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Insektensterben & Ablenkung: "Sonderprogramm biologische Vielfalt" des Landes Baden-Württemberg

22.11.2017

Insektensterben & Ablenkung: "Sonderprogramm biologische Vielfalt" des Landes Baden-Württemberg


Das "grün-schwarze" Land Baden-Württemberg hat gegen das Insektensterben ein Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt aufgestellt. Als wichtige Bausteine nennt es die "Schaffung, Aufwertung und Verbindung von Lebensräumen", wie z. B. Ackerrandstreifen. "Diese Ziele verfolgen [...][bespielsweise] das Moorschutzprogramm, der landesweite Biotopverbund, die Qualitätssicherung von Naturschutzgebieten sowie die Aufwertung von Wacholderheiden. Diese Maßnahmen wirken gezielt gegen das Insektensterben und sind entscheidende Handlungsfelder", schreibt das Umweltministerium.

Die Worte Gift, Neonicotinoide und Glyphosat spielen keine Rolle.
Es geht um mehr Grün in der Landwirtschaft, um mehr Natur in der Landschaft und selbstverständlich auch um Zuschüsse für die Landwirtschaft. Das ist alles hübsch und nützt Pflanzen und manchen Tieren in der ausgeräumten Landschaft, aber es verkennt das Problem. Das (gezielt) verdrängte Hauptproblem des Insektensterbens ist die Fernwirkung der Gifte, die Insekten selbst in großen Naturschutzgebieten dezimiert. Die neuen Ackerrandstreifen sind optisch ansprechend, an manchen Stellen aber auch vergiftete Todesfallen für Insekten. Es ist sehr erfreulich, dass das Land Baden-Württemberg viel für den Naturschutz tut und neue Flächen ausweist. Doch wenn die Argragifte selbst in weit entfernten Naturschutzgebieten das Insektensterben verstärkt, dann braucht ein "Sonderprogramm biologische Vielfalt" eine andere Schwerpunktsetzung. Ein kleiner Nebensatz: "[...][Es braucht] eine Strategie zur Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft." genügt einfach nicht. Das Insektensterben lässt sich leider nicht mit schönen neuen Biotopen bekämpfen, auch wenn die Agrochemielobby und Herr Landwirtschaftsminister Hauk ein großes Interesse haben vom Grundproblem, von der Insektenvergiftung abzulenken. Einige problematische Agrargifte, insbesondere die Neonicotinoide, und die zunehmend großindustrielle Landwirtschaft, sind die zentralen Probleme für die Insekten. Das Sonderprogramm des Landes Baden-Württemberg nützt der Natur setzt beim Insektensterben allerdings an der falschen Stelle an und lenkt vom Grundproblem der Gifte und der Fernvergiftung ab.

Ein persönlicher Meinungsbeitrag von Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer, Kreisrat, Vizepräsident TRAS

Mehr Infos zur Fernvergiftung von Insekten: hier




Gemeinsame Pressemitteilung von NABU, BUND und LNV



Umweltverbände: Sonderprogramm Ökologie ist Meilenstein für den Naturschutz

NABU, BUND und LNV loben Landregierung, fordern aber klare Ziele für die Pestizidreduktion

Stuttgart – „Es ist ein wichtiger Meilenstein für den Naturschutz, dass sich Grüne und CDU für die nächsten beiden Haushaltsjahre auf ein 36 Millionen Euro schweres ,Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt‘ geeinigt haben. Das ist eine gute Investition in die Zukunft unseres Landes und zeigt, dass Grün-Schwarz in Baden-Württemberg für den Naturschutz funktioniert“, sagt der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle. „Dass beide Regierungsparteien mittlerweile Naturschutz als wichtiges Thema sehen, ist gut und richtig. Nur brauchen wir auch flächendeckend wirksame Maßnahmen zur Stärkung der biologischen Vielfalt wie die Reduktion des Pestizideinsatzes in Baden-Württemberg“, sagt die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender. „Baden-Württemberg ist auf dem besten Weg, im Naturschutz an die Spitze der Bundesländer zu gelangen“, ist auch der LNV-Vorsitzende Gerhard Bronner überzeugt.


