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Mais & Umwelt: Vermaisung, Grundwasser, Pestizide, Fruchtfolge, Bienensterben, Neonicotinoide und mangelnde Kritik bei Wikipedia...

19.08.2014

Mais, Vermaisung, Umwelt, Grundwasser, Pestizide, Fruchtfolge...



Vorwort
Nein, es geht in diesem Beitrag nicht um ein Verbot von Mais. Wir brauchen Mais als Nahrungsmittel. Gleichzeitig steuern wir auf eine gigantische Energiekrise mit massiven ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen zu, wenn der Umstieg auf nachhaltige, regenerative Energien nicht beschleunigt wird. Wir erleben die zunehmende Endlichkeit von Erdöl, Uran und Erdgas. Im Rahmen der globalen Raubbauwirtschaft müssen unsere Landwirte mit amerikanischen Farmern konkurieren, die auf gigantischen Flächen Mais anbauen und die Umwelt massiv zerstören.
Es geht in dieser Kritik um die Auswüchse des Maisanbaus am Oberrhein und in Deutschland, um die "Vermaisung" der Landschaft, um die Folgen der Monokultur Mais auf Mensch, Grundwasser, Umwelt und Natur.


Mais ist eine der bekanntesten
und wichtigsten Getreide-Nutzpflanzen der Welt. Ursprünglich kommt die Pflanze aus Mittelamerika, wo sie historisch als Nahrungspflanze genutzt wurde und ist damit ein der ältesten bekannten Kulturpflanzen. Mais gehört wie Zuckerrohr und Hirse zu den so genannten Hochleistungspflanzen (C-4-Pflanzen) und ist in der Lage bei warmem Klima und guter Sonneneinstrahlung besonders viel CO2 besonders in Kohlehydrate um zu wandeln.

Mais wird als Nutzpflanze vor allem zur Ernährung des Menschen und als Futterpflanze angebaut. Immer größer wird die Bedeutung von Mais als Energiepflanze zur Herstellung von Biokraftstoffen (Bioethanol) und als Energiemais zur Herstellung von Maissilage als Biogassubstrat.

Der zunehmende Maisanbau, Genmais und der mit der Monokultur verbundene Gift- und Düngemitteleinsatz führt allerdings auch zu massiven Problemen für Mensch, Natur und Umwelt.


Wir wollen hier einige wichtige Argumente zusammentragen:

- Mais erobert Wiesenstandorte
Mais verträgt mehr Feuchtigkeit als die traditionellen Getreidearten der Alten Welt. Darum erobern Maisäcker Standorte, die traditionell als Wiesen genutzt wurden, z.B. in Flußauen - mit katatstophalen Folgen für Klima (Kohlenstofffreisetzung nach Grünlandumbruch), Artenvielfalt und Grundwasser (Dünger, Herbizide)

- Mais bedeutet Herbizideinsatz
Weil er sehr spät aufläuft, muss Mais sich gegen Beikräuter, die früher dran sind, durchsetzen. Dazu braucht er Unterstützung, und die bekommt er (außer im Bio-Anbau, wo mechanisch gearbeitet wird) durch Boden-Herbizide. Das hauptsächlich im Maisanbau eingesetzte und seit über 20 Jahren verbotene Atrazin ist immer noch im Grundwasser nachweisbar. Auch modernere Herbizide werden häufig im Grund- und Trinkwasser nachgewiesen

- Mais bedeutet hohe Stickstoffdüngung
Mais produziert in kurzer Zeit sehr viel Biomasse und braucht dafür sehr viel Stickstoff - mineralisch oder als Gülle. Obwohl Mais viel Stickstoff aufnehmen kann, geht bei der Düngung viel daneben. Die Nitrat-Berichte des Landwirtschaftsministeriums zeigen, dass Mais zu den Kulturen mit den höchsten Nitratgehalten im Boden/Grundwasser gehört.

- Mais auf Mais fördert Schädlinge und provoziert Insektizideinsatz
Enge Fruchtfolgen mit häufigem Maisanbau, insbesondere der jahrelange Anbau von Mais nach Mais, fördert Schadinsekten wie Maiszünsler und Fritfliege, in jüngster Zeit auch den eingeführten Maiswurzelbohrer. Die Folge ist der Einsatz von Insektiziden (als Spritz- oder Beizmittel) mit teilweise katatstrophalen Folgen für die Begleitfauna.

