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AKW Laufzeitverlängerung = Gefahrzeitverlängerung (KKW, Atomkraftwerk, Kernkraftwerk und Atomausstieg)


Laufzeitverlängerung für AKW
Gefahr für Mensch und Umwelt


Die Atomindustrie und ihre Lobbyisten in den Parlamenten wollen die alten Atomkraftwerke länger laufen lassen und damit gut verdienen.
Skandalöse Entscheidung
Die schwarz-gelbe Atomkoalition hat am 28.10.2010 die Forderung der Atomkonzerne EnBW, RWE, Vattenfall und E.ON erfüllt und und im Bundestag eine Verlängerung der Gefahrzeiten für die deutschen Atomkraftwerke durch gewunken. Der schon zuvor bekannt gewordene Geheimvertrag zwischen der CDU / CSU / FDP Regierung und den Atomkonzernen zeigt beinah mafiös anmutende, demokratiegefährdende Verstrickungen zwischen CDU / CSU / FDP und den Konzernen.
Die Bundesregierung verlängert die Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke um durchschnittlich 12 Jahre. Bleibt es bei dieser skandalösen Entscheidung, dann geht das letzte deutsche AKW frühestens 2040 vom Netz. Es ist zu erwarten, dass die AKW noch länger betrieben werden sollen und dies nach dem Prinzip der Salamitaktik durchgesetzt werden soll. Die Entscheidung bedeutet mehr Atommüllproduktion, mehr Kinderkrebs in der Umgebung von Atomkraftwerken und insbesondere mehr atomares Risiko durch überalterte Atomanlagen. Es bedeutet aber auch satte Profite für die Atomkonzerne auf Kosten der Allgemeinheit.

Der riskante Betrieb von Atomkraftwerken funktioniert nur in Ländern, in denen die politisch Verantwortlichen nicht damit rechnen müssen, im Falle eines schweren Unfalls zur Rechenschaft gezogen zu werden.




Über unwesentliche Randaspekte dieser Verlängerung der Laufzeit für Atomkraftwerke wurde bisher in der Öffentlichkeit sehr intensiv diskutiert.

Die beiden wichtigsten Aspekte dieser Debatte, die mit der AKW-Laufzeitverlängerung verbundene zunehmende Gefahr katastrophaler Unfälle und die mit langen Laufzeiten verbundenen satten Gewinne der Energiekonzerne, fallen in dieser Debatte und der Medienberichterstattung zumeist unter den Tisch und dies hat seine Gründe.



AKW Laufzeitverlängerung

Die Atomlobby hat Werbeagenturen beauftragt,
die Laufzeitverlängerung in den Medien, der öffentlichen Meinung und politisch durchzusetzen, aber auch um den Neubau von AKW, zuerst einmal in Frankreich und in der Schweiz, zu forcieren. Eine der größten PR-Firmen der Welt, Burson Marsteller, hat im Auftrag der Öl- und Kohleindustrie jahrelang Kampagnen zur Verharmlosung des Klimawandels organisiert. Jetzt arbeitet Burson Marsteller für die Atomindustrie. Im Zusammenhang mit der medialen Durchsetzung der Gentechnik hat Burson Marsteller eine wichtige Strategie entwickelt, die jetzt auch bei den PR-Kampagnen für die Gefahrzeitverlängerung und für neue AKW zur Anwendung kommt: “Wer eine Gefahrtechnologie politisch und medial erfolgreich durchsetzen will muss die"Killing Fields" meiden.” Die “Killing Fields” sind die Themenbereiche, bei denen die Gen- oder Atomlobby in der öffentlichen Meinung nur verlieren kann. Dies sind bei der Laufzeitverlängerung für AKW die zunehmenden Unfallgefahren, Kinderkrebs und AKW und die satten Profite durch die Risikoverlängerung. Über diese zentralen Themen soll öffentlich nicht diskutiert werden. Analysieren Sie einmal die Berichte in Ihrer Tageszeitung unter diesem Aspekt oder schauen Sie sich die Wikipedia Seite zum Thema Laufzeitverlängerung an. Die Manipulationskampagnen der Atomindustrie sind erschreckend erfolgreich.

