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Insekten, Windenergie, Windräder & die Lügen der Agrochemie-, Kohle- & Atomlobby

13.04.2019

Insekten, Windenergie, Windräder & die Interessen der Agrochemie-, Kohle- & Atomlobby



Eine von Fachwissenschaftlern stark kritisierte Studie des DLR aus dem Jahr 2018 besagt, dass pro Jahr möglicherweise ca. 1.200 Tonnen Insektenbiomasse in Deutschland an Windrotoren verloren gehen. "Die aufgrund vereinfachter Annahmen hochgerechnete Zahl einer maximalen Masse von 1.200 Tonnen getöteter Insekten erscheint auf den ersten Blick sehr hoch" kritisiert das Bundesamt für Naturschutz. Dennoch haben viele Medien, aber auch Kohle-, Atom- und Agrarchemielobbyisten und Klimawandelleugner die Studie begierig aufgegriffen. Die inhaltlich umstrittene Studie ist lesenswert. Sie beschreibt gemessen an den Hauptursachen des Insektensterbens, allerdings nur ein kleines Rand- und Nischenthema. Allein in deutschen Wäldern fressen Vögel ca. 400.000 Tonnen Insektenbiomasse im Jahr!

Die Hauptursache für das Sterben von Insekten wie Schmetterlingen und Bienen ist eindeutig die industrielle Landwirtschaft mit ihren Giften, Überdüngung und die „pflegeleichte“ ausgeräumte, monotone Agrarlandschaft.


Doch auch in kleinen Randbereichen des Insektensterbens muss selbstverständlich seriös geforscht werden. Gezielt aufgebauschte Nischendebatten und Nischenberichterstattung führen allerdings dazu, dass die tatsächlichen Hauptprobleme nicht angegangen werden. Spannend sind nicht nur die Ergebnisse der umstrittenen Windrad-Studie, sondern auch die Art und Weise, wie von interessierter Seite das Thema gezielt und erfolgreich aufgebauscht wird.

Das Ganze erinnert an die industriegelenkte Debatte zu den jährlich ca. 100.000 durch Windräder getötete Vögel. Eine Nischendebatte, die verhindert, dass über die 18 Millionen Vögel diskutiert wird, die in Deutschland an Glasscheiben sterben.

Ablenkungsmanöver!
Per Notfallzulassung hat fast zeitgleich mit der ablenkenden Studie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) den Einsatz des insektenschädlichen Pestizids Carnadine erlaubt. Das Mittel enthält den Wirkstoff Acetamiprid, ein Neonicotinoid. Wie alle "Neonics" greift auch diese Substanz das Nervensystem von Insekten an und tötet nicht nur Schädlinge, sondern alle Insekten, die damit in Kontakt kommen. Über das "Insektensterben durch Windräder" wird diskutiert und berichtet. Das viel größere Problem spielt in der Berichterstattung ein Nischendasein.


Kohlekraftwerke werden abgeschaltet und Strom aus neuen AKW ist nicht nur gefährlich und umweltschädlich, sondern auch viel teurer als Strom aus Windenergie. Gerade darum bekämpfen die Atom- und Kohlelobbyisten und ihre Vorfeldorganisationen die erneuerbaren Energien mit gezielt vorgeschobenen Scheinargumenten. Gerade rechtspopulistische Netzwerke, die ansonsten immer gegen Umwelt- und Naturschutz agitieren, nutzen immer wieder aus dem Zusammenhang gerissene Naturschutzargumente, um Kohle- und Atomkonzernen zu nutzen.

Wie schaffen es Konzerne, PR-Agenturen, Rüstungs-, Kohle- und Atomlobbyisten, Klimawandelleugner, rechtsliberale Medien, industriegelenkte Bürgerinitiativen und reiche, industrienahe Naturschutzstiftungen, dass manche wichtigen Themen gezielt ablenkend nur in Nischen debattiert werden und gleichzeitig aber in den Medien solche Aufmerksamkeit finden?

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer





Insekten, Windenergie, Windräder & die Interessen der Agrochemie-, Kohle- & Atomlobby


Dieses Motiv gibt´s auch als Banner für 10 € im BUND-Shop.

Hier finden Sie zum Thema Insektensterben & Windenergie ein kurzes Papier des BUND-Bundesverbandes.



Eine Studie des DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) zum Thema Insektentod durch Windkraftanlagen geht gerade durch die Medien. Diese Studie basiert auf einer angenommenen Insektendichte pro Quadratkilometer in der kritischen Höhe (Rotorhöhe). Hieraus modellieren die Autoren einen jährlichen Verlust von 1.200 Tonnen Insektenbiomasse (5-6 Mrd. Insekten pro Tag) an Windkraftanlagen in Deutschland und leiten daraus eine mögliche Ursache für den Insektenschwund ab.

Die Studie basiert auf einer Modellierung mehrerer Faktoren:
1. der Insektendichte in verschiedenen Luftschichten. Dazu wurde eine Untersuchung aus Schleswig Holstein von 1998-2004 in Kombination mit einem Aufsatz aus dem Jahre 1957 verwendet und dann ein Wert für den gesamten Luftraum Deutschlands in Rotorhöhe errechnet, 9 kg / km³ im Jahre 2003.
2. Dem Luftvolumenstrom durch den gesamten deutschen Windpark in der Insektenflugsaison April-Oktober (8 Mio km³).
3. Der Annahme, dass 5 % aller Insekten beim Durchflug durch eine Windkraftanlage (WEA) sterben. (Gleichung aus Windgeschwindigkeit, Insektendichte und Rotorfläche)

Aus diesen Faktoren errechnen die Autoren, dass pro Jahr 1.200 Tonnen Insektenbiomasse in Deutschland an Windrotoren verloren gehen. Diese Zahl ist mit den gegebenen Annahmen rechnerisch korrekt.- Wie nah sie an der Realität liegt, lässt sich nicht beurteilen.

