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Hochwasserschutz für Rhein, Elz, Dreisam, Glotter, Kinzig, Rench und Schutter

06.06.2013

Hochwasserschutz an Rhein, Elz, Dreisam, Glotter, Kinzig, Rench und Schutter schneller umsetzen


Schon wieder ein Jahrhunderthochwasser?
Das "letzte Jahrhunderthochwasser" im Oktober 2002 in Bayern und im Osten der Republik zeigte die ökologischen Sünden der Vergangenheit und der Gegenwart.
Und jetzt, im Juni 2013, kämpft Deutschland schon wieder mit schlimmen Hochwassersituationen. Die kühle Witterung in der "Regenzeit" war das große Glück der Rheinanlieger, denn wenn gleichzeitig zum Regen auch der viele Schnee in den Alpen abgeschmolzen wäre, dann hätten wir jetzt rheinabwärts eine Katastrophe.

Die immer schneller wiederkehrenden "Jahrhunderthochwasser"
zeigen die Dringlichkeit, den Hochwasserschutz endlich auch am Südlichen Oberrhein, schnell umzusetzen. In den letzten Jahren wurde viel getan um mit Hochwasserrückhaltebecken die Gemeinden in unserer Region zu schützen.

Auch in Südbaden wurde zu nahe an die Flüsse und Bäche
- in ehemalige Überschwemmungsflächen - gebaut. Und auch bei uns gab es schon Hochwasser -doch die kanalisierten Fließgewässer führen die Hochwasser zumeist schnell ab. Die zu Kanälen geronnenen Flüsse unserer Heimat Elz, Dreisam, Glotter, Kinzig, Rensch, Schutter und Rhein schaffen massive Hochwasserprobleme flussabwärts. Wir tragen auch Verantwortung für die Menschen flußabwärts. Aus diesem Grund muss das Integrierte Rheinprogramm endlich und beschleunigt umgesetzt werden.

Eines von vielen Konfliktfeldern beim IRP war der in Breisach sehr umstrittene Querdamm, der zusätzlich Wasser zurückhalten sollte.
Ein Hochwasserdamm im Auewald bei Breisach sollte zusätzlich rund 1,8 Millionen Kubikmeter Wasser zurückhalten. Ein Damm ist natürlich immer auch ein Eingriff in die Natur.
  • Wer „nur“ den Hochwasserwasserschutz sieht, muss möglichst hohe Querriegel, Dämme und maximale Einstauhöhen fordern.
  • Wer „nur“ auf Naturschutzaspekte achtet, verwirft alle Querriegel und fordert frei fließendes Wasser in den Auen.

Aus reiner Naturschutzsicht müsste der BUND den Querriegel ablehnen. Doch der BUND ist ein Umwelt- und Naturschutzverband und wenn rheinabwärts die viel zu nahe an den Rhein gebauten Industrieanlagen "wegschwimmen" und für die Menschen dort massive Schäden entstehen, dann müssen wir auch diese Argumente in unsere Überlegungen einbeziehen und den Querriegel ohne Begeisterung akzeptieren. Hochwasserschutz mit Naturschutz verbinden bedeutet eben auch immer Kompromisse. Die beste Lösung wäre natürlich die Breisacher Polderfläche zu erweitern um die gleiche Wassermenge ökologisch vertretbarer zurückzuhalten. Doch solche Überlegungen stoßen vor Ort auf wenig Gegenliebe.
Es ist der Breisacher Bürgerinitiative gelungen die Pläne für einen Querdamm zu stoppen. Wo jetzt die rund 1,8 Millionen Kubikmeter Wasser zurück gehalten werden sollen ist offen. St. Florian regiert. Wir brauchen mehr und nicht weniger Hochwasserschutz!