Laufzeitverlängerung und atomare Gefahren
In jedem AKW wird in einem Betriebsjahr pro Megawatt elektrischer Leistung die Radioaktivität einer Hiroshima-Bombe erzeugt. Das heißt, dass in einem Atomkraftwerk mit 1200 MW Leistung im Jahr in etwa die kurz- und langlebige Radioaktivität von ca. 1200 Hiroshima-Bomben entsteht. Die „Freisetzung“ nur eines kleinen Teils dieser Radioaktivität hätte verheerende Folgen für die betroffene Region. Große Landstriche müssten für lange Zeiträume evakuiert werden. Dies wäre eine menschliche und ökonomische Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes.

Alternde, laufzeitverlängerte AKW vergrößern die Unfallgefahr.
Durch den Dauerbeschuss mit Neutronen aus der Kernspaltung, extrem hohe Temperaturen und Temperaturunterschiede, mechanische Belastung und Korrosion altern die einzelnen Bauteile der Atomkraftwerke, das Risiko eines Unfalls durch Materialermüdung steigt. Zwar werden immer wieder alte Reaktoren mit neuer Technologie nachgerüstet, doch die Kombination aus alter Technik des letzten Jahrhunderts und neuer Technik birgt bisher unbekannte Probleme und Risiken. Während Wärmetauscher, Reaktordeckel, Rohrstücke und andere Teile unter teilweise immensen Kosten und Risiken für die AKW-Arbeitnehmer (und insbesondere für die Leiharbeiter) ausgetauscht werden können, kann das am stärksten von der Neutronenstrahlung belastete Reaktordruckgefäß nicht ausgetauscht werden. Haarrisse wachsen und der Stahl wird spröde und korridiert. Im März 2002 entdeckten Experten bei der Überprüfung des Atomreaktors „Davis Besse“ in den USA eher zufällig, dass der Stutzen des Reaktordeckels bereits zu drei Vierteln durchgerostet war – ohne dass es zuvor jemand gemerkt hatte. Grosse Risse im Reaktordruckgefäß oder ein Abriss der Hauptkühlmittelleitung führen zwangsläufig zum GAU, zum größten anzunehmenden Unfall.



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„In jedem Jahr Volllastbetrieb werden die Rohre des zentralen Kühlkreislaufs, in dem hoch radioaktives Wasser fließt, sowie der zentrale Druckbehälter einer intensiven Strahlung ausgesetzt. Sie wirft Atome aus ihrer Lage, schafft punktförmige Störstellen. Dies beeinflusst die Festigkeit, im schlimmsten Fall durch Bildung eines Haarrisses, an dem sich weitere Fehlstellen bevorzugt ansammeln, was zur Ausbildung eines größeren Risses und zum Bersten führen kann.“
Zitat: Eicke R. Weber 2010 Direktor des Fraunhofer- Instituts für Solare Energiesysteme


Restlaufzeiten...
17 Kernkraftwerke sind in Deutschland noch am Netz. Gemäß Atomausstiegsgesetz dürften sie jeweils noch eine bestimmte Menge Strom produzieren, dann müssten sie abgeschaltet werden. Stillgelegt wurden bereits Obrigheim und Stade. Der Meiler in Mülheim-Kärlich wurde schon 1988 abgeschaltet. Das rBundesumweltministerium ging 2009 von folgenden Restlaufzeiten aus: 

  • Biblis A 2010
  • Neckarwestheim 1 2010
  • Biblis B 2010
  • Brunsbüttel 2012
  • Isar 1 2011
  • Unterweser 2012
  • Philippsburg 1 2012
  • Grafenrheinfeld 2014
  • Krümmel 2019
  • Gundremmingen 2015
  • Philippsburg 2 2018
  • Grohnde 2018
  • Gundremmingen C 2015
  • Brokdorf 2019
  • Isar 2 2020
  • Emsland 2020
  • Neckarwestheim 2022


Schwerer Atomunfall - verheerende Konsequenzen
Nehmen Sie einen Zirkel und ziehen Sie einen Kreis von ca. 300 Kilometer um Ihren Heimatort. Wenn es in einem der Atomkraftwerke in diesem Kreis zu einem schweren Unfall kommt, zu einer Katastrophe die unwahrscheinlich ist und dennoch morgen schon eintreten kann, wenn ein Teil des radioaktiven "Inventars" des AKW austritt und der Wind in Richtung Ihres Wohnortes weht, dann werden Sie diese Ihre Heimat, mit allem was Sie in Jahrzehnten mühevoll aufgebaut haben, schnell und endgültig verlassen müssen und froh sein, einfach nur zu überleben.

