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Freiburg & Entnazifizierung von Bildern: Einfach übermalen!


Freiburg & Entnazifizierung von Bildern: Einfach übermalen!

1937 schafft der heute fast vergessene badische Maler Adolf Riedlin
(1892-1969) für das Freiburger Gaswerk ein Fresko. Das Wandbild im Gemeinschaftsraum zeigt eine Kolonne von Männern auf dem Weg zur Arbeitsstätte, im Hintergrund die Berge des Schwarzwalds. Der Arbeiter an der Spitze der Gruppe grüßt einen Arbeitslosen mit dem Hitlergruß, den dieser erwidert. Ein weiterer Mann hinter ihm verhält sich noch abwartend. Beide sind aufgefordert, sich in die »Gemeinschaft der Schaffenden« einzugliedern - so die propagandistische Absicht dieses Werkes. Der Maler und Kunstkritiker Werner Höll schreibt am 11. April 1937 im »Alemanen«, dass es sich um ein »Kunstwerk völkischer Selbstbestimmung« handle, aus dem der »unbedingte Glaube an den Sieg hohen Deutschen Menschentums spreche«.

Am 21. April 1945,
fünf Tage nach dem Einmarsch der französischen Truppen in Freiburg, schreibt der Chef des Gaswerks an den Oberbürgermeister, dass es sich bei den zwei Männern, die auf dem Riedlin-Gemälde die Hand zum Hitlergruß emporheben, »bei strengster Beurteilung« um »eine Verherrlichung der Parteiziele« handeln könnte.

Die Bauverwaltung bemüht sich daraufhin ab Juli 1945
den Maler ausfindig zu machen, um den Hitlergruß auf dem Gemälde zu verändern. Da Riedlin nicht auffindbar ist, decken Mitarbeiter des Hochbauamts besagten Ausschnitt zunächst ab, 1946 wird er mit schwarzer Ölfarbe übermalt. Als Riedlin kurz darauf gefunden wird, ist er aus gesundheitlichen Gründen zunächst nicht in der Lage, das Fresko zu »entnazifizieren«. Erst im Juni 1948 meldet das Freiburger Wiederaufbaubüro an das Bürgermeisteramt: »Die Abänderung des Freskogemäldes im Gaswerk ist beendet.«


Aus: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Hg.): Bilder, die lügen. Bonn: Bouvier 2003, S. 34
Ein Beitrag von Gerhard P. Peringer


Hintergrundinfo: Akzeptanzforschung, Greenwash, PR und neue Durchsetzungsstrategien




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Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer
Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht von selber kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafener Nacht)


Aktueller Einschub vom 7.11.2019:

Grüne Kreuze & Artenausrottung in Deutschland 2019: Neue Studien


Während gerade bundesweit Landwirte mit Grünen Kreuzen & Demos für Agrargifte & Glyphosat demonstrieren, gab es neue, erschreckende Studien:

Vogelsterben


"Die Fachgruppe „Vögel der Agrarlandschaft“ der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft hat mit Unterstützung des DDA ermittelt, dass die Zahl der abnehmenden und stark abnehmenden Arten von 55 Prozent auf 68 Prozent gestiegen ist. Die Bestandsrückgänge von Rebhuhn (89 Prozent seit 1992), Kiebitz (88 Prozent seit 1992), Feldlerche (45 Prozent seit 1992) und vieler weiterer Arten halten nicht nur an, sie haben sich sogar noch beschleunigt. Als wesentliche Ursache für die Bestandsrückgänge sehen die Fachleute die fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft, insbesondere durch Pestizideinsatz, starke Düngung, den Verlust von Landschaftselementen wie Ackerbrachen und die Einengung der Fruchtfolgen.
Quelle: Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) e.V.

Insektensterben


Der Rückgang der Insekten und Spinnen in Deutschland reicht weiter, als bislang angenommen. Seit 2009 ist etwa ein Drittel aller Arten aus Wiesen und Wäldern verschwunden. Die Auswertung ergab insgesamt: Sowohl die Zahl der Insektenarten nahm massiv ab wie auch die Biomasse – allein auf den Wiesen um mehr als zwei Drittel. Der Insektenschwund war überall dort besonders stark, wo die Wiesen von Ackerland umgeben waren. Damit weist das Forscherteam um den Ökologen Sebastian Seibold darauf hin, dass die Hauptursache in der Landwirtschaft zu finden ist.
Quelle: Studie der TU München

Lügen


Der Bauernbund bezeichnet das Insektensterben als „Agrarlüge“
Landwirte sollen ein Mitschuld am Insektensterben haben? Davon will der Bauernbund nichts wissen. Geschäftsführer Reinhard Jung spricht von der „größten Agrarlüge seit BSE“... Landwirte tragen aus Sicht des Brandenburger Bauernbunds gar keine Mitschuld am Insektensterben. „Die Behauptung des Nabu, in den letzten 25 Jahren sei die Masse der Insekten um mehr als 70 Prozent zurückgegangen, können wir nicht nachvollziehen“, sagte Bauernbund-Vorstand Thomas Kiesel. „Fest steht allerdings, dass sich auf landwirtschaftlicher Seite die Lebensbedingungen für Insekten in den letzten 25 Jahren nicht verschlechtert haben.“
Quelle: Märkische Allgemeine vom 25.3.2019



Greenwash, Akzeptanz, Akzeptanzforschung, postfaktische PR, Kriegspropaganda, Neusprech und Propaganda 2019



Leitartikel / Zusammenfassung zum Thema Greenwash


Greenwash, Kriegspropaganda, Akzeptanzforschung, PR, Umweltpropaganda und neue Durchsetzungsstrategien
Public Relations und Werbung für Umweltzerstörung, AKW, Gentechnik und Krieg


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    Dieser Artikel wurde 7736 mal gelesen und am 17.12.2016 zuletzt geändert.