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ELZ: Fluss oder Kanal? Renaturierung bringt mehr Natur

11.07.2017

Die Elz ist ein rund 90 km langer, rechtsseitiger Nebenfluss des Rheins im Schwarzwald, Baden-Württemberg.




ELZ: Fluss oder Kanal?


Da wir uns mehr auf Autobahnen statt an Flüssen aufhalten, glauben zwischenzeitlich viele Menschen ein Fluss müsste wie eine Autobahn aussehen.



Elz/Elzkanal bei Riegel


Elz/Elzkanal bei Riegel


Elz/Elzkanal bei Riegel, vor der Renaturierung

Die Elz ist das wichtigste und bekannteste Gewässer
im Landkreis Emmendingen. Im Oberlauf noch recht naturnah, bekommt sie schon im mittleren Elztal einen ausgeprägten ""Kanalcharakter".

Die Elz entspringt nördlich von Furtwangen
im Gebiet des Brend und des Rohrhardsbergs (zwischen dem Furtwänglehof und dem Kolmenhof) unweit der als Donauquelle geltenden Breg-Quelle. Im Oberlauf fließt die Elz in nördliche Richtung, zunächst noch relativ natürlich durch ein schönes Hochtal mit Wiesen, Mooren, durch eine von eiszeitlichen Gletschern geformte Landschaft. Später kommen nach einer Steilstufe die kleinen Elzfälle und sie fließt durch ein tiefes, wenig besiedeltes Waldtal.


Ab Prechtal fließt die Elz Richtung Südwesten
Hier beginnt das mittlere Elztal, wo die begradigte, kanalisierte Elz dann durch die Stadt Elzach und die Orte Winden und Gutach fließt. Dort mündet einer der schönsten Bäche des Schwarzwaldes, die wesentlich stärker Wasser führende Wilde Gutach in den Elzkanal. Unterhalb der Stadt Waldkirch tritt die Elz bei Denzlingen in die Freiburger Bucht der Oberrheinebene aus. Danach passiert sie Emmendingen und Teningen und fließt in nordwestliche Richtung. Bei Riegel am Kaiserstuhl treffen die Elz, die aus Freiburg im Breisgau kommende Dreisam, die Alte Dreisam, die Glotter, der Feuerbach und andere Kleingewässer aufeinander. In der Engstelle zwischen Kaiserstuhl und der Vorbergzone des Schwarzwaldes laufen nicht nur viele Gewässer, sondern auch die Grundwasserströme zusammen.

In früheren Jahrhunderten
floss unterhalb von Riegel die die nicht ausgebaute Elz bei Hochwasser breitflächig und weit mäandernd dem Rhein zu. Heute gabelt sich die Elz unter der zweiten Riegler Brücke wieder auf: Ein kleiner Teil der Wassermenge fließt, gesteuert durch ein Wehr, über die Alte Elz durch den Europapark Rust zur Mündung in den Rhein bei Allmannsweier. Die Restwassermenge und Hochwässer werden durch den Leopoldskanal nordwestlich von Rheinhausen in den Rhein geleitet.

Die in Riegel abzweigende Alte Elz
teilt sich in Rust in die Gewässer Blinde Elz und Alte Elz auf. Die Blinde Elz wird mit dem Wasser aus dem Altrhein zum Taubergießen. Unterhalb der Ortschaft Kappel vereinigen sich Alte Elz und Taubergießen wieder und fließt nach wenigen Kilometern in den durchgehenden Altrheinzug, der das bei Breisach entnommene Rheinwasser bis Kehl-Goldscheuer leitet.

Die Wasserqualität der Elz
hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verbessert. Hier zeigen sich die Erfolge der Umweltbewegung und die positiven Folgen jahrzehntelanger Konflikte für Wasserreinhaltung und Kläranlagen. Nachdem sich die Wasserqualität der Elz stark verbessert hat, muss es jetzt darum gehen, aus der naturfernen, begradigten Elz wieder ein einigermaßen natürliches Gewässer zu machen. Mit Ausgleichsgeldern der Bahn werden erste Projekte zur Renaturierung begonnen, bei denen sich eines zeigt: Es ist wesentlich einfacher, einen Fluss zu denaturieren, zu begradigen und zu zerstören, als diesen Prozess wieder umzukehren. Hier hat die Umweltbewegung noch viel zu tun.