Strukturelle Änderungen und klare Ziele sind Voraussetzungen für Erfolg
Allerdings mahnen die Verbände zu Stringenz und Kontinuität: „Das Sonderprogramm enthält viele sinnvolle Maßnahmen. Die Zeit läuft jedoch: Die Maßnahmen müssen sofort und zielorientiert umgesetzt werden und langfristig angelegt sein“, so Dahlbender. Auch der LNV-Chef betont: „Zwei Jahre sind zu kurz, um das Ruder beim Artensterben in unserer Agrarlandschaft herumzureißen.“ Es dürften daher nicht nur Gelder mit der Gießkanne verteilt werden, sondern es müssten auch strukturelle Änderungen in Angriff genommen und klare Ziele formuliert werden. „Wir brauchen eine landesweite Strategie zur Pestizidreduktion, die diesen Namen auch verdient.“


Pestizidreduktion um 50 Prozent bis 2025
„Eines der großen Probleme, gerade für die Insekten- und Vogelwelt, ist der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft. Deshalb fordern wir von Landwirtschaftsminister Peter Hauk, im Rahmen der angestrebten Pestizidreduktionsstrategie nicht nur ein bisschen zu forschen und ein paar landwirtschaftliche Fördertitel zu erhöhen“, sagt Enssle. „Es müssen klare Ziele ausgegeben und wirksame Maßnahmen ergriffen werden.“ Die Verbände fordern, dass der Pestizideinsatz in Baden-Württemberg bis 2025 mindestens halbiert wird. Um das zu erreichen, müsste der Pestizideinsatz insbesondere auch in Naturschutzgebieten, in Wasserschutzschutzgebieten und in Natura 2000-Gebieten komplett verboten werden. „Die besonders giftigen Neonikotinoide und das Totalherbizid Glyphosat müssen sofort und endgültig verboten werden“, fordern die Verbandsspitzen.

Lob für Erhöhung der Landschaftspflegemittel
Positiv äußern sich die Verbände zur geplanten Erhöhung der Mittel für die Landschaftspflege: „Wachholderheiden, Streuobstwiesen und artenreiche Blumenwiesen sind die Perlen unserer Kulturlandschaft. Es ist daher richtig und wichtig, dass landwirtschaftliche Betriebe für die oft aufwändige Pflege dieser Lebensräume mehr Geld erhalten“, erklärt Bronner. Ebenso bedeutsam sind die mit dem Sonderprogramm beschlossenen Maßnahmen zur Stärkung des Moorschutzes, die Qualitätsoffensive für Naturschutzgebiete sowie die Umsetzung des Biotopverbunds.



Erfolgsmessung des Programms durch zielgerichtetes Monitoring
Von zentraler Bedeutung ist das geplante Monitoring der Insekten-, Vögel- und Fledermaus-Bestände. „Wir brauchen ein Frühwarnsystem, das uns Entwicklungen wie beim Insektensterben aufzeigt, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. Wir müssen wissen, ob die Maßnahmen die ergriffen werden auch Wirkung entfalten oder nicht. Wie bei jedem erfolgreichen Unternehmen, braucht es auch im Naturschutz eine Erfolgskontrolle auf solider Zahlenbasis. Werden die Ziele nicht erreicht, muss nachgesteuert werden“, sagt Dahlbender. Die anfängliche Kritik der CDU an diesem Monitoring können die Verbände nicht nachvollziehen. Enssle: „Der Erfolg des Sonderprogramms und der Bemühungen von Grün-Schwarz für den Erhalt der Schöpfung misst sich daran, ob es gelingt den Rückgang der Artenvielfalt in unserer Kulturlandschaft aufzuhalten oder nicht.“

  • Dr. Brigitte Dahlbender, BUND-Landesvorsitzende,
  • Johannes Enssle, NABU-Landesvorsitzender,
  • Dr. Gerhard Bronner, LNV-Vorsitzender,


Syngenta, Bayer, Monsanto, Bauernverbände & Co: Greenwash zum Thema Insektensterben / Bienensterben. Mit Plakaten, Ablenkungskampagnen, industriegelenkten Leserbriefen & Lobbykampagnen versuchen die Konzerne eine Gefahrzeitverlängerung für Neonicotinoide, Glyphosat und eine großindustrielle Landwirtschaft durchzusetzen. Auch das "Sonderprogramm biologische Vielfalt" des Landes Baden-Württemberg lenkt vom Grundproblem, der Insektenvergiftung ab.