Alte Siedewasserreaktoren: Gefährliche technologische Dinosaurier
Auf Grund ihrer besonders veralteten Technologie (nur ein Kühlkreislauf / Einführung der Steuerstäbe nur von unten / Wasserstoffbildung...) stellen gerade die Siedewasserreaktoren ein besonderes Risiko dar. 6 der derzeit noch laufenden 17 Meiler in Deutschland und 2 der 5 Reaktoren der Schweiz sind Siedewasserreaktoren. Die beiden Skandalreaktoren Brunsbüttel und Krümmel sowie der Beinahe-GAU-Reaktor Forsmark in Schweden sind Siedewasserreaktoren. Und deswegen müssen alle Siedewasserreaktoren so schnell wie möglich vom Netz, auch wenn die abgeschriebenen AKW den Betreibern satte Profite bringen. Seit Mitte der 80er Jahre zeigte sich bei Siedewasserreaktoren des US-Herstellers General Electric (GE), dass sie entgegen den ursprünglichen Annahmen sehr anfällig für Spannungsrisskorrosion sind.

AKW-Laufzeitverlängerung & Kinderkrebs

Laufzeitverlängerte AKW und Krebs
Aus einer Studie, die das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) im Dezember 2007 veröffentlichte, geht hervor, dass die Häufigkeit von Krebserkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren mit der Nähe zum Reaktorstandort deutlich zunimmt. Die Studie mit Daten von über 6000 Kindern liefert die bislang deutlichsten Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko bei Kindern in der Nähe von Kernkraftwerken. Das Risiko ist demnach im 5-km-Radius für Kinder unter fünf Jahren um 60 Prozent erhöht, das Leukämierisiko um etwa 120 Prozent. Im Umkreis von fünf Kilometern um die Reaktoren wurde für den Zeitraum von 1980 bis 2003 ermittelt, dass 77 Kinder an Krebs erkrankten, davon 37 Kinder an Leukämie. Im statistischen Durchschnitt wären 48 Krebserkrankungen beziehungsweise 17 Leukämiefälle zu erwarten. Der Studie zufolge gibt es also zusätzlich 1,2 Krebs- oder 0,8 Leukämieerkrankungen pro Jahr in der näheren Umgebung von allen 16 untersuchten AKW-Standorten. Die Studie zeigt aber, dass auch im weiteren Radius um AKW die Kinderkrebshäufigkeit zunimmt. Der prozentuale Anteil sinkt zwar, dafür nimmt aber die Anzahl der kranken Kinder zu, denn dort wohnen und leben mehr Kinder als in direkter Nähe des AKW. Gerade die alten Siedewasserreaktoren mit nur einem Wasser- Dampfkreislauf sind berüchtigt für die Abgabe von Radioaktivität im so genannten "Normalbetrieb".


Laufzeitverlängerung, Atomkraftwerke und Geld

Bei der Debatte um Laufzeitverlängerung verwundert immer wieder die Vehemenz mit der die Atomlobby, Atomkonzerne und Atomparteien für ein höheres Atomrisiko streiten. Warum werden die Gefahren nicht gesehen? Die Antwort ist einfach. "Its the money stupid“ Es geht ums Geld, um sehr viel Geld. Die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken bringt uns allen viele Risiken, den Atomkonzernen und vermutlich auch den Lobbyisten aber viel Geld: Die Heinrich-Böll-Stiftung hat die satten Gewinne berechnet, welche die Triebfeder der Atomlobby sind: „Für die älteren – und in den nächsten Jahren zur Stilllegung anstehenden – Atomkraftwerke ergeben sich „Zusatz“erträge von durchschnittlich 200 bis 300 Mio. Euro jährlich, für die neueren Anlagen summieren sich die jährlichen Zusatzerträge auf 300 bis 400 Mio Euro. Über alle (aktuell noch betriebenen) Atomkraftwerke und alle Betreiber summieren sich diese Zusatzerträge für jeweils ein Jahr Laufzeitverlängerungen auf ein Gesamtvolumen von 4,6 bis 6,2 Mrd Euro.

