Diese Seite ausdrucken

Insektenhotel / Wildbienenhotel bauen: BUND - Nisthilfe für Wildbienen, Ohrwürmer und Co.

21.07.2015

Insektenhotel / Wildbienenhotel bauen: BUND - Nisthilfe für Wildbienen, Ohrwürmer und Co.




Was ist ein "Insektenhotel"?
Ein Insektenhotel dient Insekten als Überwinterungs-, Nist- und Überlebenshilfe. Es kann in unterschiedlichen Größen und Formen gestaltet werden. So reicht eine mit Löchern versehene Baumscheibe bereits aus, um z. B. Wildbienen Unterschlupf zu bieten. Oft umfasst der Maßstab eines Insektenhotels jedoch mehrere Stockwerke und ,,Zimmer’’ auf ca. zweimal einem Meter. Dabei sollte das Innenleben des Bauwerkes möglichst abwechslungsreich sein, um den unterschiedlichen Ansprüchen der einzelnen Arten gerecht zu werden.

Warum benötigen Insekten "Hotels"?
In den letzten Jahrhunderten hat der menschliche Eingriff in die Natur stark zugenommen. So werden z.B. Felder vermehrt mit Pestiziden behandelt, Grünflächen besiedelt, Gewässer begradigt oder trockengelegt und es herrscht ein schrecklicher Ordnungsdrang (nicht nur) in Garten, Wald und Natur. Diese Eingriffe durch den Menschen führen unter anderem zu Habitatsverlust für Insekten. Viele natürliche Lebensräume wie z.B. Lehmhänge oder Totholz sind daher nur noch selten vorhanden. (Umfangreiche Infos zum Schmetterlingssterben und Insektensterben finden Sie unten auf dieser Seite)

Mit ihrem Lebensraum verschwinden auch die dort lebenden Insekten. Der Habitatsmangel ist eine maßgebende Ursache für das Verschwinden vieler Arten. Dagegen soll das Insektenhotel zumindest einen kleinen Teil des verlorenen Lebensraums ersetzten. Es ist nicht verwunderlich, dass Insekten, die in den künstlichen Nisthilfen ihr Zuhause finden, oft bedrohte Arten sind. Dazu sind die Arten, die durch ein Insektenhotel gefördert werden sehr wertvoll, da sie das Ökosystem vielerorts gut ergänzen, indem sie darin als Fraßfeinde von Pflanzenschädlingen und als Bestäuber auftreten.

Warum brauchen wir Menschen Wildbienen?
"Bei der Bestäubung von Pflanzen haben wildlebende Bienen und andere Insekten eine große Bedeutung. 50 Wissenschaftler haben weltweit etwa 600 Anbauflächen inspiziert oder Studien darüber ausgewertet. Die Ergebnisse wurden im Magazin Science veröffentlicht. -“Unsere Daten zeigen, dass viele verschiedene Bestäuberarten noch einmal einen Mehrwert bringen: Sie sichern eine höhere Ernte und auch eine größere Gleichmäßigkeit der Erträge", sagt Ingolf Steffan-Dewenter vom Biozentrum der Universität Würzburg. Deutschlandweit sind 550 Wildbienenarten bekannt, weltweit sind es Steffan-Dewenter zufolge etwa 30.000. Die Forscher stellten fest, dass die Wildbienen sehr erfolgreich arbeiteten. So würden 100 Honigbienen und 50 Wildbienen ein Feld erheblich besser bestäuben als 150 Honigbienen. Das liege daran, dass die wildlebenden Insekten effizienter seien. Die Wissenschaftler glauben nun, dass die Wildbienen keine größeren Mengen an Pollen transportieren, dafür aber qualitativ hochwertigere. Die Forscher zogen ein klares Fazit: Der Lebensraum der Wildbienen muss besser geschützt werden." Quelle: www.sciencemag.org
Und wir brauchen Wildbienen nicht nur weil sie "nützlich" sind, sondern weil sie da sind und weil sie schön sind! (Axel Mayer)


Insektenhotels sind ein kleiner, bescheidener, lokaler Versuch, gegen das Artensterben anzugehen
und immer nur "Ersatz"! Sie können an einigen Stellen helfen, die Insektenpopulation und die Vielzahl an Insektenarten lokal zu steigern, wodurch ein Ökosystem aufgewertet werden kann, z. B. dient eine dichtere Insektenpopulation Vögeln als Nahrungsquelle. Noch wichtiger als der Bau von "Notunterkünften für Insekten" ist das Engagement für die bedrohte Restnatur!

Gerade auch Wildbienen leiden unter Agrargiften und Neonicotinoiden


Insektenhotels erfüllen insbesondere aber auch einen großen Zweck in der Umweltbildung, indem sie als Anschauungsmaterial zur Biologie und dem Naturschutz dienen. Insektenhotels und Nistkästen sind ein wichtiger Beitrag, um Menschen an Natur und Naturschutz heran zu führen.