Die Ableitung einer tatsächlich relevanten Gefährdung von Fluginsekten aus der absoluten Menge potentiell getöteter Insekten ist daraus jedoch nicht möglich, weil die Vergleichszahl der insgesamt vorhandenen Insekten (insbesondere der betroffenen Arten) nicht berücksichtigt wird. Diese Vergleichszahlen existieren jedoch. Nyffeler 2018 hat die Biomasse aller weltweit von Vögeln gefressener Insekten abgeschätzt. Anhand dieser Ausgangswerte käme man alleine für die in deutschen Wäldern von Vögeln gefressene Insektenbiomasse auf 400.000 Tonnen pro Jahr! Dagegen sind die 1.200 Tonnen, welche laut der Studie an WEA verloren gehen, doch äußerst gering.
Eine Studie zur Biomasse von Ameisen von Seifert (2017) kommt auf ähnlich eindrucksvoll hohe Zahlen. Folgt man einem der dort ermittelten mittleren Ameisen-Biomassewerte von 5 g pro Quadratmeter, kommt man für ganz Deutschland auf 1,5 Millionen Tonnen Ameisen. Entgegen der landläufigen Meinung, Ameisen seien reine Fußgänger, fliegen diese doch bis zu 150 Meter hoch.

Wichtige Aussage der Studie ist, dass Insekten tatsächlich in bis zu 2000 m Höhe migrieren und dass es durch Rückstände toter Insekten an den Rotorblättern empirisch nachgewiesen ist, dass es eine Menge Insekten auf Rotorhöhe der WEA gibt. Dieser Tatsache wird beim Bau von Windkraftanlagen jedoch nicht Rechnung getragen und eine Verträglichkeitsprüfung muss nicht durchgeführt werden.

Alle weiteren Ergebnisse dieser Studie sind reine Modellierung möglicher Verluste anhand vereinzelter Quellen und Schätzungen und deuten auf Forschungsbedarf in diese Richtung hin. Dies sehen auch die Studienautoren selbst so.


Wesentlich problematischer als der Tod an Windkraftanlagen ist für Insekten der großflächige Verlust von Nahrung und Lebensraum, sowie der stark angestiegene Einsatz von Pestiziden. Durch das Verschwinden von Streuobstwiesen, Hecken, Wegrändern, gestuften Waldrändern und Gewässersäumen, durch den Grünlandumbruch, durch die Nutzungsaufgabe oder Intensivierung bisher noch extensiv genutzter Offenlandflächen und durch die gezielte Aufforstung von Offenland verlieren viele Insektenarten wichtige Lebensräume. Durch die Zerstörung von Gewässern aufgrund von Verbau oder Trockenlegung sind besonders Arten mit aquatischen Larvenstadien betroffen.

Pflanzenschutzmittel können auch für Insekten, die nicht Ziel der Anwendung sind, tödlich sein oder zu Schädigungen sowie zu Orientierungsstörungen und Verhaltensänderungen führen. Pestizide beeinflussen indirekt die Qualität der Lebensräume und die Nahrungsgrundlage der Insekten. Vielfältige Ackerbegleitkräuter sind für Insekten eine Lebensgrundlage in Kulturbeständen, die auch nach der Blütezeit der Hauptkultur wie Raps als Nahrungsgrundlage zur Verfügung stehen. Großflächig und häufig eingesetzte Breitbandherbizide wie Glyphosat vernichten die Ackerwildkrautvegetation und damit zugleich diese Nahrungsgrundlage für viele Insekten.

Auch Überdüngung verbliebener Lebensräume durch Stickstoff und der damit einhergehende Verlust der Artenvielfalt bedeuten für Insekten, welche meist Spezialisten für bestimmte Pflanzenarten sind, einen Verlust an Futter und Nektar.

Besonders auf in der Nacht fliegende und sich an den Gestirnen und dem Mond orientierende Insekten kann zudem die fortschreitende Lichtverschmutzung einen starken Einfluss haben. Durch künstliche Lichtquellen werden diese Insekten angezogen und in ihrer Orientierung gestört oder an der Lichtquelle getötet bzw. in ihr gefangen.

Fazit:
Eine rein theoretische Studie und ein Beispiel dafür, was man mit Modellierungen alles darstellen kann. Die Ergebnisse sind jedoch nicht dazu geeignet, einen tatsächlich relevanten negativen Einfluss von Windkraftanlagen auf die Artenzahl und Gesamtmasse von Fluginsekten nachzuweisen. Deutlich macht die Studie, dass es einen erhöhten Forschungsbedarf nicht nur bezüglich Windkraft und Insekten, sondern insbesondere bezüglich des Zustands und der Menge unserer Insektenfauna im Ganzen gibt.
Ansonsten ist die Studie eine Nebelkerze, die natürlich von vielen Seiten (Windenergiegegner bis hinzu Klimawandelleugner) weiterverbreitet wird. Sie beweist nicht den negativen Einfluss von Windkraftanlagen auf unsere Insektenpopulation, ist jedoch dazu geeignet von den eigentlichen Problemen in der Landschaft (s.o.) abzulenken.

https://www.bfn.de/themen/insektenrueckgang/ursachen-und-handlungsbedarf.html

Off-Topic:
Studienautor Dr. Franz Trieb vom DNR ist übrigens ein riesen Fan von Solarenergie und würde gerne DESERTEC wiederbeleben.


Die Studie selbst: (PDF download)

Quellen:
Hallmann et al. (2017): Hallmann C. A., Sorg, M., Jongejans, E., Siepel, H., Hofland, N., Schwan, H., et al. (2017) More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas. PLoS ONE 12 (10): e0185809. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0185809

Nyffeler, M., Şekercioğlu, Ç.H., Whelan, C.J., 2018. Insectivorous birds consume an estimated 400–500 million tons of prey annually. The Science of Nature 105, 47. https://doi.org/10.1007/s00114-018-1571-z

Seifert (2017): The ecology of Central European non-arboreal ants – 37 years of a
broad-spectrum analysis under permanent taxonomic control. Senckenberg Museum of Natural History Görlitz. http://www.senckenberg.de/files/content/forschung/publikationen/soilorganisms/volume_89_1/89-1-01_seifert_oa.pdf

Ameisenflug:
https://www.e-periodica.ch/cntmng?pid=seg-001:1989:62::415







Studien, Quellen, Medienberichte und Links zu den Themen Insektensterben, Bienensterben, Schmetterlingssterben, Vogelsterben und Neonicotinoiden 2019



Einschub:

EU-Behörde Efsa bestätigt Gefahr der Neonicotinoide


  • Die Süddeutsche Zeitung schrieb zur Efsa-Untersuchung:
    „Für Wild- und Honigbienen sind sogenannte Neonicotinoide, eine Gruppe hochwirksamer Insektizide, eine Gefahr. Das hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) in einem aktuellen Bericht erneut klargestellt.
    Die Experten der Behörde mit Sitz im italienischen Parma werteten diverse wissenschaftliche Studien zu dem Thema aus. Im Fokus der Efsa-Untersuchung standen drei für Bienen giftige Insektizide. "Insgesamt wurde das Risiko für die drei bewerteten Bienentypen bestätigt", sagte der Leiter der Bereichs Pestizide der Efsa, José Tarazona. Untersucht wurde die Gefahr für Honig- sowie Wildbienen und Hummeln. [...]
    Die Efsa bestätigte damit eine frühere Einschätzung: 2013 kam eine erste Studie zu dem Ergebnis, dass Neonicotinoide - namentlich die Insektizide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam, die etwa zur Behandlung von Saatgut verwendet werden - erhebliche Risiken für Honigbienenvölker darstellen. Aufgrund fehlender Daten konnte die Risikobewertung insbesondere für Wildbienen damals nicht abgeschlossen werden.“

    Quelle: Süddeutsche Zeitung: "EU-Behörde bestätigt Gefahr bestimmter Insektizide für Bienen", 28. Februar 2018
    Zur Pressemitteilung der Efsa geht es hier.





Studien:
  • Eine der aktuell wichtigsten Langzeitstudien in Deutschland zum Insektensterben:

    Zu der Studie, die niederländische, deutsche und britische Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Plos one veröffentlicht haben schreibt die Süddeutsche Zeitung:

    "Die ehrenamtlichen Mitglieder des Entomologischen Vereins Krefeld hatten in den vergangenen 27 Jahren an insgesamt 63 verschiedenen Orten in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz Fallen aufgestellt. Darin verfingen sich über die Jahre Millionen Fliegen und Falter, Käfer, Wespen, Bienen und alle möglichen anderen fliegenden Insekten, die von den Forschern gewogen wurden. Das erschreckende Ergebnis: Seit 1989 ist die Masse der Insekten um durchschnittlich 76 Prozent zurückgegangen. [...]
    "Die Publikation liefert nun den Beleg dafür, dass wirklich ein größerflächiges Phänomen vorliegt", sagt Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle. [...]
    Was passieren könnte, wenn die Zahl der Insekten noch weiter zurückgeht, ist kaum absehbar. Klar ist, dass etwa 80 Prozent der wild wachsenden Pflanzen von Insekten bestäubt werden. Bleiben die Insekten weg, können sich auch die Pflanzen nicht mehr vermehren. Außerdem sind Insekten eine wichtige Nahrungsquelle für viele andere Tiere, zum Beispiel ernähren sich etwa 60 Prozent aller Vogelarten von ihnen."

    Zur wichtigen Studie geht es hier.




  • Insektensterben und Windenergie
    Eine von Fachwissenschaftlern stark kritisierte Studie des DLR aus dem Jahr 2018 besagt, dass pro Jahr möglicherweise ca. 1.200 Tonnen Insektenbiomasse in Deutschland an Windrotoren verloren gehen. "Die aufgrund stark vereinfachter Annahmen hochgerechnete Zahl einer maximalen Masse von 1.200 Tonnen getöteter Insekten erscheint auf den ersten Blick sehr hoch" kritisiert das Bundesamt für Naturschutz. Dennoch haben viele Medien, aber auch Kohle-, Atom- und Agrarchemielobbyisten die Studie begierig aufgegriffen. Die inhaltlich umstrittene Studie ist lesenswert. Sie beschreibt gemessen an den Hauptursachen des Insektensterbens, allerdings nur ein kleines Rand- und Nischenthema. Allein in deutschen Wäldern fressen Vögel ca. 400.000 Tonnen Insektenbiomasse im Jahr!
    Mehr Infos: Hier




  • Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Steffi Lemke, Harald Ebner, Bärbel Höhn, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vom 18.07.2017 : "Insekten in Deutschland und Auswirkungen ihres Rückgangs"

    Die Publikation nennt unter anderem einige der zahlreichen Studien, die die massive Abnahme von Insektenvorkommen belegen:
    • SORG, M. et al. (2013): Ermittlung der Biomassen flugaktiver Insekten im Naturschutzgebiet Orbroicher Bruch mit Malaise Fallen in den Jahren 1989 und 2013. – Mitteilungen aus dem Entomologischen Verein Krefeld 1: 1-5.
    • SCHWENNINGER, H. & SCHEUCHL, E. (2016): Rückgang von Wildbienen, mögliche Ursachen und Gegenmaßnahmen (Hymenoptera, Anthophila). – Mitteilungen des Entomologischen Vereins Stuttgart 51 (1): 21-23.
    • NUß, M. (2016): Der stumme Frühling – Von der Fiktion zur Wirklichkeit. – Senckenberg Museum Frankfurt.
    • HABEL, J.C. et al. (2015): Butterfly community shifts over 2 centuries. – Conservation Bio-logy 30 (4) 2016: 754-762. DOI: 10.1111/cobi.12656.





  • Der NABU hat eine Übersicht von mehr als 20 Studien aus Baden-Württemberg, Deutschland und Europa zum Insektensterben vorgelegt und schreibt dazu:

    "Für Baden-Württemberg belegen Studien beispielsweise von der Schwäbischen Alb die Abwärtsspirale beim Insektensterben. „Im Naturschutzgebiet Eierberg ist der Bestand der einst relativ häufigen, weil anspruchslosen Gewöhnlichen Schmalbiene auf nur noch fünf Prozent ihres ursprünglichen Bestands geschrumpft.“ [...] Viele Untersuchungen stellen außerdem eine Beschleunigung des Insektenrückgangs seit etwa der Jahrtausendwende fest – eine Beobachtung, die sich mit den Ergebnissen verschiedener ornithologischer Studien deckt. „Viele Vogelarten sind zur Aufzucht ihrer Jungen auf Insekten als Proteinquelle angewiesen. Mit dem Rückgang der Insektenbestände bricht für sie die Nahrungsgrundlage weg.“ [...]

