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Gigaliner / Ökoliner / Lang-LKW & BUND-Kritik: Verkehrspolitisch dumm, umweltpolitisch schädlich & ein Kniefall vor der mächtigen PKW - LKW Lobby.

05.10.2017

Gigaliner / Ökoliner / Lang-LKW & BUND-Kritik: Verkehrspolitisch dumm, umweltpolitisch schädlich & ein Kniefall vor der mächtigen PKW - LKW Lobby.

Ein Verkehrsminister, der glaubt, mit Riesen-LKW etwas für die Umwelt und das Klima zu tun, der löscht sein Lagerfeuer auch mit Benzin.
Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer


Gigaliner: Verkehrspolitisch dumm, umweltpolitisch schädlich & ein Kniefall vor der mächtigen PKW LKW- Lobby
Die in Berlin immer mitregierende Automobillobby will die neuen, schweren und langen LKW auf die Straße bringen und der Cheflobbyist, mautpolitische Kleinstaatler, Autobahn-Privatisierer und Verkehrsminister Dobrindt setzt dies zum Jahreswechsel durch. Ab dem 1.1.2017 dürfen 25,25 Meter lange und (vorläufig noch) bis zu 44 Tonnen Gesamtgewicht schwere Lastwagen auf einem 11.600 Kilometer langen, festgelegten Straßennetz fahren. Der "Probebetrieb" diente nur der Durchsetzung des fest geplanten "Normalbetriebes". Die Anhebung der Gewichtsbeschränkung nach dem Prinzip der Salamitaktik ist absehbar. Ein Spediteur kauft keinen teuren Giga-Lkw, der 60 Tonnen laden kann, um sich auf die erlaubten 44 Tonnen zu beschränken.
Gigaliner sind eine verkehrspolitische Dummheit, umweltpolitisch schädlich und ein klassischer Kniefall vor der mächtigen PKW/LKW-Lobby. Unsere Verkehrsinfrastruktur ist weder für überschwere LKW noch für eine LKW-Länge von 25,25 Metern ausgelegt. Bereits ein 40-Tonnen-LKW belastet den maroden Straßenbelag so stark wie 60.000 PKW!

"Riesen-Lkw leisten keinen Beitrag zur Verringerung der Luftschadstoffemissionen im Güterverkehr. Auch der Verkehrslärm lässt sich mit Riesen-Lkw nicht verringern", sagt das Umweltbundesamt in einer Studie.

Um den Widerstand gegen die überschweren Lang-LKW zu brechen und ein umweltfreundliches Image zu erzeugen, versuchen Spediteure, Logistiker, LKW-Lobbyisten und manche Politiker den wunderbar grün klingenden Begriff "Öko-Laster / Ökoliner" einzuführen.

Es gibt zwischenzeitlich kein umweltschädliches Produkt oder Projekt, das nicht mit Greenwash auf den Markt gebracht wird. Im Vergleich mit Bahn und Binnenschiff produziert der LKW-Verkehr deutlich mehr schädliches Kohlendioxid (CO2), Feinstaub, Lärm und Naturzerstörung. Die Einführung sogenannter "Öko-Laster / Ökoliner" wird diese Probleme noch verschärfen. Das Argument, mit diesen Fahrzeugen lasse sich die gleiche Tonnage mit weniger Fahrten befördern, sodass die Straßen entlastet würden, ist schlicht Unsinn: Vielmehr werden noch mehr Güter von der Schiene auf die Straße verlagert und Straßen und Brücken werden auf Kosten der Steuerzahler noch schneller zerstört.

Gigaliner sind ein klassischer Dobrindt: Eine verkehrspolitische Dummheit, umweltpolitisch schädlich und ein Kniefall vor der mächtigen PKW und LKW-Lobby.

Axel Mayer, BUND-Regionalverband



Nachträge:


Die Zerstörung von Brücken & Straßen ist immer abhängig vom Gewicht und der Achslast des jeweiligen LKW. Ein schwerer LKW mit vielen Achsen & Rädern würde Straßen & Brücken weniger zerstören als ein leichter LKW mit wenigen Achsen & großer Achslast. Doch viele Achsen & Räder machen einen LKW teuer. Wer wird sich in unserem Zeitalter der organisierten Gier durchsetzen? Spediteure, Logistiker & LKW-Lobbyisten oder wir, die Steuerzahler?




