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AKW - Katastrophenschutz: Das Beispiel Fessenheim.

08.01.2015

Katastrophenschutz? Notfallschutz? Risikoplan? & AKW / KKW: Das katastrophale Beispiel - Atomkraftwerk Fessenheim
Knapp eine Million Menschen in kurzer Zeit evakuieren... Wie soll das gehen?


Aktuell 11.3.2013


Aus Kataströphchenschutz wird (viel zu langsam) Katastrophenschutz


In Zukunft sollen im Fall einer atomaren Katastrophe die Anwohner im Umkreis von fünf Kilometern um ein AKW innerhalb von sechs Stunden "in Sicherheit" gebracht werden, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" am 10.3.2014 unter Berufung auf Empfehlungen der von der Regierung eingesetzten Strahlenschutzkommission. Bislang umfasste diese sogenannte Zentralzone nur zwei Kilometer. Die Mittelzone soll von bisher zehn auf 20 Kilometer Entfernung vom AKW ausgeweitet werden. "Die Evakuierung ist so zu planen, dass sie in der Mittelzone 24 Stunden nach der Alarmierung der zuständigen Behörden abgeschlossen werden kann", zitiert die Süddeutsche aus der Empfehlung der Kommission.

Seit über drei Jahrzehnten drängt der BUND und die Umweltbewegung am Südlichen Oberrhein, dass aus dem bisherigen Kataströphchenschutz endlich Katastrophenschutz wird. Während das Unglück bei der Loveparade 2010 in Duisburg recht schnell in behördliche Planungen bei Großveranstaltungen einfloss und deren Planung und Sicherheitsvorkehrungen enorm veränderte, hatte die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl am 26. April 1986 fast keinen Einfluss auf den Katastrophenschutz in Deutschland. Der Philosoph Günter Anders hat dieses Versagen und den jahrzehntelangen Umgang mit der so genannten "friedlichen Nutzung der Kernenergie" sehr treffend mit dem Begriff der "Apokalypseblindheit" beschrieben.

Zunehmend ungeduldig drängt der BUND auf einen realistischen Katastrophenschutz für eine Million Menschen (davon ca. 500 000 auf der badischen Rheinseite) im 30 Kilometer-Radius um das AKW Fessenheim, aber auch für die grenznahen AKW Beznau, Leibstadt und die anderen AKW in Baden-Württemberg.
Die BUND-Postkartenaktion an Ministerpräsident Kretschmann zu diesem Thema läuft noch.

Die neue Empfehlung der Strahlenschutzkommission ist ein (zu) kleiner Schritt in die richtige Richtung. Die Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima haben die mögliche Dimensionen von Atomunfällen gezeigt, Dimensionen die 20 Kilometer-Radien bei weitem übersteigen. In Fukushima hat in den ersten Tagen des Unfalls eine günstige Windrichtung dafür gesorgt, dass ein Großteil der entweichenden Radioaktivität auf´s Meer geblasen wurde. Hätte der Wind die Wolke
nach Tokio getrieben und hätte es dort geregnet, dann wäre die unmögliche Evakuierung der über 10 Millionen EinwohnerInnen notwendig geworden.

Eine Studie des Ökoinstituts Darmstadt im Auftrag der Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen besagt, dass sich bei einem schweren Unfall in Fessenheim und lebhaftem Südwestwind mit Regen eine bis zu 370 km lange Schadensfahne von Fessenheim bis in den Raum Würzburg-Nürnberg erstrecken könnte. In deren Bereich müssten alle Siedlungen auf 50 Jahre geräumt werden, sollten die Richtlinien von Tschernobyl zur Anwendung kommen. Betroffen wären u.a. die Städte Freiburg, Emmendingen, Freudenstadt, Tübingen, Stuttgart, Heilbronn und Schwäbisch Hall.

So ist die aktuelle Fortschreibung des Katastrophenschutzes mit ihrem 20 Kilometer-Evakuierungsradius tatsächlich ein Fortschritt, der andererseits die reale Dimension eines Unfalles immer noch ausblendet. Die Süddeutsche hat das Problem in der Überschrift ihres Beitrages vom Montag gut zusammen gefasst. Sie schreibt nicht von einem "Neuen Katastrophenschutz für Atomunfälle", sondern "Neuer Risikoplan für Atomunfälle".

