Diese Seite ausdrucken

Klimaanlage - Klimagerät: Teuer, klimaschädlich und umweltbelastend? (Test / Warentest)

01.07.2015

Klimaanlage / Klimagerät: Teuer, klimaschädlich und umweltbelastend? (Test / Warentest)


Mit Strom betriebene Klimageräte (Standgeräte) gehören zu den ineffizientesten und unsinnigsten Stromfressern, die zurzeit mit rasanter Geschwindigkeit Verbreitung finden.

In den letzten Jahren werden sie vor allem als Saisonware von den Baumärkten und Discountern verstärkt angeboten. Bei den Discountern sind Media Markt und Saturn sehr aktiv bei der Bewerbung dieser in Deutschland meist überflüssigen Geräte. Laut Umweltbundesamt werden in Deutschland jährlich rund 140.000 Klimageräte gekauft. Infolgedessen steigt auch der Strombedarf. Für Kühlung und Klimatisierung betrug er zuletzt etwa acht Prozent des Gesamtverbrauches. Seit 2004 müssen mobile Klimageräte mit dem EU-Label gekennzeichnet sein. Diese Verbrauchskennzeichnung ist also theoretisch eine absolute Selbstverständlichkeit für die Elektromärkte. Umso erschreckender ist es, dass wir hier klare Lücken registrieren. Und dies bei Geräten, bei denen die Verbraucher dringend auf den hohen Stromverbrauch und die Unterschiede bei den Geräten hingewiesen werden müssen. Denn Klimageräte können zum größten Stromverbraucher im Haushalt werden.

Jahresverbräuche von 600 kWh/Jahr und mehr sind schnell erreicht.
In der Vergangenheit fiel die Metrogruppe mit den Diskountern Media Markt und Saturn negativ auf. Schon vor Jahren hatte der BUND in einer Schwachstellenanalyse nachgewiesen, dass diese Elektromärkte besonders viele Strom fressende Geräte verkaufen und ihre Kunden oft schlecht oder gar nicht darüber informieren. Da passt es ins negative Bild, wenn bei einem so wichtigen Produkt wie Klimageräten nicht einmal die gesetzliche Kennzeichnungspflicht durchgehend eingehalten wird. Trotz anderer Beteuerungen der Metro-Gruppe werden hier erneut Stromfresser verkauft, ohne ausreichend über den hohen Stromverbrauch zu informieren. Aber der BUND will mehr als die (eigentlich selbstverständliche) Einhaltung von gesetzlichen Vorschriften: Wir fordern von allen Elektromärkten, dass für diese ineffizienten Geräte keine
Werbung mehr gemacht wird. Wenn einzelne Klimageräte dennoch im Sortiment angeboten werden, muss deutlich auf den hohen Stromverbrauch und die damit verbundenen Folgekosten hingewiesen werden. Die gesetzliche Kennzeichnung ist dafür die Basis. Aber die Verbraucher benötigen die weitergehende, klare Information, dass der Einsatz des Gerätes an nur wenigen Tagen im Jahr einen signifikant erhöhten Stromverbrauch bedeutet.

1. Klimageräte sind Stromfresser
Klimaanlagen benötigen zum Kühlen oder Heizen sehr viel Energie: leistungsstarke Ventilatoren müssen für die Umwälzung der Luft sorgen und die Wärmepumpe erfordert einen starken, eingebauten Kompressor. Klimaanlagen funktionieren im Prinzip wie Kühlschränke, aber statt 150 bis 200 Liter Inhalt müssen ganze Räume gekühlt werden. Ein normales Klimagerät hat im Betrieb eine Leistungsaufnahme, die jener Menge an Energiesparlampen entspricht, um damit 50 Wohnräume zu beleuchten. Dem Stromverbrauch sind nach oben hin kaum Grenzen gesetzt, wenn Geräte mit höherem Stromverbrauch länger als 500 Stunden im Jahr eingesetzt werden. Und selbst wenn ein durchschnittliches Klimagerät nur an 30 Hitzetagen im Jahr läuft, ergibt sich ein zusätzlicher Stromverbrauch von 220 kWh/a.
Zum Vergleich: Ein moderner Kühlschrank, der das ganze Jahr läuft, liegt bei 200 kWh/a (ein sparsamer 2-Personenhaushalt verbraucht zwischen 1000 und 1400 kWh/a).