Elz & Lachs?
Die Elz war in früheren Jahrhunderten ein wichtiges Lachsgewässer in dem der Lachs aus der Nordsee kommend aufstieg und ablaichte. Die schlechter werdende Wasserqualität und ein unpassierbares Wehr bei Waldkirch-Kollnau schränkte den Lachsaufstieg dann ein. Im Jahr 1958 gab es den letzten historischen Lachsnachweis aus dem Elz-Dreisam-System und der letzte Lachs in der Elz wurde 1958 unterhalb des Wassemer Wehrs gefangen. Noch im Winterhalbjahr 1955/56 wurden aus diesem Gebiet fast 50 gefangene Lachse gemeldet. Neben dem Lachs traten im Elz-Dreisam-System nach heutiger Kenntnis insgesamt 34 weitere Fisch- und Neunaugenarten auf. In den historischen Quellen werden auch weitere Wanderfische wie Meerforelle, Maifisch, Fluss- und Meerneunauge genannt. Im Jahr 2005 wurden bei Waldkirch Junglachse in die Elz eingesetzt. Das war ein erster Schritt zur Wiederansiedelung des Atlantischen Lachses. Da die Flüsse durch den Druck der Umweltbewegung wieder sauberer sind und manche Flusshindernisse weggeräumt wurden, gab´s im Jahr 2005 den ersten Lachslaichfund in der Kinzig und im Jahr 2006 hat nach über 100 Jahren der erste Lachs auch wieder in der Murg gelaicht. Dies waren allerdings mutige "Schleusentaucher" denn die französische EDF hat unglaublicherweise immer noch nicht alle Rheinkraftwerke mit Fischtreppen versehen. Hier versucht der BUND gemeinsam mit französischen Initiativen den Druck zu erhöhen. Wer den Lachs in der Elz wieder willkommen heißen will muss sich für die Wasserqualität und vor allem für die Renaturierung und Dammrückverlegung einsetzen.


Renaturierung der Elz / Eine Erfolgsgeschichte / Natur aus zweiter Hand am Oberrhein


Seit über zwei Jahrzehnten gibt es beim BUND am südlichen Oberrhein einen Traum. Am Anfang stand der jahrzehntelange, erfolgreiche Kampf um eine bessere Wasserqualität der Gewässer am Oberrhein. Danach konnten wir die Renaturierung der zu gerade gestreckten Kanälen geronnenen Bäche am Oberrhein, von Elz, Dreisam, Kinzig, Glotter angehen... Wir hatten den frühen Traum von naturnahnen Bächen und grünen, naturverbindenden Bändern von den Rheinauen zum Schwarzwald.

Wenn jetzt im Jahr 2017 an der Elz zwischen Köndringen und Riegel wieder Dämme zurückverlegt werden, wenn aus der "Bach-Autobahn Elz" auf ersten Teilstücken ein mäandernder Fluss mit Kiesbänken und Auen wird, wenn der Lachs zurückkehren kann, dann hat das auch damit zu tun, dass aus dem Traum auch eine ständig wiederholte BUND-Forderung an die politisch Verantwortlichen wurde.


Um aus einem Traum Realität werden zu lassen, braucht es manchmal auch Geld. Mit den Ausgleichsgeldern für den Bahnausbau am Oberrhein, stand plötzlich viel Geld zu Verfügung. Von BUND-Geschäftsführer Axel Mayer kam die Forderung nicht, "mit der Gießkanne der Ersatzbiotope" über´s Land zu gehen, sondern sich auf die Bäche zu konzentrieren.

Aus dem Jahr 2002 stammt dieser wichtige BUND-Brief den sie vollständig unten auf dieser Seite finden:
(...)Die problematischsten Aspekte der Bahn-Neubaustrecke sind der Flächenverbrauch und die Landschaftszerschneidung. Wir brauchen also Projekte, die genau an diesen Problemfeldern ansetzen.
In der Vergangenheit wurden die meisten Mittel- und Unterläufe unserer Bäche und Flüsse zu gerade gestreckten, kanalisierten, naturfernen Kanälen umgebaut. Gerade Elz, Dreisam, Glotter, Acher, Rench, Kinzig und Schutter, - diese landschaftsprägenden Gewässer unserer Heimat könnten durch geeignete Maßnahmen, insbesondere durch Dammrückverlegungen, ökologisch aufgewertet und renaturiert werden.
Grüne Bänder, d.h. breite, naturnahe Korridore, teilweise mit Auecharakter, zwischen Schwarzwald und Rheinaue sollten als Ziel angestrebt werden(...)
Axel Mayer


Und es blieb nicht bei diesem einen BUND-Brief. Immer wieder wurde der "alten" Forderung Nachdruck verliehen und es folgte eine intensive, langjährige Pressearbeit. Der BUND-Regionalverband hat tausende Plakate und Postkarten gedruckt und auch Anzeigen in den lokalen Medien geschaltet. Die Renaturierung war auch ein wichtiger Punkt unserer BUND-Stellungnahme zum Bahnausbau...


Elz, Dreisam, Kinzig, Glotter - BUND Postkarte und Plakat mit der immer noch aktuellen Forderung nach Renaturierung


Heute sind auf großen, ersten Flächen an Elz und Dreisam wertvolle Biotope und Hochwasserrückhalteräume entstanden. Dämme wurden zurückverlegt, die Bäche können mäandern, auf großen Kiesflächen brüten Vögel und das kiesreiche Geschiebe wartet auf den wiederkehrenden Lachs, für den der BUND auch den Rhein endlich wieder durchgängig machen möchte.
Der Erfolg hat viele Väter und Mütter und der BUND möchte sich auch bei allen bedanken, die mitgeholfen haben, den alten Traum Realität werden zu lassen.