Die Analyse der bisherigen Atomunfälle zeigt, dass schnelles Abschalten die richtige Lösung ist. Solange die alten Kisten noch laufen, braucht es endlich richtigen Katastrophenschutz und hier muss jetzt auch das grün-rot regierte Baden-Württemberg endlich in die Gänge kommen.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer

Katastrophenschutz und AKW: Realistische Evakuierungsradien sind nötig







Notfallschutz für AKW?

Kritische Infos zum Katastrophenschutz / Notfallschutz im Kernkraftwerk
Wo der Katastrohenschutz die Katastrophe schützt

Die differenzierte BUND - Kritik zum Thema Katastrophenschutz / Notfallschutz ist auf das AKW / KKW Grafenrheinfeld, Gundremmingen, Neckarwestheim, Isar, Biblis, Brokdorf, Brunsbüttel, Emsland, Grohnde, Krümmel, Unterweser und Philippsburg übertragbar. Sie gilt auch für die grenznahen Schweizer AKW Gösgen, Leibstadt und Beznau


Zusammenfassung:
Die bisherige Notfallschutzplanung für Atomunfälle ist unrealistisch und ein politischer Kniefall vor den Atomkonzerne E.ON, RWE, Vattenfall, EnBW und EDF. Die Atomunfälle in Tschernobyl und Fukushima zeigen deutlich: Insbesondere die viel zu kleinen Evakuierungsradien von 8 Kilometern gehen an der erschreckenden Realität eines Atomunfalls weit vorbei.

Der aktuelle Katastrophenschutzplan für Atomunfälle (aus sprachhygienischen Gründen heute Notfallschutzplan) kann bei kleineren Atomunfällen, die erst nach mehreren Tagen zu einer "Freisetzung" von Radioaktivität führen, zu einem gewissen Schutz der Bevölkerung beitragen. Er kann und soll auch Panikreaktionen verhindern, also beruhigen. Er soll vor allem Akzeptanz für Atomkraftwerke und Laufzeitverlängerung schaffen.

Bei schweren Atomkatastrophen, beim Super-GAU, bei denen nach kurzer Zeit ein Großteil des radioaktiven Inventars entweicht, bietet der jetzige Katastrophenschutzplan nur eine minimale Hilfe. Solche Unfälle, deren Eintrittswahrscheinlichkeit gering ist, die aber dennoch jeden Tag möglich sind, sprengen unser Vorstellungsvermögen.

Sie sind im Plan "nicht vorgesehen...


Wann kommen endlich die Proteste der Verantwortlichen? Wann wehren sich die Menschen in den Katastrophenschutzleitstellen, insbesondere die Aktiven bei Feuerwehr, THW und beim Katastrophenschutz, die im Ernstfall mit schlechten Plänen ins atomare Feuer geschickt werden? Spätesten nach dem nächsten GAU werden sie nach ihrer Verantwortung gefragt.


Der AKW - Notfallschutzplan
Das Regierungspräsidium Freiburg hat vor Jahren einen Auszug aus dem Notfallschutzplan für das AKW Fessenheim veröffentlicht und an die Menschen in einem engen Radius um das AKW verteilt. Der BUND und viele Menschen der Region wollen die Abschaltung des alten Atomkraftwerks. Solange aber die Gefahrenquelle Fessenheim weiterhin die Menschen bedroht, wollen wir zumindest einen realistischen, ehrlichen Katastrophenschutzplan. Wir möchten mit dieser Information unsere Kritik am bundesdeutschen Notfallschutzkonzept für Atomanlagen aufzeigen. Diese Kritik gilt auch den Atomkonzernen E.ON, RWE, Vattenfall, EnBW und EDF. (Von denen Sie hoffentlich keinen Strom mehr beziehen...)

Wie gefährlich ist ein AKW?
Zu den Gefahren der Atomkraftwerke gehört das Krebsrisiko durch die Abgabe von Radioaktivität im so genannten Normalbetrieb, das Atommüllproblem und die Gefahr, dass weltweit Atomanlagen genutzt werden, um Atombomben zu bauen. Das größte regionale Risiko ist allerdings die Unfallgefahr.