Die Zimmer im Insektenhotel
Kleine "Hotels" können aus nur einem ,,Zimmer’’ bestehen, so dient bspw. ein mit Löchern versehenes Holzstück oder ein Bündel Schilfhalme schon als Nisthilfe und Winterruhe für Insekten. Es gibt aber auch große Kästen, die aus vielen solcher ,,Zimmer’’ bestehen. Dazu wird ein Holzrahmen mit Unterteilungen angefertigt, die dann mit verschiedenen Naturmaterialien und porösen Backsteinen gefüllt werden.
Beim Bau eines Hotels muss darauf geachtet werden, dass Vögel das Füllmaterial nicht herausziehen können, um die Insekten zu fressen. Auch sollte das Füllmaterial ungiftig und das Holz für den Rahmen nicht mit chemischen Holzschutzmitteln behandelt sein. Die Zimmer müssen trocken und witterungsgeschützt sein, also sollte das Hotel überdacht stehen oder selbst ein regenschützendes Dach haben. Es ist wichtig, dass das Hotel der Sonnenseite zugewandt steht, so dass die Insekten genügend Wärme bekommen.

Wer zieht ein im Insektenhotel?
  • Der erste Gast ist meistens die Rote Mauerbiene (Osmia rufa). Sie ist am wenigsten wählerisch und nimmt sowohl die Öffnungen in Ziegelsteinen wie auch Bohrlöcher im Holz an.
  • Die angebohrten Holzklötze werden von folgenden Arten gewählt: Löcherbiene, Scherenbienen, Blattschneiderbienen, Maskenbienen.
  • Markhaltige Stängel mögen die Keulhornbiene, einige Mauerbienenarten, die Maskenbienen und die Blattschneiderbienen.
  • Morsches Holz ist attraktiv für Blattschneiderbienen, die blaue Holzbiene und die Pelzbiene.
  • Lehmbauwerke werden von den Pelzbienen, der Seidenbiene und der Maskenbiene bezogen.

(Diese Angaben über die in Nisthilfen zu erwartenden Arten sind entnommen aus: Helmut und Margrit Hintermeier, Bienen, Hummeln Wespen im Garten und in der Landschaft, Obst und Gartenbauverlag, München 2002)

Wer einmal ein Insektenhotel oder einen Nistkasten gebaut und aufgehängt hat
und wer Insekten, Vögel und andere Tiere und Natur beobachtet, wird langfristig auch erkennen, dass der Bau von Nisthilfen nur ein erster, kleiner Schritt ist, denn die Bedrohung der Arten erfordert weitergehende Schritte. Auf diesem Wege lernt man, dass Natur in Gärten, Wälder, Städte und Dörfer zurückgebracht werden muss und dass Insekten-, Vogel-, Natur- und Umweltschutz langfristig auch dem Menschen dient und nutzt. Gerade Gartenfreunde können einiges zum Artenschutz beitragen. Naturnahe Brutstätten finden Insekten überall dort, wo es im Garten ein wenig „unordentlich“ ist. Alte, morsche Bäume, abgestorbene Äste, Hecken, „Wildnisecken“ und der Verzicht auf Gift gehören bei einem lebendigen, naturnahen Garten dazu.
Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer



Mehr Infos:



Da nützt das tollste Insektenhotel wenig...

Schmetterlingssterben - Insektensterben (nicht nur) am Oberrhein




Schmetterlingssterben / Insektensterben / Bienensterben & Vogelsterben 2017: Gift, Neonicotinoide, Dünger, Monokulturen, Ferneintrag



Schmetterlingsfragen:


  • Wann haben Sie das letzte Mal einen Schwalbenschwanz gesehen?
  • Wann haben Sie das letzte Mal einen Bläuling gesehen?
  • War die Windschutzscheibe Ihres Autos vor 30 Jahren nach einer Ausfahrt nicht heftig "insektenverschmiert" und ist sie jetzt nach sommerlichen Fahrten nicht erschreckend "sauber"?


In den letzten Jahrzehnten hat die Zahl der Schmetterlinge
weltweit, aber auch regional stark abgenommen. "Zwischen 1990 und 2011 brach die Population von 17 in der EU verbreiteten Schmetterlingsarten um rund die Hälfte ein", schreibt die Europäische Umweltagentur (EEA) 2013 in ihrem Bericht. Das deutet auch auf den Rückgang vieler anderer Insektenarten hin. Selbst Nicht-Biologen fällt auf, dass der Artenreichtum und die Anzahl der Schmetterlinge massiv abgenommen haben.

Dies gilt nicht nur für die europäischen Maissteppen,
sondern erschreckenderweise auch für die wertvollsten, immer dem Ferneintrag von Giften und Düngemitteln ausgesetzten Naturschutzgebiete, zum Beispiel am Kaiserstuhl oder für die Orchideen-Wiesen am Bollenberg im Elsass. Der beste "Indikator" für das große, stille Insektensterben ist Ihre Windschutzscheibe. War diese nach sommerlichen Fahrten vor 30 Jahren noch heftig "insektenverschmiert", so ist sie jetzt erschreckend "sauber". Schnaken gibt´s natürlich noch, aber die "dicken Brummer" fehlen.

Wir erleben gerade ein stilles Artensterben und zwar nicht im fernen Afrika, sondern direkt vor unserer Haustür.