"Die Deutsche Umwelthilfe, der Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) und die Allianz pro Schiene planen, gegen die Zulassung von Riesenlastern auf deutschen Straßen zu klagen. Die zu Jahresbeginn von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) erteilte Freigabe der sogenannten Gigaliner verstoße gegen EU-Recht, kritisieren die Umweltverbände"
Quelle: Zeit,05. April 2017







"Ein Rechenbeispiel: Ein gewöhnlicher Pkw mit einer Tonne Gewicht drückt mit 500 Kilo pro Achse auf die Straße. Bei einem vierachsigen 30-Tonner lasten pro Achse 7,5 Tonnen auf der Straße, das ist das 15-Fache. Das Vierte-Potenz-Gesetz sagt nun: Die Belastung für die Straße und damit der angerichtete Schaden ist pro Achse nicht 15-mal so groß wie beim Pkw, sondern der Faktor beträgt 15⁴, also 15x15x15x15, das ist 50.625.
Da unser Beispiel-Lkw außerdem doppelt so viele Achsen hat wie der Pkw, schädigt er die Straße sogar mehr als 100.000-mal so stark." Quelle: www.zeit.de/2011/31/Stimmts-Strasse





Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 22. Februar 2017: "Bundesrechnungshof wollte Gigaliner verhindern"





Megaliner / Gigaliner schädigen das Klima PE vom 30.1.2011



BUND kritisiert Beteiligung des Landes am Modellversuch mit Riesen-Lkw

Stuttgart. Scharf hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg, heute die Beteiligung des Landes am bundesweiten Modellversuch mit bis zu 25 Metern langen und 60 Tonnen schweren Gigalinern kritisiert. "Die Landesregierung konterkariert damit ihre eigenen Ziele zum Klimaschutz und zur nachhaltigen Entwicklung des Landes", sagt der BUND-Landesgeschäftsführer Berthold Frieß. "Auf der einen Seite definiert die Landesregierung in ihrem Klimaschutzkonzept 2020 PLUS ambitionierte Ziele auch im Bereich Verkehr. Auf der anderen Seite hofiert sie vor der Speditionslobby und fördert damit den schon heute überbordenden Lastwagenverkehr auf unseren Autobahnen", kommentiert Frieß: "Das ist verantwortungslos und zeigt, dass die Landesregierung vor dem Lkw-Verkehr und seinen Interessenvertretern kapituliert und keine wirklichen Konzepte für eine klimafreundliche Verkehrspolitik hat."

Die These der Lkw- und Speditionslobby, dass in die Gigaliner mehr Güter passen und deswegen weniger Lkw fahren werden, ist nach Ansicht des BUND reine Theorie. In der Praxis werden durch die Gigaliner deutlich mehr Lastkraftwagen auf den Autobahnen fahren. "Durch den zusätzlichen Laderaum wird der Lkw-Verkehr um 25 Prozent billiger. Das heißt, es gibt noch mehr Kostenanreize, die Lagerhaltung auf die Autobahn zu verlegen und Transporte mit dem Lkw statt mit Bahn oder Schiff vorzunehmen", sagt Frieß. Damit wird der Lkw auch für den Container- und Massengutverkehr attraktiv - bisher eine Domäne des Schienenverkehrs. Das bedeutet mehr klimabelastende Emissionen. Diese langfristigen Folgen blendet die Landesregierung bei ihren Entscheidungen aus. "Das Wohl der Speditionen ist der Landesregierung wichtiger als der Klimaschutz. Dabei erwartet auch die Bevölkerung von der Politik ernsthafte Bemühungen, sie von der Lkw-Lawine auf den Straßen zu entlasten", sagt Frieß.


Megaliner: Eine Studie des Umweltbundesamtes


Das Umweltbundesamt (UBA) unterstützt die deutsche Bundesregierung mit wissenschaftlichen Untersuchungen zum Umweltschutz. In seinem Bericht "Länger und schwerer auf Deutschlands Straßen: Tragen Riesen-LKW zu einer nachhaltigen Mobilität bei?" vom März 2007 beantwortet das Umweltbundesamt Fragen zu Riesen-LKW aus Umweltschutzsicht.

  • Das Fazit des Umweltbundesamtes lautet: "Insgesamt tragen Riesen-LKW nicht zu einer nachhaltigeren Entwicklung des Güterverkehrs bei. Ihr Einsatz entlastet weder die Umwelt noch die Straßeninfrastruktur. Vielmehr ist mit zusätzlichen Sicherheitsrisiken und – aus Sicht des Umweltschutzes – mit einer negativen Verlagerung der Gütertransporte auf die Straße zu rechnen."