    Zu den Ursachen gibt es klare Hinweise: „Wissenschaftler auf der ganzen Welt nennen immer wieder zwei Hauptgründe für den Insektenrückgang: die Intensivierung der Landwirtschaft und den steigenden Einsatz giftiger Pestizide“, erläutert der NABU-Landesvorsitzende. Durch den technischen Fortschritt in der Agrartechnik würden Acker- und Grünlandflächen immer intensiver genutzt. Dadurch gehe das Blütenangebot als Nahrungsgrundlage für die meisten Insekten zurück. Hinzu komme, dass durch hochtoxische Insektizide aus der Wirkstoffgruppe der Neonicotiniode vielen Insekten der Garaus gemacht werde."

    Eine Übersicht und Zusammenfassung der Studien finden Sie hier (als PDF-Datei).




  • Übersicht und Linkliste der Münchner Entomologischen Gesellschaft zum Insektensterben:
    Die Münchner Entomologische Gesellschaft hat aktuelle Studien und Medienberichte zum Insektensterben zusammengetragen und eine umfangreiche Linkliste erstellt. Diese finden Sie hier.




  • Eine neue Studie belegt, dass in etwa 75 % aller Bienenwaben weltweit die Neonicotinoid-Pestiziden vorkommen. Die Mengen sind für die Menschen zwar "unbedenklich", jedoch nicht für die Bienen.
    Den Artikel in "Bild der Wissenschaft" finden Sie hier.
    Die wissenschaftliche Arbeit "A worldwide survey of neonicotinoids in honey" finden Sie hier.





  • Studie zu den Auswirkungen von Lichtverschmutzung auf (Wasser-)Insekten

    "WissenschaftlerInnen vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) haben nachgewiesen, dass künstliche Beleuchtung in der Nähe von Gewässern die Zahl und Gemeinschaften von Insekten und Spinnen stark beeinflusst. Wie ein Staubsauger entziehen sie den benachbarten Ökosystemen fliegende Insekten. Profiteure sind räuberische Insekten und Spinnen, für die die vielen desorientierten Wasserinsekten ein Festmahl sind.

    Weltweit nimmt die Erhellung der Nacht durch künstliches Licht um jährlich etwa sechs Prozent zu. „[…] Die meisten Lebewesen haben sich an einen Hell-Dunkel-Rhythmus angepasst. Es liegt also nahe, dass eine künstlich erhellte Nacht einen maßgeblichen Einfluss auf das Vorkommen und Verhalten von Tieren hat. Insbesondere entlang von Gewässern, die die Heimat von vielen lichtempfindlichen Insekten sind“, erklärt Alessandro Manfrin, Wissenschaftler am IGB, die Ausgangslage.

    Die Zahl der Fluginsekten ist in Teilen Deutschlands um mehr als 75 Prozent zurückgegangen („Insektensterben in Deutschland bestätigt“ in PLoSOne). Ein Grund hierfür könnte die Lichtverschmutzung sein. In jeder Sommernacht werden schätzungsweise eine Milliarde Insekten von Deutschlands Lampen irritiert – für viele endet das tödlich. […]"

    Studie, veröffentlicht am 20. Oktober 2017: "Artificial Light at Night Affects Organism Flux across Ecosystem Boundaries and Drives Community Structure in the Recipient Ecosystem"
    Über die Studie berichtete die "Sonnenseite" am 05.11.2017.






  • Aktuelle Studie zeigt Auswirkungen von Pestiziden auf Käfer:

    „Die Zahl der Insekten in Deutschland geht stark zurück – allein in Nordrhein-Westfalen innerhalb eines Vierteljahrhunderts um drei Viertel. Welche Rolle Pestizide dabei spielen und wie schon geringe Spuren Käfer langfristig schädigen, zeigen Biologinnen und Biologen der Universität Bielefeld in einer neuen Studie.

    Ein Ergebnis: Blattkäfer legen etwa 35 Prozent weniger Eier, wenn sie mit einem häufig eingesetzten Pestizid – einem Pyrethroid – in Berührung kommen. Auch zeigten die Forschenden, dass weibliche Nachkommen durch das Gift Missbildungen entwickeln. […]

    Die neue Studie zeigt, dass Pestizide die Kommunikation zwischen Insekten stören können. […]

    „Wir konnten erstmals zeigen, dass sich diese chemische Signatur auf der Körperoberfläche durch den Kontakt mit dem Pestizid verändert“, sagt Dr. Thorben Müller, Hauptautor der Studie. „Die Folge ist, dass Käfer für die Fortpflanzung geeignete Paarungspartner möglicherweise nicht erkennen. Allein dadurch kann schon die Zahl der Nachkommen sinken.“
    Hinzu kommt, dass ein Pestizid-Kontakt der Eltern negative Auswirkungen auf die folgende Käfergeneration hat – auch wenn diese selbst nicht direkt mit dem Mittel in Berührung kommt. „Nachkommen von Käfern, die pestizidbelastete Blätter gefressen haben, entwickeln sich langsamer als Nachwuchs von Tieren, die unbehandelte Blätter als Futter hatten“, sagt Thorben Müller. […]

    Die Ergebnisse der Forschung lassen sich auch auf andere Insekten beziehen. „Bienen und Wespen kommunizieren ähnlich wie die Käfer über chemische Botenstoffe“, sagt Professorin Dr. Caroline Müller. „Kommen sie zufällig mit einem Pestizid in Kontakt, könnte das ihre Partnerwahl ebenfalls beeinflussen und zu einem Rückgang der Nachkommen führen.“

    Quelle: Sonnenseite: "Auch Insekten leiden unter Pestiziden", 01. August 2017
    Zur Studie geht es hier.




  • Eine Studie des DLR vom Oktober 2018 untersucht das Insektensterben an Windrädern. Der BUND sieht darin die Bestätigung, dass Windenergie höchstens marginalen Einfluss auf die Insektenpopulation hat, dass aber die Diskussion darüber von den wahren Ursachen ablenkt. Hier die Stellungnahme des BUND Deutschland zur Studie. und hier die Downloadseite zur Studie.




