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Gerhard Völker, BUND, Elzach: Ein engagiertes Leben

07.07.2017


Gerhard Völker Laudatio 9. Juli 2017



Lieber Gerhard
sehr geehrte Prominenz
sehr geehrte Damen und Herren
liebe Freundinnen und Freunde

Ich habe die Ehre heute die Laudatio für meinen Freund Gerhard Völker halten zu dürfen

Ich muss zu meiner Schande gestehen:
Es ist in 25 Jahren Tätigkeit meine erste Ehrung dieser Art

Der BUND ist immer noch ein junger Verband
Er hat auf regionaler Ebene noch keine alte „Ehrungskultur“

Das hat Vor- und Nachteile
Es gibt erfreulicherweise noch keine erstarrten Ehrungsrituale

Ehrungen haben immer ein kleines „Randproblem“
Was ist mit den anderen Engagierten und heute Ungeehrten?

Was ist mit den ungeehrten Vorständen, SchatzmeisterInnen, Krötenträgern, allen die mit Demoplakat, Sense, Spaten, Nistkasten, Leserbrief, Engagement dazu beitragen, dass Natur und Umwelt auch für die Zukunft erhalten bleiben?

Wer in der heutigen Runde ist im Ehrenamt engagiert?
Wer ist länger als 10 Jahre im Ehrenamt engagiert?

Ein winziges Präsent, eine kleine symbolische Geste...

Lieber Gerhard,
Du bist immer noch nicht dran.
Neben einem engagierten Mann steht häufig auch eine engagierte Frau (und umgekehrt)

Liebe Gisela,
ich möchte mich zuerst auch einmal bei Dir bedanken...

Jetzt kann´s losgehen...

Diese Laudatio für Gerhard Völker hat zumindest 2 Fehler

    -Sie ist zu lang
    -Sie ist zu kurz um ein engagiertes leben vollständig zu würdigen


  • Gisela und Gerhard sind 1975 in den BUND eingetreten (waren aber schon vorher engagiert).

  • Der Landesverband wurde 1973 gegründet und so können wir Gerhard als langjähriges Mitglied bezeichnen.

  • Geprägt war diese Zeit auch stark vom Kampf gegen das AKW Wyhl.

  • 1984 wurde vom BUND eine Broschüre übers Waldsterben im Elztal verfasst.

    Einer von vielen Spiegelstrichen aus der Auflistung:
  • 1984 wurde vom BUND eine Broschüre übers Waldsterben im Elztal verfasst

    Die Proteste und Aktionen gegen das Waldsterben führten mittel- und langfristig zu einer massiven Verbesserung der Luftqualität. Gesetze wurden auf Druck der Umweltbewegung und gegen die Lobbyisten verschärft, der PKW-Katalysator wurde eingeführt, verbleites Benzin wurde verboten, Kraftwerke und Industrieanlagen wurden entstickt, entschwefelt und zum Teil technisch auch sicherer. Eine von vielen Ursachen der Walderkrankungen war der Ausstoß von Schwefeldioxid und der damit verbundene saure Regen. Hier brachte der Protest die größten Erfolge. "So konnten zum Beispiel alleine in Baden-Württemberg die SO2-Emissionen von 334.200 Tonnen 1973 auf 58.800 Tonnen 1995 reduziert werden, was einem Rückgang um über 80 % entspricht."


  • 1987 erfolgte die Gründung des BUND Oberes ELZTAL. Die Gründungsmitglieder waren Fam Boock, Willi Wöhrlin und u.a. Gerhard und Suse.

  • Auch war er ab diesem Jahr im Stadtrat tätig, durchaus auch als Interessensvertreter in BUND-Angelegenheiten.
    Er hat die Angelegenheiten in der Stadt immer kritisch begleitet, sich umfassend informiert und er hat auch im
    Zweifelsfall bei öffentlichen Vorhaben seine Gegenstimme erhoben. (Es gab immer mal wieder eine Gegenstimme). Im Stadtrat war er gemeinsam mit Herrn Roland Tibi aktiv.

  • 1988 im Februar entwickelten sich starke Aktivitäten im Rahmen des Krötenschutzes. Gerhard war
    hier zusammen mit Fam. Lewedai stark aktiv.

  • 1988 – 91 versorgte die OG eine Feuchtwiese in Biederbach, da wurde viel Handarbeit geleistet mit der Sense und Heugabel. Hier war Gerhard dabei, auch wenn´s heiß wurde im Sommer.

  • ca. 1990 Benzolfaltblatt speziell für Elzachs Straßen-Engstelle, die Daten erhob das LfU und die Grenzwerte
    waren falsch angegeben.

  • 1991 Band AID Konzert, die Einnahmen bzw. der Gewinn wurde an den BUND übereicht, so entstand die Idee, daraus einen Umweltpreis (500 Euro) zu kreieren für z.B. ökologisches Bauen u. Leben wie Müllvermeidung, 1. Preisträger war die Familie Scharnweber im Oberprechtal.

  • Einflüsse von Gerhard gab es auch beim Realschulneubau in Elzach, bei der Umgehungsstraßenbau der B294,
    bei privaten Initiativen wie Wasserkraft Tränkle, Wasserkraft Volk oder das Radwegenetz nach Yach.