Während das Bienensterben, ausgelöst nicht zuletzt durch Neonicotinoide, intensiv öffentlich diskutiert wird, bräuchte das stille Sterben der Schmetterlinge, der Wildbienen und anderer Insekten noch mehr öffentliches Interesse. "Schuld am Sterben der Schmetterlinge sind insbesondere die intensive Bodennutzung durch Flächenverbrauch, industrielle Landwirtschaft und Pestizide", sagt ein Bericht der Europäischen Umweltagentur (EEA). Auch wenn wir uns in dieser südwestlichen Ecke Deutschlands über gelegentliche Neufunde (Purpurweiden-Jungfernkind...) und klimabedingte "Wanderungsgewinne" aus dem Süden freuen, ändert dies nichts am Grundproblem.

„Ich untersuche die Tag- und Nachtfalter in der Oberrheinebene seit 30 Jahren regelmäßig und sowohl die Artenzahlen als auch die Faltermengen gehen insgesamt stark zurück. Es fällt auf, dass auch Wiesen, die selbst nicht zerstört wurden, aber in der Agrarlandschaft unmittelbar den Randeinflüssen der gespritzten Kulturen ausgesetzt sind, nur noch von wandernden Faltern besucht werden. Wiesen im Wald sind oft noch nicht so betroffen. Die bunten Wiesen der Hochwasserdämme in der Aue sind vom Wald abgeschirmt und geschützt und darum immer noch Falter-reich. Im Kaiserstuhl haben sich einige Arten nur noch in den windgeschützten Tälern gehalten. Da wundert man sich natürlich nicht, dass neben Schmetterlingen und anderen Insekten auch Singvögel und Fledermäuse selten werden.“ sagt Jörg-Uwe Meineke, Schmetterlingsexperte und ehemaliger Leiter des Referats für Naturschutz und Landschaftspflege im Regierungspräsidium Freiburg


Diese wichtigen Aussagen des Spezialisten Meineke sagen, dass wunderschöne, artenreiche, bunte Blumenwiesen und Ackerrandstreifen den Insekten nichts nützen, wenn sie dem Ferneintrag von Giften und Schadstoffen ausgesetzt sind.
Hier liegt das Hauptproblem, hier muss der BUND und die Umweltbewegung ansetzen.


Der Bioland Bundesverband hat in Sachen Ferneintrag von Giften ähnliche Probleme und schreibt:
"Eine Studie im Auftrag des Landesamts für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) Brandenburg brachte den Nachweis, dass die Unkrautvernichtungsmittel Pendimethalin und Prosulfocarb sehr weiträumig über thermische Luftbewegungen verbreitet werden. Die Gutachter sprechen von einer "unerwünscht weiträumigen und anhaltenden Verbreitung insbesondere von Pendimethalin". Die festgestellte Belastung liegt 100- bis 1000-fach höher als die Grundbelastung in unbelasteten Referenzgebieten der Nord- und Ostsee. Pendimethalin und Prosulfocarb werden im konventionellen Landbau häufig verwendet. Pendimethalin steht auf der Liste der TOP 10 der meist verkauften Pestizide in Deutschland."

Immer mehr Studien zeigen,
dass nicht nur Honigbienen, Wildbienen, Hummeln und andere Insekten durch Neonicotinoide geschädigt werden, sondern dass die Biodiversität in Gefahr und zum Teil schon geschädigt ist.

Insektensterben & Vogelsterben
Wenn die Zahl der Insekten in manchen Gebieten Deutschlands schon um bis zu 80% abgenommen hat, dann hat das natürlich auch Auswirkungen auf die Vogelwelt. Vögel wie Schwalben oder Mauersegler leben von Insekten. Für eine Vielzahl von Kleinvögeln sind Insekten in der Aufzuchtphase besonders wichtig. Das globale und bundesweite Insektensterben
nimmt (nicht nur) Schwalben, Mauerseglern und Fledermäusen die Nahrungsgrundlage und führt zu einem massiven Rückgang der Populationen. Wenn ein wichtiger Teil der Nahrungsgrundlage wegbricht, dann hat das extreme Auswirkungen auf alle Arten am Ende der Nahrungskette. Die Lobbyisten der Agrargift-Industrie haben ein massives (und gut organisiertes) Interesse, dass dies nicht zum Thema wird.

