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Mais: Propaganda & Greenwash (nicht nur) bei der Landesgartenschau in Lahr

03.08.2018

Mais: Propaganda & Greenwash (nicht nur) bei der Landesgartenschau in Lahr


Unseren Brief an´s Landratsamt Ortenau finden Sie unten auf dieser Seite.

Greenwash ist eine Werbemethode, die darauf zielt, einem Unternehmen oder Produkt, das umstritten oder problematisch ist, in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches Image zu verleihen.

Peter Steiert, ein BUND-Aktiver aus Herbolzheim,
hat uns im Sommer 2018 zwei Bilder von der Landesgartenschau in Lahr geschickt. Sie zeigen zwei Plakate vor einem Maisfeld, auf denen behauptet wird, Mais böte bedrohten Arten einen geschützten Lebensraum. Dies mag in einigen wenigen, seltenen Fällen (Triel) zutreffen, doch generell ist der Maisanbau ein massives Problem für die biologische Vielfalt und das Grundwasser. Die Mais-Werbeplakate lenken nach BUND-Ansicht gezielt von den vielfältigen Problemen ab, die der Maisanbau bringt. Sie passen auch gut zu den PR-Plakaten „Mais zum Durchatmen“ am Rande vieler Maisfelder. Danach soll ein Hektar Mais den Jahresbedarf an Sauerstoff für 50 bis 60 Menschen schaffen. Das ist zwar hübsch, aber ablenkend, denn es gibt keinen Sauerstoffmangel auf der Welt. Nischen werden überbetont, um die tatsächlichen Problemen zu verschleiern.

Der zunehmende Maisanbau gerade auch am Oberrhein und der mit der Monokultur verbundene Gift- und Düngemitteleinsatz führt zu massiven Problemen für Natur und Umwelt. Vogelarten wie Feldlerche, Wachtel, Grauammer und selbst die noch häufige Goldammer können auf den Maisflächen kaum Nahrung finden. Durch die Bekämpfung der Unkräuter im Mais und am Rand der Äcker geht auch die Deckung für Nester verloren. Bodenbrüter wie Kiebitze oder Schafstelzen kommen mit den meterhohen dichtstehenden Maisäckern _ nicht zurecht und sterben ab einer gewissen Dichte an Maisflächen bei gleichzeitiger Abwesenheit von Bracheflächen einfach aus. Maisäcker erobern Standorte, die traditionell als Wiesen genutzt wurden, aktuell besonders häufig in der Vorbergzone. Weil er sehr spät aufläuft, benötigt Mais Unterstützung gegen Beikräuter, die bereits früher heranwachsen. Die bekommt er (außer im Bio-Anbau, wo mechanisch gearbeitet wird) durch Boden-Herbizide. Das hauptsächlich im Maisanbau eingesetzte und seit über 20 Jahren verbotene Atrazin ist immer noch im Grundwasser nachweisbar und auch modernere Herbizide werden häufig im Grund- und Trinkwasser nachgewiesen.

Mais produziert in kurzer Zeit sehr viel Biomasse und braucht dafür sehr viel Stickstoff. Obwohl Mais viel Stickstoff aufnehmen kann, geht bei der Düngung im Kies der Rheinebene viel verloren bzw. wird ausgespült. Die Nitrat-Berichte des Landwirtschaftsministeriums zeigen, dass Mais zu den Kulturen mit den höchsten Nitratgehalten im Boden/Grundwasser gehört.

Enge Fruchtfolgen mit häufigem Maisanbau, insbesondere der jahrelange Anbau von Mais nach Mais, fördert Schadinsekten wie Maiszünsler und in jüngster Zeit auch den eingeführten Maiswurzelbohrer. Die Folge ist der Einsatz von Insektiziden (als Spritz- oder Beizmittel) mit teilweise katastrophalen Folgen für die Begleitfauna und Insekten.

Umweltfreundlich angebauter Mais hat auch nach BUND-Ansicht in der Landwirtschaft einen wichtigen Platz. Wir kritisieren die Auswüchse und die zunehmende Vermaisung sowie den Versuch, die Probleme beim Maisanbau mit grünwaschenden Plakaten auf der Landesgartenschau schönzufärben.


Axel Mayer, BUND-Regionalverband Südlicher Oberrhein
Petra Rumpel, BUND Kreisverband Ortenau

Mehr Infos: Mais und Umwelt


Mais: Propaganda & Greenwash (nicht nur) bei der Landesgartenschau in Lahr


Mais: Propaganda & Greenwash (nicht nur) bei der Landesgartenschau in Lahr




Herrn Landrat Frank Scherer
Landratsamt
Badstraße 20
77652 Offenburg

2.8.18
Bitte keine Fake-News vom Landwirtschaftsamt auf der Landesgartenschau

Sehr geehrter Herr Landrat Scherer,
Peter Steiert, ein BUND-Aktiver aus Herbolzheim, hat uns im Sommer 2018 zwei Bilder von der Landesgartenschau in Lahr geschickt. Sie zeigen Schilder vor einem Maisfeld, auf denen behauptet wird, Mais böte bedrohten Arten einen geschützten Lebensraum.

