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Trinationale Metropolregion Oberrhein: Wachstum contra Umwelt und Lebensqualität?

06.12.2010

Trinationale Metropolregion Oberrhein: Wachstum contra Umwelt und Lebensqualität?


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An die Medien am Oberrhein


Nachtrag:
Die angeschriebenen Medien am Oberrhein haben diesen kritischen Beitrag "natürlich" nicht in die mediale Lobpreisung der Trinationalen Metropolregion einfließen lassen. Was Wachstum und Zuschüsse bringt ist unhinterfragt gut, Kritik ist unerwünscht und als Alibi gab´s ja die Illusion von Beteiligung bei den so genannten Bürgerforenhier... )


Metropolregion Oberrhein: Eine Kritik

Trinationale Metropolregion Oberrhein: Wohin?


Am 9. Dezember 2010 wurde im Burda Media Tower in Offenburg die Trinationale Metropolregion Oberrhein offiziell gegründet. Im Rahmen eines Festaktes wurde eine "Offenburger Erklärung" unterzeichnet. Die Illusion von Bürgerbeteiligung an diesem Projekt zur Wirtschaftsförderung wurde sehr spät durch so genannte "Bürgerforen" geschaffen. Eine echte inhaltliche Debatte um eine nachhaltige, zukunftsfähige, trinationale Vision für unsere gemeinsame Heimat am Oberrhein hat es nie gegeben.

"Eine Metropolregion (in der Schweiz auch Metropolitanregion) ist eine stark verdichtete Großstadtregion von hoher internationaler Bedeutung." (aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie)


Eines der Ziele der Metropolregion Oberrhein ist eine rasche Verwirklichung der europäischen Verkehrsprojekte am Oberrhein. Einen Vorgeschmack auf das "Verkehrsdrehkreuz Oberrhein" erlebt die lärmgeplagte Bevölkerung bereits heute.


Die "Natur am Oberrhein"
kommt bei den Zielen als Feigenblatt zum Schluss. "Fortschritt am Oberrhein" war bisher fast immer die Metapher für Verkehrslärm, Flächenverbrauch, Zersiedelung, Zerstörung von Kultur, Natur und Lebensräumen und Heimatverlust.

Es kann nicht darum gehen, Entwicklung aufzuhalten
oder eine Käseglocke über die Region am Oberrhein zu stülpen. Es muss darum gehen, negative Entwicklungen aufzuhalten und Lebensqualität zu erhalten. Die bisherigen Ansätze der Metropolregion Oberrhein zeigen leider nicht in Richtung Nachhaltigkeit. Peak Oil, Peak Gas, Peak Everything waren in der Debatte um die Metropolregion bisher Fremdworte. Es geht in erster Linie um das "Produkt" Oberrhein auf dem internationalen Markt.

Europäische Raumplaner sehen einen zukünftigen Verdichtungsraum,
der in Bananenform über Zentraleuropa liegen könnte. Der Oberrhein liegt mitten in dieser Verdichtungszone, die in London beginnt und über Amsterdam, Frankfurt, Strasbourg, Basel nach Mailand läuft. Die Planer sehen im Gegensatz zu vielen Regionalpolitikern allerdings nicht nur Vorteile: "Explodierende Bodenpreise, täglicher Verkehrskollaps, steigende Umweltbelastungen und Zersiedelung im Umland" werden als zukünftige Problemfelder aufgezeigt. Dieses theoretische Entwicklungsmodell der "Blauen Banane" könnte, als sich selbst bestätigende Prognose, durchaus Realität werden, denn auch hinter der geplanten "Metropolregion Oberrhein" steckt zumeist der alte, unreflektierte, zerstörerische Traum vom unbegrenzten Wachstum. Wenn Sie nicht in der Großstadt leben wollen, dann kommt diese zu Ihnen. Aus einer "Kaminrunde" im Hause Burda wird eine unkritisch beklatschte "Vision" für Südbaden, das Elsass und die Regio Basiliensis.