Aus bunten Schmetterlingswiesen wird Einheitsgrün
Auch am Oberrhein wurden viele Wiesen umgebrochen. Aus bunten Blumenwiesen im Schwarzwald und in den Vogesen wird zunehmend monotones, artenarmes, gedüngtes Einheitsgrün, das immer häufiger im Jahr gemäht wird. Unsere Landwirte, die einer brutalen internationalen Konkurrenz (Freihandel!) ausgesetzt sind, müssen immer mehr Futter für Kühe erzeugen und auch die Biogasanlagen müssen "gefüttert" werden. Wo früher eine artenreiche Acker-, Wiesen- und Streuobstlandschaft war, steht heute fast überall giftgeduschter Mais. Viele, der in der Landwirtschaft eingesetzten Spritzmittel und Gifte (Neonicotinoide / Glyphosat...) sind ein Grund für den massiven Rückgang der Artenvielfalt auf Ackerböden und in deren Umgebung. Doch nicht der einzelne Landwirt ist das Problem, sondern die mächtige Agrochemielobby. Auch den Gärten wird wieder heftig "gegiftet". Die Buchsbaumzünzler-Bekämpfung in den Gärten wird häufig mit Neonicotinoiden durchgeführt. Zur Zeit gibt es in vielen Gärten wieder richtige "Gift-Orgien" wie in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Neonicotinoide, Konzerne und bedrohte Gewinne
Die zunehmende Erkenntnis um die Bedrohung der Natur durch Neonicotinoide bedroht die satten Gewinne von Bayer, Monsanto, Syngenta und Co. Was jetzt ansteht nennt sich Krisenkommunikation. Krisenkommunikation ist das Geschäft der großen Werbeagenturen. In den letzten Jahrzehnten wurden professionell die Gefahren des Rauchens und der Atomenergie heruntergespielt und der menschengemachte Klimawandel geleugnet. Syngenta und Bayer klagen zwar selber beim Europäischen Gerichtshof wegen der EU-Restriktionen gegen die schlimmsten Neonics. Doch die richtigen PR-Kampagnen werden von industriegelenkten, gut organisierten Tarnkappen-Organisationen und gut bezahlten WissenschaftlerInnen übernommen. Um den Zusammenhang zwischen Bienensterben und Neonicotinoiden zu verschleiern, wurde jahrelang gezielt die These von der „Varroamilbe als Hauptursache“ organisiert. Die Konzerne haben einen massiven Einfluss auf Studien, Universitäten, Wikipedia, Politik und auf das BfR (Bundesinstitut für Risiko-Bewertung). Das jahrelange, industriegelenkte Wegschauen staatlicher "Kontroll"instanzen beim Dieselskandal, erleben wir auch bei Neonicotinoiden und Glyphosat. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit bekämpfen deutsche Chemiekonzerne mit allen juristischen Mitteln und ausgestattet mit Geld und Macht jede kritische Stimme, die ihre lohnenden Giftgeschäfte gefährden könnte. Dieser Streit wird mit großer Härte ausgetragen und ein Konflikt mit Bayer-Rechtsanwälten hat den kleinen BUND-RV am südlichen Oberrhein schon viel Geld gekostet.


"Sterben der Schmetterlinge" ist eigentlich ein verharmlosender Neusprechbegriff, denn er verschweigt den Hintergrund des Sterbens. Schmetterlinge und andere Arten werden global und regional ausgerottet. Es lassen sich viele Einzelursachen dieses Ausrottungsprozesses auflisten. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass unser verschwenderischer, auf unbegrenztem Wachstum beruhender Lebensstil nicht kompatibel mit dem Überleben von Schmetterlingen, Nashörnern, Feldhamstern, Insekten und vielen anderen Arten ist. Ob unser Lebensstil sich mit dem Überleben unserer eigenen Spezies verträgt, darf bezweifelt werden.
Axel Mayer


Das Schmetterlingssterben & Insektensterben ist nur ein kleiner Teil des globalen Artensterbens.
Von Jahr zu Jahr stehen mehr gefährdete Tiere und Pflanzen auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Und die Rote Liste zeigte noch nicht einmal das ganze Ausmaß des weltweiten Artensterbens, wie Wissenschaftler in der Zeitschrift „Conservation Biology“ berichten. Durch das was wir "Wachstum und Fortschritt" nennen, hat sich das globale und regionale Artensterben derart beschleunigt, dass Forscher mittlerweile vom sechsten Massensterben der Erdgeschichte sprechen.

Fünf Mal gab es in den vergangenen 540 Millionen Jahren gewaltige Artensterben, zeigen Fossilienfunde. Forscher sehen eine aktuelle, menschengemachte, sechste Welle in vollem Gange. Allein seit dem Jahr 1500 seien mehr als 320 terrestrische Wirbeltiere ausgestorben, die Bestände der verbliebenen seien im Schnitt um ein Viertel geschrumpft, schreiben Wissenschaftler um Rodolfo Dirzo von der Stanford University in "Science".


Natürlich werden überall auch neue, kleine Naturschutzgebiete ausgewiesen.
Aber der Gifteintrag über große Entfernungen macht auch vor dieser Restnatur nicht halt und die Zahl der Schmetterlinge und Insekten schwindet. Während neue Naturschutzgebiete unter öffentlichem Beifall eingeweiht werden, verschwinden gleichzeitig wesentlich größere Flächen unter Beton und Asphalt. Überall gilt: “Der Naturschutz arbeitet am kleinen Detail, die Naturzerstörer arbeiten am großen Ganzen”.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer


Wir haben zu diesem Thema ein Flugblatt gedruckt. Dieses können Sie für nur 2ct pro Exemplar (zzgl.Versandkosten) in unserem BUND-Shop bestellen, im BUND Büro in Freiburg abholen oder als kostenlose PDF-Datei hier herunterladen.




Artensterben - Schmetterlingssterben - Insektensterben


Schmetterlingssterben/Insektensterben: Studien, Untersuchungen, Medienbeiträge & Links:



Wichtiger Einschub zum Thema Vogelschwund durch Pestizide:
"[...] Bisher galten Neonicotinoide als schädlich nur für Insekten und andere wirbellose Tiere.[...] Studien zeigen, dass die Neonicotinoide Bienen und Wasserorganismen stärker schädigen als angenommen.[...] Bisher war allerdings unklar, welche Folgen diese Anreicherung für die Nahrungskette und im Speziellen für höhere Tiere hat.[...]Um das zu untersuchen, werteten die Forscher Daten der Jahre 2003 bis 2010 von zwei Langzeit-Studien aus: einer landesweiten regelmäßigen Zählung häufiger Brutvögel und zum anderen Messungen der Wasserqualität.[...]Das Ergebnis war überraschend eindeutig: Für 14 von 15 untersuchten Vogelarten gab es eine Korrelation: Überall dort, wo die Konzentration des Neonicotinoids Imidacloprid im Wasser 20 Nanogramm pro Liter überstieg, sanken die Vogelzahlen um 3,5 Prozent pro Jahr ab, wie die Forscher berichten.[...]"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Imidacloprid zur Abnahme der lokalen Vogelpopulationen beigetragen hat", sagen die Forscher. [...]
"Neonicotinoide galten bisher immer als selektive Gifte", sagt Koautor Hans de Kroon von der Radboud Universität. "Aber unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass sie das gesamte Ökosystem beeinträchtigen." Diese Pestizide stellen damit ein viel größeres Risiko dar als erwartet, wie die Forscher betonen. Es sei nun dringend nötig, diese indirekten, über die Nahrungskette wirkenden Effekte der Pestizide genauer zu untersuchen - und auch in der zukünftigen Gesetzgebung zu berücksichtigen.[...]"
Quelle: Bild der Wissenschaft


  • Eine sehr ausführliche Studie (auf Englisch) von EASAC (European Academies Science Advisory Council), veröffentlich im April 2015 zum Thema Neonikotinoide mit dem Titel "Ecosystem services, agriculture and neonicotinoids" finden Sie hier.


  • Studie zur Wirkung von Neonikotinoide auf männliche Honigbienen:
    Zwei Neonikotinoide beeinträchtigen die Fortpflanzungsfähigkeit von männlichen Honigbienen

    „[...]Die Forschergruppe der Institute für Bienengesundheit und Veterinary Public Health der Universität Bern und dem Zentrum für Bienenforschung der Agroscope wiesen nun gemeinsam mit Kollegen der Chiang Mai Universität, der Mae Fah Luang Universität (Thailand) und der Universität Koblenz-Landau (Deutschland) nach, dass auch männliche Bienen – Drohnen – durch die Neonikotinoide Thiamethoxam und Clothianidin geschädigt werden.[...]

    Die Studie zeigt, dass im Labor gehaltene Drohnen, nachdem sie den Neonikotinoiden in einem Volk ausgesetzt waren, eine kürzere Lebensdauer aufwiesen und weniger lebende Spermien produzierten. Dies hat auch Konsequenzen für die Bienenköniginnen: da diese als einzige Eier legen können, müssen sie mit den gesunden Spermien von mehreren Drohnen befruchtet werden, um ihre zentrale Rolle für das Volk wahrzunehmen. Wird eine Königin von Männchen mit schlechter Spermienqualität begattet, beeinträchtigt dies ihre Legetätigkeit, worauf die Kolonie sie durch eine andere ersetzen muss – was ressourcenintensiv und mit Risiken verbunden ist.[...]

    «Zusammen mit weiteren Studienergebnissen und der Bedeutung, die männliche Honigbienen für die Fortpflanzung der Gattung haben, unterstreichen unsere Resultate die Dringlichkeit von Risikoabschätzungen der Agrochemikalien, um die Biodiversität und Öksysteme zu erhalten», sagt Ko-Autor Peter Neumann, Leiter vom Institut für Bienengesundheit."
    Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 27.07.2016


  • Studie vom Zentrum für Ökologie und Hydrologie (CEH) in Wallingford zur Wirkung von Neonikotinoiden auf Bienen:
    "Unsere Forschungsergebnisse legen nahe, dass sublethale Effekte durch Neonikotinoide den Verlust der Bienenarten(vielfalt) (Bienen-Biodiversität) verstärkt verursachen könnten. Einschränkungen in der Nutzung von Neonikotinoiden könnten Populationsrückgänge reduzieren."

    Übersetzt aus dem Englischen. Originaltext:"Impacts of neonicotinoid use on long-term population changes in wild bees in England"



  • Eine Studie, spannend wie ein Krimi, über Gift & Macht in Deutschland!
    "Eine weltweite Metaanalyse aus 838 Veröffentlichungen hat aufgedeckt, dass nicht nur Honigbienen und andere Insekten durch Neonicotinoide geschädigt werden, sondern dass inzwischen die Biodiversität als solche in Gefahr und zum Teil schon
    geschädigt ist." (Pisa et al. 2014, EASAC 2015)

    Quelle für die aktuell wichtigste Studie zur Gefahr von Neonicotinoiden: Klaus-Werner Wenzel, Neonicotinoide als Verursacher des Bienensterbens – Ein Addendum zu H.-J. Flügel:


  • "Die Zahl der Schmetterlinge auf Europas Wiesen hat sich zwischen 1990 und 2011 dramatisch reduziert. Ursache dafür seien die Intensivierung der Landwirtschaft und ein Mangel an angemessen gemanagten Grünlandökosystemen, so ein am Dienstag von der Europäischen Umweltagentur EEA veröffentlichter Bericht. In den Report sind die Daten des Tagfalter-Monitoring Deutschlands mit eingeflossen, das vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) wissenschaftlich betreut wird. UFZ-Wissenschaftler haben zudem an der Auswertung der Populationstrends mitgearbeitet."