Wie gefährlich ist ein AKW? Das Beispiel Fessenheim
In jedem AKW wird in einem Betriebsjahr pro Megawatt elektrischer Leistung die Radioaktivität einer Hiroschima-Bombe erzeugt. Das heißt, dass in beiden Fessenheimer 900 MW-Reaktorblöcken im Jahr etwa die kurz- und langlebige Radioaktivität von 1800 Hiroschima-Bomben entsteht. Die "Freisetzung" auch nur eines Teils dieser Radioaktivität hätte verheerende Folgen für alles Leben im Herzen Zentraleuropas. Große Landstriche müssten evakuiert werden und viele Menschen würden sterben. Die beiden 1977 und 1978 in Betrieb genommenen Fessenheimer Druckwasserreaktoren sind die ältesten Atomkraftwerke dieses Typs in Frankreich. Zu den gefährlichen "Jugendkrankheiten" des AKW (Versprödung im Reaktor, Risse im Deckel, ständige Störfälle) kommen jetzt die "Altersleiden"

Erdbebensicherheit
Es ist ein Skandal, dass nach vielen "gründlichen" Kontrollen und über zwei Jahrzehnten nachträglich festgestellt wurde, dass wichtige Teile des AKW nicht erdbebensicher sind. Und das bei einer Atomanlage im Oberrheingraben, einem potentiellen Erdbebengebiet. Noch unglaublicher ist, dass trotz dieser Tatsache das unsichere AKW von EDF / EnBW weiter betrieben wird.



Die riskante Habgier der französischen EDF unterscheidet sich allerdings nicht von der Habgier von E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW und deren Plänen zur gefährlichen Gefahrzeitverlängerung von AKW.


Wenn in der Notfallschutzbroschüre des Regierungspräsidium Freiburg dann zu lesen ist "Das Kernkraftwerk ist also unter Berücksichtigung aller denkbaren Störfälle so ausgelegt, dass es nach menschlichem Ermessen zu keiner unzulässigen und gefährlichen Strahlenbelastung der Bevölkerung in der Umgebung kommen kann.", dann zeigt sich, dass die Broschüre mehr der Beruhigung als der Information dient.

Atomkraftwerke sind durch Terrorismus stark gefährdet
Gezielte Falschdarstellung, fotografiert im ehemaligen Infopavillion des AKW Fessenheim. Es wurde, gegen besseres Wissen, die Illusion erweckt das AKW Fessenheim würde den Absturz eines schweren Jagdflugzeuges problemlos überstehen. Nach den Terroranschlägen des 11. September wurde das Infocenter geschlossen.

Eine Studie
der deutschen "Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit", über die Terror-Anfälligkeit von Atomkraftwerken, straft die bisherigen Aussagen aller AKW Betreiber Lügen.

  • Terroristen sind mit jeder Art von Passagierflugzeug in der Lage, den atomaren Super-GAU auszulösen.
  • Wenn nur ein Triebwerk eine Reaktorgebäudewand durchdringe und einen Brand auslöse, sei die Beherrschung des atomaren Ernstfalls "fraglich".
  • Selbst ein "Treffer des Daches des Reaktorgebäudes durch Wrackteile mit Absturz eines Dachträgers in das Brennelementbecken" führe zu einer "begrenzten Freisetzung" von Radioaktivität aus dem Brennelementlagerbecken.
  • Wird in diesem Fall auch noch Kühlwasser verloren und entsteht ein Treibstoffbrand - wie es beim World Trade Center der Fall war - rechnen die Experten mit "erheblicher Freisetzung aus dem Brennelementlagerbecken".


Umfassende Hintergrundinfos zu diesem Thema brachte die Süddeutschen Zeitung in einem Artikel vom 30.12.2003:
"Keines der 19 deutschen Atommeiler ist so gegen einen Flugzeugabsturz gesichert, dass eine Atomkatastrophe als Folge ausgeschlossen werden kann.
Fünf Kernkraft-Typen wurden als Referenzanlagen genauer analysiert und die Ergebnisse dann auf die übrigen 14 Meiler übertragen.
Im Prinzip gingen die Experten von zwei Unfallszenarien aus: Im ersten zerstört ein Passagierflugzeug die Reaktorhülle. Im zweiten Szenario werden durch den Aufprall die Rohrleitungen im Inneren des Reaktors abgerissen. Die Studie kommt zu einem dramatischen Ergebnis: Zwar würden die Betonhüllen bei den sieben modernen Druckwasserreaktoren, die gegen den Absturz eines Phantom-Kampfjets ausgelegt sind, dem Aufprall einer Passagiermaschine standhalten, ein Gau wie der in Tschernobyl ist aber möglich: Die Erschütterungen durch den Aufprall könnten zu schweren Zerstörungen im Inneren führen. Bei den drei neueren Siedewasserreaktoren (Krümmel sowie Gundremmingen B und C) würde ein größeres Verkehrsflugzeug sogar die Betonhülle durchschlagen. Noch verwundbarer sind die neun älteren Kernkraftwerke, bei denen schon durch den Absturz eines kleinen Verkehrsflugzeugs eine Katastrophe ausgelöst werden kann."

