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Luchs in Baden Württemberg: Unser "badisches Nashorn" ist der Luchs!

11.01.2017

Der Luchs in Baden Württemberg: Unser "badisches Nashorn" ist der Luchs! Eine BUND-Position.



Der Luchs am Oberrhein, im Schwarzwald und in Baden-Württemberg: Nicht ausgestorben, sondern ausgerottet.
Unser "badisches Nashorn" ist der Luchs!


"Der langsam zurückkehrende Luchs war in Deutschland lange ausgestorben" steht immer wieder in den Medien.

"Ausgestorben" ist ein seltsam beschönigendes Neusprech-Wort. Es klingt nach "still von uns gegangen". Bekämpft, verfolgt, ausgerottet, ausgemerzt..., diese Begriffe beschreiben den Umstand des "Aussterbens" ein wenig treffender.

Jetzt kommt der Luchs langsam zurück und wie wird er empfangen?
Wir zitieren aus einer Stellungnahme des BLHV „Badischer Landwirtschaftlicher Hauptverband e.V.“ vom 16. September 2016:
"Der BLHV spricht sich gegen eine Wiederbesiedlung von Baden-Württemberg durch den Luchs aus. (...)"

"In Zeiten eines, auch durch die industrielle Landwirtschaft ausgelösten Artensterbens haben wir gegenüber bedrohten Arten eine Bringschuld", meint BUND-Geschäftsführer Axel Mayer.

Fünf Mal gab es in den vergangenen 540 Millionen Jahren gewaltige Artensterben, zeigen Fossilienfunde. Forscher sehen eine aktuelle, menschengemachte, sechste Welle im Zeitalter des Anthropozän in vollem Gange. Nach einem Bericht der Vereinten Nationen zur Artenvielfalt sterben bis zu 130 Tier- und Pflanzenarten täglich aus.

Es ist gut und wichtig, dass sich Medien und Öffentlichkeit verstärkt mit Themen wie dem bedrohten Blauflossenthunfisch, dem gefährdeten Great Barrier Reef, der Abholzung des Dschungels in Amazonien und der Ausrottung der Nashörner in Afrika und Asien beschäftigen. Doch unsere "badischen Nashörner" sind Wolf, Luchs, Wildkatze und Schmetterlinge. Für sie tragen wir Verantwortung.

Die Rückkehr einzelner, überlebender Tierarten nach Baden ist leider immer noch keine Trendumkehr im anschwellenden globalen Artensterben. Sie wird im zunehmend natur- und wildtierfeindlichen Umfeld am Oberrhein auch nicht einfach und darf nicht idealisiert werden. (Neue Hochgeschwindigkeitstrasse der Bahn, Autobahnausbau, Industrialisierung der Landwirtschaft, zunehmende Verlärmung, Klimawandel...)

Es macht wenig Sinn, wenn sich Verbände „gegen die Wiederbesiedlung durch Luchs und Wolf“ aussprechen – denn das angesprochene Wildtier entscheidet selbst wo es zur Jagd geht und seine Nachkommen aufzieht. Dass er dabei nicht erheblich beeinträchtigt werden darf, ist glücklicherweise europaweit abschließend geklärt und auch in unseren nationalen Gesetzen verankert.

Wir sollten Mensch, Landwirtschaft und Wolf nicht gegeneinander ausspielen, sondern weiterhin gemeinsam nach guten, machbaren Lösungen suchen. Viele Schritte in die richtige Richtung sind schon getan.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer





Luchse in Baden-Württemberg
Positionspapier des BUND-Landesverband Baden-Württemberg

vom Landesvorstand beschlossen am 28.01.2017

Der BUND befürwortet den Aufbau einer Luchspopulation in Baden-Württemberg,
da der Luchs
  • vor seiner Ausrottung ein fester Bestandteil der Fauna zwischen Rhein und Alpen war,
  • das natürliche Verhalten und die natürliche Populationsstruktur insbesondere der Reh- und Gemsenpopulationen befördert,
  • für Nutztiere in Freilandhaltung / auf der Weide im Vergleich zum Wolf relativ unproblematisch ist.