Echter Hochwasserschutz durch das IRP?
Die Debatte um das IRP führt bei vielen Menschen zu der Illusion, die vorgesehenen Maßnahmen würden den "totalen" Hochwasserschutz am Rhein bringen. Doch beim IRP geht es nur um einen Teilschutz bei einem Hochwasser, wie es theoretisch alle 200 Jahre auftritt und auch bei diesem Hochwasser könnte nur für eine kurze Zeit den Fluten die Spitze genommen werden. Das ist ein großer Fortschritt und kann Milliardenschäden verhindern. Dennoch dürfen wir nie vergessen, welch schreckliche Katastrophen der Rhein schon angerichtet hat.

Hochwasser am Rhein: Das Beispiel Köln
Am Pegel Köln wurde am 27./.28 Februar 1784 mit 13,84 m das höchste und verheerendste Hochwasser gemessen. In jüngerer Zeit stieg der Rhein 1926, 1993 und 1995 jeweils auf 10,63 m bis 10,69 m. Bei jedem Hochwasser ab 10,70 m wird in Köln Katastrophenalarm ausgelöst. Die Altstadt wird dank neuer Schutzmaßnahmen nach den Hochwassern 1993 und 1995 erst bei 11,30 m überflutet, doch 1784 lag der Pegel bei 13,84 Meter. Das Hochwasserereignis wird als eine der größten Naturkatastrophen der frühen Neuzeit in Mitteleuropa angesehen. Das Hochwasser verwüstete ganze Talzüge, unzählige Brücken wurden zerstört. Es wird auch als „Jahrhundert-Eisgang“ oder „Eisflut“ bzw. „Winterhochwasser von 1784“ bezeichnet. Doch damals lebten wesentlich weniger Menschen im Überflutungsgebiet, es gab keine rheinnahen Atom- und Chemieanlagen und große Auen konnten zumindest einen Teil des Hochwasser zurück halten.
Wenn es heute als Erfolg gefeiert wird, wenn eine örtliche Bürgerinitiative in Breisach einen Querdamm verhindert der 1,8 Millionen Kubikmeter Wasser zurückhalten könnte, dann stellt sich schon die Frage ob aus der Rheingeschichte nichts gelernt wurde.


Elz, Dreisam, Glotter, Kinzig, Wiese, Rhein... Kanalisierte Bäche und Flüsse und kein Hochwasserschutz rheinabwärts


Und was ist mit Elz, Dreisam, Glotter, Kinzig, Rench und Schutter?
Eine weitere Chance für mehr Hochwasserschutz und mehr Naturschutz und eine Chance für die regionalen Fließgewässer bieten die im Rahmen des Bahnausbaus notwendigen Ausgleichsmaßnahmen. Die Deutsche Bahn AG plant den Zubau zweier zusätzlicher Gleise im Oberrheingraben. Der BUND sieht das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wir wollen die Stärkung und den Ausbau der Bahn und akzeptieren darum den Trassenbau. Die problematischsten Aspekte der Neubaustrecke sind der Flächenverbrauch, die Landschaftszerschneidung und der Lärm. Wir brauchen also Ausgleichsmaßnahmen, die genau an diesen Problemfeldern ansetzen.

In der Vergangenheit wurden die meisten Mittel- und Unterläufe unserer Bäche und Flüsse zu geradegestreckten, kanalisierten, naturfernen Kanälen umgebaut. Gerade Elz, Dreisam, Glotter, Acher, Rench, Kinzig und Schutter - diese landschaftsprägenden Gewässer unserer Heimat könnten durch geeignete Maßnahmen, insbesondere durch Dammrückverlegungen, ökologisch aufgewertet und renaturiert werden.

So könnten auch zusätzliche Möglichkeiten zur Hochwasserrückhaltung geschaffen werden. Es sollte auch versucht werden, durch geeignete bauliche Maßnahmen (z.B. breite Durchlässe unter Autobahn und Neubautrasse) die Wandermöglichkeit von Tieren entlang der Bäche wieder zu verbessern.

