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Trotz Dekret: Über Fessenheim-Schließung entscheidet Hollandes Nachfolger...

06.04.2017

Trotz Dekret: Über Fessenheim-Schließung entscheidet Hollandes Nachfolger...
"Auf der Zielgeraden seiner Präsidentschaft hat François Hollande eines seiner Wahlkampfversprechen doch noch eingelöst: Seine Regierung hat ein Dekret veröffentlicht, in dem das Aus für das Atomkraftwerk Fessenheim verkündet wird. Das vermeintliche Aus, muss man allerdings einschränken. Offenkundig ist schließlich, dass nicht Hollande, sondern dessen in Kürze zu wählender Nachfolger darüber befinden wird, wie lange Frankreichs ältestes und störanfälligstes Atomkraftwerk am Netz bleiben wird."

Dieses Textfragment stammt aus einer lesenswerten Analyse von Axel Veiel in der Frankfurter Rundschau.






Fessenheim-Schließung (mal wieder) verschoben!(Text vom 6.4.17 / vor dem Dekret)



Der Verwaltungsrat des französischen Energiekonzerns EdF hat heute nach aktuellen,ersten Medienberichten die Schließung des ältesten französischen Atomkraftwerks im elsässischen Fessenheim wieder einmal "verschoben" und stellt vorerst keinen Antrag auf eine Stilllegung. Dies ist nach Ansicht von BUND-Geschäftsführer Axel Mayer nicht nur eine Niederlage für Mensch und Umwelt, sondern auch für die Demokratie.

Die in Frankreich immer "mitregierende" EDF hat wieder einmal die Ohnmacht des Staatspräsidenten Hollande gezeigt, der eine Abschaltung während seiner Amtszeit fest versprochen hatte. Der politisch mächtige, finanziell aber angeschlagene Atomkonzern EDF setzt auf eine Pro-Atom-Nachfolgeregierung. Was "die Märkte" von der EDF halten zeigt der Aktienkurs.

Französische Gewerkschaften demonstrierten heute in Paris wieder gegen die geplante Stilllegung des Atomkraftwerks im elsässischen Fessenheim. Gewerkschafter haben im EdF-Verwaltungsrat in Paris gegen die Regierungspläne zu Abschaltung gestimmt.

Nach Ansicht von BUND-Geschäftsführer Axel Mayer geht es der strukturkonservativen CGT nicht alleine um die Arbeitsplätze (was nachvollziehbar wäre), sondern auch um die gigantischen Summen, mit denen der Atomkonzern EdF einige Gewerkschaften seit vielen Jahren schmiert. Diese "andere ökonomische Seite" der CGT-Interessen wird leider nicht öffentlich diskutiert. Zum Hintergrund

"So zahlt der Konzern seit 1946 jedes Jahr ein Prozent seines Umsatzes an die Sozialkasse CCAS. Diese hat rund 3700 Beschäftigte und besitzt Ferienzentren, Sanatorien und Restaurants, in denen sich EdF-Mitarbeiter mit ihren Angehörigen für wenig Geld verwöhnen lassen können. Zudem ist die CCAS eng mit der mächtigen, kommunistisch orientierten Gewerkschaft CGT verflochten. Mithilfe der einprozentigen Abgabe hat sich EdF über Jahrzehnte das Wohlwollen der Gewerkschaft erkauft", sagt ein Branchenkenner. Die Zeit"


Der BUND, die grenzüberschreitende Umweltbewegung und die von einem jederzeit möglichen Atomunfall betroffene Bevölkerung im Elsass, in Südbaden und in der Nordschweiz ist die unsägliche Verzögerungstaktik und das ständige Hin und Her in der Abschaltdebatte leid. Das Hin und Her und die Macht der Konzerne in der Politik führt zu einer zunehmenden Politikverdrossenheit.

Die alte, trinationale Forderung bleibt: Eine Abschaltung des Pannen-AKWs muss schnell geschehen und unumkehrbar sein. Nach Ansicht von BUND-Geschäftsführer darf der trinationale Abschaltdruck bis zur endgültigen Abschaltung nicht nachlassen.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer




Hintergrund


Die EDF ähnelt einem Fuhrunternehmen, das vor ca. 40 Jahren fast gleichzeitig 58 neue LKW / AKW kaufte, den Fuhrpark aber nie erneuert hat. Die "58 LKW /AKW" werden jetzt gleichzeitig alt und marode und sind gefährliche, wartungsintensive Oldtimer geworden. Ein Fehler im versprödeten Reaktorstahl oder ein anderes massives technisches Problem, das gleichzeitig an allen überalterten Reaktoren auftreten könnte, würde zum ökonomischen Kollaps der EDF und der französischen Wirtschaft führen.

Dieses massive Überalterungs-Problem aller französischer Reaktoren zeigt die Notwendigkeit der Abschaltung des ältesten AKW Frankreichs in Fessenheim, denn irgendwann müssen Erfahrungen mit dem teuren und schwierigen Abbruch von stark verstrahlten Reaktoren dieser Baureihe gemacht werden. Leider hat die fast bankrotte EDF auch viel zu wenig Geld für den Abbruch der alten AKW zurückgelegt.

Der trinationale Protest gegen das AKW Fessenheim war und ist mit einem Klavier mit vielen, vielen Tasten zu vergleichen. Die „Protest-Tasten“ sind Kundgebungen, Demos, Plakataktionen, Unterschriftensammlungen, Kleinanzeigen, 120.000 BUND-Flyer, kritische Studien, Kataströphchenschutzkritik, langweilige Sitzungen, Internetseiten und Newsletter, Aufkleber, TRAS-Klagen, PolitikerInnen-Protest, Banner und Fahnen an Balkonen, für Demos gebackene Kuchen, engagierte KünstlerInnen, Resolutionen, Medienarbeit und seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima auch die wöchentlichen Mahnwachen in Breisach und Müllheim. Jede einzelne dieser „Protest-Klavier-Tasten“ ist wichtige und gelebte Demokratie und erhöht den Abschaltdruck, gerade auch im Jahr 2017, 6 Jahre nach Fukushima und 31 Jahre nach Tschernobyl.

Nach BUND-Ansicht darf der trinationale Abschaltdruck bis zur endgültigen Abschaltung nicht nachlassen. Die unterschiedlichen Tasten am „Protest-Klavier“ werden weiter gebraucht.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer

















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Aktuelle Informationen zum AKW Fessenheim


Über die Fessenheim-Schließung entscheidet Herr Macron (oder doch die EDF?)...
Die Menschen in Frankreich haben bei der Wahl erfreulicherweise für das "wesentlich kleinere Übel" gestimmt. Die Aktien der EDF sind allerdings direkt nach der Wahl um 8% gestiegen... Die Ernennung des Naturschützers Nicolas Hulot zum französischen Umweltminister schickte die EdF allerdings auf Talfahrt. Die Aktien gingen knapp sieben Prozent ins Minus.

Prognosen sind immer schwierig, wenn es sich um Zukunftsfragen handelt.
Was tun?
Unser verstorbener Freund Walter Mossmann gab im "Gorleben-Lied" einen guten Tipp:

"Sie trommeln uns die Ohren voll, sie wären unaufhaltsam,
und trotzdem, mein ich, kommt es auch auf unser Zutun an ..."


Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer





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Dieser Artikel wurde 5775 mal gelesen und am 4.5.2017 zuletzt geändert.