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Fledermäuse, Windenergie & Windräder: Das stille Sterben der Fledermäuse durch das Insektensterben...

12.09.2017

Fledermäuse Windenergie & Windräder: Das stille Sterben der Fledermäuse durch das Insektensterben...



Windräder töten Fledermäuse.
Das ist so und das wird in der Öffentlichkeit und den Medien heftig diskutiert und in einer Zeit, in der viele Fledermausarten bedroht sind, ist jede getötete Fledermaus (insbesondere die bedrohten Arten!) eine zu viel. Es ist aber erstaunlich, dass über Fledermäuse, die an Windrädern verunglücken so viel gesprochen wird und über die Hauptursachen für Fledermaustod gar nicht debattiert wird. Der Rückgang dieser Tierordnung ist gravierend; Fledermauspopulationen sind überall stark geschrumpft. Das liegt aber nicht nur an der Windenergie, sondern überwiegend an anderen Ursachen, die wir hier versuchen zusammenzutragen.

Die Gefahren der Windenergie
für die Fledermäuse, insbesondere für die bedrohten Arten, können durch eine gute Standortwahl und Vermeidungsmaßnahmen stark minimiert werden. Dies bestätigen zahlreiche Studien. Konkret kann dies etwa bei Fledermäusen durch das Abschalten von Anlagen zu Zeiten erhöhter Fledermausaktivität geschehen.

Inzwischen gibt es auch sinnvolle Projekte, die zeigen, dass durch gezielte Maßnahmen Fledermausschutz und Windenergie vereinbar ist. Beispiele liefert u.a. die Publikation "Praxisbeispiele Windenergie & Artenschutz - Erfolgreiche, Erfolg versprechende & innovative Ansätze".


Hauptbedrohungen für Fledermäuse: Das Insektensterben, Pestizide, Monokulturen...


Die Nahrungssuche wird für unsere heimischen Fledermäuse immer schwieriger. Sie ernähren sich grundsätzlich von Insekten.

"Ab der Abenddämmerung jagen unsere 25 heimischen Fledermausarten vor allem Mücken und Nachtfalter. Um zu überleben, muss eine Fledermaus täglich bis zu einem Drittel ihres eigenen Körpergewichts fressen. Das entspricht bis zu zehn Gramm, allein in den Sommermonaten kommt so rund ein Kilogramm Insekten-Nahrung zusammen.", sagt der NABU.

Aktuelle Studien zeigen, dass die Gesamtbiomasse der Insekten in einigen Teilen Deutschlands um bis zu 80% zurückgegangen ist.

"Der Insektenmangel ist schon länger bekannt[.] […] Ihnen machen die Pestizide und der chemische Dünger in der Landwirtschaft zu schaffen.
Auch die Fledermäuse werden schleichend vergiftet, wenn sie die pestizidverseuchten Insekten fressen. Zudem verlieren die Fledermäuse ihre angestammten Lebensräume, weil Monokulturen die Landwirtschaft dominieren.", schreibt taz.de.

Unter dem bundesweiten (und vermutlich sogar globalen) Insektensterben leiden neben einigen Vogelarten auch ganz massiv die Fledermäuse. Wenn die Nahrungsgrundlage (in diesem Falle die Insekten) wegbricht, leiden viele weitere Glieder der Nahrungskette darunter, u.a. die Fledermäuse.


Tod durch Kollisionen mit glatten Fassaden
Eine aktuelle Studie zeigt, dass das Echolot, das raffinierte Echoortungs-System der Fledermäuse an glatten Fassaden (z.B. Glasfassaden) nicht funktioniert. Die Strukturen von glatten Fassaden lenken der Studie zufolge "die Ultraschalllaute der Fledermäuse so ab, dass sie diese nicht mehr hören. Erst kurz vor der Wand können ihre Ohren sie wieder empfangen – da kann es aber schon zu spät für ein Ausweichmanöver sein.", schreibt die Fachzeitschrift Bild der Wissenschaft.

"Letztlich haben Fledermäuse somit ein ähnliches Problem mit glatten Fassaden wie Vögel mit durchsichtigen Glasflächen: Sie erkennen diese unnatürlichen Hindernisse oft zu spät. Dies erklärt, warum neben Vögeln auch viele tote Fledermäuse an den für sie problematischen Gebäudeelementen gefunden werden. Die Forscher setzen sich deshalb nun für eine systematische Erfassung verletzter oder toter Fledermäuse ein, damit sich besser einschätzen lässt, wie viele Tiere bei solchen Kollisionen zu Schaden kommen. Möglicherweise lassen sich dann auch Maßnahmen entwickeln, mit denen Kollisionen zumindest an Gebäuden eingeschränkt werden können, die auf viel beflogenen Zugrouten von Fledermäusen liegen, sagen die Biologen."
Quelle: Bild der Wissenschaft: "Fledermaus-Echolot versagt an glatten Fassaden"
Zur Studie geht es hier.


