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Lothar Krikowski: Ein Nachruf

05.02.2019

Foto von Ha-Jo Gorny

Lothar Krikowski: Ein Nachruf
Unser Freund, Naturschützer, Umweltschützer, Aktiver und Vorsitzender der Ortsgruppe Ettenheim des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) ist am vergangenen Freitag, 1. Februar 2019 gestorben, und wir sind traurig. Es gibt unglaublich viele Menschen, die sich ehrenamtlich im BUND engagieren, und Lothar tat das immer in ganz besonderer Weise. Schon früh entschied er sich bewusst dafür, dem "nur Berufsleben" eine zweite, lange, erfüllte Phase des Engagements folgen zu lassen. 1983 gründete Lothar Krikowski die Ortsgruppe Ettenheim des BUND, die sich mit Natur und Umweltschutz in den Gemeinden Ettenheim, Ringsheim, Rust, Kappel-Grafenhausen, Mahlberg und Kippenheim beschäftigte. Gleichzeitig war er auch weit über diesen örtlichen Rahmen hinaus aktiv. Er leitete eine eigene, kleine Geschäftsstelle und schaffte auch das Wunder der Finanzierung. 40 Jahre hat er mit ehrenamtlich Aktiven und mit vielen, vielen Zivis, PraktikantInnen, Buftis und Menschen im freiwilligen ökologischen Jahr zusammen gearbeitet und viele, nicht nur junge Menschen, dabei auch geprägt.

Ein Leben besteht aus vielen Facetten und wir können und wollen "nur" die Naturschutzaspekte betrachten. Selbst hier ist es unmöglich, in einem kurzen Nachruf auch nur ansatzweise aufzulisten, wo und wie er sich überall engagiert hat. Da ist einerseits der Amphibienschutz. Viele Kilometer Amphibienschutzzaun haben Lothar und die Aktiven Jahr für Jahr betreut und diese Leidenschaft für die kleine Schöpfung hat Hunderttausenden von bedrohten Tieren das Leben gerettet. Lothar war Wespenberater und unermüdlich im Einsatz. Um Wespen und Hornissen zu retten, hat er tausende von Kilometern zurückgelegt. Lothar Krikowski hat die positive Entwicklung der Abfallbehandlungsanlage Kahlenberg kritisch und engagiert begleitet. Dass aus der stinkenden alten Deponie ein Vorzeigebetrieb wurde, dass aus Abraumhalden mustergültige Biotope wurden, hat auch mit Menschen wie Lothar zu tun. Mit Wort und Tat ging er außerdem gegen den Riesen-Bärenklau und andere Neophyten vor.

Und da war immer auch der wache Blick weit über den Ortenauer Tellerrrand hinaus und sein Einsatz für gerechten globalen Handel.
Im ganzen Land hielt er Vorträge, zuerst zum Thema Abfall, dann zur Nachhaltigkeit und später zu den wunderbaren Eigenschaften und der Schutzwürdigkeit des Wassers. In Zeiten des Müllverbrennungswahns, als Ende der 1980er Jahre die Planungen für Müllöfen in Baden-Württemberg wie Pilze aus dem Boden schossen, ging er auf Vortragsreise und beschrieb einerseits die giftige Gefährlichkeit des Mülls, aber auch sehr anschaulich mit praktischen Vorführungen die Möglichkeiten von Müllvermeidung und Mülltrennung. Einige Jahre später, als der BUND-Bestseller "Zukunftsfähiges Deutschland" erschienen war, bot er seine Vorträge erneut an. Er war einer der fleißigsten Botschafter für die Inhalte der BUND-Studie "Zukunftsfähiges Deutschland". Lothar war auch 20 Jahre lang Landessprecher aller ca. 100 FÖJ-Einsatzstellen der Landeszentrale für politische Bildung. (1991 – 2011).

Nicht nur bei seinem Wasser-Vortrag, unter anderem bei den Naturschutztagen am Bodensee, kam Lothars spirituelle Seite zum Tragen. Lothar hat viele Menschen zur Meditation in und mit der Natur aufgerufen. "Wege zum Ökologischen Selbst" oder "Die Wiederentdeckung der sinnlichen Erde" und "Denken wie ein Baum" sind Buchtitel, die er seinerzeit empfohlen hat. Kernsatz der Philosophie, die Lothar - auch bei BUND-Sitzungen - immer vertreten hat: "Erst wenn wir anfangen, uns als Teil dieser Erde zu fühlen, können wir uns tatkräftig und effizient für eine menschliche und friedliche Welt einsetzen."

Lothar war einer der wenigen Träger der silberne BUND-Medaille für große Leistungen von landesweiter Bedeutung. Vom Arbeitskreis Umwelt des ehemaligen Dekanats Lahr wurde er für seinen Einsatz für die Umwelt mit der goldenen Mitgliedsnadel der Badischen Landeskirche geehrt. Als regionaler Delegierter hat er sich auch im BUND-Landesverband eingebracht. Für sein 40- jähriges Engagement im BUND wurde ihm 2016 der Umweltpreis des BUND-Umweltzentrums Ortenau verliehen.
Lothar war einer dieser kleinen Felsen in der Flut der anbrandenden großen Umwelt- und Naturzerstörung und des Artensterbens, einer dieser Felsen, der die Ufer des Lebens schützt. Es ist nicht möglich die große Lücke zu schließen, die er hinterlässt.

Dr. Brigitte Dahlbender / Landesvorsitzende des BUND Baden Württemberg
Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer / Regionalverband Südlicher Oberrhein



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Dieser Artikel wurde 1008 mal gelesen und am 8.2.2019 zuletzt geändert.