  • Vortrag von Randolf Menzel, Freie Universität Berlin: "Die Intelligenz der Bienen und wie sie durch Pflanzenschutzmittel manipuliert wird", März 2017




  • Zwei aktuelle Studien zeigen, dass Neonicotinoide zum Bienen-/Insektensterben beitragen:

    „Wie zwei Studien im Wissenschaftsjournal Science jetzt darlegen, ist eine wichtige Gruppe von Tätern nun wohl dingfest gemacht: sogenannte Neonicotinoide, kurz Neonics genannt. Die Gifte werden als Insektenvernichter weltweit auf Äcker verbracht. Die Studienergebnisse sind nach Aussage zahlreicher unbeteiligter Experten eindeutig. Neonics wirken sich negativ auf die Fortpflanzung und das Überleben von Honigbienen und Hummeln aus. […]

    Neonics vergiften ohne Rücksicht auf die Spezies das Nervensystem von Insekten und verbleiben oft Jahre in den Böden. […]
    Die Ergebnisse beider Studien stützen nun die Forderung nach einem Verbot. […]

    Die Forscher fanden außerdem heraus, dass Fungizide, die einen Pilzbefall der Maiskörner verhindern sollen, die Effekte der Neonics auf die Bienen eklatant verstärkten. […]

    Die Arbeit belege eine Belastung von Wildblumen - und somit eine Migration der schwer abbaubaren Gifte vom Acker in weitere Pflanzen, die als Nahrung für viele andere Tiere dienen. […]

    Auch viele andere Tiere leiden unter dem Einsatz von Unkraut-, Insekten- und Pilzvernichtern. So hatte bereits vor drei Jahren eine Studie gezeigt, dass die Zahl der Schwalben in den Niederlanden stark abnimmt. Auf dem Speiseplan der Rauchschwalbe stehen dabei nicht einmal Bienen. Dafür aber zahlreiche andere Insekten, die dank der unspezifischen Wirkung der Neonics dezimiert werden. Die Schwalben müssen hungern, genauso wie eine ganze Reihe anderer Wirbeltiere, die sich hauptsächlich von Insekten ernähren. […]

    In manchen Regionen Deutschlands ist der Artenreichtum von Schmetterlingen um 70 Prozent geschrumpft, die Zahl aller Insekten hat sich in den vergangenen 25 Jahren halbiert.“

    Quelle: Süddeutsche Zeitung, 30. Juni 2017: "Insektizide tragen zum Bienensterben bei"
    - Erste Studie: Chronic exposure to neonicotinoids reduces honey bee health near corn crops, 30. Juni 2017
    - Zweite Studie: Country-specific effects of neonicotinoid pesticides on honey bees and wild bees, 30. Juni 2017




  • Langzeit-Studie Krefelder Entomologen zum Thema: "Ermittlung der Biomassen flugaktiver Insekten im Naturschutzgebiet Orbroicher Bruch mit Malaise Fallen in den Jahren 1989 und 2013"




  • Eine sehr ausführliche Studie (auf Englisch) von EASAC (European Academies Science Advisory Council), veröffentlich im April 2015 zum Thema Neonikotinoide mit dem Titel "Ecosystem services, agriculture and neonicotinoids" finden Sie hier.



  • Studie zur Wirkung von Neonikotinoide auf männliche Honigbienen:

    Zwei Neonikotinoide beeinträchtigen die Fortpflanzungsfähigkeit von männlichen Honigbienen

    „[...]Die Forschergruppe der Institute für Bienengesundheit und Veterinary Public Health der Universität Bern und dem Zentrum für Bienenforschung der Agroscope wiesen nun gemeinsam mit Kollegen der Chiang Mai Universität, der Mae Fah Luang Universität (Thailand) und der Universität Koblenz-Landau (Deutschland) nach, dass auch männliche Bienen – Drohnen – durch die Neonikotinoide Thiamethoxam und Clothianidin geschädigt werden.[...]

    Die Studie zeigt, dass im Labor gehaltene Drohnen, nachdem sie den Neonikotinoiden in einem Volk ausgesetzt waren, eine kürzere Lebensdauer aufwiesen und weniger lebende Spermien produzierten. Dies hat auch Konsequenzen für die Bienenköniginnen: da diese als einzige Eier legen können, müssen sie mit den gesunden Spermien von mehreren Drohnen befruchtet werden, um ihre zentrale Rolle für das Volk wahrzunehmen. Wird eine Königin von Männchen mit schlechter Spermienqualität begattet, beeinträchtigt dies ihre Legetätigkeit, worauf die Kolonie sie durch eine andere ersetzen muss – was ressourcenintensiv und mit Risiken verbunden ist.[...]

    «Zusammen mit weiteren Studienergebnissen und der Bedeutung, die männliche Honigbienen für die Fortpflanzung der Gattung haben, unterstreichen unsere Resultate die Dringlichkeit von Risikoabschätzungen der Agrochemikalien, um die Biodiversität und Öksysteme zu erhalten», sagt Ko-Autor Peter Neumann, Leiter vom Institut für Bienengesundheit."
    Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 27.07.2016



  • Studie vom Zentrum für Ökologie und Hydrologie (CEH) in Wallingford zur Wirkung von Neonikotinoiden auf Bienen:

    "Unsere Forschungsergebnisse legen nahe, dass sublethale Effekte durch Neonikotinoide den Verlust der Bienenarten(vielfalt) (Bienen-Biodiversität) verstärkt verursachen könnten. Einschränkungen in der Nutzung von Neonikotinoiden könnten Populationsrückgänge reduzieren."

    Übersetzt aus dem Englischen. Originaltext:"Impacts of neonicotinoid use on long-term population changes in wild bees in England"



  • Studie zur Gefahr von Neonicotinoiden:

    "Eine weltweite Metaanalyse aus 838 Veröffentlichungen hat aufgedeckt, dass nicht nur Honigbienen und andere Insekten durch Neonicotinoide geschädigt werden, sondern dass inzwischen die Biodiversität als solche in Gefahr und zum Teil schon
    geschädigt ist." (Pisa et al. 2014, EASAC 2015)

    Quelle für die aktuell wichtigste Studie zur Gefahr von Neonicotinoiden: Klaus-Werner Wenzel, Neonicotinoide als Verursacher des Bienensterbens – Ein Addendum zu H.-J. Flügel:



  • Studie zum Rückgang von Schmetterlingsarten:

    "Obwohl die Verluste der Artenvielfalt innerhalb der Tagfalter Deutschlands auch in den letzten Dekaden deutlich sind, können nur Langzeitbeobachtungen das ganze Ausmaß der Katastrophe zeigen. Es sollten dringend Schutzmaßnahmen für die Schmetterlinge Deutschlands ergriffen werden – insbesondere für die Spezialisten unter den Tagfaltern"

    Quelle: Pressemitteilung, Prof. Dr. Thomas Schmitt, Leiter des Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut in Müncheberg



  • European Grassland Butterfly Indicator, englische Studie der Europäischen Umweltagentur:

    "Der dramatische Rückgang der Wiesenschmetterlinge sollte die Alarmglocken läuten lassen. Im Allgemeinen schrumpfen Europas Graslandschaften. Wenn wir es nicht schaffen, diese Lebensräume aufrecht zu erhalten, könnten wir viele dieser Spezies für immer verlieren. Wir müssen die Bedeutung von Schmetterlingen und anderen Insekten anerkennen. Die Bestäubung, die sie leisten, ist essenziell für natürliche Ökosysteme und die Landwirtschaft.“

    Quelle: Hans Bruyninckx, EUA(Europäische Umweltagentur)-Exekutivdirektor, Originaltext in Englisch

    "Die Zahl der Schmetterlinge auf Europas Wiesen hat sich zwischen 1990 und 2011 dramatisch reduziert. Ursache dafür seien die Intensivierung der Landwirtschaft und ein Mangel an angemessen gemanagten Grünlandökosystemen, so ein am Dienstag von der Europäischen Umweltagentur EEA veröffentlichter Bericht. In den Report sind die Daten des Tagfalter-Monitoring Deutschlands mit eingeflossen, das vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) wissenschaftlich betreut wird. UFZ-Wissenschaftler haben zudem an der Auswertung der Populationstrends mitgearbeitet."

    Quelle: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)



  • Studie über den Schwund der Schmetterlingsarten:

    " „Die Beobachtung über einen Zeitraum von 200 Jahren bestätigt den allgemeinen Trend, dass spezialisierte Arten stark rückläufig sind, obwohl sie im Fokus des Naturschutzes stehen“ [...] Die Ursachen sind laut der Studie vor allem in den hohen Emissionen reaktiven Stickstoffs zu suchen. Reaktiver Stickstoff entsteht etwa bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen, Holz oder Torf, durch die industrielle Verbrennung, durch den Anbau von Hülsenfrüchten und durch die immer intensivere Landwirtschaft der vergangenen Jahrzehnte.[...] „Habitat-Spezialisten sind sehr stark von diesen Umweltveränderungen betroffen“, sagt Biogeograf Habel von der TU München. „Die meisten Schutzgebiete sind sehr klein und isoliert und nur dünn über die Landschaft verteilt", sagt Dr. Habel - "Luftstickstoff macht aber an Grenzen der Schutzgebiete nicht halt.“ [...] „Durch die Stickstoffeinträge wächst die Vegetation schneller. Dadurch wird es schattiger am Boden, zu schattig für wärmeliebende Schmetterlinge“, erklärt Habel. "

    Quelle: Pressemitteilung der Technischen Universität München, Zitate von Dr. Jan Christian Habel vom Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie
    Studie: "Butterfly community shifts over two centuries"



  • Studie zum Thema Verlust von Vogelarten:

    Eine ausführliche, aktuelle Antwort (02.05.2017) der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Steffi Lemke, Harald Ebner, Annalena Baerbock, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN mit dem Titel "Stummer Frühling – Verlust von Vogelarten" finden Sie hier (PDF-Datei)




  • Studien zum Thema Vogelschwund durch Pestizide:

    "[...] Bisher galten Neonicotinoide als schädlich nur für Insekten und andere wirbellose Tiere.[...] Studien zeigen, dass die Neonicotinoide Bienen und Wasserorganismen stärker schädigen als angenommen.[...] Bisher war allerdings unklar, welche Folgen diese Anreicherung für die Nahrungskette und im Speziellen für höhere Tiere hat.[...]Um das zu untersuchen, werteten die Forscher Daten der Jahre 2003 bis 2010 von zwei Langzeit-Studien aus: einer landesweiten regelmäßigen Zählung häufiger Brutvögel und zum anderen Messungen der Wasserqualität.[...]Das Ergebnis war überraschend eindeutig: Für 14 von 15 untersuchten Vogelarten gab es eine Korrelation: Überall dort, wo die Konzentration des Neonicotinoids Imidacloprid im Wasser 20 Nanogramm pro Liter überstieg, sanken die Vogelzahlen um 3,5 Prozent pro Jahr ab, wie die Forscher berichten.[...]"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Imidacloprid zur Abnahme der lokalen Vogelpopulationen beigetragen hat", sagen die Forscher. [...]
    "Neonicotinoide galten bisher immer als selektive Gifte", sagt Koautor Hans de Kroon von der Radboud Universität. "Aber unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass sie das gesamte Ökosystem beeinträchtigen." Diese Pestizide stellen damit ein viel größeres Risiko dar als erwartet, wie die Forscher betonen. Es sei nun dringend nötig, diese indirekten, über die Nahrungskette wirkenden Effekte der Pestizide genauer zu untersuchen - und auch in der zukünftigen Gesetzgebung zu berücksichtigen.[...]"
    Quelle: Bild der Wissenschaft




  • Studie über den Rückgang der Tier- und Pflanzenarten in Großbritannien und über das globale Artensterben:

    "„Wenn Insekten anderswo auf der Welt ähnlich empfindlich sind, dann haben die Aussterberaten von Pflanzen und Tieren eine bislang nicht gekannte Entsprechung im Insektenreich. Das stärkt die Annahme, daß die Natur das sechste große Massensterben ihrer Geschichte erlebt“, schreiben die Forscher. In den zurückliegenden 440 Millionen Jahren gab es auf der Erde fünf große Massensterben, in denen der Planet jeweils bis zu 50 Prozent seiner Arten einbüßte."

