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Hohfarn: Debatte um Landschaftsschutz und Windenergie

24.08.2000
Die Diskussion um die Windkraftanlagen am Hohfarn, die auch im Sommerloch nicht zum "Krieg um die Windkraft" ausarten sollte, hat zumindest ein Gutes: Es wird intensiv über die Fragen der zukünftigen Energieversorgung und des Landschaftsschutzes diskutiert.

Es ist gut, dass endlich auch über Landschaftsschutz eine öffentliche Debatte stattfindet. Erstaunlich ist allerdings, dass es diese Debatte immer nur dann gibt, wenn es um umweltfreundliche Energieerzeugung durch Windkraft geht, und dass die wirklich großen Probleme des Landschaftsschutzes gerade hier im Breisgau viel zu wenig diskutiert werden.

Wo bleibt die Debatte über Landschaftsschutz wenn, im Freiburger Stadtrat die Vorentscheidung getroffen wird, zusätzliche 263 Hektar Fläche zuzubauen, davon voraussichtlich 150 Hektar aus bestehenden Natur- und Landschaftsschutzgebieten?

Wo bleibt der Streit um die "energiereiche" Hochspannungslandschaft bei Eichstetten und anderswo in der Rheinebene, wo immer noch viel zu viele Hochspannungstrassen parallel geführt werden anstatt sie endlich zu bündeln?

Wann wird endlich der "Wettbewerb" um die neonschrillste, amerikanischste Ortseinfahrt beendet, der seit Jahren in den Landkreisen Emmendingen und Breisgau Hochschwarzwald stattzufinden scheint? Wer hätte vor Jahren geahnt, dass die Scheußlichkeit der Ortseinfahrten von Colmar und Mulhouse bei uns so perfekt nachgeahmt würde? Wer beklagt die zunehmenden monotonen Maissteppen der Rheinebene, die Nichtarchitektur vieler Zweckbauten der Industriegebiete, die Zersiedelung und der Siedlungsbrei im Breisgau, die Narben, die nicht nur der Bau der B31 im Dreisamtal hinterlässt, die Planung von Beschneiungsanlagen, Liften und Riesenrädern im Schwarzwald ...?

Wo bleibt, abseits der Sonntagsreden der Politiker, das aktive Handeln von Politik und Behörden gegen den Flächenverbrauch in Baden-Württemberg und in der Regio?

Wenn es zu diesen vielen Aspekten des Landschaftsschutzes zur zunehmenden Verscheußlichung des Breisgaus eine angemessene Debatte gäbe, wenn es hier mehr positives Engagement der Behörden gäbe, dann wäre auch der aktuelle Konflikt um Windenergieanlagen nachvollziehbar. Der flächendeckende Widerstand gegen die FFH-Richtlinie und den Naturschutz zeigt woher der Wind weht.

So aber bleibt der Eindruck, dass es um symbolische Politik geht, dass hier am Thema Windkraft ein Exempel statuiert werden soll um von den massiven Landschaftszerstörungen an anderer Stelle im Breisgau abzulenken.

Reiner Ehret Vorsitzender Landesnaturschutzverband
Axel Mayer Geschäftsführer BUND Regionalverband

hier: Mehr Infos zum Thema Wind und Landschaft






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