Während große Gebiete in Zentralfrankreich und im Osten Deutschlands "schrumpfen",
versucht die Metropolregion auf Kosten dieser Regionen zu wachsen und der Transitverkehr soll zunehmen. Der Lebensqualität der Menschen am Oberrhein dient so etwas nicht, auch wenn solche Projekte mittlerweile mit Bürgerforenhier... ) legitimiert werden sollte. Doch diese die Metropolregion und die Bürgerforen waren bisher eher Veranstaltungen von Beamten für Beamte.

Ob sich am Oberrhein,
trotz bundesweiten Bevölkerungsrückgangs, eine zusammenhängende Städtestadt, eine Metropole/Megapole in der Blauen Banane entwickelt, ist offen, aber durchaus möglich. Viele PolitikerInnen und Medien auf beiden Rheinseiten träumen auch in Zeiten des Klimawandels und der absehbaren Endlichkeit der Ressourcen immer noch den zutiefst zerstörerischen Traum vom dauerhaft unbegrenzten Wachstum in der "Trinationalen Metropolregion Oberrhein" und übersehen die damit verbundene Zerstörung. Die einzelnen Puzzlesteine möglicher (Fehl-) Entwicklung wurden bisher auch in den Medien nicht zu einem Bild zusammengefügt.
Die Situation im Elsass, im Ballungsraum Basel und in Baden zeigt deutlich, dass wir auch hier in vielen Bereichen an die Grenzen des Wachstums gestoßen sind. Unbegrenztes Wachstum zerstört begrenzte Systeme. Was für die Erde gilt, gilt auch für den Oberrhein, auch wenn PolitikerInnen und Medien dies nicht wahrhaben wollen.

Wir brauchen eine grenzüberschreitende, nachhaltige, umweltfreundliche Entwicklung. Wir werden sicher auch Lebens- und Wohnqualität neu definieren müssen. Nachhaltige Entwicklung, d.h. schonender Umgang mit den Ressourcen und den Flächen, bedeutet nicht weniger, sondern mehr Lebensqualität. Die Alternative dazu heißt Wuchern des Flächenverbrauchs, Zerstörung der Lebensräume, Zersiedelung der Rheinebene, Verlust von Natur und Erholung und auch Verzicht auf einen Teil von dem, was jetzt das Leben hier noch lebenswert macht.


Der BUND
will mit dieser Kritik die Probleme aufzeigen und mithelfen, nachhaltige regional-europäische Visionen zu entwickeln, denn wir brauchen tatsächlich mehr Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg. Wir sind der Meinung, dass der Flächenfraß unbedingt gestoppt werden muss! Ein kleiner, wichtiger Ansatz dazu ist das Aufzeigen des Problems und eine intensive, breite und öffentliche Diskussion zu diesem Thema. In Sachen Metropolregion haben wir leider nur eine "von oben nach unten" Diskussion erlebt, die in letzter Minute durch "Bürgerforen" legitimiert werden sollte.

Es gibt "die sich selbst erfüllende Prophezeiung".
Wir beschreiben und kritisieren eine mögliche Entwicklung, getragen von dem Wunsch, dass sie sich eben nicht erfüllt. Wir beschreiben die Megapole, die hässliche Bandstadt, das Ende des "Paradieses am Oberrhein", um Streit um Zukunft auszulösen, damit das beschriebene, negative, sehr wahrscheinliche Zukunftsszenarium nicht Realität wird.

Axel Mayer / BUND Geschäftsführer







Vorwort
Häufig gehe oder fahre ich durch Südbaden, das Elsass und die Nordschweiz und sehe neue Wunden, neue Schneisen der Zerstörung, neue Verluste. Meine Heimat am Oberrhein zerrinnt mir zwischen den Fingern. Und ich wundere mich, warum niemand schreit.
Axel Mayer, BUND Geschäftsführer, Kreisrat, Europäer


Trinationale Metropolregion Oberrhein
Eine Metropolregion (in der Schweiz auch Metropolitanregion) ist eine stark verdichtete Großstadtregion von hoher internationaler Bedeutung.
(aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie)











Einige Ziele der Metropolregion Oberrhein
Die "Verantwortlichen" aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft wollen vor allem folgende Handlungsfelder als vorrangig im Blick auf die angestrebte Europäische Metropolregion Oberrhein ansehen:

  • eine verstärkte Vernetzung der Potenziale im Bereich Wissenschaft, Forschung und Bildung (Wissensregion Oberrhein)
  • eine rasche Verwirklichung der europäischen Verkehrsprojekte am Oberrhein (Verkehrsdrehkreuz Oberrhein)
  • eine gemeinsame Sicherung des Sitzes europäischer Institutionen in Straßburg (Europahauptstadt Straßburg)
  • ein gemeinsames Standortmarketing nach innen und außen (Europäische Metropolregion Oberrhein als corporate identity)
  • eine stärkere Vernetzung der touristischen Infrastruktur und Angebote (Kulturraum Oberrhein, geprägt von seiner Lebensart)
  • Aufbau einer nachhaltigen Verantwortungsgemeinschaft zwischen Städten und den ländlichen Räumen am Oberrhein (Leben im Einklang mit der Natur am Oberrhein).


Die "Natur am Oberrhein" kommt als Feigenblatt zum Schluss und von Nachhaltigkeit kein Wort. Da ist das angedachte Verkehrsdrehkreuz Oberrhein doch realistischer. "Fortschritt am Oberrhein" war bisher fast immer die Metapher für Verkehrslärm, Flächenverbrauch, Zersiedelung, Zerstörung von Kultur, Natur und Lebensräumen und Heimatverlust..


Das Paradies am Oberrhein,
das Elsass, die Nordschweiz und Südbaden, die reiche, vielfältige Natur- und Kulturlandschaft... Wer kennt sie nicht, die Buchtitel, Postkarten, die Bildbände und Kalender, die eine der schönsten und vielfältigsten Landschaften Europas beschreiben: Den Schwarzwald und die Vogesen mit Reben und Tannen, den Naturgarten Kaiserstuhl, den Breisgau, die sonnenverwöhnte "Toskana Deutschlands", den Sundgau, das elsässische Ried... Eine alte Kultur- und Naturlandschaft mit historisch gewachsenen Dörfern und Städten wie Basel, Colmar, Freiburg, Strasbourg, Endingen, Selestadt und Breisach. Wenn wir im folgenden über das "bald verlorene Paradies am Oberrhein", über die sich rasant beschleunigende Zerstörung dieser Landschaft schreiben, dann geschieht das nicht,um Wunden aufzureißen, sondern aus einer ziemlich verzweifelten Liebe zu dieser, in Teilen noch immer schönen Landschaft, ihrer Natur und zu den Menschen, die hier leben.

Der Blick ins Tal
zerstört den Mythos vom "Paradies am Oberrhein" und zeigt die unschöne Realität. Wandern Sie an einem Abend mit klarer Sicht auf einen unserer Hausberge im Schwarzwald oder am Rand der Vogesen, auf den nächtlichen Schauinsland, den Kandel oder den Grand Ballon und schauen Sie hinab ins Rheintal. Die Oberrheinebene ist erfüllt mit Lichtpunkten: mit Autos, Häusern, Gewerbe- und Industrieflächen, Straßenlampen und den Lichtern der ausufernden Städte. Deutlich wird aus dieser Perspektive auch, wo die Städte ihre Arme in die Umgebung strecken, wo Großbasel wuchert, wo Dörfer und Gemeinden am Fuß der Vorberge zu einem hässlichen Siedlungsbrei zusammenwachsen.

Die Struktur und das Gesicht der Region
verändern sich zum Negativen wie hier am Beispiel Breisgau gezeigt werden soll: In den letzten Jahrzehnten hat es im Breisgau einen Landschaftsverbrauch gegeben, der größer ist als in allen vorangegangenen Jahrhunderten zusammen. Ehemalige Bauerndörfer wie Denzlingen, Schallstadt, Hochdorf oder Teningen, idyllische Kleinstädte wie Endingen, Breisach, Kenzingen und Staufen sind weit über ihre ehemaligen Ränder hinaus gewuchert. Besonders deutlich wird diese Entwicklung, wenn man auf der B3 von Freiburg nach Norden oder Süden fährt. Die Freiflächen zwischen den Gemeinden werden immer kleiner. Ähnliche Entwicklungen von zusammenwachsenden Siedlungsbändern sind am Rand der Rheinebene und in den Tälern des Schwarzwaldes und der Vogesen nicht zu übersehen. Liebevoll geplante Baugebiete einzelner Gemeinden wachsen zu einem gesichtslosen Siedlungsbrei zusammen. Die viel zu kleinen Naturflächen, die auf der badischen Rheinseite der Regionalplan zwischen den Gemeinden freizuhalten versucht, werden zu Stadtparks in einer sich entwickelnden Bandstadt. Die Landwirtschaft im Rheingraben wird immer mehr zur Mais-Monokultur, zu einer Maissteppe mit massiven Auswirkungen auf das Grundwasser.