  • - für die Atomkraftwerke des RWE etwa 1,2 bis 1,6 Mrd. Euro jährlich;
  • – für die Atomkraftwerke von E.ON etwa 1,9 bis 2,6 Mrd. Euro jährlich;
  • – für die Atomkraftwerke von EnBW etwa 1,0 bis 1,3 Mrd. Euro jährlich;
  • – für die Atomkraftwerke von Vattenfall Europe etwa 0,3 bis 0,4 Mrd. Euro jährlich.“ Zitatende


Der gut gemeinte, politisch und juristisch aber schlecht gemachte Atomausstieg
von Rot-GRÜN hat auch eine politische Dimension, die in der aktuellen Debatte gerne übersehen wird. Der Ausstieg sollte die Anti-Atom Bewegung, einen wichtigen Teil der Gesellschaft, befrieden. Der Ausstieg aus dem Ausstieg zeigt die Macht- und Regierungsverhältnisse in unserem Land überdeutlich.

Dieses Land wird (auch) von als Volksvertretern getarnten Industrievertretern regiert.


Die politisch nicht legitimierten Atomkonzerne E.ON, RWE, Vattenfall, EnBW und Siemens regieren über die Lobbyisten der Atomparteien CDU, CSU und FDP , aber auch über Menschen wie Herr Wolfgang Clement heftig mit. Der Ausstieg aus dem Ausstieg lässt in einem Teil der Bevölkerung den Glauben an demokratische Veränderungen schwinden. Dies kann, in letzter Konsequenz, auch zu einer Entfriedung führen, die politisch niemand wollen kann.

Alte und neue AKW sind gefährlich
Die Nutzung der Atomenergie in neuen und alten AKW ist eine Gefahr für Mensch und Umwelt. Der Ausstieg aus dieser gefährlichen Technologie muss schnell erfolgen. Der Versuch der Atomindustrie und der Atomlobby den “Atomausstieg”, diesen viel zu zögerlichen Kompromiss, zu Fall zu bringen ist mehr als ein Skandal.
Neben den Gefahren für Leben und Gesundheit zeigt diese Debatte auch die undemokratische Macht großer Konzerne und der PR-Industrie.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer




Längere Laufzeiten für Atomkraftwerke! Oder etwas Verstecktes enthüllen

Wie sehr haben wir uns schon an das Neusprech der »Schönen Neuen Welt« gewöhnt! An die Begriffe aus den Werkstätten der Akzeptanzforscher, Militärs und Werbepsychologen! Menschen werden durch »schlanke Produktion« nicht etwa entlassen sondern »freigesetzt« und ein Pestizid ist ein »Pflanzenschutzmittel«. Ein versehentlicher Angriff auf die Zivilbevölkerung ist ein »Kollateralschaden« und »Friendly Fire« ist der Spezialfall eines »Kollateralschadens«, bei der »intelligente« Waffensysteme Feind und Freund verwechselt haben. Statt Atomkraft sprechen wir von »Kernkraft«, statt Entgiftung sagen wir »Dekontamination« und aus dem Katastrophenschutz wurde der harmloser klingende »Notfallschutz«. Die »Internationale Bewertungsskala für Atomunfälle« heißt »Internationale Bewertungsskala für besondere Ereignisse« und bei diesen »besonderen Ereignissen« kann dann Radioaktivität »freigesetzt« werden. Begriffe wie »Entsorgung« und »Entsorgungspark« gehen uns locker über die Lippen.

Sprache ist Macht, und Werbepsychologen und Akzeptanzforscher bestimmen auch mittels der Sprache das Denken der Menschen. Die Umweltbewegung sollte die Sprache zurückerobern und bewusster mit Sprache umgehen. Das darf allerdings nicht heißen, Manipulation durch Gegenmanipulation zu ersetzen. Wir sollten aber versuchen die Dinge und Probleme wieder beim Namen zu nennen oder sogar neu und treffend zu benennen.

Warum bezeichnen wir in der öffentlichen Debatte die Laufzeitverlängerung für AKW nicht Gefahrzeitverlängerung? Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke bedeutet mehr Atommüll, mehr atomares Risiko durch die Alterung der Atomkraftwerke, mehr Gefahr durch die Versprödung der Reaktordruckgefäße, durch die Weitergabe von Atomkraftwaffen und die zunehmende Gefahr von Atomterrorismus. Die aktuelle Debatte um die Laufzeitverlängerung, als Einstieg in den zukünftig geplanten Neubau von AKW, zeigt auch die undemokratische Machtfülle von EnBW und Co. Laufzeitverlängerung für AKW ist Gefahrzeitverlängerung.