    Quelle: Jeremy Thomas vom Winfrith Technology Centre zitiert nach diesem Artikel der FAZ



  • Studie über das menschengemachte Artensterben:

    "Wirbellose Tiere wie Insekten, Spinnen, Krebstiere, Schnecken und Würmer genießen zwar nicht die Popularität von Pandas und Delfinen, sie sind aber dennoch außerordentlich wichtig für den Menschen: Sie sorgen für die Bestäubung, beseitigen Ungeziefer, halten den Nährstoff-Kreislauf in Gang und beteiligen sich bei der Filtrierung des Wassers etwa in Bächen und Teichen. [... Der Studie nach] sind binnen 35 Jahren im Durchschnitt 45 Prozent der Wirbellosen von der Erde verschwunden."

    Quelle: Studie: "Defaunation in the Anthropocene" zitiert nach diesem Artikel der SZ





Weitere Quellen, Links, Zeitungsberichte und Interviews mit Experten:

  • Sehenswerte Dokumentation des ZDF: planet.e: "Ausgebrummt - Insektensterben in Deutschland"




  • Auszug aus einer Rede von Axel Mayer beim "March against Monsanto & Syngenta" am 20. Mai 2017 in Basel:
    "In was für Zeiten leben wir, wenn Bienenvölker in Großstädten besser gedeihen als auf dem Land!

    Wenn unsere Insekten sterben, dann müssen wir in postfaktischen Zeiten die Ursachen analysieren & klug bewerten
    und wir müssen dennoch wütend & zornig sein.

    Ich stehe hier für den BUND, für einen Naturschutzverband

    Die Medien schauen gerne nach Afrika, wo die Nashörner von Wilderern ausgerottet werden
    Wir müssen für die Nashörner kämpfen

    Aber unser badisch-schweizer-elsässisches Nashorn
    ist der Käfer, der Schmetterling, die Schwalbe

    Und wir kennen die Firmennamen unserer Wilderer..."

    Die Rede finden Sie hier.




  • Aktuelle Publikation des BUND-Bundesverbands in Kooperation mit der Aurelia Stiftung zum Schutz der Bienen: "Nationaler Bienenaktionsplan"




  • Bienensterben 2017, Artikel aus der taz:

    "[...] Zu Beginn des Frühlings 2017 hat sich das Bild für Imker/innen kaum geändert: Einige Bienenzüchter/innen meldeten Verluste von bis zu 50 Prozent, normal ist, dass die Anzahl der Bienen über Winter um 10 bis 15 Prozent zurückgeht.
    Die Industrie macht die Varroa-Milbe als Hauptursache aus. [...]

    Das glauben die Naturschützer/innen nicht: „Die Öffentlichkeit wird in die Irre geleitet, wenn ihr glaubhaft gemacht wird, dass die Varroa-Milbe Schuld am Bienensterben sei“, kritisiert Thomas Radetzki vom Vorstand der Aurelia Stiftung. [...]

    Wie viele Imker/innen und Bienenexperten sieht er das Hauptproblem in der intensiven Landwirtschaft, die künstliche Dünger und chemische Pestizide einsetzt und somit nicht nur den Lebensraum der Biene, sondern vieler Insekten nachhaltig zerstört. [...]

    Dass die Giftbelastung einen wichtigen Faktor darstellt, belegt nach Ansicht der Expert/innen unter anderem die in den Bienenstöcken gesammelte Pollenmasse, das sogenannte Bienenbrot. In mehr als 65 Prozent des Nährstoffs wurden Pestizide und Herbizide, unter anderem auch Glyphosat, entdeckt. […]“

    Quelle: taz: "Das Sterben der Bestäuber geht weiter - Jedes zweite Bienenvolk tot", 27.04.2017




  • Ausführlicher, lesenswerter Artikel aus dem Geo-Magazin 03/2017:

    Tatort Wiese - Vom stillen Sterben der Insekten




  • "Die von der Weltnaturschutzunion (International Union for Conservation of Nature, kurz IUCN) herausgegebene Rote Liste gefährdeter Arten, die ich mit erstellt habe, klassifiziert momentan lediglich 394 Insektenarten als ausgestorben. Diese Zahl ist geradezu lächerlich niedrig, und man könnte fast darauf wetten, dass allein in der vergangenen Woche mehrere Dutzend Kerbtierspezies verschwunden sind.

    Niemand weiß genau, wie viele Arten wirbelloser Tiere unserem Planeten verloren gehen, doch Schätzungen zufolge sind es 1 bis 100 pro Tag. Diese alarmierenden Zahlen gehen uns jedoch nicht wirklich zu Herzen. [...]

    Wir müssen die Wirbellosen erhalten – nicht nur, weil diese Tiere wertvolle Dienste wie Bestäubung, Schädlingsbekämpfung und Fördern von Nährstoffkreisläufen innerhalb von Ökosystemen leisten, sondern auch, weil auf der Erde jede einzelne Art ihre Daseinsberechtigung hat. Viele Wirbellose zeichnen sich durch ganz erstaunliche Entwicklungsgeschichten und Lebenszyklen aus und sind ebenso "charismatisch" wie größere Tiere. [...]

    Das Verschwinden Wirbelloser geschieht auch deshalb unbemerkt, weil sich in den meisten Fällen nur sehr wenige Experten mit den jeweiligen Insektengruppen beschäftigen: In vielen Regionen und bei einigen Kerbtierformen ist die Zahl der Forscher sogar gleich null. Obwohl laut Roter Liste der IUCN bislang rund 18 000 Wirbellosenarten vom Aussterben bedroht sind, liegen bei fast einem Drittel unzureichende Daten vor.[...]

    Die Menschheit gibt Unmengen von Geld auf der Suche nach Leben im Weltraum aus, aber noch nicht einmal ein Zehntel aller auf der Erde vorkommenden Arten sind bisher beschrieben worden."

    Quelle: "Wir dürfen die Insektenkrise nicht ignorieren", von Biologe Axel Hochkirch, Spektrum.de, 22.11.2016



  • "Es werden immer mehr Flächen versiegelt, die Natur hat in vielen Bereichen kaum noch eine Chance. Hinzu kommt, dass die bestehenden Grünflächen in den Gemeinden oft keinen Nutzen für die Natur darstellen. Zum Beispiel die beliebten Zierblumenbeete oder der klassische englische Rasen – dort finden Insekten keine Nahrung. Und wenn die Insekten keine Nahrung finden, sinkt die Anzahl der Insekten; und wenn es weniger Insekten gibt, sinkt auf Dauer die Anzahl der Vögel, weil die von den Insekten leben, und so weiter."