Es kann nicht darum gehen, Entwicklung aufzuhalten oder eine Käseglocke über die Region am Oberrhein zu stülpen. Es muss darum gehen, negative Entwicklungen aufzuhalten und Lebensqualität zu erhalten. Die bisherigen Ansätze der Metropolregion Oberrhein zeigen leider nicht in Richtung Nachhaltigkeit.


Die "Ökohauptstadt" Freiburg wuchert
ins Umland. Die alten Zersiedelungspläne sind nach den intensiven Debatten in der Stadt erfreulicherweise vom Tisch. Doch die Entwicklung und das Wachstum Freiburgs wird in Zukunft umso stärker in den Landkreisen Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald stattfinden. Ähnliche Entwicklungen erleben wir in den elsässischen Ballungsräumen um Strasbourg, Mulhouse und rund um Basel.

Lärm und Gestank im Transitland Oberrhein
nehmen zu. Bei manchem Straßenbauprojekt in der Region gibt es sicher ein sinnvolles Pro und Kontra. Da sind die lärmgeplagten AnwohnerInnen, die nach den neuen Straßen und Umgehungen rufen. Oft werden den AnwohnerInnen aber auch mögliche Entlastungen vorenthalten, damit so die neuen Straßen erzwungen werden. Schauen Sie sich einmal die vielen "gewünschten", in Bau und Planung befindlichen Strassenbauprojekte in Südbaden und dem Elsass an. Und die fast immer gleichen Vertreter der Bauwirtschaft in der Politik rufen nach mehr Straßen und sehen nicht die Menschen, die unter dem zunehmenden Transitverkehr leiden. Die Straßen verbrauchen nicht nur die real in Anspruch genommene Fläche, sie verlärmen einen breiten Streifen auf beiden Seiten und belasten die angrenzenden Gemeinden, Äcker und Wiesen mit Schadstoffen. Im Zusammenhang gesehen ergeben diese vielen Straßen eine neue negative Qualität für den Oberrhein, ein Bild der Zerstörung. Doch auch die Neubaupläne der umweltfreundlicheren Bahn sind für die AnwohnerInnen teilweise nicht akzeptabel und runden das Bild der Zerstörung des Transitlandes Oberrhein weiter ab.

Eine rasche Verwirklichung der europäischen Verkehrsprojekte am Oberrhein (Verkehrsdrehkreuz Oberrhein) ist ein Ziel der Metropolregion. Peak Oil, Peak Gas, Peak Uran sind für die Autobahnplaner Fremdworte.


Konsumrennbahnen, Aldisierung und neonschrill-scheußliche Ortseinfahrten
Wer hätte vor Jahren gedacht, dass die neonschrill-scheußlichen Ortseinfahrten der elsässischen Industriestädte auf der badischen Rheinseite so schnell und so perfekt nachgeahmt würden? Ein beklemmendes Beispiel ist die Ortseinfahrt an der B 3 bei Emmendingen. Die Aldisierung auch der kleinsten Dörfer schreitet voran und vielerorts stirbt der innerörtliche Einzelhandel. Jeder Gemeinderat kennt diese Zusammenhänge, aber die Nachbargemeinde ist "Konkurrent und Feind". Dann haben die Gemeinderäte und Bürgermeister den arbeitsplatzfressenden Discounter und die damit verbundene Gewerbesteuer doch lieber in der eigenen Gemeinde.