Es kann nicht angehen,
angesichts dieser Gefahren den Kopf in den Sand zu stecken, wie das viele Politiker von CDU, CSU und FDP immer noch tun, die ansonsten gerne vom "Schutz der Heimat" reden. Nicht einmal die "nächste" Kernkraftwerksgeneration (EPR) könnte einen gezielten Anschlag überstehen. Nach einem Anschlag mit modernen Waffen oder einem Flugzeug auf ein Atomkraftwerk würde ein großer Teil Zentraleuropas schlicht aufhören in der bisherigen Form zu existieren. Erschreckend ist die Apokalypsenblindheit der Betreiber, Behörden und des Staates und die unkritische Autoritätsgläubigkeit der großen Mehrheit der Medien.

Wie schnell kann Radioaktivität austreten?
Nur wenn zwischen dem Katastrophenbeginn (heute aus sprachhygienen Gründen "Ereignis" genannt) und dem Austreten der Strahlung ein Zeitraum von einigen Tagen liegt, kann der bisherige Katastrophenschutz eventuell teilweise funktionieren. In der unrealistischen Annahme, so lange Zeit zu haben, liegt einer der Hauptirrtümer der jetzigen Notfallschutzpläne.

Große Mengen an Radioaktivität können "ungefiltert" bereits kurz nach Eintritt der Katastrophe austreten, zum Beispiel bei einem Erdbeben oder einem Flugzeugabsturz. Dieser Ansicht sind auch die Experten der "Deutschen Risikostudie Kernkraftwerke Phase B."



  • Der Sicherheitsbehälter des Reaktors wird bei einer Kernschmelze wahrscheinlich schon in 3 bis 5 Stunden bersten und nicht erst in 36 Stunden.
  • Bei einer Kernschmelze wird der größte Teil des hochradioaktiven Reaktorinhalts freigesetzt.


Jodtabletten, Katastrophenschutz und Atomkatastrophen
Langjährige Kritik am Katastrophenschutzplan Fessenheim und am bisherigen Konzept der Jodverteilung haben zu ersten kleinen Verbesserungen geführt. Danach können die Jodtabletten im Umkreis von 10 km um die Atomkraftwerke kostenlos in Apotheken abgeholt werden, damit sie im Falle eines radioaktiven Unfalls rechtzeitig eingenommen werden können. Generell ist es ein erster Schritt in die richtige Richtung. Mehr als unbefriedigend sind allerdings die Lösungen, welche die angrenzenden Gebiete des Landkreises Emmendingen und des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald betreffen. Im 25 Kilometer Radius sollen die Jodtabletten für die Menschen bis zum Alter von 45 Jahren „bevölkerungsnah“ gelagert werden. Schwangere und Jugendliche bis 18 Jahre, die im restlichen Kreisgebiet (100 km Radius) wohnen, sollen aus „Jod-Zentrallagern“ versorgt werden. Die Verteilungspläne für Jod im Katastrophenfall sind absolut unrealistsisch.

Alle diese Maßnahmen sind nur bei einigen, wenigen Unfallszenarien sinnvoll,
doch andere Unfallabläufe sind ebenso wahrscheinlich. Die Maßnahmen funktionieren möglicherweise dann, wenn zwischen dem Eintreten der Katastrophe (heute "Ereignis" genannt) im AKW und zwischen dem Entweichen der Radioaktivität (heute "Freisetzung" genannt) ein Zeitraum von mehreren Tagen liegt. Der „neue“ Katastrophenschutz im Radius von 25 km könnte eventuell bei einem sehr langsamen, mehrere Tage dauernden Durchschmelzen des Reaktorkerns funktionieren. Doch Experten und offizielle Studien bestätigen, dass auch andere, wesentlich schnellere Katastrophenabläufe möglich und wahrscheinlich sind. In den beiden Fessenheimer Reaktorblöcken wird neben Strom jährlich ungefähr die kurz- und langlebige Radioaktivität von 1800 Hiroshima-Bomben produziert. Da zugegebenerweise das Notkühlsystem in Fessenheim nicht funktioniert, könnte bei einem Terroranschlag oder einem anderen Unfallablauf zwischen dem Beginn der Katastrophe und dem Entweichen der Radioaktivität ein Zeitraum von wenigen Minuten liegen. Bei einer angenommenen Windstärke von 10 km/h könnte die radioaktive Wolke also in ca. 3 Stunden den 25 Kilometer Radius überschreiten. Wie unter dieser realistischen Annahme die Verteilung der Jodtabletten funktionieren soll, die dann ja nur einen winzigen Teil der einzuleitenden Maßnahmen darstellt, ist nicht vorstellbar.

