uran und die alternativen Energien
    Die mittel- und langfristig drohende, weltweite Energiekrise unübersehbaren Ausmaßes lässt sich nur durch die Nutzung nachhaltiger Energien, durch Einsparungen und eine Politik der Nachhaltigkeit bekämpfen. Ziel muss es sein, mit einem wesentlich verringerten Input von Energie, Rohstoffen und Arbeitszeit ein gutes Leben zu führen. Auch Uran ist endlich. Nur ein schneller Umstieg auf regenerative Energien kann diese Probleme lösen. Ansonsten werden wir in Zukunft "Benzinaufstände" erleben, so wie es in der Vergangenheit Brotaufstände gegeben hat.

    Windräder lassen sich problemlos demontieren
    Sie müssen im Gegensatz zum Atommüll nicht über eine Million Jahre endgelagert werden. Die Nutzung der Windenergie ist ein Teilstück einer umweltfreundlichen, nachhaltigen Energieversorgung. Bei der Diskussion um Ästhetik und Landschaftsschutz sollten diese wichtigen Argumente mit einfließen.

    Windräder
    sind wichtige Bausteine für eine nachhaltige und zukunftsfähige Energieversorgung. Nicht mehr und nicht weniger. Andere Alternativenergien und Energie sparen sind ebenso wichtig. Es ist unredlich, Windenergie gegen Sonne, Holz, Biomasse und Geothermie auszuspielen. Wir brauchen das gesamte breite Spektrum an Alternativenergie für eine nachhaltige Zukunft.


    Den zerstörerischen Traum vom dauerhaften, unbegrenzten
    Wachstum im begrenzten System Erde können allerdings auch die Alternativenergien nicht erfüllen. Wer das amerikanische Wachstumsmodell mit Energie- und Rohstoffverschwendung und Geplanter Obsoleszenz auf den Rest der Welt übertragen will, der fährt diesen Planeten mit und ohne Windenergie gegen die Wand. Mit Windenergie geht das dann nur ein wenig langsamer.

    Wenn es
    zur zunehmenden Landschaftszerstörung durch Bebauung und zur zunehmenden Verscheußlichung Deutschlands eine angemessene Debatte gäbe, dann wären auch die Konflikte um Windenergieanlagen zumindest nachvollziehbar. Der flächendeckende Widerstand gegen den Naturschutz und gegen die Windenergie zeigt, woher der Wind tatsächlich weht.

    Axel Mayer, BUND Geschäftsführer, Kreisrat, Vizepräsident TRAS







    Ein "kleines", regionales Argument für die Windenergie

    Und noch ein "kleines" Argument für die Windenergie

    Und noch ein "kleines" Argument für die Windenergie

    mehr Infos:





    Parallel geführte Stromtrassen... In der Debatte um Windenergie und Landschaftsschutz bleiben sie stets unerwähnt










    Richtig wichtig! Ihnen gefällt diese Seite? Legen Sie doch einen Link:
    <a href="http://www.bund-rvso.de/debatte-windenergie.html">Windenergie 3/2018: Debatte um Landschaft & Landschaftsschutz, Infraschall, Verspargelung, Vogelschlag, energetische Amortisation und Naturschutz...</a>

    Weitersagen
    Twitter Facebook

    Dieser Artikel wurde 13003 mal gelesen und am 22.3.2018 zuletzt geändert.