Der Ausbau des „kleinen Ruhrgebiets“ am Oberrhein
Mit zunehmender Sorge sehen BUND und Alsace Nature auf neue umweltbelastende Industrieanlagen im Elsass und auf die damit verbundenen wachsenden Schadstoffbelastungen auf beiden Rheinseiten. Zur möglichen Erweiterung der Müllverbrennungsanlage bei Rhodia in Chalampé sollte sogar noch eine Metall- und Schrottverwertungsanlage der Firma GDE-Guy Dauphin Environnement im elsässischen Nambsheim. Zumindest diese umweltbelastende Metall- und Schrottverwertungsanlage der Firma GDE-Guy Dauphin Environnement im elsässischen Nambsheim konnte 2008 durch den örtlichen und grenzüberschreitenden Widerstand verhindert werden. In der Hauptwindrichtung liegen die Tourismus- und Weinbaugebiete des Tunibergs und des Kaiserstuhls.

Dies alles kommt zur massiven Grundbelastung
u.a. aus der Schwerindustriezone Ottmarsheim Chalampe, wo seit Jahrzehnten die Abluftfahnen von Rhodia, Tredi und Pec Rhin Richtung Schwarzwald und Markgräflerland ziehen. Wenn Proteste von Umweltschützern und der technische Fortschritt dann tatsächlich Fortschritte in Sachen Luftreinhaltung bringen, werden diese durch neue umweltbelastende Anlagen wieder zunichte gemacht.
Das neue „Puzzlestück“ einer Metall- und Schrottverwertungsanlage darf nicht isoliert betrachtet werden. Französische und Deutsche UmweltschützerInnen sehen es im Zusammenhang mit einer neuen 5 Kilometer langen und 456 (!) Hektar großen Schwerindustriezone am Rheinseitenkanal, nördlich von Fessenheim. Sieht so die zukünftige Metropolregion aus?

Wenn der Europapark in Rust
seine Fläche verdoppelt und sich bis zur Autobahn ausdehnt, dann zeichnet sich nach und nach ein neues Bild von Heimat. Das ehemals Reale verschwindet im Heimatmuseum und Micky Maus bricht aus ihrem Käfig aus. Mc Donald's, Euro-Maus und eine Vielzahl von Fernsehprogrammen, die große Illusionsmaschine, überdecken auf beiden Rheinseiten vordergründig die Wunden der Zerstörung. Die Reste von Heimat verschwinden "heimelig verpackt" im Heimatmuseum des Ecomusee und der Votgsbauernhöfe. Eigenständige Regionalkultur wird mit der "Hitparade der Volksmusik" platt gemacht. Die mit der Umweltzerstörung einhergehende Innenweltzerstörung und der Kulturverlust, die wachsende Schere zwischen Arm und Reich zeigt sich in zunehmender Gewalt, nicht nur in den Vorstädten von Strasbourg, Basel und Offenburg.

Warum boomt unsere Region
so heftig, während beispielsweise in den neuen Bundesländern oder in Zentralfrankreich immer mehr Menschen wegziehen und teilweise ein Drittel der Wohnungen dort leer steht? Wo liegen die Ursachen dafür, dass bei abnehmenden Bevölkerungszahlen in Deutschland der Zuzug am Südlichen Oberrhein weiter anhält?

Der "Florida-Effekt"
ist sicher eine der Ursachen für die Zunahme der Bevölkerung in Südbaden. "Cause it never rains in southern California" ist einer der Gründe, warum in den USA so viele Menschen in den Sonnengürtel nach Florida und Kalifornien ziehen. Und dreißig Jahre Wetterbericht aus Hamburger Sicht (Regen und Nebel bei 15 Grad an der Küste und sonnige 26 Grad im Breisgau) und das noch verbunden mit dem Mythos der Ökohauptstadt und der "Toskana Deutschlands" sind wichtige Gründe für die innerdeutsche Wanderungsbewegung nach Süden. Nicht die gerne vorgeschobenen Ausländer und Flüchtlinge sind das Problem. Unsere eigenen gestiegenen Wohnansprüche und der verständliche Wunsch, im Sonnengürtel Deutschlands zu leben, sind die Ursache. Lösungsansätze ohne staatlichen Zwang müssen schnell gefunden werden. Manche Zuwanderer, die vor Jahren dem Moloch Mittlerer Neckarraum nach Südbaden entflohen sind, sehen heute hier die gleichen Zerstörungstendenzen wie dort vor 20 Jahren und stehen wieder vor der Frage: Wohin?