Tragen wir diesen Begriff selbstbewusst in die öffentliche Diskussion. Ich habe den Autor Walter Mossmann gefragt, ob diese Umbenennung nicht als Versuch verstanden werden könnte Manipulation mit Gegenmanipulation zu bekämpfen. Walter meint: »Natürlich ist der Begriff ›Gefahrzeitverlängerung‹ auch eine bewusste ›propagandistische‹ Unterstreichung. Aber er ist nicht identisch mit der Lügensprache, die oben kritisiert wurde. Wörter wie ›Entsorgungspark‹ rufen ja lügnerisch eine Reklameromantik auf und versuchen, die Sache, die in Wirklichkeit gemeint ist, zu verstecken. Du versuchst, etwas Verstecktes zu enthüllen.«

Wie es enden könnte, wenn wir Sprache und Begriffe den Konzernen überlassen, hat George Orwell im Roman »1984« eindrucksvoll beschrieben. Die drei Leitsätze der von Orwell beschriebenen Gedankendiktatur waren: »Krieg ist Frieden«, »Freiheit ist Sklaverei«, »Unwissenheit ist Stärke«. Wenn heute Atomkraftwerke die Umwelt schützen, Kriegsgründe von Werbeagenturen erfunden und die Hemmschwellen für den Einsatz von Atomkraftwaffen systematisch gesenkt werden, dann ist es hohe Zeit aufzuwachen.

Atomkraftwerke, Laufzeitverlängerung und Geld

Bei der Debatte um Laufzeitverlängerung verwundert immer wieder die Vehemenz mit der die Atomlobby, Atomkonzerne und Atomparteien für ein höheres Atomrisiko streiten. Warum werden die Gefahren nicht gesehen? Die Antwort ist einfach. "Its the economy stupid“ Es geht ums Geld, um sehr viel Geld. Die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken bringt uns allen viele Risiken, den Atomkonzernen und vermutlich auch den Lobbisten aber viel Geld: Die Heinrich Böll Stiftung hat die satten Gewinne berechnet, welche die Triebfeder der Atomlobby sind: „Für die älteren – und in den nächsten Jahren zur Stillegung anstehenden – Atomkraftwerke ergeben sich „Zusatz“erträge von durchschnittlich 200 bis 300 Mio. Euro jährlich, für die neueren Anlagen summieren sich die jährlichen Zusatzerträge auf 300 bis 400 Mio Euro. Über alle (aktuell noch betriebenen) Atomkraftwerke und alle Betreiber summieren sich diese Zusatzerträge für jeweils ein Jahr Laufzeitverlängerungen auf ein Gesamtvolumen von 4,6 bis 6,2 Mrd Euro.

– für die Atomkraftwerke des RWE etwa 1,2 bis 1,6 Mrd. Euro jährlich;
– für die Atomkraftwerke von E.ON etwa 1,9 bis 2,6 Mrd. Euro jährlich;
– für die Atomkraftwerke von EnBW etwa 1,0 bis 1,3 Mrd. Euro jährlich;
– für die Atomkraftwerke von Vattenfall Europe etwa 0,3 bis 0,4 Mrd. Euro jährlich.“ Zitatende

Die neuen „sanften“ Durchsetzungsstrategien für AKW Laufzeitverlängerung und den Europäischen Druckwasserreaktor EPR

Nach der Gefahrzeitverlängerung für AKW soll nach dem Willen der Atomkonzerne der Neubau von neuen Reaktoren folgen. Auch hier geht es um gigantische Summen.

Wenn die bisherigen 17 deutschen AKW durch neue Euroreaktoren ersetzt werden sollen, dann geht es um eine Bausumme von mindestens 50 Milliarden Euro. Erinnern wir uns an die teilweise gekaufte Durchsetzung von Müllverbrennungsanlagen und gehen einmal von 5% „Werbekosten“ aus...