    Quelle: Planet Wissen, Interview mit dem Biologen Martin Klatt




  • "Folgendes muss getan werden, um das Aussterben der Schmetterlinge zumindest aufzuhalten: Keine Monokulturen in der Landwirtschaft. Mehr Schutz für ökologisch wertvolle Gebiete. Verzicht auf Pestizide. Reduktion von Straßenverkehr."

    Quelle: DRadio Wissen, Biologe und Autor Mario Ludwig über den Artenrückgang bei Schmetterlingen




  • " „Arten sind gefährdet, weil die Landnutzung nicht mehr stimmt“[...]. Mit der Abnahme der Pflanzenvielfalt schrumpfe auch die der Falter. Denn viele Schmetterlinge brauchten zur Eiablage bestimmte Pflanzen. Auch die Lichtverschmutzung macht den Insekten zu schaffen. Angelockt von künstlichen Lichtquellen umkreisten die Falter diese unablässig und verbrauchten dabei reichlich Energie [...]. Viele Falter sterben an Erschöpfung oder verbrennen sich. "

    Quelle taz-Artikel, Zitate von Schmetterlingsforscher Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung




  • Aktueller SZ-Artikel zum Sterben der Vögel (Mai 2017):

    „In der EU [ist] die Zahl der Brutpaare in landwirtschaftlichen Gebieten zwischen 1980 und 2010 um 300 Millionen Tiere zurückgegangen, das ist ein Minus von 57 Prozent.[…]
    "Die Situation der Vögel ist dramatisch", warnte die Grünen-Politikerin Steffi Lemke und warf der Regierung Versäumnisse in der Agrarpolitik vor. […]
    Der Grund für das Vogelsterben liegt nach Ansicht der Naturschützer in der immer stärker intensivierten Landwirtschaft. Viele Bauern hätten etwa auf Wintergetreide umgestellt […] . Das werde nicht im März, sondern schon im Herbst gesät und stehe zur Brutzeit im Frühling bereits so hoch und dicht, dass viele Vögel darin weder Nahrung noch Brutflächen fänden […].
    Aber vor allem auch die Spritzmittel rauben den Vögeln ihre Lebensgrundlage: Insekten. […]
    "Herbizide und Insektizide haben dazu geführt, dass wir bei den Insekten in den letzten 30 Jahren einen Rückgang von 80 Prozent hatten." Das wirke sich enorm auf viele Vogelarten aus. […] Von 258 Vogelarten in Deutschland würden 141 in ihrem Bestand abnehmen. Seit dem Jahr 1800 habe man 80 Prozent der Vögel verloren.“

    Quelle: Süddeutsche Zeitung: "Deutschland sterben die Vögel weg"


  • Die Macht der Konzerne
    bekam der kleine BUND am Südlichen Oberrhein im Jahr 2013 in einem massiven Konflikt mit dem Chemiegiganten Bayer zu spüren. In einem Beitrag zur umweltfreundlichen Bekämpfung des Buchsbaumzünslers hatten wir auf dieser Homepage ein Neonicotinoid, ein Produkt mit dem der Bayer-Konzern viel Geld verdient, als bienengefährlich bezeichnet. Doch die Konzerne haben die Macht zu definieren was als bienengefährlich bezeichnet werden darf. Unter Androhung einer Vertragsstrafe von 10.000 Euro (!) mussten wir innerhalb von drei Tagen den Eintrag auf der Homepage ändern. Gleichzeitig wollten die Anwälte der Freiburger Rechtsanwaltskanzlei "Dr. Ouart & Kollegen" im Auftrag von Bayer noch viele andere Änderungen im Sinne des Bayer-Konzerns, doch dort wo wir recht haben wird von uns nichts geändert. Unser kleiner BUND-Regionalverband muss mit jedem Cent rechnen, um seine Arbeit leisten zu können und dennoch müssen wir der Macht der großen Konzerne standhalten und dürfen uns nicht verbiegen lassen. Alleine die Kosten im Vorfeld des Verfahrens beliefen sich für uns auf 2440 Euro!

    Nachtrag:
    BUND Bundesverband gewinnt im Jahr 2015 vor Gericht gegen Bayer
    Wegen "geschäftsschädigender Behauptungen" hatte Bayer CropScience Ende 2014 auch eine einstweilige Verfügung gegen den BUND-Bundesverband erwirkt. Am 11. März 2015 entschied das Landgericht Düsseldorf, dass der BUND das Bayer-Pestizid als "bienengefährlich" bezeichnen darf. Ein wichtiger Sieg für die Bienen und für die Meinungsfreiheit.
    Wenn wir das Urteil vorliegen haben, werden wir auch unsere regionale Homepage aktualisieren.
    Da es bei den bienengefährlichen Neonicotinoiden um satte Gewinne geht, wird die Firma Bayer vermutlich durch alle Instanzen klagen.

  • Mehr Infos zum erfolgreichen Rechtsstreit des BUND-Bundesverbandes: Hier
  • Insektensterben - Artensterben - Bauernsterben















"Die Wahrheit", Warnungen & Hinweise 2019:
  • 1) Diese regionalen BUND-Internetseiten sind "altmodisch-textorientiert" und manchmal lang. Wir bieten keine modischen Infohäppchen, sondern wenden uns an die kleiner werdende Minderheit, die noch in der Lage ist längere Texte zu lesen und zu erfassen.
  • 2) Wenn Sie hier "Die Wahrheit" suchen, werden Sie sie nicht finden. Es gibt sie nicht, "Die Wahrheit", sondern immer nur Annäherungen daran, Wahrheitsfragmente. Es wird Ihnen nichts übrigbleiben, als sich mit den "anderen Wahrheiten" auseinander zu setzen, um zu einer eigenen Meinung zu kommen. Verlassen Sie auch einmal den engen "Echoraum" der eigenen Meinung im Internet. Misstrauen Sie Wahrheitsverkündern! Haben Sie Mut, Ihren eigenen Verstand zu gebrauchen. Es gibt in diesem Land tatsächlich auch noch einige kluge, zumeist differenzierende Medien.
  • 3) Im Zweifel ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer
Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht von selber kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafener Nacht)














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Dieser Artikel wurde 7513 mal gelesen und am 26.4.2019 zuletzt geändert.