Metropolregion, "Blaue Banane" und die Folgen für die Regio. Raumplaner sehen einen zukünftigen Verdichtungsraum, der in Bananenform über Zentraleuropa liegen könnte. Der Oberrhein liegt mitten in dieser Verdichtungszone, die in London beginnt und über Amsterdam, Frankfurt, Strasbourg, Basel nach Mailand läuft. Europäische Raumplaner sehen im Gegensatz zu vielen Regionalpolitikern allerdings nicht nur Vorteile: "Explodierende Bodenpreise, täglicher Verkehrskollaps, steigende Umweltbelastungen und Zersiedelung im Umland" werden als zukünftige Problemfelder aufgezeigt. Dieses theoretische Entwicklungsmodell könnte, als sich selbst bestätigende Prognose, durchaus Realität werden. Industriehungrige Gemeinden wie Neuenburg werben im Internet damit, in der Kernzone der Blauen Banane zu liegen. Entvölkerungstendenzen in ländlichen Räumen Zentralfrankreichs, in den neuen Bundesländern und die generellen weltweiten Verstädterungstendenzen sprechen für eine solche Entwicklung.

Auch hinter der geplanten "Metropolregion Oberrhein"
steckt zumeist der unreflektierte Traum vom Wachsen und Wuchern. Was so etwas für Mensch, Umwelt und Natur am Oberrhein bedeutet, können Sie sich ausmalen. Wenn Sie nicht in der Großstadt leben wollen, dann kommt diese zu Ihnen.

Aus einer "Kaminrunde" im Hause Burda wird eine unkritisch beklatschte "Vision" für Südbaden, das Elsass und die Regio Basiliensis.


Während große Gebiete

in Zentralfrankreich und im Osten Deutschlands "schrumpfen", versucht die Metropolregion auf Kosten dieser Regionen zu wuchern. Der Lebensqualität der Menschen am Oberrhein dient so etwas nicht, auch wenn solche Projekte zwischenzeitlich mit "Umwelt-und Naturschutzprojeketen" grüngewaschen werden.


"Der Ansatz der Metropolregionen passt nicht
zur deutschen, föderal geprägten Raumstruktur. Der Metropolansatz reißt neue Gräben zwischen Stadt und Land auf. Sicherlich ist der internationale Standortwettbewerb härter geworden. Das gilt aber nicht nur für die Städte, sondern mindestens ebenso für die ländlichen Gebiete. Eine Beschränkung der Förderung allein auf Großstädte ist nicht akzeptabel. Die einseitige Fokussierung auf Entwicklungskerne in städtischen Ballungsräumen verkürzt die Handlungsmöglichkeiten und widerspricht der Zielstellung der gleichberechtigten Förderung von Entwicklungspotenzialen in Stadt und Land. Äußerst fragwürdig ist es, wenn der Staat unter dem Motto „Stärken stärken“ nur noch mögliche Boombranchen bzw. -regionen strukturell stärken will." Zitatende
Deutscher Bauernverband / Deutscher Landkreistag 18.Juli 2006


Auch die regionale Raumplanung
zeigt die Verdichtungstendenzen auf. Der Regionalplan auf der badischen Rheinseite wird immer mehr aufgeweicht und ausgehebelt. Regionale Grünzüge und Siedlungszäsuren werden auf Druck der wachstumshungrigen Gemeinderäte und Bürgermeister zurückgenommen. Aus regionalen "Freiraumkonzepten" werden teilweise grüngestrichene Wirtschafts- und Tourismusförderungsprogramme.

Lediglich die Bevölkerungsentwicklung
in Deutschland (und abgeschwächt auch in Frankreich) widerspricht diesen Thesen. Das Statistische Bundesamt prognostiziert, dass bei einer jährlichen Zuwanderung von 100.000 Menschen nach Deutschland die Zahl der EinwohnerInnen von heute 82 Millionen auf 75 Millionen im Jahr 2030 und 64 Millionen im Jahr 2050 zurückgehen wird. Nicht nur im Osten der Republik, auch in einigen Gemeinden im Schwarzwald nimmt die Bevölkerung bereits ab, während die Rheinebene immer stärker zugebaut wird. Bedeutet das dann langfristig gigantische Fehlinvestitionen am Oberrhein, ähnlich wie wir sie im Osten der Republik heute schon haben? Je hässlicher die Region wird, je mehr der "Toskana-Mythos" schwindet, desto weniger Menschen werden dann tatsächlich hier leben wollen. Der Trend kann sich auch umkehren.

