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Ortenau - Lahr: Flächenverbrauch und Zersiedelung

Entwicklung der Stadt Lahr, Entwicklung der Region - Zersiedelung am Oberrhein:

Zuerst eine Frage am Anfang:
Lahr ist doch eine beschauliche Kleinstadt von 42 000 Einwohnern; gibt es hier überhaupt ein Flächenverbrauchsproblem? Ist das nicht eher ein Problem von Berlin oder Frankfurt?

Nun:
Die Siedlungs- und Verkehrsflächen vergrößerten sich in 14 Jahren:
  • In Lahr/Kippenheim um 26%
  • In der Kernstadt, Langenwinkel und Reichenbach um 40%

Gerade weil es in Lahr so schön ist, gerade weil es sich hier gut leben läst und gerade wegen dieses südbadischen Floridaeffekts wächst diese Stadt und ihr Umland hier im Sunbelt Deutschlands so schnell!

Auch in Lahr stößt man langsam an die natürlichen Grenzen: Lahr wächst immer mehr ins Schuttertal (Siedlungsbrei trotz Grünzügen) hinein, Offenburg wächst Richtung Lahr und Lahr wächst Richtung Offenburg; es gibt eine massive Tendenz zu einer massiv zersiedelten durchgängigen Bandstadt am Fuße der Vorbergzone!

Immer wieder gibt es in der Kommunalpolitik Kompromisse, und fast immer zu Lasten der Natur, zum Teil auch in der Ökoregion und in Lahr.

Verbreiung hier bei uns?
Wir leben an der wichtigsten europäischen Nord-Süd-Verkehrsachse, was sich auch in der Infrastruktur der Verkehrswege oder deren Ausbauplänen bemerkbar macht (z.B.: B3 Ausbau, Autobahnausbau, Hochgeschwindigkeits-Bahntrasse...). Der BUND sieht diese Bauprojekte nicht mehr isoliert! Für jedes Strassenbauprojekt gibt es natürlich ein sinnvolles pro und contra, aber zusammengenommen ergibt sich ein Bild von Zerstörung und Verlust von Heimat: viel grünes muss den Bauvorhaben weichen.

Siedlungsbrei im Landkreis Ortenau:
Wenn sie einmal bewusst von Offenburg entlang der B3 durch Friesenheim, Lahr, Herbolzheim und Emmendingen nach Freiburg fahren, dann werden sie eine fast durchgängige Bebauung vorfinden. Kleine Dörfer und Städte auch im Ortenaukreis verdoppeln ihre Flächen, während die Planung häufig an den Ortsgrenzen endet.

Nun ein Blick in den Nachbarkreis Emmendingen: Zitat: “Wenn die Entwicklung so weiter geht sind die naturnahen Flächen des Landkreis Emmendingen in 200 Jahren vollständig aufgebraucht”; das sind nicht die bösen Visionen der Umweltschützer sondern die Aussagen aus dem Umweltbericht des Landratsamtes!

Trotzdem ein Widerspruch: Hier in Südbaden “wächst” die Bevölkerung (Floridaeffekt) bei jährlich 100 000 Zuwanderern: (Statistisches Bundesamt)

1999 - 82 Mio
2010 - 81 Mio
2020 - 78 Mio
2050 - 64 Mio

Im Osten Deutschlands
steht teilweise ein Drittel des Wohnraums leer- Dennoch ist in Europa ein massives Wachstum der Blue-Banana- Boomregion von Amsterdam, Frankfurt, Strassburg, Basel bis Mailand festzustellen. Und Lahr liegt mittendrin...
Und nun doch noch eine Entwarnung:

Langfristige Prognosen sind schwierig,
und so gibt es Grund zur Hoffnung. Megapolis Oberrhein? So weit wird es hoffentlich nie kommen; irgendwann ist die Landschaft so häßlich und verbaut, dass diese Entwicklung ausläuft. Aber soll man es so weit kommen lassen?