  • Das Umweltbundesamt widerlegt das Argument der Befürworter, dass zwei Gigaliner drei herkömmliche LKW ersetzen würden: "Wegen der verringerten Transportkosten würden deutlich mehr Gütertransporte von der Bahn und dem Binnenschiff auf die Straße verlagert. Damit führen nach der Einführung der Riesen-Lkw nicht etwa weniger, sondern sogar mehr Lkw auf der Straße."

  • Erst ab einer Auslastung von mehr als 80% stoßen Riesen-LKW weniger Luftschadstoffe pro transportierter Tonne Ladung aus als normale LKW. Selbst herkömmliche LKW sind aber derzeit nur zu durchschnittlich 64% ausgelastet. Selbst bei theoretisch voller Auslastung der Riesen-LKW ist die Schadstoffbilanz des Schienengüterverkehrs immer noch wesentlich besser.

  • Auch auf die Gefahr bei Unfällen mit Gigalinern weist das Umweltbundesamt hin: "Verkehrsunfälle mit solchen Fahrzeugen haben wegen deren höheren Gewichts deutlich schwerwiegendere Folgen als Kollisionen mit herkömmlichen Lastzügen."


Quelle: Der Bericht des Umweltbundesamtes



Gigaliner / Ökoliner / Eine Kritik: Verkehrspolitisch dumm, umweltpolitisch schädlich & ein Kniefall vor der mächtigen PKW - LKW Lobby.




BUND-Kommentar zur Lang-Lkw-Studie von Land Baden-Württemberg und Daimler AG / 5.10.17



BUND: Gigaliner sind Flop für Klimaschutz – Ausbau der Schiene muss Vorrang haben

Als Flop für den Klimaschutz bewertet der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Baden-Württemberg die Ergebnisse der heute veröffentlichten gemeinsamen Studie des Landes und der Daimler AG zu den Auswirkungen des Einsatzes von Lang-Lkw. „Die Studie belegt: Lang-Lkw sind kein Beitrag, den Güterverkehr klimaverträglicher zu gestalten. Bezogen auf das heutige Straßennetz, das von den Gigalinern befahren werden darf, würden die Treibhausgase im schweren Güterverkehr um nur 0,05 Prozent sinken. Sollte das gesamte Autobahnnetz bis 2030 für Lang-Lkw freigegeben werden, würden die CO2-Emissionen im Güterverkehr auch nur um 0,22 Prozent sinken. Das sind völlig irrelevante Größen für den Klimaschutz“, erklärt Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesgeschäftsführerin des BUND. Das Verlagerungspotential von Lkw auf Lang-Lkw sei gering, da nur großvolumige leichte Güter verlagert werden können. Für den BUND sind Lang-Lkw längerfristig gesehen ein gefährlicher Irrweg und für den Klimaschutz kontraproduktiv. „Als Nischenprodukt hat der Lang-Lkw keine Zukunft. Das belegt die Studie. Ist er aber einmal generell freigegeben, wird der Druck der Lkw-Lobby massiv steigen, nun auch die Gewichte auf 60 Tonnen zu erhöhen – mit allen negativen Folgen für den Güterverkehr auf der Schiene und den Klimaschutz. Technisch sind die Lang-Lkw bereits auf höhere Gewichte ausgelegt. Diese Gefahren blendet die Studie leider aus“, betont Pilarsky-Grosch. Sie fordert die Landesregierung auf: „Hände weg von Gigalinern! Stattdessen den Güterverkehr auf der Schiene fördern!“

Daimler liefert Vorschläge für eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Bahn im Güterverkehr
Der BUND begrüßt, dass Daimler in der Studie selbst Vorschläge für eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Güterverkehrs auf der Schiene präsentiert. Zum Forderungskatalog gehören beispielsweise eine Erhöhung der Kapazitäten im Rangierbahnhof Kornwestheim, die Erweiterung und der Neubau von Terminals im Kombinierten Verkehr, der Erhalt von Ausweich- und Überholgleisen sowie der Erhalt und die Neuanlage von Gleisanschlüssen. „Offensichtlich haben die Bahn-Logistiker im Daimler-Konzern die Zeichen der Zeit erkannt und setzen auf mehr Güterverkehr auf der Schiene, um den Straßengüterverkehr einzudämmen. Damit sind sie innovativer und mehr am Klimaschutz orientiert als große Teile der Verkehrspolitik“, so Pilarsky-Grosch. „Daran sollte sich die Landesregierung ein Beispiel nehmen und die Vorschläge umsetzen. Das wäre ein guter Beitrag für eine nachhaltige Verkehrspolitik – satt mit Gigalinern auf Geisterfahrt zu gehen.“







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Dieser Artikel wurde 4055 mal gelesen und am 5.10.2017 zuletzt geändert.