Daten zur Revitalisierung der Elz bei Riegel und bei Köndringen


1. Revitalisierung der Elz bei Riegel:
Gesamtfläche: 22 ha
Retentionsvolumen: 100.000 m³
Gesamtkosten DB: 3,1 Mio €
Kosten Dammsanierung: 2,2 Mio €

2. Revitalisierung der Elz bei Köndringen:
Gesamtfläche: 25 ha
Retentionsvolumen: 280.000 m³
Gesamtkosten DB: 3,7 Mio €
Kosten Dammsanierung: 2,6 Mio €

Quelle: Regierungspräsidium Freiburg


Der BUND bedankt sich auch bei den Planungsbehörden und ist zufrieden und unzufrieden. Manches steht noch am Anfang. Konflikte zwischen Naturschutz und Naturnützern müssen gelöst werden und viele, viele, trostlose, kanalisierte Bachabschnitte warten noch auf die Renaturierung. Die Behörden "lieben" teure Ausgleichsmaßnahmen, denn je teurer diese sind, desto weniger Flächen werden in Anspruch genommen. Die Natur braucht aber mehr reale Flächen als Ausgleich. Wir freuen uns über einige Hektar neue Auen und wissen, dass es in unserem Nachbarland Frankreich, entlang von Loire und Allier hunderte von Kilometern naturnahe Flusswälder und recht frei fließende Bäche und Flüsse gibt. In der geschundenen Restnatur am Oberrhein werden Naturflächen immer mehr zu kleinen Natur-Museen in einer zugebauten Landschaft.

Grillmeister & Flussregenpfeifer
Es ist faszinierend zu sehen, wie Menschen und Tiere sich die neue Wildnis zurückerobern. Eine natürliche Kiesbank lockt zum Baden und Grillen. Und auch bedrohte und scheue Arten wie der Flussregenpfeifer kommen vorsichtig zurück. Doch Grillmeister & bedrohte Arten wie der Flussregenpfeifer auf der gleichen Kiesbank vertragen sich nicht. Die Eier des seltenen Vogels lassen sich von runden Kieseln fast nicht unterscheiden und werden leicht zertreten. Darum wurden öffentlich zugängliche Areale und Gebiete für die bedrohte Natur geschaffen und es ist wichtig und sinnvoll, diese Trennung auch zu akzeptieren.


Die neuen Natur-Flächen sind schön und wertvoll und dennoch immer auch erkennbar "Reparatur" und wir wissen, dass gerade jetzt mit europäischen Geldern in Südosteuropa die letzten frei fließenden Flusssysteme zerstört und die alten Fehler der Vergangenheit wiederholt werden. So ist das Glas halb voll und halb leer, aber ohne den Druck des BUND und der Umweltbewegung wäre es ganz leer...
Die Natur aus zweiter Hand an der Elz wird sich entwickeln. Kommende Hochwasser werden sie mehr verändern als manche Planer heute planen und wir warten auf Lachs und Flussregenpfeifer.

Axel Mayer, BUND Geschäftsführer




Elz
gradgschdregdi
kanalisierdi
izwängdi
zwische de Damme
draimsch vu
Kehre
Welle
Insle

Elz
gradgschdregdi
kanalisierdi
izwängdi
zwische de Damme
draimsch vu
Lachs
Forelle
Biber
vum Rhie vum Meer

was solle mer mache
wenn dini Kraft nimi langd
wenn kei gross Wasser
meh kunnd
wenn under
dinem pflaschderde Ufer
kei Schdrand meh liegd
wenn unseri eigene Draim
gradgschdregd
kanalisierd
izwängd
zwische de Damme liege

Axel Mayer

Der Text könnte natürlich auch Rhein, Glotter, Kinzig oder Dreisam heissen...












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Wo sind die vielen NaturschützerInnen & BiologInnen
in den wichtigen, aktuellen Naturschutzkonflikten am Oberrhein? Es gibt am Oberrhein eine Vielzahl von Menschen mit einem großen Wissen und Sachverstand in Sachen Natur und Umwelt. Doch in den großen Konflikten um unsere bedrohte Restnatur, sei es beim IRP, beim Schmetterlingssterben, bei den Themen Flächenverbrauch und Zersiedelung halten sie sich meist "vornehm" und schüchtern zurück und überlassen die öffentliche Debatte & Leserbriefe den gut organisierten Lobbyisten und dem Stammtisch. Manche Spezialisten sehen auch nur ihr "Lieblingsbiotop" und vergessen darüber den großen Zusammenhang. Nur gemeinsam können wir wir die aktuellen Zerstörungsprozesse bremsen!
Axel Mayer













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Dieser Artikel wurde 7697 mal gelesen und am 25.7.2017 zuletzt geändert.