Grüne Bänder, d.h. breite, naturnahe Korridore, teilweise mit Auecharakter, zwischen Schwarzwald und Rheinaue sollten als Ziel angestrebt werden. Nicht teure Ingenieurbiologie und Grünbrücken, sondern zusammenhängende Flächen in Bachnähe werden gebraucht. Dazu gehört auch die Wiedervernässung von Wiesen in Flussnähe als Maßnahme für einen wirklichen Biotopverbund. Es sollte geprüft werden, an welchen Gewässern der Region mit dem geringsten finanziellen Aufwand der größtmögliche Effekt für Mensch, Natur und Umwelt erzielt werden könnte.

Doch machen wir uns nichts vor
Alle hier aufgeführten Maßnahmen und Ideen können nur die Spitze eines "kleinen bis mittleren" Rheinhochwassers für kurze Zeit kappen. Ein extremes Rheinhochwasser wie im Jahr 1784, das damals in Köln zu einem Pegelstand von 13,84 m führte, wäre auch heute nicht ansatzweise beherrschbar. Und heute wären nicht nur Millionen Menschen betroffen, sondern auch Chemie- und Atomanlagen die viel zu lange, viel zu nahe an den Rhein gebaut wurden. Angesichts von Klimawandel und zunehmender Zersiedelung und Versiegelung am Oberrhein wären weitergehende Ansätze, Überlegungen und Maßnahmen zum Hochwasserschutz unbedingt notwendig. Doch selbst für das kleine IRP brauchen wir über drei Jahrzehnte Planung und die bisher umgesetzten Renaturierungsmaßnahmen an Elz, Dreisam, Glotter, Kinzig, Rench und Schutter sind angesichts der Dimension der kommenden Hochwasserprobleme und wegen des örtlichen Widerstandes bisher noch nicht mehr als "gut gemeint".

Eine "Jahrhunderthochwassererfahrung" des BUND
Wenn das aktuelle Hochwasser abgelaufen ist und die Schäden beseitigt sind, ist zumeist alles wieder vergessen. Zumindest bis zum nächsten "Jahrhunderthochwasser" in 2, 5 oder 10 Jahren. Hier ist die Politik, auch auf regionaler und örtlicher Ebene gefordert.

Axel Mayer, BUND Geschäftsführer

Mehr Infos:




Elz bei Riegel: Ein Kanal, der Wasser schnell ableitet und flußabwärts Hochwasser erzeugt

Elz bei Riegel: Ein Kanal, der Wasser schnell ableitet und flußabwärts Hochwasser erzeugt

Elz bei Riegel: Ein Kanal, der Wasser schnell ableitet und flußabwärts Hochwasser erzeugt



Info vom 8.2007
Gegen die Eindeichung der Ill
Während in Deutschland viele Bäche und Flüsse zu eingedeichten Kanälen geronnen sind, gibt es in Frankreich immer noch viele unbegradigte, naturnahe Gewässer, die natürlichen Hochwasserschutz bieten.
Die französische Ill am Südlichen Oberrhein tritt im Frühjahr über die Ufer und überflutet große Flächen ohne Schäden anzurichten. Doch jetzt wollen französische Planer auf Druck der Landwirtschaft die alten deutschen Fehler nachmachen. Die Ill soll eingedeicht werden. Alsace Nature, der große elsässische Umweltverband wehrt sich gegen diese Pläne die Hochwasserschutz und Naturschutz gefährden.

Mehr Infos: Integriertes Rheinprogramm IRP, Hochwasserschutz und Naturschutz am Rhein finden Sie hier






Aktuelle Linkliste 2018: Natur & Naturschutz Oberrhein / Elsass:


Natur & Naturschutzgebiete in Baden und im Elsass:


Aktueller Einschub 22.3.18:

Das letzte männliche Nördliche Breitmaulnashorn der Welt ist tot.