Ein durchaus sinnvoller und nützlicher kleiner Ventilator braucht nur 10 bis 20 Watt!


Dies ist auch auf der Stromrechnung abzulesen:
Ein großes mobiles Raumklimagerät verursacht innerhalb eines Jahres im Durchschnitt über 100 Euro zusätzliche Stromkosten.


2. Klimageräte müssen mit dem EU-Label gekennzeichnet werden
Klimageräte, die eine Kühlleistung von unter 12 kW haben, müssen seit Dezember 2004 gekennzeichnet werden. Das EU-Label gibt durch die Einteilung in Klassen auf den ersten Blick Auskunft darüber, wie das Raumklimagerät in Sachen Energieeffizienz abschneidet.
Beispielsweise verbraucht ein Gerät der Klasse A gegenüber einem Gerät, das gerade noch Klasse C erreicht je nach Gerätetyp etwa 11 – 15 % weniger Energie. Wenn schon ein Klimagerät, dann sollte die Wahl daher stets auf die Energieeffizienzklasse A fallen. Ein stromsparender Ventilator ist immer die bessere Alternative.

3. Klimageräte werden zum Massenphänomen
Raumklimageräte boomen: Allein 2002 wurden 140.000 Geräte verkauft. Je heißer der Sommer, desto höher der Absatz. Heizungsbau und Stromversorger wittern bereits das Geschäft mit den energieintensiven Haushaltsgeräten und rühren kräftig die Werbetrommel. Es ist zu befürchten, dass dieser Trend weitergeht. Allein im Jahr 2002 ist durch den zusätzlichen Strombedarf durch die neuen Klimageräte der deutsche CO2-Ausstoß um 57 Millionen kg CO2 angestiegen. Wenn Klimageräte weiter mit Wucht auf den Markt geworfen werden, ist zu befürchten, dass diese Zahl künftig weiter ansteigt.

4. BUND: Keine Werbung für Klimageräte!
Über die massive Bewerbung von Klimageräten in den Prospekten von Elektrohandelsketten und Baumärkten wird eine Nachfrage geschaffen, die den Stromverbrauch unnötig anheizt. Dies ist unverantwortlich im Hinblick auf unnötige CO2-Emissionen. Aber vor allem werden den Verbrauchern scheinbare Schnäppchen angeboten, die dann hohe Folgekosten haben. Der BUND fordert deshalb, dass für diese ineffizienten Geräte keine Werbung gemacht wird. Wenn einzelne Klimageräte dennoch im Sortiment angeboten werden, muss deutlich auf den hohen Stromverbrauch und die damit verbundenen Folgekosten hingewiesen werden.

5. Geiz ist geil? Ich bin doch nicht blöd!
Das Beispiel Klimageräte zeigt erneut: Hinter vermeintlichen Schnäppchen verbergen sich bei den Elektrodiscountern oft Stromfresser, die die Stromrechnung nach oben treiben.
Der BUND hat im Mai das Sortiment, die Werbung und Beratung von Media Markt und Saturn getestet und festgestellt: Die beiden zum Metro-Konzern gehörenden Ketten haben besonders viele Stromfresser im Sortiment. Zum Beispiel gehört nur ein Viertel der von Saturn und Media Markt verkauften Kühlgeräte zu den sparsamen Effizienzklassen A++ und A+. Beim Versandhandelsunternehmen Quelle beträgt der Anteil immerhin 57 Prozent. Ungenügend ist bei beiden Handelsketten auch die Kennzeichnung des Stromverbrauchs von Fernsehern, DVD-Rekordern, Computern und Druckern. Testeinkäufer erhielten bei Saturn und Media Markt nur bei jedem dritten Kundengespräch Hinweise zum Energieverbrauch von Fernsehgeräten.
Saturn und Media Markt wollen bisher nicht auf die BUND-Forderungen eingehen und wälzen die Verantwortung für die Stromverschwendung alleine auf die Verbraucher ab.