Jodtabletten sind auch generell keine Strahlenschutztabletten. Sie schützen nur die Schilddrüse und bieten so einen sehr beschränkten Schutz.


Unabhängig davon wäre
aber auch unbedingt ein ernsthaftes, ernstzunehmendes Katastrophenschutzkonzept für die Landkreise Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald und ganz Deutschland unbedingt nötig, denn der weitere Fehler der bisherigen Konzepte ist die Beschränkung der Katastrophenschutzpläne auf die viel zu engen Radien um die bestehenden AKW.

Katastrophenschutz und AKW: Realistische Evakuierungsradien sind nötig


Eine Studie des Ökoinstituts Darmstadt im Auftrag der Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen besagt, dass sich bei einem schweren Unfall in Fessenheim und lebhaftem Südwestwind mit Regen eine bis zu 370 km lange Schadensfahne von Fessenheim bis in den Raum Würzburg-Nürnberg erstrecken könnte. In deren Bereich müssten alle Siedlungen auf 50 Jahre geräumt werden, sollten die Richtlinien von Tschernobyl zur Anwendung kommen. Betroffen wären u.a. die Städte Freiburg, Emmendingen, Freudenstadt, Tübingen, Stuttgart, Heilbronn und Schwäbisch Hall. (Sollte der Wind am Katastrophentag in eine andere Richtung wehen, so wären natürlich andere Städte und Gemeinden betroffen). Auch der Atomunfall in Tschernobyl hat gezeigt, dass der bestehende Katastrophenschutzplan mit einem vorgesehenen, viel zu kleinen, Evakuierungsradius Makulatur ist. Ein Katastrophenschutz, der nicht alle tatsächlich möglichen Unfallabläufe mit einbezieht, ist realitätsfern und ein typisches Beispiel der herrschenden Apokalypsenblindheit.



Notfallschutz für AKW: Viel zu kleine Evakuierungsradien
Quelle: Notfallschutzbroschüre des Regierungspräsidiums Freiburg



Unrealistische Evakuierungsradien von nur 8 Kilometen: Müsste nur Bremgarten oder auch Freiburg und Stuttgart evakuiert werden?

Der Katastrophenschutzplan geht von verharmlosenden, unrealistischen Annahmen aus,
von einem "Kataströphchen". Wenn ein Flugzeugabsturz, ein Anschlag, ein Erdbeben oder ein bisher ungedachter Ereignisablauf zur Freisetzung eines Großteils der Radioaktivität des AKW führt, dann muss nach Studien des Ökoinstituts, je nach Wetterlage, ein Bereich weit über den Großraum Stuttgart hinaus für 50 Jahre evakuiert werden.

Der Atomunfall in Tschernobyl hat gezeigt, dass alle bestehenden Katastrophenschutzpläne Makulatur sind. Warum wird das von den Menschen in den Katastrophenschutzleitstellen, von den Aktiven bei Feuerwehr, THW und beim Katastrophenschutz nicht gesehen? Wann kommt hier endlich der Protest der Verantwortlichen?

Fazit
Katastrophenschutzpläne für Atomunfälle können bei kleineren nuklearen Unfällen, die erst nach mehreren Tagen zu einem Austritt (Neusprech= "Freisetzung") von Radioaktivität führen, zu einem gewissen Schutz der Bevölkerung beitragen. Es ist sicher sinnvoll, sich mit ihm auseinander zu setzen, denn die Folgen und die Zahl der Todesfälle könnte reduziert werden. Die Notfallschutzpläne sollen vor allem auch Panikreaktionen verhindern, also beruhigen und Akzeptanz für die so genannte friedliche Nutzung der Kernenergie schaffen.