Es ist gut und wichtig, dass sich Medien und Öffentlichkeit verstärkt mit Themen wie der Ausrottung der Nashörner in Afrika und Asien beschäftigen. Doch unsere "badischen Nashörner" sind Wolf, Luchs, Wildkatze und Schmetterlinge. Für sie tragen wir Verantwortung.

Fünf Mal gab es in den vergangenen 540 Millionen Jahren gewaltige Artensterben, so zeigen Fossilienfunde. Forscher sehen eine aktuelle, menschengemachte, sechste Welle in vollem Gange. Allein seit dem Jahr 1500 seien mehr als 320 terrestrische Wirbeltiere ausgestorben, die Bestände der verbliebenen seien im Schnitt um ein Viertel geschrumpft, schreiben Wissenschaftler um Rodolfo Dirzo von der Stanford University in der Zeitschrift "Science". Nach einem Bericht der Vereinten Nationen zur Artenvielfalt sterben bis zu 130 Tier- und Pflanzenarten täglich aus.
Der Mensch im Anthropozän hat auf die Artenvielfalt also langfristig eine "ähnlich verheerende" Wirkung wie der große Meteor-Einschlag vor 65 Millionen Jahren.

Verheerende Nachrichten zum Vogelsterben kommen gerade auch aus Frankreich:

"Unser ländlicher Raum wird zu einer Wüste." Mit diesen drastischen Worten kommentierte der französische Biologe Benoit Fontaine vom Nationalen Museum für Naturgeschichte zwei Studien, die einen brutalen Rückgang von Vögeln der Agrarlandschaft beschreiben.

Ihre Zahl ist demnach in den letzten 15 Jahren durchschnittlich um ein Drittel zurückgegangen, bei manchen Arten sind die Verluste sogar noch gravierender: So verschwanden 70 Prozent der Wiesenpieper und zwei Drittel der Ortolane während dieser Zeit, bei den Rebhühnern beträgt der Rückgang sogar 80 Prozent (über einen Zeitraum von 23 Jahren). "Das hat ein Ausmaß erreicht, dass man bald von einer ökologischen Katastrophe sprechen kann", so Fontaine weiter.

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Wo sind die vielen NaturschützerInnen & BiologInnen
in den wichtigen, aktuellen Naturschutzkonflikten am Oberrhein? Es gibt am Oberrhein eine Vielzahl von Menschen mit einem großen Wissen und Sachverstand in Sachen Natur und Umwelt. Doch in den großen Konflikten um unsere bedrohte Restnatur, sei es beim IRP, beim Schmetterlingssterben, bei den Themen Flächenverbrauch und Zersiedelung halten sie sich meist "vornehm" und schüchtern zurück und überlassen die öffentliche Debatte & Leserbriefe den gut organisierten Lobbyisten und dem Stammtisch. Manche Spezialisten sehen auch nur ihr "Lieblingsbiotop" und vergessen darüber den großen Zusammenhang. Nur gemeinsam können wir wir die aktuellen Zerstörungsprozesse bremsen!
Axel Mayer








Übersicht 2018: Wasser, Grundwasser, Trinkwasser, Wasserverschmutzung und Rhein




Aktueller Einschub:


In Deutschland wird gegen EU-Auflagen zum Schutz von Gewässern verstoßen. Die Regierung habe zu wenig gegen Nitrate im Grundwasser unternommen, urteilte der Europäische Gerichtshof am 21.6.18 in Luxemburg. Ein Übermaß an Nitrat schadet der Umwelt und birgt Gesundheitsrisiken für Menschen. Wesentliche Quelle ist Dünger aus der Landwirtschaft. Diese Kritik gilt auch für den Oberrhein


  • Aktuell: Renaturierung Elz, Dreisam, Kinzig, Glotter 2017/ Eine Erfolgsgeschichte










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    Dieser Artikel wurde 7013 mal gelesen und am 20.10.2016 zuletzt geändert.