Auch Straßen
stellen für Fledermäuse eine Bedrohung dar. Das Freiburger Institut für angewandte Tierökologie schildert die Problematik so: "Straßen und Bahntrassen können auch für Fledermäuse Barrieren z.B. zwischen ihren Quartieren und Jagdhabitaten darstellen. Die Barrierewirkung kann dadurch entstehen, dass Fledermäuse beim Versuch Straßen zu überqueren durch Kollisionen mit Fahrzeugen verunglücken; zum Teil wird die Querung von Verkehrstrassen jedoch auch völlig gemieden oder es werden große Umwege zur Erreichung der Lebensräume jenseits der Trasse in Kauf genommen."

Auch die Seite www.fledermausschutz.de sieht den Straßenverkehr als Bedrohung für Fledermäuse an "Ein bislang unterschätzter Gefährdungsfaktor ist der Straßenverkehr. Gerade an Landstraßen, die durch nahrungsreiche Gebiete, wie zum Beispiel Wälder, entlang von Gewässern oder Wiesenlandschaften führen, verunglücken zahlreiche Fledermäuse. Untersuchungen haben ergeben, daß insbesondere Autos, die zwischen 70 und 100 km/h schnell fahren, von den Fledermäusen nicht mehr rechtzeitig wahrgenommen werden können und es zu Zusammenstößen kommt. […]"

Verschiedenen Quellen zufolge
sind die meisten Aussagen zum Vogelschlag (zum Beispiel an Eisenbahnzügen) auch auf Fledermäuse zu erweitern.
Der Kreisverband Oberbergischer Kreis schreibt:
"Auf einen getöteten Vogel oder eine getötete Fledermaus an Windenergieanlagen kommen [...] zigtausend im Bahn-/Straßenverkehr, an Hochspannungsleitungen und Glasflächen."

Über die von Windrädern getöteten Fledermäuse wird interessengeleitet viel diskutiert,
denn jede privat gebaute Energieerzeugungsanlage bedroht das wankende Monopol der alten Energieversorger. Die wichtigen anderen Faktoren wie das Insektensterben, Agrargifte, Lebensraumverlust, Glasscheiben usw. spielen in der veröffentlichten Meinung fast keine Rolle.

Das Thema Fledermaus- und Artengefährdung
sollte nicht nur in der Nische der Windräder geführt werden, die nur für einen kleinen Teil des "Fledermaussterbens" verantwortlich ist. Wer mit der Lösung eines Problems nur in der Nische ansetzt, kann keine echten Fortschritte erzielen. Dennoch ist gerade bei seltenen Fledermäusen jedes getötete Tier eines zu viel und darum wird der BUND aus Gründen des Artenschutzes auch in Zukunft nicht jeder Windradplanung zustimmen. Die erfreulichen Fortschritte und Erkenntnisse, die bei der Gefahrenminimierung für Fledermäuse bei Windrädern erreicht wurden, sollten aber auch beispielsweise auf den Fledermausschlag an glatten Fassaden übertragen werden.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer


Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg e.V.


Die Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg e.V. hat ihren Sitz in Tübingen. Die Freiburger Regionalgruppe ist als Fachschaft im BLNN organisiert. Zu den vielfältigen Aufgaben zählen die Überwachung der Sommer- und Winterquartiere, die Betreuung von Quartier-Renovierungen, die Sicherung von Quartieren, die Pflege verletzter Tiere, Öffentlichkeitsarbeit und Exkursionen sowie die Erforschung der Lebensweise unserer einheimischen Fledermäuse. Die ca. 10 aktiven Mitarbeiter nehmen gerne neue Interessenten auf.

Kontakt:
Edmund Hensle
Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz
Baden-Württemberg e.V.
Hinter dem Löwen 22 a
77955 Ettenheim
Telefon: 07822-7808313
E-Mail: ehensleweb.de

Geschäftsstelle
Telefon: 0179-4972995

infoagf-bw.de
www.agf-bw.de




Artenschutz, Vogelschutz, Artensterben, Nistkästen bauen...



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Axel Mayer


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Dieser Artikel wurde 165 mal gelesen und am 13.9.2017 zuletzt geändert.