Die Atomlobby hat aus ihren Niederlagen in Wyhl, Kaiseraugst, Gerstheim, Wackersdorf und Zwentendorf gelernt. Die alten Fehler werden nicht wiederholt. So läuft zur Zeit europaweit eine geschickte Akzeptanzkampagene für den "neuen, sicheren, umweltfreundlichen und nachhaltigen" Euroreaktor an. Die "nachhaltige, klimafreundliche Kernenergie" ist das Motto der anlaufenden millionenschweren Werbeaktion. Ausgerechnet die Energiekonzerne denen die Umweltbewegung in jahrelangen Auseinandersetzungen Entstickungs- und Entschwefelungsanlagen für ihre veralteten Kohlekraftwerke aufzwingen mussten, versuchen nun vorgeschobene Klimaargumente für die Atomenergie zu nutzen. Auch der Versuch, über den Konflikt um die Windenergienutzung die Umweltbewegung zu spalten, geht in diese Richtung. Die Erinnerungen an die Reaktorunfälle in Tschernobyl (Ukraine), Harrisburg (USA) und Lucens (Schweiz) wurden erfolgreich verdrängt. Und auch die kleinen Nationalismen werden geschickt genutzt, um Gefahrzeitverlängerung und neue AKW politisch durchzusetzen. Bereits vor über 30 Jahren sagte der damalige Ministerpräsident und Atomlobbyist Hans Filbinger: "Wenn das AKW Wyhl nicht gebaut wird, dann bauen "die Franzosen" zusätzlich zu Fessenheim noch ein AKW nach Marckolsheim. Heute sind EnBW und EDF eng verflochtene Global Player, dennoch wird heute schon die Gefahrzeitverlängerung und zukünftig vermutlich auch der Euroreaktor mit einem national angehauchten und darum leider eingängigen Argument durchgesetzt."Wenn wir nicht die AKW Laufzeit verlängern, dann kommt der zukünftige Strom aus unsicheren "ausländischen" AKWs." Auch wenn diese Argumentation leicht widerlegt werden kann ist, ist es erstaunlich wie wirksam die "Nationale Karte" immer noch funktioniert, wenn es gilt wirtschaftliche Interessen gegen die Menschen durchzusetzen.

Axel Mayer




Die neuen sanften Durchsetzungsstrategien für den Euroreaktor und AKW Laufzeitverlängerung



Nach der Gefahrzeitverlängerung für AKW soll nach dem Willen der Atomkonzerne der Neubau von neuen Reaktoren folgen.
Die Atomlobby hat aus ihren Niederlagen in Wyhl, Kaiseraugst, Gerstheim, Wackersdorf und Zwentendorf gelernt. Die alten Fehler werden nicht wiederholt. So läuft zur Zeit europaweit eine geschickte Akzeptanzkampagene für den "neuen, sicheren, umweltfreundlichen und nachhaltigen" Euroreaktor an. Die "nachhaltige, klimafreundliche Kernenergie" ist das Motto der anlaufenden millionenschweren Werbeaktion. Ausgerechnet die Energiekonzerne denen die Umweltbewegung in jahrelangen Auseinandersetzungen Entstickungs- und Entschwefelungsanlagen für ihre veralteten Kohlekraftwerke aufzwingen mussten, versuchen nun vorgeschobene Klimaargumente für die Atomenergie zu nutzen. Auch der Versuch, über den Konflikt um die Windenergienutzung die Umweltbewegung zu spalten, geht in diese Richtung. Die Erinnerungen an die Reaktorunfälle in Tschernobyl (Ukraine), Harrisburg (USA) und Lucens (Schweiz) wurden erfolgreich verdrängt. Und auch die kleinen Nationalismen werden geschickt genutzt um Gefahrzeitverlängerung und neue AKW politisch durchzusetzen. Bereits vor über 30 Jahren sagte der damlige Ministerpräsident und Atomlobbyist Hans Filbinger: " Wenn das AKW Wyhl nicht gebaut wird, dann bauen "die Franzosen" zusätzlich zu Fessenheim noch ein AKW nach Marckolsheim. Heute sind EnBW und EDF eng verflochtene Global Player, dennoch wird heute schon die Gefahrzeitverlängerung und zukünftig vermutlich auch der Euroreaktor mit einem national angehauchten und darum leider eingängigen Argument durchgesetzt."Wenn wir nicht die AKW Laufzeit verlängern, dann kommt der zukünftige Strom aus unsicheren "ausländischen" AKWs." Auch wenn diese Argumentation leicht widerlegt werden kann ist, ist es erstaunlich wie wirksam die "Nationale Karte" immer noch funktioniert, wenn es gilt wirtschaftliche Interessen gegen die Menschen durchzusetzen.
Axel Mayer