6. Klimageräte sind in der Regel überflüssig
Der Juli ist mit einer mittleren Temperatur von 17 Grad der wärmste Monat in Deutschland. Längere Hitzeperioden sind in unseren Breitengraden die Ausnahme. Dennoch denken immer mehr Deutsche darüber nach, sich ein Klimagerät anzuschaffen. Aber: In der Regel geht es ohne: Einfach und schonend für Umwelt und Geldbeutel kühlt man die Wohnung, wenn man nachts und morgens gut lüftet. Anschließend die Fenster, die von der Sonne beschienen werden, mit lichtdichten Markisen, Vorhängen oder einem Rollladen gut abschatten. So bleibt die Hitze draußen. Ventilatoren kühlen gut und brauchen viel weniger Energie.

7. Wenn es unbedingt ein Klimagerät sein soll, dann ein vergleichsweise sparsames Gerät zudem sparsam einsetzen.
Dann sollte mindestens ein Gerät der Energieeffizienz-Klasse A gewählt werden. Und das Gerät sollte nur so viel Leistung haben wie nötig und nur selten und möglichst sinnvoll eingesetzt werden: Sind die Jalousien tagsüber geschlossen, heizt sich die Wohnung weniger auf. Entsprechend weniger muss ein Raumklimageräte kühlen. Die kühle Nachtluft sollte zur Vorkühlung des Gebäudes genutzt werden. Raumklimageräte sollten stoßweise und lediglich nach Bedarf (z.B. zum Vorkühlen des Schlafzimmers vor dem Zubettgehen) genutzt werden.

Kontakt:
BUND
Thorben Becker, Energiereferent
Am Köllnischen Park 1
10179 Berlin
030-27586-421
thorben.beckerbund.net





Kühler Kopf an heißen Sommertagen
Drei Tipps der dena gegen die Hitze in den eigenen vier Wänden.



An heißen Sommertagen heizen sich viele Häuser auf. Besonders in großen Städten kühlen Wohngebäude durch die dichte Bebauung über Nacht nicht mehr ausreichend ab. Innentemperaturen von über 30 Grad Celsius am Tag können die Folge sein.

Mieter und Hausbesitzer können mit einigen einfachen Maßnahmen ihre Wohnung weitgehend kühl halten. Die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) zeigt, wie man auch bei großer Hitze eine angenehmere Raumtemperatur erreichen kann:

  • 1. Ausgiebig Lüften sollte man nur in den kühlen Morgenstunden oder nachts. Denn tagsüber gelangt die Hitze durch das geöffnete Fenster in die Wohnräume. Ist eine Wohnung erst einmal aufgeheizt, ist es schwer, die Lufttemperatur wieder zu senken. Tagsüber sollten daher möglichst alle Fenster und Türen geschlossen bleiben.
  • 2. Alle großen Wärmequellen im Haus - Computer, Deckenfluter oder auch Plasmafernseher - sollten nur dann benutzt werden, wenn sie wirklich gebraucht werden. Wer aufgeheizte Räume vermeiden will, muss darauf achten, dass nicht im Raum selbst unnötig Wärme erzeugt wird.
  • 3. Für angenehmere Temperaturen sorgt vor allem ein außen angebrachter Sonnenschutz wie Jalousien, Roll- oder Klappläden. Die Sonneneinstrahlung kann so um bis zu 75 Prozent reduziert werden. Vor Montage eines außenliegenden Sonnenschutzes muss aber der Vermieter um Erlaubnis gefragt werden. Weniger effektiv, aber dennoch nützlich, ist ein Blendschutz auf der Innenseite der Fenster: Helle und reflektierende Rollos reduzieren die Sonneneinstrahlung immerhin noch um 25 Prozent.


