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Die FFH-Richtlinie schlägt zu

02.08.2000
Fast täglich beklagen sich Kommunalpolitiker, Vertreter von Landwirtschaft und Industrie, in der Region Südlicher Oberrhein, über die "neue" FFH-Richtlinie (Flora-Fauna-Habitatrichtlinie). Dabei ignorieren sie, dass in der dichtbesiedelten Region Südlicher Oberrhein die Pflanzen- und Tierwelt (Flora und Fauna) und ihre Lebensräume (Habitate) die eigentlich "Bedrohten" sind. Weshalb jetzt allerorten ein Aufschrei, wo doch bereits 1992 die damals amtierende Bundesregierung der FFH-Richtlinie zustimmte? Nicht nur in Baden Württemberg folgten der Absicht, mit Hilfe der FFH- und der Vogelschutzrichtlinie ausgewählte Lebensräume im europäischen Schutzgebietssystem "NATURA 2000" zu vernetzen, jahrelang keine Taten - weder hinsichtlich der Gebietsauswahl noch der Öffentlichkeitsarbeit. Eigentlich war das Land verpflichtet, entsprechende Gebiete bis 1995 über das Bundesumweltministerium der EU- Kommission zu melden! Erst nach Androhung drastischer finanzieller Strafen durch die EU wurde hopplahopp eine - nach Ansicht von BUND und anderen Naturschutzverbänden – unvollständige und fehlerbehaftete Liste aufgestellt. Die unprofessionelle Umsetzung der Richtlinie ist nicht zuletzt der Demotage der staatlichen Bezirkstellen für Naturschutz (BNL), die bei der Gebietsauswahl und -abgrenzung eine Schlüsselrolle spielen, zuzuweisen. Da die Landesregierung im Vorfeld Bürger und Verbände unzureichend in das FFH-Verfahren einbezogen hat, ist deren Unmut die logische Konsequenz. Das Ansehen von Naturschutz und europäischer Politik nimmt Schaden, das "Kirchturmdenken" FFH-genervter Kommunalpolitiker wird gefördert.

Allen Widerständen zum Trotz: Die Auswahl der zu meldenden Gebiete von gesamteuropäischerBedeutung richtet sich allein nach naturschutzfachlichen Kriterien: Dazu zählen der Erhaltungsgrad und die Größe z. B. eines Trockenrasens oder seine Funktion als Lebensraum für Pflanzen und Tiere der FFH-Liste. Politisch-strategische Überlegungen oder Bauvorhaben, die nicht bereits planfestgestellt sind, dürfen also nicht zu einer "Vorzensur" der Vorschlagsliste führen. In bereits gemeldeten NATURA 2000-Gebieten sind erhebliche Beeinträchtigungen aus zwingenden Gründen öffentlichen Interesses erlaubt, falls es keine Alternativlösungen gibt. Was bei Bürgermeistern,Gemeinderäten und Sportvereinen kaum bekannt ist: Im Vergleich zu Naturschutzgebieten (in denen bestimmte Eingriffe grundsätzlich verboten sind) ist in FFH-Gebieten Nutzung und kommunale Entwicklung erlaubt, wenn sie die konkreten Erhaltungsziele nicht beeinträchtigt. Ausserdem ist laut der Informationsbroschüre der Landesanstalt für Umweltschutz "NATURA 2000" eine Schutzgebietsausweisung als NSG oder LSG nicht vorgesehen, wenn z. B. Vertragsnaturschutz die gleiche Funktion übernehmen kann.

Es sprechen noch weitere Gründe für NATURA 2000:

Potentielle FFH-Flächenbeherbergen nicht selten aufgrund ihres Nährstoffmangels oder hoher Bodenfeuchte schützenswerte Arten und sind wenig ertragreich. Geradedies macht sie jedoch nicht nur für den Naturschutz sondern auch für den Nutzer wertvoll. Denn Programme der EU und des Landes (LIFE, MEKA u.a.) fördern finanziell die naturverträgliche Bewirtschaftung auf diesen Flächen. Unsere dänischen Nachbarn haben diese Gelegenheit beim Schopf ergriffen: Dort haben vor allem die Landwirte veranlasst, dass 24 % der Landesfläche als NATURA 2000 - Gebiete gemeldet wurden!

NATURA 2000 ist nicht nur eine europäische Verpflichtung, wie das Ministerium für den ländlichen Raum richtig erkannt hat, sondern bietet Baden-Württemberg die Chance, seine vielfältige Kultur- und Naturlandschaft verstärkt für umweltverträglichen Tourismus zu nutzen. Die "Fantastische Flächen unserer Heimat" und ihre vielfältige Tier- und Pflanzenwelt sind also auch im FFH - Mantel keine Bedrohung! Er verhindert nicht zuletzt, dass kleine, bisher isolierte Naturschutzgebiete von Erholungssuchenden überlaufen werden. Oder das Familien immer grössere Strecken (meist mit dem PKW) zurücklegen müssen, um mit ihren Kindern Natur zu erleben.


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Dieser Artikel wurde 3525 mal gelesen und am 15.1.2007 zuletzt geändert.