Bei schweren atomaren Katastrophen, beim Super-GAU
bei denen nach kurzer Zeit ein Großteil des radioaktiven Inventars austritt, bieten die jetzigen Katastrophenschutzpläne nur eine minimale Hilfe. Solche Unfälle, deren Eintrittswahrscheinlichkeit gering ist, die aber dennoch jeden Tag möglich sind, sprengen unser Vorstellungsvermögen und alle Planungen im dicht besiedelten Zentraleuropa. Zusätzlich zu den vielen Toten, Verletzten und den immensen Sachschäden müsste ein Teil des Herzen Europas für Jahrzehnte evakuiert werden.

Forderungen des BUND
Nicht nur aus diesen Gründen fordert der BUND eine weltweite Energiewende mit schnellem Atomausstieg und hier in der Region die sofortige Abschaltung des AKW Fessenheim. Solange dies nicht geschehen ist, fordern wir einen Katastrophenschutzplan, der diesen Namen auch verdient und Katastrophen- und Evakuierungsübungen, die sich am realen Gefahrenpotential des AKW Fessenheim orientieren. Eine Evakuierungsübung unter realistischen "worst case"-Bedingungen, bei lebhaftem Südwestwind mit Regen bedeutet die schnelle Evakuierung aller Städte, Gemeinden und Dörfer von Fessenheim, Freiburg, Stuttgart, Schwäbisch Hall bis Erlangen...

Was können Sie tun?
  • Informieren Sie sich über den "offiziellen" Katastrophenschutz, durchaus auch mit der Broschüre des Regierungspräsidiums.
    (Ob das RP Freiburg wohl auch irgendwann mal einen Link zu unserer Seite legt?)
  • Auf der Wikipedia - Seite zum Katastrophenschutzlässt die Atomindustrie den Link zu dieser Seite zumeist schnell löschen. Überlassen Sie die Wiki - Seiten nicht der Atomlobby.
  • Engagieren Sie sich für einen schnellen Atomausstieg und gegen die geplante Gefahrzeitverlängerung, auch bei Wahlen
  • Setzen Sie sich ein für Mensch, Natur, Umwelt und für eine nachhaltige, erdverträgliche Entwicklung.
  • Leben Sie energischer. Werden Sie aktiv beim BUND oder bei den Bürgerinitiativen und der Anti-Atom-Bewegung vor Ort.
  • Wenn Ihr Energieversorgungsunternehmen Sie mit Atomanlagen bedroht (EnBW, E.On, Yello...), dann wechseln Sie den Stromanbieter.
  • Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende (steuerlich absetzbar).


Axel Mayer



Aktueller Einschub:



Am 27.5.2016 besuchte US-Präsident Obama Hiroshima und gedachte der Opfer der Atombombe


Ins Gästebuch des Atom-Museums schrieb Obama: «Wir kennen das Leid des Krieges. Lasst uns nun zusammen den Mut aufbringen, Frieden zu verbreiten und eine Welt ohne Nuklearwaffen anzustreben.»

Während Herr Obama dies sagt, rüstet die USA atomar auf. "In den nächsten zehn Jahren wird die US-Regierung 348 Milliarden US-Dollar (etwa 311 Milliarden Euro) in die "nukleare Schlagkraft" stecken." sagen Friedensforscher.
Und die US-Atomwaffen in Büchel(D) werden nicht abgezogen, sondern es wird aufgerüstet. Die "Nichtberichterstattung" unserer Medien ist erschreckend. BUND Infos hier








Nachtrag:
Lesenswerter Hinweis in der Notfallschutzbroschüre des Regierungspräsidiums Freiburg für das AKW Fessenheim:

Die Inhalte dieser Broschüre wurden nach bestem Wissen sorgfältig zusammengestellt und geprüft. Es wird jedoch keine Gewähr - weder ausdrücklich noch stillschweigend - für die Vollständigkeit, Richtigkeit, Aktualität oder Qualität und jederzeitige Verfügbarkeit der bereit gestellten Informationen übernommen. In keinem Fall wird für Schäden eine Haftung übernommen.