    Quelle: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)




  • "Die von der Weltnaturschutzunion (International Union for Conservation of Nature, kurz IUCN) herausgegebene Rote Liste gefährdeter Arten, die ich mit erstellt habe, klassifiziert momentan lediglich 394 Insektenarten als ausgestorben. Diese Zahl ist geradezu lächerlich niedrig, und man könnte fast darauf wetten, dass allein in der vergangenen Woche mehrere Dutzend Kerbtierspezies verschwunden sind.

    Niemand weiß genau, wie viele Arten wirbelloser Tiere unserem Planeten verloren gehen, doch Schätzungen zufolge sind es 1 bis 100 pro Tag. Diese alarmierenden Zahlen gehen uns jedoch nicht wirklich zu Herzen. [...]

    Wir müssen die Wirbellosen erhalten – nicht nur, weil diese Tiere wertvolle Dienste wie Bestäubung, Schädlingsbekämpfung und Fördern von Nährstoffkreisläufen innerhalb von Ökosystemen leisten, sondern auch, weil auf der Erde jede einzelne Art ihre Daseinsberechtigung hat. Viele Wirbellose zeichnen sich durch ganz erstaunliche Entwicklungsgeschichten und Lebenszyklen aus und sind ebenso "charismatisch" wie größere Tiere. [...]

    Das Verschwinden Wirbelloser geschieht auch deshalb unbemerkt, weil sich in den meisten Fällen nur sehr wenige Experten mit den jeweiligen Insektengruppen beschäftigen: In vielen Regionen und bei einigen Kerbtierformen ist die Zahl der Forscher sogar gleich null. Obwohl laut Roter Liste der IUCN bislang rund 18 000 Wirbellosenarten vom Aussterben bedroht sind, liegen bei fast einem Drittel unzureichende Daten vor.[...]

    Die Menschheit gibt Unmengen von Geld auf der Suche nach Leben im Weltraum aus, aber noch nicht einmal ein Zehntel aller auf der Erde vorkommenden Arten sind bisher beschrieben worden."

    Quelle: "Wir dürfen die Insektenkrise nicht ignorieren", von Biologe Axel Hochkirch, Spektrum.de, 22.11.2016




  • Die ungeheure Macht der Chemielobby wird bei Wikipedia sichtbar. Die Seite zu den Neonicotinoiden ist bei Wikipedia unkritisch, parteiisch und einseitig. Wikipediamanipulation gehört bei den Konzernen zum Geschäft.



  • "„Wenn Insekten anderswo auf der Welt ähnlich empfindlich sind, dann haben die Aussterberaten von Pflanzen und Tieren eine bislang nicht gekannte Entsprechung im Insektenreich. Das stärkt die Annahme, daß die Natur das sechste große Massensterben ihrer Geschichte erlebt“, schreiben die Forscher. In den zurückliegenden 440 Millionen Jahren gab es auf der Erde fünf große Massensterben, in denen der Planet jeweils bis zu 50 Prozent seiner Arten einbüßte."

    Quelle: Jeremy Thomas vom Winfrith Technology Centre zitiert nach diesem Artikel der FAZ


  • "Wirbellose Tiere wie Insekten, Spinnen, Krebstiere, Schnecken und Würmer genießen zwar nicht die Popularität von Pandas und Delfinen, sie sind aber dennoch außerordentlich wichtig für den Menschen: Sie sorgen für die Bestäubung, beseitigen Ungeziefer, halten den Nährstoff-Kreislauf in Gang und beteiligen sich bei der Filtrierung des Wassers etwa in Bächen und Teichen. [... Der Studie nach] sind binnen 35 Jahren im Durchschnitt 45 Prozent der Wirbellosen von der Erde verschwunden."

    Quelle: Defaunation in the Anthropocene zitiert nach diesem Artikel der SZ


  • "Es werden immer mehr Flächen versiegelt, die Natur hat in vielen Bereichen kaum noch eine Chance. Hinzu kommt, dass die bestehenden Grünflächen in den Gemeinden oft keinen Nutzen für die Natur darstellen. Zum Beispiel die beliebten Zierblumenbeete oder der klassische englische Rasen – dort finden Insekten keine Nahrung. Und wenn die Insekten keine Nahrung finden, sinkt die Anzahl der Insekten; und wenn es weniger Insekten gibt, sinkt auf Dauer die Anzahl der Vögel, weil die von den Insekten leben, und so weiter."

    Quelle: Planet Wissen, Interview mit dem Biologen Martin Klatt


  • "Folgendes muss getan werden, um das Aussterben der Schmetterlinge zumindest aufzuhalten: Keine Monokulturen in der Landwirtschaft. Mehr Schutz für ökologisch wertvolle Gebiete. Verzicht auf Pestizide. Reduktion von Straßenverkehr."