In Baden-Württemberg gibt es geeignete Luchslebensräume.
Dies belegen neben den Untersuchungen der Forstlichen Versuchsanstalt Baden-Württemberg (FVA) mehrere aus dem Schweizer Jura eingewanderten Luchskuder, die sich über viele Monate im Raum zwischen Schwarzwald, Baar, Oberem Donautal und Schwäbischer Alb aufhalten bzw. aufgehalten haben.

Der BUND erkennt an, dass sich eine dauerhafte Luchspopulation durch Zuwanderung in Baden-Württemberg nicht aufbauen kann, da keine Weibchen zuwandern.
Daran würde auch eine bessere grüne Infrastruktur nichts ändern. Alle aktuellen mitteleuropäischen Luchspopulationen sind durch Wiederansiedlungsmaßnahmen entstanden. Zu ihrer Stützung wäre eine baden-württembergische Population hilfreich.

Deshalb appelliert der BUND an diejenigen Nutzerverbände (insbesondere LJV und
BLHV), die nur eingewanderte Luchse akzeptieren, ihre Position zu überdenken.

Als beispielhaft gilt der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz, der das LIFE+-Projekt „Wiederansiedlung von Luchsen im Biosphärenreservat Pfälzerwald" unterstützt und aktiv um Akzeptanz für den Luchs wirbt (vgl. http://www.ljv-rlp.de/INFOPLATTFORM/LIFE-PROJEKT-LUCHS/LUCHS-NEWS/luchs-news.html).

Gleichzeitig unterstützt der BUND die Forderung nach einem „Handlungsleitfaden Luchs“ der Obersten Naturschutz- und Jagdbehörde, der verbindlich aufzeigt, wie Nutztierhalter/innen und Jäger/innen bei nachweislichen Luchsrissen entschädigt und bei Abwehrmaßnahmen unterstützt werden. Auch wenn dies nur sehr wenige Fälle betreffen wird, ist ein solcher Handlungsleitfaden ein wichtiger Schritt zur Akzeptanzförderung.

Der BUND wird ein Wiederansiedlungsprojekt in Baden-Württemberg im Rahmen eines EU-kofinanzierten Vorhabens unter folgenden Voraussetzungen befürworten und ideell und praktisch unterstützen:
  • Alle Nutzerverbände akzeptieren die Wiederansiedlung und sichern eine Unterstützung des Projekts zu. Ansonsten ist die Gefahr illegaler Tötungen wie in anderen Luchspopulationen zu hoch; diese würden den Erfolg des kostenintensiven Projekts von vornherein in Frage stellen.
  • Das Projekt beinhaltet eine intensive wissenschaftliche Begleitung der Wiederansiedlung durch die FVA und eine überregionale polizeiliche Struktur zur Verfolgung von Artenschutzvergehen gegen Großraubtiere und Greifvögel, die mit der FVA zusammenarbeitet.
  • Die Projektkosten auf Seiten des Landes gehen nicht zu Lasten des Naturschutzhaushalts. Der gesamte im Koalitionsvertrag versprochene Aufwuchs muss für die Umsetzung der gesetzlichen Naturschutzaufgaben und die Umsetzung der Naturschutzstrategie zur Verfügung stehen. Die teure Luchs-Wiederansiedlung muss überwiegend
    mit privaten Geldern und eingeworbenen EU-Mitteln finanziert werden.








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    in den wichtigen, aktuellen Naturschutzkonflikten am Oberrhein? Es gibt am Oberrhein eine Vielzahl von Menschen mit einem großen Wissen und Sachverstand in Sachen Natur und Umwelt. Doch in den großen Konflikten um unsere bedrohte Restnatur, sei es beim IRP, beim Schmetterlingssterben, bei den Themen Flächenverbrauch und Zersiedelung halten sie sich meist "vornehm" und schüchtern zurück und überlassen die öffentliche Debatte & Leserbriefe den gut organisierten Lobbyisten und dem Stammtisch. Manche Spezialisten sehen auch nur ihr "Lieblingsbiotop" und vergessen darüber den großen Zusammenhang. Nur gemeinsam können wir wir die aktuellen Zerstörungsprozesse bremsen!
    Axel Mayer


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    Dieser Artikel wurde 207 mal gelesen und am 3.3.2017 zuletzt geändert.