Hier umfassende Infos:
hier: Fessenheim Infos
hier: Infos AKW und Atomgefahren
hier: KKW und Klimaschutz
hier: Uran, Öl, Gas und weltweite Energievorräte


AKW Fessenheim - Katastrophenschutz, Notfallschutz und Jodtabletten
Gemeinden in der Gefährdungszone um Fessenheim:


Evakuierungszone


  • Bad Krozingen
  • Buggingen
  • Eschbach
  • Hartheim
  • Heitersheim
  • Neuenburg


Mittelzone
  • Bad Krozingen
  • Breisach
  • Buggingen
  • Eschbach
  • Hartheim
  • Heitersheim
  • Müllheim
  • Neuenburg
  • Staufen


Außenzone
  • Au
  • Auggen
  • Bad Bellingen
  • Ballrechten-Dottingen
  • Badenweiler
  • Böllen
  • Bötzingen
  • Bollschweil
  • Bürchau
  • Ebringen
  • Efringen-Kirchen
  • Ehrenkirchen
  • Eichstetten
  • Freiburg
  • Gottenheim
  • Horben
  • Ihringen
  • Kandern
  • Malsburg-Malzell
  • March
  • Merzhausen
  • Münstertal
  • Neuenweg
  • Oberried
  • Pfaffenweiler
  • Raich
  • Sasbach
  • Schallstadt
  • Schliengen
  • Sölden
  • Steinen
  • Sulzburg
  • Umkirch
  • Vogtsburg
  • Wies
  • Wittnau


Nachtrag: Juni 2011


Fessenheim: Aus „Kataströphchenschutz“ wird Katastrophenschutz

Seit Jahrzehnten kritisiert der BUND den offiziellen, deutschen Katastrophenschutz für das älteste französische AKW in Fessenheim (siehe unten). Jetzt gibt es Informationen aus dem RP-Freiburg und dem Kreistag Breisgau-Hochschwarzwald, dass das zuständige Regierungspräsidium Freiburg den alten Katastrophenschutz überarbeitet und weiter entwickelt. Die Kritik des BUND war nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima auch von vielen südbadischen Gemeinden aufgegriffen worden.

Jetzt gibt es erste Informationen aus dem Regierungspräsidium, dass der Katastrophenschutz aktualisiert und ein Hauptkritikpunkt des BUND aufgegriffen wird. Die viel zu kleine, unrealistische Evakuierungszone soll von 8 Kilometer auf 25 Kilometer erweitert werden. Der BUND begrüßt diese vorsichtige Anpassung der Katastrophenschutzplanung an die Realität der Atomunfälle in Fukushima und Tschernobyl.

Eine Überarbeitung der Katastrophenschutzpläne der leider weiter laufenden AKW in Deutschland und der grenznahen AKW (in Südbaden insbesondere Leibstadt und Beznau) ist ebenfalls dringend erforderlich. Dies gilt auch für den französischen Plan für die Katastrophe. Sobald dem BUND die geänderten Pläne im Original vorliegen, werden wir uns auch differenziert dazu äußern.

Der Gedanke, 450.000 Menschen (nur deutsche Seite?) in einem Gebiet von 25 Kilometern um das AKW Fessenheim im unwahrscheinlichen, aber jederzeit möglichen, Katastrophenfall schnell räumen zu müssen, ist unvorstellbar. Schon jetzt bricht in Freiburg manchmal der Verkehr fast zusammen, wenn ein Spiel des SC mit irgend einem anderen „Großevent“ zusammen fällt.

Die Reaktorunfälle in Tschernobyl und Fukushima zeigen, dass selbst Evakuierungsradien von 25 Kilometern noch zu klein sind. Gefährliche radioaktive „Hotspots“ werden auch weit außerhalb der 25 Kilometer Zone von Fukushima gefunden. Bei einem Atomunfall in Fessenheim würden die Einen aus der Stadt fliehen, die Anderen würden in die Stadt drängen, um Kinder aus Schulen und Kindergärten abzuholen. Ein solches Chaos mit einem Plan „bändigen“ zu wollen ist eine mehr als anspruchsvolle Aufgabe.

Der jetzt in Planung befindliche, runderneuerte Katastrophenschutz zeigt, dass ein schwerer Atomunfall in allererster Linie Leid, unsichtbare Zerstörung und dauerhaften Heimatverlust bedeutet. Der beste Katastrophenschutz ist die schnelle Abschaltung aller AKW, am Oberrhein gilt dies insbesondere für die alten AKW in Fessenheim und Beznau.
Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer



Hintergrundbericht in der Badischen Zeitung: hier


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Dieser Artikel wurde 30361 mal gelesen und am 23.10.2015 zuletzt geändert.