  • Immer arbeitete Gerhard Stellungnahmen aus
    und versah sie auch mit fachlich fundierten
    Tipps und Hinweisen, die dann den Umsetzern zur Verfügung standen.
    1995 5. August, BZ : Der Zug soll schnell und öfter fahren. Hier fing das Erfolgsmodell Elztalbahn neu an, nachdem man schon an Abschaffung dachte.

  • 1995 Wildbienenprojekt zusammen mit Ralf Hufnagel als Berater und Ideengeber. Hier wurden
    auch bei der Umsetzung eines Insektenhotelbaues gezielt Haupt – und Realschüler angesprochen.

  • In Oberprechtal entstanden so auch Nisthilfen und selbst die Kindergärten beteiligten sich eifrig.

  • 2000 Wasserflohprojekt mit Monika Haiß u.a. Biologinnen. Es wurde ein langfristiges Projekt, das entsprechende Fördermittel zur Verfügung hatte. Hier arbeitete Gerhard ab 2006 auch mit. Die Kontakte wurden ausgeweitet nach Waldkirch Gymnasium und Schulzentrum Denzlingen. Ab 2007 war Gerhard hier federführend tätig.

  • 2003 -2007 war er in Elzach zusammen mit Monika Haiß in einer Kindergruppe aktiv.
    Natur erleben war ein wichtiges Ziel und wurde auf vielfältige Weise umgesetzt:
    -Fackeln bauen und bei Dunkelheit ausprobieren
    Waldsofa als Treffpunkt gebaut
    -zur Weihnachtszeit Bäume schmücken mit Obst und Gemüse für die Tiere im Wald.

  • Teilnahme am bundesweiten Schmetterlingsmonitoring. Auswertung war in Leipzig. Hier konnte
    er sein fundiertes Fachwissen einbringen
    Gerhard ist BUND-Schmetterlingsguide

  • Ökologische Spaziergänge öffentlich angekündigt in Abstimmung mit dem regionalen Verkehrsnetz
    Gerhard war immer aktiv für das Thema Verkehrsvermeidung

  • Er war BUND-Wespenbeauftragter und setzte auch so manches Nest um. (Richtig viel Arbeit)

  • In den Jahren 90/2000 war er im Rahmen des neuen Flurordnungsverfahrens viel mit Hrn. Hörnstein
    unterwegs und erarbeitete entsprechende Stellungnahmen, die er dann auch mit positiver Kritik versah, und bei denen er immer auch Alternativvorschläge anbot.

  • Konstant war er auch in stetiger Opposition zum Angelteich Prechtal

  • In den Bereichen Umwelt- und Naturschutz vertrat er immer eine vordenkerische -Opposition
    (manche sind heute erst mehrheitsfähig)

  • 2008 war Gerhard Kreisvorsitzender des BUND im Bezirk
    und lange Mitglied im Regionalvorstand des BUND und im Landesvorstand.

So, das war eine lange absolut unvollständige Auflistung der
Aktivitäten (Schwerpunkt BUND-Sicht/ Aktiv in Bücherei und mehr...)

Was bedeutet das?
Arbeit Arbeit Arbeit (auch Nachtarbeit)

Erstaunlicherweise aber auch Lebensqualität
Kleine BUND-Gruppen auf dem Land sind häufig auch Wohlfühlorte für engagierte Menschen

Unser Gemeinwesen lebt von engagierten Menschen und Vordenkern wie Gerhard Völker

Viele Impulse und Ideen, die vor 30 Jahren noch kritisiert und belächelt wurden sind heute gesellschaftliche Selbstverständlichkeit

Wie sah die Umweltsituation vor 40 Jahren aus?

  • Bäche und Ströme waren verdreckt und Kloaken.
  • Kinder in der Nähe von Kraftwerken und MVAs hatten Pseudokrupp und die Luft war extrem verschmutzt
  • Der Alptraum der autogerechten Innenstadt war politisch mehrheitsfähig



Ökologische Erfolge - Ökonomische Erfolge
Noch 1990 wollte der Landkreis gegen den erbitterten Widerstand des BUND eine MVA für 360 000 Jahrestonnen Müll bauen. Kosten eine Milliarde DM. Statt 360 000 Jahrestonnen zu verbrennen, bekommen die beiden Landkreise jetzt 100.000 Jahrestonnen Abfälle in die hochmoderne ZAK-Anlage. Der Widerstand hat Fehlinvestitionen für viele 100 Mio. Euro verhindert und bringt allen Haushalten große Einsparungen.

Vieles, vieles ist besser geworden, wir haben viel erreicht.
Wir haben viel erreicht, weil wir Menschen wie Gerhard haben.

und wir haben trotz aller Erfolge noch viel zu tun

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer



Zu der Ehrung von Gerhard Völker erschien am 13. Juli in der Badischen Zeitung ein schöner Artikel: "Urgestein des Naturschutzes im Elztal".



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Dieser Artikel wurde 441 mal gelesen und am 13.7.2017 zuletzt geändert.