Infos zum Schmetterlingssterben / Insektensterben / Insektensterbenleugnern


Aktueller, wichtiger Einschub:

Bauernregeln, Glyphosat & die Macht der Agrarlobby / Eine kleine, große Niederlage der Naturschutzbewegung im Jahr 2017

Die Umwelt- und Naturschutzbewegung hat im Jahr 2017 einige Niederlagen einstecken müssen. Der aktuelle Glyphosat-Kniefall von CSU-Landwirtschaftsminister Schmidt vor der Agrochemielobby, vor Monsanto und Bayer, war schon Februar 2017 absehbar.

Die Schwäche des Natur- und Umweltschutzes und die Stärke und Macht der Agrochemielobby und der Bauernverbände in Zeiten eines massiven Insektensterbens und in einer Zeit zunehmender Nitratwerte im Grundwasser zeigen die nicht gedruckten Plakate des Umweltministeriums im Februar 2017.

"Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat nach der massiven Kritik an den vom Umweltministerium veröffentlichten „Bauernregeln“ eingelenkt und öffentlich um Entschuldigung gebeten", meldeten viele Medien im Februar 2017. Das Bundesumweltministerium konnte dem gut organisierten Druck und der Macht der Agrarlobby, von Bauernverbänden, Gift und Dünger produzierenden Chemiekonzernen und deren Paten in der Politik in CDU, CSU und FDP nicht länger standhalten. Die gut organisierte Kampagne in den Medien und der Shitstorm in den "sozialen" Netzwerken zeigten wieder einmal, wer in diesem Land die Macht hat.
Agrarminister Hauk im "grün-SCHWARZEN" Baden-Württemberg forderte sogar den Rücktritt von Frau Hendricks. Diese populistische Rücktrittsforderung war ein politischer Skandal; eine Forderung, die sich Herr Kretschmann nicht bieten lassen dürfte. In den Bauernregeln wurde niemand beleidigt, sondern es wurden real existierende Probleme pointiert auf den Punkt gebracht.

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Weiterer, aktueller Einschub:
Das "grün-schwarze" Land Baden-Württemberg hat gegen das Insektensterben ein Sonderprogramm biologische Vielfalt aufgestellt. Als wichtige Bausteine nennt es die "Schaffung, Aufwertung und Verbindung von Lebensräumen, wie z. Bsp .Ackerrandstreifen. Diese Ziele verfolgen zum Beispiel das Moorschutzprogramm, der landesweite Biotopverbund, die Qualitätssicherung von Naturschutzgebieten sowie die Aufwertung von Wacholderheiden. Diese Maßnahmen wirken gezielt gegen das Insektensterben und sind entscheidende Handlungsfelder" schreibt das Umweltministerium.
Die Worte Gift, Neonicotinoide und Glyphosat spielen keine Rolle. Es geht um mehr Zuschüsse für die Landwirtschaft und mehr Grün in der Landwirtschaft und Landschaft. Das ist alles hübsch, aber es verkennt das Problem. Das verdrängte Hauptproblem ist die Fernwirkung der Gifte, die Insekten selbst in großen Naturschutzgebieten dezimiert. Die neuen Ackerrandstreifen sind vergiftete Todesfallen für Insekten. Das Insektensterben lässt sich nicht mit Alibi-Biotopen bekämpfen. Einige problematische Agrargifte sind das zentrale Problem. Das Sonderprogramm des Landes Baden-Württemberg setzt an der falschen Stelle an und lenkt vom Grundproblem der Gifte und der Fernvergiftung ab.




Axel Mayer, BUND-Regionalgeschäftsführer


















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Dieser Artikel wurde 284 mal gelesen und am 22.11.2017 zuletzt geändert.