- Maisanbau gefährdet Schmetterlinge und Insekten
"Zwischen 1990 und 2011 brach die Population von 17 in der EU verbreiteten Schmetterlingsarten um rund die Hälfte ein", schreibt die Europäische Umweltagentur (EEA) 2013 in ihrem Bericht. Das deutet auch auf den Rückgang vieler anderer Insektenarten hin. Selbst Nicht-Biologen fällt auf, dass der Artenreichtum und die Anzahl der Schmetterlinge massiv abgenommen haben. Gründe für das Schmetterlingssterben sind die zunehmende Vermaisung und der Ferneintrag von Giften aus dem Maisanbau (Neonicotinoide).

Genmanipulierter Mais – Alternative zum Gift?
Monsanto und andere Saatgutkonzerne werben für genmanipulierten Mais mit dem Argument, dadurch lasse sich der Einsatz von Insektiziden vermeiden oder vermindern. In der EU ist die Sorte MON 810 zugelassen (in Deutschland, Frankreich und weiteren Staaten gelten jedoch derzeit nationale Verbote), weitere Zulassungsanträge sind gestellt. Diese genmanipulierten Maissorten produzieren in jeder Zelle Insektizide, die dann in Nahrungs- und Futtermitteln vorhanden sind. Diese Insektizide wirken nicht artspezifisch – was den Maiszünsler umbringen soll, tötet auch andere Schmetterlinge, was gegen den Maiswurzelbohrer gedacht ist, auch andere Käfer. Die Insektizidmenge, die ein GVO-Maisacker produziert, ist um ein Vielfaches höher als die, die ein Landwirt auf derselben Fläche spritzen dürfte. Und schließlich: Genveränderte Pflanzen führen dazu, dass die Ernährungsgrundlagen der Menschheit in den Händen weniger Konzerne monopolisiert werden.


Mais und Umwelt: Vermaisung, Grundwasser, Pestizide, Fruchtfolge, Bienensterben, Neonicotinoide... (Foto von einer Demo in Freiburg gegen die Bienenvergiftung am Oberrhein)


Ein extremes Beispiel war das massive Bienensterben im Jahr 2008,
ausgelöst durch die Bekämpfung des Maiswurzelbohrers mit der Saatgutbeize Poncho. Rund 11.500 Bienenvölker waren betroffen, das heißt, sie wurden durch das falsch angewendete Pflanzenschutzgift des Herstellers Bayer CropScience entweder dezimiert oder ganz vernichtet

Maiswurzelbohrer: Fruchtfolge statt Gift, Genmais, Bienensterben und Grundwasserbelastung
Seit Jahren haben wir in Europa massive Probleme mit dem aus den USA eingeschleppten Maiswurzelbohrer. Die Bekämpfung des eingeschleppten Schädlings führte 2008 zur massiven Bienvergiftung am Oberrhein. Die Problemgifte aus der Gruppe der Neonicotinoide führen auch heute noch zu einer schleichenden Bienen- und Umweltvergiftung. Bis vor Kurzem war der Maiswurzelbohrer ein EU-Quarantäneschädling, d.h., die vom BUND geforderte ökologisch und ökonomisch sinnvolle Fruchtfolge war vorgeschrieben. Seit 2014 ist der Maiswurzelbohrer kein EU-Quarantäneschädling mehr und darum wurde die Fruchtfolgeverpflichtung aufgehoben.


Wegfall der Fruchtfolge kann bedeuten:
Mehr Vermaisung, mehr Monokultur, mehr Maiswurzelbohrer, mehr Gift und Nitrat.

Nach Ansicht des BUND sollte nach dem Wegfall der EU-Quarantäneverordnung jetzt unbedingt die Möglichkeit genutzt werden, nach dem PflSchG im Maiswurzelbohrer-Befallsgebiet Fruchtfolgemaßnahmen auf Landesebene anzuordnen, auch ohne Verpflichtung durch die EU.

Die Vermaisung (für Biogasanlagen) könnte ein Ende haben
schrieb am 4.5.2012 Bernward Janzing in der TAZ. "Biogas aus Wildpflanzen ist wirtschaftlich genauso attraktiv wie Biogas aus Mais. Der Einsatz von naturnahen Kulturen hätte auch ökologische Vorteile. Bereits im Jahr 2009 hatte die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim erste Versuchsflächen eingerichtet, auf denen eine Saatgutmischung aus 25 verschiedenen Pflanzenarten ausgebracht wurde. Im Jahr darauf ging es dann los: 25 Hektar in fünf verschiedenen Bundesländern wurden mit Wildblumen bestellt, im Jahr 2011 folgten weitere 200 Hektar in zwölf Bundesländern. Die Erfahrungen: Die Flächen lassen sich mit herkömmlicher Landtechnik bewirtschaften, und die Erträge der Blumenwiese erreichen 50 bis 70 Prozent des Referenzertrags eines Maisfeldes. Trotz des geringeren Ertrags sei die Blumenwiese dem Mais wirtschaftlich mindestens ebenbürtig, sagt Jochen Goedecke von der Modellprojekt Konstanz GmbH, die eines der Wildpflanzenprojekte in der Bodenseeregion betreut. Denn der geringeren Ausbeute pro Hektar stehen beträchtliche Einsparungen gegenüber: Zum einen werden die Pflanzen nur einmal ausgesät, ehe fünf Jahre lang geerntet wird – das spart Saatgut und Maschinenzeiten. Zum anderen entfallen die Kosten für Dünge- und Spritzmittel, weil die Wildpflanzen ohne Agrochemie auskommen." Zitatende

