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Nisthilfen für Freibrüter





Freibrüter
Freibrüter sind Vogelarten,
die ihre Nester und Horste frei, das heißt nicht in Höhlen oder in Nischen anlegen. Darum können die Nistplätze von Freibrütern, je nach Art, an sehr unterschiedlichen Stellen sein. Für viele Vogelarten kommen dafür allerdings Bäume, Sträucher, Hecken, Reisighaufen, Röhricht usw. in Betracht. Doch für andere freibrütende Arten wiederum können Gebäude oder deren Dächer, Felswände und Gewässerinseln geeignete Niststätten bieten. Auch die sogenannten Bodenbrüter sind grundsätzlich zu den Freibrütern zu zählen.

Freibrüter
wie Buchfink, Hänfling, Dompfaff, Gelbspötter und Neuntöter bauen ihre Nester gerne im oberen Teil von Hecken und Sträuchern; dagegen bevorzugen Grasmücken, Zilpzalp und Zaunkönig dichtes Gestrüpp in Bodennähe. Weitere Freibrüter sind u.a.: Heckenbraunelle, Stieglitz, Rotkehlchen, Singdrossel und Amsel.

Nistkästen,
wie auf den anderen Seiten beschrieben, werden häufig aufgehängt, die Freibrüter hingegen werden meistens vergessen. Ja, man lichtet die Gebüsche so stark aus, dass dort weder Rotkehlchen noch Zaunkönig einen Unterschlupf finden. Besonders bei Flurbereinigungen gehen viele Hecken verloren und oftmals wird nicht einmal am Waldrand ein Heckenstreifen geduldet.

In unseren Gärten können wir Freibrütern
mit einigen Tricks Nistplätze schaffen. Im Hausgarten fällt alljährlich Reisig an, von Hecken, von geschnittenen Obstbäumen oder Abdeckreisig vom Winter. Meistens wird dieses Reisig verbrannt, weil man Ordnung haben möchte. Viel sinnvoller hingegen ist es, das Reisig irgendwo in einer Ecke locker aufzuschichten. Sogar in ausgeräumten Wäldern können solche Reisighaufen zum Teil die Strauchschicht ersetzen. In diesen Reisighaufen brüten Zaunkönige, Rotkehlchen, Heckenbraunelle und andere Vögel. Nisttaschen (siehe Abb. 1 + Abb. 2) binden wir aus Kiefern- und Ginsterzweigen. Weniger gut geeignet sind Douglasien oder Tannenzweige. Ungeeignet sind Fichtenzweige, weil sie bald ihre Nadeln verlieren. Man nimmt 6 bis 8 stark benadelte Zweige von 0,8 bis l m Länge und bindet sie an zwei Stellen am Stamm fest (siehe Abb. 1). Wichtig ist, dass dabei ein geräumiger Hohlraum mit ausreichend Deckung entsteht. Auch sollte die Nisttasche nicht gerade auf der Wetterseite sein.

Abbildung 1
Abbildung 2


Nistquirle entstehen, wenn man Zweige eines Strauches von Hainbuche, Weißdorn, Liguster oder anderen Heckenpflanzen zusammenbindet. Die Zweige müssen sich dabei kreuzen und einen Trichter bilden, der so groß sein soll, dass eine große Faust darin Platz hat. Die Zweige sollen sich gegenseitig verstreben, damit sich die Lage auch bei Wind nicht verändert.

Zum Binden benutzen wir Schnur. Draht könnte die Zweige verletzen oder den Saftstrom stoppen. Grasmücken, Drosseln, Hänflinge, Girlitz, Distelfink, Heckenbraunelle, Zaunkönig haben schon in solchen Nisthilfen gebrütet.

Nistquirle (siehe Abb. 3 + Abb. 4) kann man aber auch durch Schnitt erzeugen. Für den Quirlschnitt eignen sich besonders gut Weißdom, Hainbuche, Weide, aber auch Feldulme, Wildapfel und Wildkirsche. Vom Herbst bis zum zeitigen Frühjahr - vor dem Austrieb - können wir die Quirle schneiden. Und zwar werden die Gehölze in 1,2 oder 1,8 Metern Höhe abgeschnitten oder abgesägt. Allerdings sollten die Büsche nicht zu schattig stehen. Im Schatten entwickeln sich keine dichten Verzweigungen.

Abbildung 3
Abbildung 4


Um die Schnittstelle herum entwickeln sich ringförmig Schößlinge. Im kommenden Herbst schneiden wir diese Schößlinge auf etwa 10 cm zurück, durch den erneuten ringförmigen Austrieb bildet sich dann eine richtige Nistkrone. Wir sollten die Nistquirle alljährlich überwachen und immer wieder einmal zurückschneiden, damit sie nicht kahl werden. An Dornensträuchern bilden die austreibenden Zweige gleichzeitig einen guten Schutz gegen Feinde.
Quelle: Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg
Grafik: BUND Regionalverband: Judith Heusch

Wer einmal einen Nistkasten gebaut und aufgehängt hat
und wer Vögel und Natur beobachtet, wird langfristig auch erkennen, dass der Bau von Nisthilfen nur ein erster, kleiner Schritt ist, denn die Bedrohung von Vögeln, Natur und Umwelt erfordert weitergehende Schritte. Auf diesem Wege lernt man, dass Natur in Gärten, Wälder, Städte und Dörfer zurückgebracht werden muss und dass Vogel-, Natur- und Umweltschutz langfristig auch dem Menschen dient und nutzt. Gerade Gartenfreunde können einiges zum Vogelschutz beitragen. Naturnahe Brutstätten finden Höhlenbrüter überall dort, wo es im Garten ein wenig „unordentlich“ ist. Alte, morsche Bäume, abgestorbene Äste, Hecken, „Wildnisecken“ und der Verzicht auf Gift gehören bei einem lebendigen, naturnahen Garten dazu.

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Dieser Artikel wurde 94731 mal gelesen und am 11.8.2017 zuletzt geändert.