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Gefährliche Lücken im Sicherheitssystem bei Rhodia (F) !

04.12.2003
An die Medien
Die elsässischen Medien berichten heute über den "Jahresrückblick" der grenznahen französischen Firma Rhodia.

3 Millionen Euro hat der Unfall im Chemiewerk Rhodia (F) in Chalampé im Dezember 2002 die Firma bisher gekostet. Zumindest eine weitere Million wird die Firma zur Beseitigung der Schäden noch ausgeben.

Welche Menge ausgetreten ist (850- bis 1200m³ laut L'Alsace), weiß die Firma bis heute nicht. Alleine schon die Tatsache, dass es zum Austritt einer solch großen Menge dieses Giftstoffes kommen konnte, ist ein Skandal. Noch skandalöser war jedoch die Öffentlichkeitsarbeit der Firmenleitung. Das wahre Ausmaß des Unfalls und die damit einhergehende Gefährdung der Bevölkerung wurde verschleiert und verharmlost. Anders lässt sich auch die frühere Aussage der Firmenleitung nicht interpretieren, sie habe die Bevölkerung vor Weihnachten nicht beunruhigen wollen.

Der Unfall hatte nach Angabe der Firmenleitung eine Vielzahl von Gründen. So war u.a. das Fehlen eines billigen Durchflussmessers ein Grund für den 4 Mio. Euro teuren Unfall, der das Grundwasser noch jahrelang belasten wird. Der Unfall des letzten Jahres reiht sich ein in eine Kette von vielen Unfällen, teilweise mit Freisetzung von Blausäure.

Der BUND geht davon aus, dass die Sicherheitsanlagen veraltet sind und bisher auf Kosten der Sicherheit gespart wurde. In einer modernen Firma, die große Mengen Blausäure produziert darf so etwas nicht geschehen.

Von der Chemieanlage in Chalampé geht eine enormes Katastrophenrisiko aus. Unseres Erachtens besteht – anders als dies die Firmenleitung darstellt - bei einem solchen Unfall wie im Dezember 2002 ein ganz erhebliches Brand- und Explosionsrisiko. Wenn sich nur ein Teil des Cyclohexans entzündet hätte, wäre es zu einer heftigen Explosion gekommen - und das in einer Industrieanlage, in der u. a. auch große Mengen Blausäure produziert werden.

Nach Meinung von BUND Geschäftsführer Axel Mayer reicht die Sanierung der Unfallschäden nicht.

Die alten Forderungen von BUND und Alsace Nature gelten weiterhin:

Die veraltete Technik der Rhodia (F) muss schnellstmöglich auf den neuesten Stand gebracht werden. Dazu müssen auch unabhängige, kritische Experten von außen hinzugezogen werden.

Von diesen externen Experten muss eine genaue Unfallanalyse durchgeführt werden, die auch die Unfälle der vergangenen Jahre mit einbezieht.

Die Informationspolitik der mit gefährlichen Stoffen arbeitenden Firmen in der Rheinregion muss verbessert werden.

Die Sicherheitsvorkehrungen müssen seitens der zuständigen Behörden streng überprüft und kontrolliert werden.

Es bedarf dringend eines grenzüberschreitenden Sicherheitskonzeptes, das nicht nur die Firma Rhodia einbezieht, sondern sämtliche mit gefährlichen Stoffen arbeitenden Chemieanlagen in der Region, damit Katastrophenschutz und Feuerwehr im Ernstfall auch grenzüberschreitend schnell handeln können.

Auszug aus dem EG-Sicherheitsdatenblatt Cyclohexan

Sicherheitsdatenblatt gemäss 91/155/EWG Stand: 17.03.00

Seite: 1(7)

3. Mögliche Gefahren

Leichtentzündlich.

Reizt die Haut.

Sehr giftig für Wasserorganismen, kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen haben.

Gesundheitsschädlich: kann beim Verschlucken Lungenschäden verursachen.

Dämpfe können Schläfrigkeit und Benommenheit verursachen.

7. Handhabung und Lagerung

Hinweise zum Brand-und Explosionsschutz

Die schweren Dämpfe können eine beträchtliche Entfernung zu einer Zündquelle überbrücken.

Von Zündquellen fernhalten - Nicht rauchen.

Verwendung nur im explosionsgeschützten Bereich.

Flammpunkt -18 °C

(Der Flammpunkt ist die niedrigste Temperatur eines Lösemittels, bei der so viel Lösemittel verdampft, dass das Lösemittel-Luft-Gemisch bei Vorhandensein einer Zündquelle entflammt werden kann)

Axel Mayer (BUND)






Mehr Informationen über die Rhodia / Rhône-Poulenc, über gefährliche Pleiten, Pech, Pannen, Störfälle und Umweltverschmutzung finden Sie mit Hilfe der Suchfunktion auf der BUND Homepage.


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