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Heimat, Natur & Naturschutz 2017: Weltoffen & klug

12.07.2017

Heimat, Natur & Naturschutz 2017: Weltoffen & klug



Aktueller Einschub


"Heimat, dies von Nationalisten gekaperte Wort, ist kein giftiges, sondern ein heilsames Wort.
Heimat Demokratie: Wenn die Menschen in einer Demokratie das Gefühl haben, etwas zu sagen zu haben, wird sie ihnen heimatlich. Heimat Sozialstaat: Wenn der Sozialstaat glückt, ist er Heimat für diejenigen, die sich eine Villa nicht leisten können. Heimat Europa: Wer den Nationalstaat als Heimat erlebt hat, will daraus nicht vertrieben werden. Wenn diese Heimat schwächelt, weil sie gegen Arbeitslosigkeit kein Mittel findet, dann muss Europa diese Mittel finden und den Menschen zweite Heimat werden. Wenn die Menschen das spüren, werden sie wieder Europäer und schieben die Rechtsaußenleute dahin, wo sie hingehören: an den Rand.
In flüchtigen Zeiten Heimat schaffen, das ist Politik gegen die Parolen des Mobs."

Auszug aus dem klugen Beitrag "Mob und Mitte" von Heribert Prantl am 18.6.16 in der Süddeutschen Zeitung




Heimat, Natur & Naturschutz 2017: Weltoffen & klug



"Wie könnt Ihr nur
in einem BUND-Aufkleber den Begriff "Heimat" verwenden?" wurde ich von einem erbosten BUND-Jugendlichen gefragt. Ich habe mich über den engagierten Jugendlichen und seinen klugen Ärger über unseren Aufkleber gefreut, auch wenn ich seine Meinung und Einschätzung nicht teile. Hier einige erste Gedanken und Überlegungen zu diesem wichtigen Thema.

Nationalpark, Mensch, Natur & Heimat
Es gab und gibt in Deutschland einen zunehmenden Widerstand gegen Nationalparks, u.a. im Nordschwarzwald, Teutoburger Wald, Eggegebirge, Lieberoser Heide, Wasgau und im Steigerwald.

Wer die Wortmeldungen von überzeugten Nationalparkgegnern hört,
der hört oft das Wort Heimat. „Der Nationalpark bringt ungeliebte Veränderungen und gefährdet so Heimat“ wird gesagt. Im Schwarzwald werden die alten Fichtenmonokulturen gerade von strukturkonservativen Menschen und manchen Parteivertretern als Heimat empfunden.

Doch niemand hat den Heimatbegriff für sich gepachtet.
Die Menschen, auch im Schwarzwald, haben in den letzten Jahren immer wieder erleben müssen, dass „Hirschhornknopftragende Politiker in Trachtenjacken, die gerne von Heimat reden“ häufig fast allen heimatzerstörenden Großprojekten und Naturzerstörungen zugestimmt haben. Ein Nationalpark, der das Naturerbe in seiner Vielfalt bewahrt und dennoch verändert, kann Heimat sein.

Ordnung & Sauberkeit contra „wilde“ Natur
Bei vielen großen Konfliktthemen im Naturschutz schimmert immer wieder eine deutsche Urangst hervor. Es ist die große Angst vor Veränderung und Unordnung. Das beginnt im Kleinen, beim sauber auf- und ausgeräumten Garten, in dem kein Vogel mehr einen Brutplatz findet. Es geht weiter mit der auf- und ausgeräumten Kulturlandschaft, wo Hochstammbäume und Hecken in der Maissteppe nichts mehr zu suchen haben. Doch auch die großen Konflikte um die Nationalparks sind von solchen Ängsten geprägt. Ein Wald, der sich „ungeplant und nicht von Menschen gesteuert“ verändert als Skandal? Solche Veränderungen oder gar „Wildnis“ lösen tiefsitzende Ängste aus und leider wird immer wieder Ordnung um der Ordnung willen mit dem Begriff Heimat verbunden.

Der Begriff "Heimat“ wurde im Nationalsozialismus
im Zusammenhang mit der „Blut–und-Boden“-Ideologie völkisch und rassistisch uminterpretiert und von der politisch Rechten besetzt. Nach dem Krieg kam das Wort zumeist sehr "tümelnd" und "Schwarzbraun wie die Haselnuss" daher.

Doch heute muss es auch darum gehen,
den Begriff "zurückzuholen" und demokratisch zu besetzen. Wer den Begriff Heimat nur verächtlich als Domäne der Rechten und der AfD geißelt, der überlässt diesen die Definition und den Begriff.