Ihr könnt Auszüge aus dem ersten Textteil als Flugblatt kaufen oder downloaden:
Seite 1
Seite 2




Hier ein Beitrag der TAZ vom 20.7.2007 zum Thema Laufzeitverlängerung und Kernenergie



Atomindustrie - Das goldene Ende der Laufzeiten
Die Kosten sind überschaubar, die Abschreibungen vorbei, die Investitionen längst hereingeholt: Eine Million Euro Gewinn bringt ein AKW am Tag. VON BERNWARD JANZING

Zwischen dem Gewinnstreben der Stromwirtschaft und dem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung besteht ein unüberbrückbarer Interessenskonflikt: Jeder Tag, den ein abgeschriebener Uralt-Atomreaktor länger am Netz bleibt, bringt dem Anlagenbetreiber einen Gewinn zwischen einer halben und einer Million Euro - und den Bürgern ein steigendes Störfallrisiko.

In Deutschland sind derzeit 17 Atomkraftwerke am Netz,

die zwischen 1969 (Brunsbüttel) und 1989 (Neckarwestheim II) gebaut wurden. Nach dem "Atomkonsens" aus dem Jahr 2003 sollen die Reaktoren bis zum Jahr 2020 nach und nach abgeschaltet werden. Stade und Obrigheim sind seitdem bereits stillgelegt worden. Noch in dieser Legislaturperiode müssten Biblis A, Neckarwestheim I und Brunsbüttel vom Netz gehen. Um das zu verhindern, haben die Betreiber beantragt, Strommengen von neueren auf ältere AKWs zu übertragen. Dabei sind diese besonders anfällig: Im AKW Brunsbüttel - seit Mittwoch heruntergefahren - hat es schon zwei Jahre nach der Inbetriebnahme 1976 den ersten Störfall gegeben: Zwei Tonnen radioaktiver Dampf traten aus. Der Reaktor musste in seinen 31 Jahren mehrfach monatelang vom Netz genommen werden, zuletzt lag er von August bis Oktober 2004 lahm. Die Pannenstatistik des Jahres 2006 führt jedoch das AKW Krümmel an, das seit dem Brand am 28 Juni abgeschaltet ist: 15 meldepflichtige Ereignisse musste Betreiber Vattenfall der Aufsichtsbehörde mitteilen - dicht gefolgt vom RWE-Reaktor Biblis B mit 14 und Brunsbüttel mit elf Zwischenfällen in einem Jahr.

Der Gewinn lässt sich anhand bekannter Daten grob überschlagen:
Das Kraftwerk Krümmel zum Beispiel hat eine Leistung von 1.350 Megawatt, kann somit am Tag gut 32 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Die Kilowattstunde wird aktuell an der Strombörse im Jahresmittel für rund 5,5 Cent gehandelt, womit die tägliche Stromproduktion nur dieses einen Atomkraftwerks dem Besitzer Vattenfall fast 1,8 Millionen Euro an Einnahmen bringt.

Da die Atomreaktoren hohe Investitionssummen verschlungen haben,
entfällt der größte Anteil der Kosten auf die Kapitalverzinsung. Die Betreiberkonzerne haben das Geld während der Bauzeiten in den 1970er Jahren aufgenommen, das sie in den Folgejahren abzahlten. Wenn man jedoch von einer im Kraftwerkssektor üblichen Abschreibungsdauer von 20 Jahren ausgeht, dürften die noch laufenden 17 Reaktoren in Deutschland inzwischen fast durchweg abgeschrieben sein. Block zwei in Neckarwestheim war 1989 der letzte, der hierzulande ans Netz ging. Somit müssen die Unternehmen für die AKWs inzwischen keine Kapitalkosten mehr aufbringen.