Eine Möglichkeit die massiven Folgeschäden des Maisanbaus
zumindest zu verringern wäre eine konsequente Fruchtfolge. Leider hat die "Verordnung zur Nichtanwendung der Verordnung zur Bekämpfung des Westlichen Maiswurzelbohrers" (ein unglaubliches Wortungetüm) des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft vom 24.02.2014 dazu geführt, dass die ökonomisch und ökologisch sinnvolle Fruchtfolge für den Mais nicht mehr vorgeschrieben ist.
Jetzt wird der Maiswurzelbohrer wieder zunehmen, die Agrar-Lobby wird nach mehr Gift schreien und wenn das Kind wieder im (vergifteten) Brunnen liegt, kommt die dringend notwendige Fruchtfolge mit der ortsüblichen Verspätung.

Die ungeheure Macht der Maislobby wird bei Wikipedia sichtbar. Die Kritik an den Folgen des Maisanbaus ist auf der Wikipedia - Seite extrem unterentwickelt und ein kritischer Link zu dieser Seite lässt sich nicht einfügen. Wikipediamanipulation gehört bei den Konzernen zum Geschäft.
Axel Mayer, BUND Geschäftsführer





Mais, Nitrat, Grundwasser & Trinkwasser


Mehr Ackerflächen für Maisanbau
"Immer mehr landwirtschaftliche Ackerflächen werden für den Anbau von Mais genutzt, der in Biogasanlagen für die Erzeugung von erneuerbarem Strom verwendet wird. Wie die Bundesregierung in ihrer Antwort (18/9203) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (18/8995) mitteilt, habe der Flächenbedarf für den Anbau von Biomasse zur Stromerzeugung 2006 circa 450.000 Hektar betragen. Bis 2014 sei der Flächenbedarf auf 1,4 Millionen Hektar gestiegen. Seit 2015 stagniere er auf diesem Niveau. Prozentual gesehen seien 2006 rund vier Prozent der gesamten deutschen Ackerfläche für den Anbau von Biomasse zur Stromerzeugung verwendet worden. 2015 seien es 11,8 Prozent gewesen. Unter Berufung einer vom deutschen Biomasseforschungszentrum durchgeführten Befragung gibt die Regierung den energiebezogenen Anteil von Maissilage an den in Biogasanlagen eingesetzten nachwachsenden Rohstoffen mit 72 Prozent an."
Quelle: Bundestag


Maisanbau und Naturschutz:
ein Kurzbeitrag von Carsten Brinckmeier

  • 1. Mais und Vielfalt in der Pflanzenwelt
    Maisflächen weisen eine sehr schwach entwickelte Begleitflora aus Ackerwildkräutern auf. Bunte Begleiter wie Vogelwicke, Kornblume und Acker-Rittersporn haben keine Chance.

  • 2. Maisanbau führt zu einem Rückgang der Vögel der Agrarlandschaft
    Vogelarten wie Feldlerche, Wachtel, Grauammer und selbst die noch häufige Goldammer können auf den Maisflächen kaum Nahrung finden. Durch die Bekämpfung der Unkräuter im Mais und am Rand der Äcker geht auch die Deckung für Nester verloren.

  • 3. Mais versus Wiesenbrüter
    Mais keimt spät aus und wächst dann sehr schnell! Bodenbrüter, wie Kiebitze oder Schafstelzen kommen mit den meterhohen dichtstehenden Maisäckern einfach nicht zurecht und sterben ab einer gewissen Dichte an Maisflächen bei gleichzeitiger Abwesenheit von Bracheflächen einfach aus.

  • 4. Mais und die Samenbank im Boden
    Vielfach wird Mais dort angebaut, wo vor kurzem noch bunte Niederungswiesen gediehen. Oftmals folgt dem Wiesenumbruch viele Jahre hintereinander Maisanbau. Auf der Fläche verschwindet nach und nach das Potential einer natürlichen Wiederentstehung einer Wiese durch Sukzession aus der sogenannten Samenbank.












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Dieser Artikel wurde 14304 mal gelesen und am 23.11.2016 zuletzt geändert.