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ISO 14001 für AKW Fessenheim ist Greenwash

24.06.2003
An die Medien

Am 26. Juni 2003 erhält das französische Atomkraftwerk Fessenheim
in Paris die Umweltzertifizierung nach ISO 14001. In den "Sit Infos" des Atomkraftwerks wird auch sehr schön beschrieben, wofür dieses Zertifikat verliehen wird, nämlich für "Schutz von Fauna und Flora und Orchideen um das Kernkraftwerk, für Mülltrennung, für einen Umweltschutz-Notfallwagen bei nichtnuklearen Betriebsunfällen usw."


Für diese schönen umweltschützerischen Aktivitäten
gibt es also dieses ISO 14001 Zertifikat. Die Aktivitäten umweltfreundliches Papier einzusetzen, Wasser zu sparen, Orchideen zu schützen, Energiesparlampen einzusetzen sind begrüßenswert, erfreulich und entsprechen dem, was eigentlich auch in jedem Haushalt geschehen sollte. Hier gratulieren CSFR und BUND auch der Belegschaft.

Und doch ist ein solches Umweltzertifikat ISO 14001 für ein AKW vor allem Greenwash, der Versuch, durch die Überbetonung von umweltschützerischen Selbstverständlichkeiten von den Gefahren der Anlage abzulenken. Aus der Sit Info der AKW-Betreiber geht nicht hervor, ob und wie sich die Zertifizierung mit den menschengefährdenden Problemen des Kernkraftwerks beschäftigt hat. Mit den Fragen der atomaren Sicherheit, mit den Fragen der Sicherheit vor Flugzeugabstürzen, der Versprödung des Reaktordruckgefäßes, der ungeklärten Atommüllfrage und der ungeklärten Frage der Erdbebensicherheit. Ein Ölkraftwerk müsste täglich 8,64 Millionen Liter Öl verbrennen um die Wärme zu erzeugen, die das EDF / EnBW AKW Fessenheim jeden Tag in den Rhein leitet, denn das "umweltzertifizierte" AKW hat keine Kühltürme.


Von der Hausmülltrennung und dem Orchideenschutz auf dem Werksgelände soll ein postiver Imagetransfer auf das ganze AKW ausgehen. So dient die ISO 14001 der Desinformation und Akzeptanzbeschaffung.

Die "schützenswerten Orchideen" stehen auf dem bestbewachten "Biotop" der Regio. Dort wo irgendwann zwei Euroreaktoren von EDF und EnBW gebaut werden sollen, ist auf dem festungsartig eingezäunten Gelände für diese zwei weiteren AKW ein wunderbares, gut bewachtes Biotop entstanden.

Gerade in der Umweltregion am Südlichen Oberrhein häufen sich Greenwash-Versuche.
Hier im Dreyeckland liegen wichtige Wurzeln der bundesweiten Umweltbewegung und zur Zeit laufen Akzeptanzbeschaffungsversuche für umweltbelastende Firmen und Projekte auf vielen Ebenen, in Deutschland wie in Frankreich. Der heutige Versuch der EDF eine neue "Dachorganisation” zu gründen zielt in die gleiche Richtung. Der Begriff Nachhaltigkeit soll für Atomenergie stehen.

Ein weiteres regionales Beispiel für den Missbrauch der ISO 14001
ist die Firma Stracel. Da hatten die BürgerInnen in Straßburg, Kehl und Umgebung lange Jahre unter dem Gestank und den Schadstoffen der Straßburger Papierfabrik gelitten. Dennoch erhielt das Unternehmen im Jahr 1999 als eine der ersten französischen Papierfabriken dieses Umweltzertifikat.

Exemplarische Beispiele für umweltgefährdende Firmen die nach ISO 14001 zertifiziert wurden:

  • Cogema - la Hague (F) Atommüll Aufarbeitung
  • Fessenheim (F) AKW
  • Isar 1 (D) AKW
  • Isar 2 (D) AKW
  • Beznau (CH) AKW
  • Flughafen München
  • Urenco Gronau
  • Stracel (F) Papierfabrik


Es ist schier unglaublich,
dass Isar 1 und Isar 2, die Atomkraftwerke des Energiekonzerns E.ON, schon 1999 als erste deutsche Kernkraftwerke sogar mit dem "Höherwertigen" Umweltzertifikat EMAS ausgezeichnet worden sind. Auch die umstrittene, umweltbelastende Atomfabrik Urenco, im westfälischen Gronau hat das "Umweltprädikat" EMAS und "Ethics in Business" erhalten.

Wenn im AKW Tschernobyl und in den Chemieanlagen von Union Carbide in Bhopal und Ciba in Seveso der Müll sauber getrennt, Orchideen gepflegt und ein Umweltmangagement erstellt worden wäre, hätte einer Zertifizierung nach ISO 14001 oder EMAS sicher nichts im Wege gestanden.

Umweltzertifikate wie ISO 14001 werden durch einen solchen häufigen und gezielten Missbrauch diskreditiert und stellen sich selbst und die damit verbundene, auswuchernde Bürokratie selbst in Frage.

Jean-Jacques Rettig (CSFR) / Axel Mayer (BUND Geschäftsführer)


Links und Informationen:
EMAS Kritik
hier: Fessenheim Infos
hier: Infos AKW und Atomgefahren
hier: KKW und Klimaschutz
hier: Uran, Öl, Gas und weltweite Energievorräte

Nachtrag


Im Iso 14001 zertifizierten AKW Fessenheim wurde am 20.10.2009 festgestellt, dass gerade 20 000 Liter Dieselöl (für die Notstromaggregate) ausgelaufen waren. 14 000 Liter gingen direkt ins Grundwasser, auf dem eine 2 Zentimeter dicke Ölschicht schwimmt. Das korrodierte Rohr war im Rahmen der „großen Fessenheiminspektion“ erst wenige Wochen zuvor, am 28.9.09 “gründlich“ untersucht worden...







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Dieser Artikel wurde 3957 mal gelesen und am 5.8.2010 zuletzt geändert.