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Grenzüberschreitendes Freiraumkonzept: Kluft zwischen Planungen und Realität schließen

Axel Mayer Geschäftsführer beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Regionalverband Südlicher Oberrhein:

"Das grenzüberschreitende Freiraumkonzept ist, trotz mancher noch offener Fragen, aus der Sicht des BUND und des Naturschutzes eine sinnvolle und begrüßenswerte Sache.
"Umweltgesichtspunkte auf allen Ebenen räumlicher Planung auf pragmatische, umsetzungsorientierte und insbesondere vergleichbare Art und Weise einzubeziehen", solche Aussagen aus dem Konzept entsprechen alten Forderungen des BUND, der mit Alsace Nature und Schweizer Umweltgruppen seit vielen Jahren intensiv grenzüberschreitend zusammenarbeitet. Doch besteht nach Ansicht des BUND leider häufig ein großer Unterschied zwischen angekündigten Umweltzielen, Planungen und der von uns erlebten

Realität in Sachen Natur und Umwelt.
Von den ursprünglich vorhandenen Rheinauen sind noch ca. 2% in naturnahem Zustand vorhanden. Ein südbadischer "Floridaeffekt" und gestiegene Wohnansprüche führen zu einer Explosion des Flächenverbrauchs. Freiburg ist die am schnellsten wachsende Stadt im Bundesgebiet, und auch die anderen Städte sowie die kleinen Gemeinden expandieren und breiten sich teilweise breiartig aus. Der Oberrheingraben ächzt unter der zunehmenden europäischen Verkehrslawine; überall werden massiv neue Straßen gebaut oder ausgebaut.

Alle diese Projekte gehen fast immer zu Lasten der verbliebenen Naturreste und damit auch zu Lasten der Menschen. Ein Zusammentragen der häufig isoliert betrachteten Puzzlesteine dieser Entwicklung ergibt ein Bild der Zerstörung und dies, obwohl es auf beiden Rheinseiten eine relativ gute und relativ verbindliche Regionalplanung gab und gibt.

Damit bin ich beim Hauptproblem des grenzüberschreitenden Freiraumkonzepts.
Wo ist, gemessen an der bisherigen Planung, die neue Qualität und vor allem die Verbindlichkeit dieses Konzepts?
Schauen wir uns den ersten Regionalplan des RVSO an und vergleichen wir ihn mit dem neuesten Plan. Der "Schwund" an Regionalen Grünzügen und Siedlungszäsuren in den letzten 20 Jahren ist, nicht nur für Umweltschützer, mehr als erschreckend. Eine relativ gute Planung weicht im konkreten Nutzungskonflikt Ökonomie - Ökologie fast immer auf Kosten der Natur zurück.

Es bleiben große Zweifel, ob ein regionales Freiraumkonzept die sich beschleunigenden Zerstörungsprozesse in der Rheinebene aufhalten kann. Von Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit sind wir leider noch weit entfernt. Das grenzüberschreitende Freiraumkonzept könnte ein sanfter Anstoß in die richtige Richtung werden.
Dazu braucht es aber etwas mehr Mut und Verbindlichkeit sowie die Erkenntnis, daß begrenzte Systeme wie die Oberrheinebene durch unbegrenztes Wachstum zerstört werden."





Übersicht: Flächenverbrauch, Zersiedelung, Naturzerstörung, Regionalplanung, Oberrhein - Südbaden – Elsass






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Dieser Artikel wurde 4281 mal gelesen und am 21.10.2016 zuletzt geändert.