    Quelle: DRadio Wissen, Biologe und Autor Mario Ludwig über den Artenrückgang bei Schmetterlingen


  • "Obwohl die Verluste der Artenvielfalt innerhalb der Tagfalter Deutschlands auch in den letzten Dekaden deutlich sind, können nur Langzeitbeobachtungen das ganze Ausmaß der Katastrophe zeigen. Es sollten dringend Schutzmaßnahmen für die Schmetterlinge Deutschlands ergriffen werden – insbesondere für die Spezialisten unter den Tagfaltern"

    Quelle: Pressemitteilung, Prof. Dr. Thomas Schmitt, Leiter des Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut in Müncheberg


  • "Der dramatische Rückgang der Wiesenschmetterlinge sollte die Alarmglocken läuten lassen. Im Allgemeinen schrumpfen Europas Graslandschaften. Wenn wir es nicht schaffen, diese Lebensräume aufrecht zu erhalten, könnten wir viele dieser Spezies für immer verlieren. Wir müssen die Bedeutung von Schmetterlingen und anderen Insekten anerkennen. Die Bestäubung, die sie leisten, ist essenziell für natürliche Ökosysteme und die Landwirtschaft.“

    Quelle: Hans Bruyninckx, EUA(Europäische Umweltagentur)-Exekutivdirektor, Originaltext in Englisch


  • " „Die Beobachtung über einen Zeitraum von 200 Jahren bestätigt den allgemeinen Trend, dass spezialisierte Arten stark rückläufig sind, obwohl sie im Fokus des Naturschutzes stehen“ [...] Die Ursachen sind laut der Studie vor allem in den hohen Emissionen reaktiven Stickstoffs zu suchen. Reaktiver Stickstoff entsteht etwa bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen, Holz oder Torf, durch die industrielle Verbrennung, durch den Anbau von Hülsenfrüchten und durch die immer intensivere Landwirtschaft der vergangenen Jahrzehnte.[...] „Habitat-Spezialisten sind sehr stark von diesen Umweltveränderungen betroffen“, sagt Biogeograf Habel von der TU München. „Die meisten Schutzgebiete sind sehr klein und isoliert und nur dünn über die Landschaft verteilt", sagt Dr. Habel - "Luftstickstoff macht aber an Grenzen der Schutzgebiete nicht halt.“ [...] „Durch die Stickstoffeinträge wächst die Vegetation schneller. Dadurch wird es schattiger am Boden, zu schattig für wärmeliebende Schmetterlinge“, erklärt Habel. "

    Quelle: Pressemitteilung der Technischen Universität München, Zitate von Dr. Jan Christian Habel vom Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie


  • "Diese ehrenamtlichen Insektenkundler sind es auch, die am Niederrhein seit Ende der 80er Jahre Fallen aufstellen und darin Schwebfliegen, Käfer, Heuschrecken und Schmetterlinge fangen. Die Tiere fliegen in die Fallen, krabbeln in ihnen nach oben und landen schließlich in einem Fläschchen mit Alkohol.
    Einmal die Woche werden die Flaschen geleert, gereinigt und gewogen: 1995 sammelten die Naturschützer noch 1,6 Kilogramm Insekten pro Jahr aus ihren Fallen. „Heute freuen wir uns über 300 Gramm pro Jahr“, sagt Tumbrinck, „das ist ein Rückgang von über 80 Prozent“.
    Quelle: TAZ


  • " „Arten sind gefährdet, weil die Landnutzung nicht mehr stimmt“[...]. Mit der Abnahme der Pflanzenvielfalt schrumpfe auch die der Falter. Denn viele Schmetterlinge brauchten zur Eiablage bestimmte Pflanzen. Auch die Lichtverschmutzung macht den Insekten zu schaffen. Angelockt von künstlichen Lichtquellen umkreisten die Falter diese unablässig und verbrauchten dabei reichlich Energie [...]. Viele Falter sterben an Erschöpfung oder verbrennen sich. "

    Quelle: taz-Artikel, Zitate von Schmetterlingsforscher Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung


  • "Neonicotinoide sind aber auch für das Vogelsterben in der europäischen industriellen Agrarlandschaft verantwortlich. Sie rauben den Singvögeln ihre Nahrung, die Insekten. Die Vögel verschwinden aus der Landschaft oder sie brüten nicht erfolgreich. Der holländische Toxikologe Dr. Henk Tennekes erkannte schon 2010 die Gefahr. Er veröffentlichte seine Forschungen in den Buch: "Desaster in the Making". (...)
    Zum ersten Mal hat die wissenschaftliche Forschung im Sommer 2014 nachweisen, dass Neonicotinoide auch für den Verlust der Feldvögel verantwortlich sind. Das schreibt die britische Tageszeitung "Guardian" auf Basis einer Studie, die in den Niederlanden durchgeführt wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass die Vogelpopulationen in den Gegenden am stärksten fielen, in denen die Verseuchung durch Neonicotinoide am höchsten war."
    Quelle: Der BUND fordert ein Verbot aller Neonicotinoide


  • Die Macht der Konzerne
    bekam der kleine BUND am Südlichen Oberrhein im Jahr 2013 in einem massiven Konflikt mit dem Chemiegiganten Bayer zu spüren. In einem Beitrag zur umweltfreundlichen Bekämpfung des Buchsbaumzünslers hatten wir auf dieser Homepage ein Neonicotinoid, ein Produkt mit dem der Bayer-Konzern viel Geld verdient, als bienengefährlich bezeichnet. Doch die Konzerne haben die Macht zu definieren was als bienengefährlich bezeichnet werden darf. Unter Androhung einer Vertragsstrafe von 10.000 Euro (!) mussten wir innerhalb von drei Tagen den Eintrag auf der Homepage ändern. Gleichzeitig wollten die Anwälte der Freiburger Rechtsanwaltskanzlei "Dr. Ouart & Kollegen" im Auftrag von Bayer noch viele andere Änderungen im Sinne des Bayer-Konzerns, doch dort wo wir recht haben wird von uns nichts geändert. Unser kleiner BUND-Regionalverband muss mit jedem Cent rechnen, um seine Arbeit leisten zu können und dennoch müssen wir der Macht der großen Konzerne standhalten und dürfen uns nicht verbiegen lassen. Alleine die Kosten im Vorfeld des Verfahrens beliefen sich für uns auf 2440 Euro!