Wer diese Maßnahmen beherzigt, kann die Wärme im Haus oder in der Wohnung deutlich reduzieren. Auch wenn der Sommer noch so heiß ist, sollte nach Möglichkeit auf den Einsatz von Kompakt-Klimageräten verzichtet werden. Zu den Anschaffungskosten kommen beträchtliche Stromkosten hinzu.

Übrigens: Ein Wohngebäude mit guter Dämmung oder solidem Mauerwerk wird im Sommer immer kühler sein als schlecht oder gar nicht gedämmte Gebäude. Eine gute Dämmung hält Gebäude nicht nur im Sommer kühl, sondern auch im Winter warm.

Weitere Informationen zum energieeffizienten Wohnen bietet die dena im Internet unter www.zukunft-haus.info
Quelle:Deutsche Energieagentur 2010




Klimageräte sind teuer, klimaschädlich und manchmal sogar gesundheitsgefährdend


schreibt die Badische Zeitung am 17. Juli 2010

"Es gibt zahlreiche Argumente, weshalb man auf Klimageräte besser verzichten sollte. Sie belasten Umwelt, Gesundheit, Stromnetze und Geldbeutel. Ihre Auswirkungen auf Wetter und Klima sind verheerend. In den Metropolen dieser Welt, die ohnehin als Hitzeinseln aus der Landschaft ragen, verstärken sie sogar noch den Trend sich aufzuheizen. Durch die Klimaanlagen produzieren die Städte ihre Wärme teilweise selbst. Was aus den Häusern herausgeblasen wird, muss ja irgendwo hin. So wird es drinnen zwar kühl, außen aber immer heißer. Im Schnitt verursacht der Betrieb dieser Geräte mehr Wärme als kühle Luft. Darüber hinaus ist die CO2-Bilanz der Anlagen miserabel, was den Treibhauseffekt weiter verstärkt. Von den umweltschädlichen Chemikalien in einigen Anlagen ganz zu schweigen.

Die gesundheitlichen Risiken von Klimaanlagen sind den Menschen geläufiger. Nicht nur der thermische Stress belastet den Kreislauf, wenn man vom Kalten ins Warme kommt oder in einem ICE bei Gluthitze sitzt, dank schlampiger Wartungen können sich die Maschinen auch für Keime zu Wohlfühlmaschine entwickeln und sich über sie im Raum verbreiten. Ist das der Preis, den man für ein wenig Kühle zahlen will?

Es scheint fast so. Jedenfalls lassen sich viele nicht einmal von den horrenden Stromkosten abhalten. "Selbst bei einem Kompakt-Klimagerät der Effizienzklasse A fallen jedes Jahr in den paar heißen Wochen durchschnittlich 460 Kilowattstunden an", rechnet zum Beispiel das Ökoinstitut vor – das ist ein Zehntel des gesamten Stromjahresverbrauchs eines Vierpersonenhaushalts und damit mehr Strom als ein Kühlschrank im 365-Tage-Dauerbetrieb benötigt, wie Christian Noll betont. Neben 287 Kilogramm Kohlendioxid entstünden so Kosten von rund 100 Euro. Hinzu kommen Betriebsgeräusche von 60 Dezibel, was der Lautstärke eines Rasenmähers in zehn Metern Entfernung entspricht."

Quelle: Badische Zeitung /17. Juli 2010






Richtig wichtig! Ihnen gefällt diese Seite? Legen Sie doch einen Link:
<a href="http://www.bund-rvso.de/klimaanlage-klimageraet-energie-umwelt.html">Klimaanlage - Klimagerät: Teuer, klimaschädlich und umweltbelastend? (Test / Warentest)</a>

Weitersagen
Twitter Facebook

Dieser Artikel wurde 46218 mal gelesen und am 6.9.2017 zuletzt geändert.