Hier steht der Umweltschutz wieder gegen Soziales und Arbeitsplätze
könnte man uns jetzt wieder vorwerfen; vor lauter Käfern, Vögeln und Feuchtwiesen sieht er die Menschen nicht, die leben und arbeiten wollen. Aber gerade um die Menschen geht es uns, denn eine Architektur und Planung, die einfach über die Natur hinwegbaut, kann sich auch gegen die Menschen richten: Wir haben die Vorstädte Strassburgs vor Augen Wenn Arbeitslosigkeit, schlechte Integration und Massenmenschhaltung zusammenkommen, dann entwickelt sich politische Sprengkraft. Wir wissen, dass in vielerlei Hinsicht Lahr immer noch eine Insel der Seeligen, eine schöne und liebenswerte Stadt mit überschaubaren Problemen ist. Es geht nicht darum, eine Käseglocke über die Stadt und die Region zu stülpen; die Entwicklung soll nicht gestoppt, sondern menschengerecht gelenkt werden (Das war auch der Sinn unserer Ausstellungen).

Der BUND ist nicht generell gegen neue Industrieansiedlungen;
aber wenn möglich, dann dort, wo die Landschaft bereits zerstört ist, in Industriebrachen und mit Rücksicht auf bestehende Grünzüge.

Das ist uns wichtig!
Wir propagieren nicht die Naturschutzvariante “Das Boot ist voll”. Es geht uns nicht darum, die Lahrer Bevölkerung vor den Wanderungsgewinnen aus Hamburg zu schützen. Und auch nicht die Flüchtlinge sind das Problem im Oberrheingraben, auch wenn es in Lahr mit den Aussiedlern eine Sondersituation gibt. Wir alle mit unseren gestiegenen Wohnansprüchen, nicht zuletzt wir Umweltschützer mit unserem Traum vom Eigenheim sind ein Teil des Problems.

Trotzdem stellen wir Fragen:

  • Wie richten wir uns in unserer räumlich begrenzten Region ein?
  • Wie können wir das Flächenverbrauchsproblem ohne staatlichen Zwang angehen und Liberalität und Toleranz erhalten?
  • Wie können wir auf kleinen Flächen gut wohnen und leben?
  • Was bleibt, auch in Lahr, an Natur für den Menschen?
  • Wo liegen die regionalen Grenzen für das Wachstum in Lahr?


Der BUND will mögliche Entwicklungen aufzeigen
und beeinflussen; Eine hässliche, zersiedelte Megapolis Oberrhein ist eine Zukunftsvision, die wir als Möglichkeit beschreiben, damit sie nicht eintrifft! Die massive Zerstörungen von Natur und Landschaft entlang der B3 im Ortenaukreis von Kehl über Offenburg nach Lahr ist aber leider eine sehr realistische Vision.

Wir sind die Lobby der Natur;
die Vertreter der Wirtschaftsinteressen sind eine weit stärkere Lobby. Eine naturverträgliche, nachhaltige und menschengerechte Entwicklung dieser Region ist unser gemeinsames Ziel!

Axel Mayer

Mehr Infos:
hier:Transitland Oberrhein - Verkehr und Verkehrsprobleme
hier: Die Verscheußlichung des Breisgaus
hier:Flächenverbrauch und Zersiedelung am Oberrhein
Bedrohte Artenvielfalt und bedrohte Natur am Oberrhein






Übersicht: Flächenverbrauch, Zersiedelung, Naturzerstörung, Regionalplanung, Oberrhein - Südbaden – Elsass




Freiburg / Breiburg
Eines der bedeutendsten und gleichzeitig meist unterschätzten Umweltthemen überhaupt:
Der zunehmende Flächenverbrauch auch in der Region am Oberrhein.






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Dieser Artikel wurde 4599 mal gelesen und am 21.10.2016 zuletzt geändert.