Auf den Schildern stehen als Beispiele für Tiere im „Lebensraum Mais“ u.a. das Rebhuhn, der Fasan, der Storch und der Mäusebussard. Nach unsererem Wissen kann sich in extremen Ausnahmefällen auch einmal ein Triel ins Maisfeld verirren, ansonsten leben im Mais aber hauptsächlich der Maiswurzelbohrer, der Maiszünsler und das Wildschwein.

Wir dachten, dass diese extrem einseitigen Schilder von einer Mais-Werbeagentur stammen. Doch Ortenauer Medien berichteten, dass das Landwirtschaftsamt Ortenau „Ausstellungsmacher“ und damit verantwortlich für die Plakate sei. Herr Schulze verteidigte in dem Artikel als Leiter des Landwirtschaftsamtes die Ausstellung damit, dass Mais eine wichtige Hauptkultur im Ortenaukreis und im Rheingraben sei.

Die extrem einseitigen Mais-Werbeschilder lenken nach BUND-Ansicht gezielt von den vielfältigen Problemen ab, die der Maisanbau mit sich bringt.

Der zunehmende Maisanbau gerade auch am Oberrhein und der mit der Monokultur verbundene Gift- und Düngemitteleinsatz führt zu massiven Problemen für Natur und Umwelt. Vogelarten wie Feldlerche, Wachtel, Grauammer und selbst die noch häufige Goldammer können auf den Maisflächen kaum Nahrung finden. Durch die Bekämpfung der Unkräuter im Mais und am Rand der Äcker geht auch die Deckung für Nester verloren. Bodenbrüter wie Kiebitze oder Schafstelzen kommen mit den meterhohen dichtstehenden Maisäckern nicht zurecht und sterben ab einer gewissen Dichte an Maisflächen bei gleichzeitiger Abwesenheit von Bracheflächen einfach aus. Maisäcker erobern Standorte, die traditionell als Wiesen genutzt wurden, aktuell besonders häufig in der Vorbergzone. Weil er sehr spät aufläuft, benötigt Mais Unterstützung gegen Beikräuter, die bereits früher heranwachsen. Die bekommt er (außer im Bio-Anbau, wo mechanisch gearbeitet wird) durch Boden-Herbizide. Das hauptsächlich im Maisanbau eingesetzte und seit über 20 Jahren verbotene Atrazin ist immer noch im Grundwasser nachweisbar und auch modernere Herbizide werden häufig im Grund- und Trinkwasser nachgewiesen.

Mais produziert in kurzer Zeit sehr viel Biomasse und braucht dafür sehr viel Stickstoff. Obwohl Mais viel Stickstoff aufnehmen kann, geht bei der Düngung im Kies der Rheinebene viel verloren bzw. wird ausgespült. Die Nitrat-Berichte des Landwirtschaftsministeriums zeigen, dass Mais zu den Kulturen mit den höchsten Nitratgehalten im Boden/Grundwasser gehört.

Enge Fruchtfolgen mit häufigem Maisanbau, insbesondere der jahrelange Anbau von Mais nach Mais, fördert Schadinsekten wie Maiszünsler und in jüngster Zeit auch den eingeführten Maiswurzelbohrer. Die Folge ist der Einsatz von Insektiziden (als Spritz- oder Beizmittel) mit teilweise katastrophalen Folgen für die Begleitfauna und Insekten.

Umweltfreundlich angebauter Mais hat auch nach BUND-Ansicht in der Landwirtschaft des Ortenaukreises einen wichtigen Platz. Wir kritisieren die Auswüchse und die zunehmende Vermaisung sowie den Versuch, die Probleme beim Maisanbau mit grünwaschenden Plakaten auf der Landesgartenschau schönzufärben.

Gerade weil Mais eine wichtige Hauptkultur im Ortenaukreis und im Rheingraben ist, sollte eine zur Objektivität verpflichtete Behörde die Möglichkeiten die Vorteile des Maisanbaus für die Erzeuger und Nachteile für die Artenvielfalt und das Grundwasser klug und differenziert darstellen.

Wir bitten Sie, Herr Landrat, deshalb, die bisherigen Schilder durch Informationen ersetzen zu lassen, die Pro und Contra objektiv darstellen.

Mit freundlichen Grüßen
Axel Mayer, BUND-Regionalverband Südlicher Oberrhein
Petra Rumpel, BUND Kreisverband Ortenau


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Dieser Artikel wurde 495 mal gelesen und am 3.8.2018 zuletzt geändert.