Alle weiteren Kosten sind überschaubar.
Trotz eines drastischen Anstiegs des Uranpreises auf derzeit 130 Dollar pro Pfund, macht das Uran noch immer nicht mehr als 0,5 Cent pro Kilowattstunde, und damit keine zehn Prozent vom Großhandelspreis des Stroms aus. Auch die Personalkosten eines Atomreaktors dürften bei etwa 400 Mitarbeitern bei deutlich unter 100.000 Euro pro Tag liegen. Sind keine Reparatur- oder Wartungsarbeiten fällig, spielt ein großer Reaktor mit seinen rund 1.300 Megawatt also mindestens eine Million Euro am Tag ein. Ein kleinerer Reaktor wie jener in Brunsbüttel mit 800 Megawatt dürfte einen täglichen Gewinn von etwa einer halben Million Euro bringen. Daher spricht man auch vom "goldenen Ende" der Reaktorlaufzeit.

Diese Gewinne erzielen die Anlagenbetreiber RWE, Eon, EnBW und Vattenfall
zudem fast ohne unternehmerisches Risiko - und das macht die Anlagen für die Konzerne so unschlagbar attraktiv. Denn für die technischen Risiken der AKWs haften die Betreiber nur zu einem minimalen Anteil. Nach dem Atomgesetz nämlich sind Schäden, die von deutschen Atomkraftwerken ausgehen, nur bis zur Höhe von 2,5 Milliarden Euro überhaupt durch die Betreiber abgedeckt. "Damit trägt der Staat das finanzielle Risiko eines Störfalls", sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete Axel Berg.


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Müssten die Anlagenbetreiber am freien Markt eine Versicherungspolice
für einen hypothetischen GAU erwerben, so wäre das Thema Atomkraft schnell erledigt: Mal abgesehen davon, dass kaum ein Versicherer sich auf ein fast unlimitiertes Risiko einlassen würde, wäre eine solche Versicherung mit exorbitanten Prämien verbunden: "Dann müsste die Kilowattstunde um zwei Euro teurer werden", sagt Berg. Doch hier genieße die Atomwirtschaft ein Privileg wie sonst niemand: "Jedes Auto braucht eine ausreichende Haftpflichtversicherung, und auch jede Chemiefabrik."

Auch an anderer Stelle könnte die Gemeinschaft
in die Pflicht genommen werden für die Spätfolgen des lukrativen Geschäfts mit dem Atomstrom. Denn kein Mensch weiß, ob die Rückstellungen der Atomwirtschaft reichen werden, um eines Tages die Reaktoren zurückzubauen. Reicht das Geld nicht, ist wieder der Staat in der Pflicht - und dieses Szenario ist sehr wahrscheinlich. Da die Atomkonzerne ihre Rückstellungen zudem nicht in sicheren Anlageformen parken müssen, sondern damit am Kapitalmarkt agieren können, ist auch ein Verlust des Geldes möglich. Bekannt ist, dass Rückstellungen in großem Stil in Telekommunikationsunternehmen gesteckt wurden.

Da bei keinem anderen Kraftwerkstyp die Brennstoff- und Betriebskosten
im Verhältnis zu den Investitions- und Entsorgungskosten so gering sind wie bei der Atomkraft, kommen lange Reaktorlaufzeiten einer Gelddruckmaschine für den Betreiber gleich. Gleichzeitig werden aber gerade die abgeschriebenen Reaktoren zu einem großen Sicherheitsrisiko: "Man sieht doch an den jüngsten Ereignissen, dass mit dem Alter der Reaktoren auch das Störfallrisiko steigt", sagt Manfred Fischedick vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie.

"Wir sollten aufhören, den Atomausstieg immer wieder in Frage zu stellen",
rät Fischedick, denn auch die Gegner des Atomausstiegs sollten nicht vergessen, dass ein Aufschnüren des Atomkonsenses wieder einige Themen auf den Tisch brächte, die man eigentlich befriedet hat: "Dann müsste man auch wieder über die Haftpflichtversicherung, über die Sicherheitsstandards und über künftig notwendige Nachrüstungen reden."


Hier umfassende Infos:
hier: Fessenheim Infos
hier: Infos AKW und Atomgefahren
hier: KKW und Klimaschutz
hier: Uran, Öl, Gas und weltweite Energievorräte
Infos zu "neuen" Atomkraftwerken


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Dieser Artikel wurde 22818 mal gelesen und am 21.10.2015 zuletzt geändert.