    Nachtrag:
    BUND Bundesverband gewinnt im Jahr 2015 vor Gericht gegen Bayer
    Wegen "geschäftsschädigender Behauptungen" hatte Bayer CropScience Ende 2014 auch eine einstweilige Verfügung gegen den BUND-Bundesverband erwirkt. Am 11. März 2015 entschied das Landgericht Düsseldorf, dass der BUND das Bayer-Pestizid als "bienengefährlich" bezeichnen darf. Ein wichtiger Sieg für die Bienen und für die Meinungsfreiheit.
    Wenn wir das Urteil vorliegen haben, werden wir auch unsere regionale Homepage aktualisieren.
    Da es bei den bienengefährlichen Neonicotinoiden um satte Gewinne geht, wird die Firma Bayer vermutlich durch alle Instanzen klagen.

    • Mehr Infos zum erfolgreichen Rechtsstreit des BUND-Bundesverbandes: Hier





    Auszug aus dem European Grassland Butterfly Indicater von 2013, einer englischen Studie der Europäischen Umweltagentur, die die Populationen von Wiesenschmetterlingen seit 1991 dokumentiert.

    Zusammenfassung:
    • Dieser Bericht stellt den "European Grassland Butterfly Indicator" [wortwörtlich etwa: Europäischer Wiesenschmetterlings Indikator/Anzeiger] vor, basierend auf nationalen "Butterfly Monitoring Schemes (BMS)" [Schmetterling Verfolgungspläne/-systeme/-projekte/ bzw. "Tagfalter Monitoring", siehe auch www.tagfalter-monitoring.de] mit Daten von 19 Ländern aus ganz Europa, von denen die meisten Mitglied bei der EU sind.
    • Der Indikator zeigt, dass sich von 1990 bis 2011 die Anzahl der Schmetterlinge um fast 50% verringert hat, was einen dramatischen Verlust an Biodiversität in Wiesenbiotopen aufzeigt. Des Weiteren hat sich die Situation seit der erstmaligen Publizierung dieses Indikators im Jahre 2005 nicht verbessert.
    • Bei acht von 17 Arten in Europa ist der Bestand geschrumpft, bei zweien konstant geblieben und bei einer gestiegen. Bei sechs Arten ist die Entwicklung ungewiss.
    • Die Hauptursache des Populationsverlustes bei den Wiesenschmetterlingen ist der Wandel bei der Nutzung von Ackerland: Verstärkte landwirtschaftliche Nutzung dort, wo das Land vergleichsweise flach und einfach zu bestellen ist, aber keine Nutzung in bergigen und feuchten Gebieten. Dieser Prozess findet hauptsächlich in Ost- und Südeuropa statt.
    • Die verstärkte landwirtschaftliche Nutzung führt bezüglich der Biodiversität zu einheitlichen, fast sterilen Wiesen. Wiesenschmetterlinge überleben deswegen meist in traditionell bewirtschafteten „High Nature Value“(HNV)-Flächen, aber auch in Naturreservaten und auf Grenzertragsböden wie beispielsweise Grünstreifen oder Naherholungsgebieten.
    • Die Nichtnutzung ist sozioökonomisch bedingt. Da Landwirtschaft auf ertragsarmen Böden nur geringe Einkommen ermöglicht und es wenig oder gar keine Unterstützung durch die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) gibt, geben Bauern ihre Betriebe auf und das Land bleib ungenutzt. Dadurch wächst das Gras schnell hoch, wuchert und wird bald durch Sträucher, Büsche und schließlich Wald ersetzt.
    • Die „Biodiversity Strategy“ der EU erkennt den schlechten Status der Erhaltung von Wiesen und deren charakteristischen Tagfaltern an. Die angeordneten Maßnahmen müssen allerdings dringend umgesetzt werden. Die richtige Handhabung ist zentral, sowohl für Natura 2000 Gebiete, als auch außerhalb liegende HNV Grasflächen. Der Biodiversität zuträgliche Maßnahmen und Pläne sollten größere finanzielle Unterstützung durch die Gemeinsame Agrarpolitik erhalten.
    • Schmetterlinge können als Leitindikator dienen, nicht nur in Wiesenbiotopen sondern auch in anderen Habitaten und um den Einfluss anderer Einwirkungen, wie beispielsweise dem Klimawandel, zu dokumentieren.






    Richtig wichtig! Ihnen gefällt diese Seite? Legen Sie doch einen Link:
    <a href="http://www.bund-rvso.de/insektenhotel-bauen.html">Insektenhotel / Wildbienenhotel bauen: BUND - Nisthilfe für Wildbienen, Ohrwürmer und Co.</a>

    Weitersagen
    Delicious Twitter Facebook StudiVZ

    Dieser Artikel wurde 32700 mal gelesen und am 7.2.2017 zuletzt geändert.