Auch Heimat und der Heimatbegriff verändern sich,
müssen sich positiv verändern. Heimat ist eben auch bunte, kulturelle Vielfalt und nicht monokulturelle Einfalt. Heimat ist nicht Ablehnung des Fremden, sondern immer auch tolerante Neugier auf Neues, Anderes und Fremdes. Heimat ist immer auch „regionale Identität“ und steht gegen die „Kolonisierung der Lebenswelt“ und gegen die zunehmende "Kommerzialisierung aller Lebensbereiche". Im Naturschutz sollte stets die Biodiversität im Mittelpunkt des Handelns stehen. Gerade in den großen frühen Umweltkonflikten am Oberrhein, bei den Bauplatzbesetzungen in Wyhl (D), Kaiseraugst (CH) und Gerstheim (F) wurde Heimat, erstmals seit dem Krieg, grenzüberschreitend trinational definiert.

Der große elsässische Autor André Weckmann wollte eine Verbindung von Heimat und Globalem, von Überlieferung und Moderne, von Natur und Mensch. In einem seiner programmatischen Texte stellt er die Frage:
"Was ist nun diese "Alemannische Internationale"? Eine Idee, die es uns erlaubt, aus unserer Eingeengtheit herauszubrechen, ohne aber deshalb einer entwurzelnden Globalisierung zu verfallen."

Auch industrienahe Politiker und neoliberale Lobbyisten
mögen den Heimatbegriff nicht. In ihrer Heimat verwurzelte Menschen seien nicht modern, denn die Arbeitnehmer der Zukunft sollen und müssen nach ihrer Ansicht mobil sein. Nach amerikanischem Vorbild zieht die ganze Familie einfach um, wenn der Arbeitsmarkt es erfordert oder wenn irgendwo mehr verdient werden kann. Der Arbeitnehmer der Zukunft sollte ein globaler Nomade und "wohnmobil" zu sein. Heimat ist es dann, wenn der Hamburger überall auf der Welt gleich schmeckt...

In Deutschland entsteht gerade
eine neue, neoliberale und rechtskonservative "Deutsche Tea Party Bewegung" und die rechtspopulistische Atompartei AfD gibt sich geschickt als Heimatpartei aus. Ein schwerer Atomunfall oder ein Anschlag auf ein gefahrzeitverlängertes AKW könnte große Teile Deutschlands unbewohnbar machen und große Flüchtlingsströme auslösen. Es ist erstaunlich, dass gerade die Atomlobbyisten in der AfD vor diesen Gefahren die Augen verschließen und Windräder für gefährlicher halten...
Ansonsten wird "Heimatschutz" bei der AfD ja groß geschrieben. Doch die wirtschaftlichen Interessen der Atomindustrie gehen vor Heimatschutz.

Wenn sich die Umweltbewegung nicht anstrengt, dann wird die Rechte den Begriff Heimat wieder im alten, negativen Sinn besetzen.
Die Umweltbewegung darf nicht zulassen, dass rechte Parteien Umwelt- und Naturschutzthemen benutzen, um eine menschenfeindliche Politik zu betreiben. Umwelt- und Naturschutz ist immer auch Menschenschutz und Einsatz für Menschenrechte und Heimat.

Axel Mayer, BUND Geschäftsführer, Kreisrat, Vizepräsident TRAS und südbadischer Aborigine
(Dieses Textfragment entsteht gerade und ist noch ein Baustelle)


Heimat, Dialekt & Naturschutz: Nicht "tümelnd", sondern tolerant und weltoffen



Heimat - Zitate:
  • Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern wo man verstanden wird.
    Christian Morgenstern (06.05.1871 - 31.03.1914) deutscher Dichter und Schriftsteller

  • Wer die Heimatberge nicht liebt, kann auch fremde Täler nicht lieben.
    Aus dem Kaukasus

  • Die Heimat des Weltbürgers wird scharfsinnig erspürt,
    die des Volkstümelnden wird erjodelt.

    Raymond Walden (
  • 1945), Kosmopolit, Pazifist und Autor

  • `s Beispiel vom Bàim
    Lüag un lehr wia d’r Bàim sich
    tiaf in d’r Heimatboda tüat bohra
    so wàchst‚r hoch zum Liawesliad vo sina Bletter
    otmet Luscht üs àller Luft
    Sàft kunnt vo tiaf
    Liacht kunnt vo hoch
    ar singt im Niederwind
    ar singt im Ewerwind
    un steht noch gràd un steht noch krumm im Sturm un
    losst nitt luck
    verwurzelt hoch
    waltoffa tiaf


    (Adrien Finck)
















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Dieser Artikel wurde 1370 mal gelesen und am 13.7.2017 zuletzt geändert.