"Metropolregion Südbaden, Elsass, Nordschweiz: höher, schneller weiter aber wohin?"
ist die Frage. Es wird sicher nie eine auch nur ansatzweise hundertprozentige Besiedelung geben. Die jetzt vorhandenen Naturschutzgebiete, der Schwarzwald, der Jura, die Vogesen, das elässische Ried, die Rheinauen, der innere Kaiserstuhl und die nicht bebaubaren Teile der Vorbergzone werden von einer flächenhaften Zersiedelung sicher ausgespart bleiben. Zu erwarten ist allerdings ein langfristiges Ausufern der Städte Strasbourg, Basel, Colmar, Offenburg und Freiburg. Die von der Regionalplanung eingefügten regionalen Grünzüge und Siedlungszäsuren werden dann zu Stadtparks in diesem hässlichen Siedlungsbrei. Die Situation mancher Dörfer und Kleinstädte im Umkreis von Freiburg, Basel und Colmar ist vergleichbar mit der Situation von Gemeinden der Umgebung von Großstädten in den USA vor 30 Jahren. Diese sind jetzt geschluckte Außenzonen der großen anonymen und zumeist auch hässlichen Städte. Das bedeutet für Teile des Oberrheins als Zukunftsvision eine negative Entwicklung, wie wir sie vor längerer Zeit auch im mittleren Neckarraum hatten. Ob sich am Oberrhein, trotz bundesweitem Bevölkerungsrückgang, eine zusammenhängende Städtestadt, eine Megapole in der Blauen Banane entwickelt, ist offen, aber durchaus möglich. Viele PolitikerInnen und Medien auf beiden Rheinseiten träumen immer noch den zutiefst zerstörerischen Traum vom dauerhaft unbegrenzten Wachstum in der "Trinationalen Metropolregion Oberrhein" und übersehen die damit verbundene Zerstörung. Die einzelnen Puzzlesteine der Entwicklung werden nicht zu einem Bild zusammengefügt und auch die regionalen Medien versagen.

Ein vollständiges Zuwuchern
der Region am Oberrhein ist nicht nur wegen der schlecht besiedelbaren Schwarzwald- und Vogesenhänge unwahrscheinlich. Noch ziehen viele Menschen aus dem Bundesgebiet wegen des Klimas und wegen der angenehmen Wohnverhältnisse in den Süden. Doch wenn die Natur aus der Ebene verdrängt wird, wenn die Verlärmung durch Straßen, Autobahnen und Bahnausbau zunimmt, wenn die umweltbelastende Schwerindustriezone im Elsass weiter wuchert, wenn bei uns die sozialen und gesellschaftlichen Probleme auftreten, die wir aus anderen Ballungsräumen kennen, spätestens dann wird der Zuzug an den ehemals schönen Oberrhein aufhören.



Zitat:
"Angenommen, der Flächenverbrauch durch Bebauungspläne von jährlich ca. 40 ha würde im gleichen Umfang fortgesetzt, so wäre bereits im Jahr 2039 eine Fläche entsprechend den ca. 1.850 ha naturnahen Flächen im Landkreis vollständig aufgebraucht. Würde der gesamte Flächenverbrauch von jährlich ca. 150 ha so weitergehen und die landwirtschaftliche Nutzfläche des Landkreises gleichermaßen wie die naturnahen Flächen betreffen, so wären diese Flächen bis in rund 200 Jahren aufgebraucht - ein Zeichen dafür, dass der Flächenverbrauch nicht mehr weiter ansteigen darf, sondern im Gegenteil deutlich verringert werden muss."
(Umweltbericht II; Landratsamt Emmendingen)

Wie soll es weiter gehen?
Wir können uns natürlich auch treiben lassen. Da ein Stück Wald opfern, dort eine neue Straße, der landschaftsfressende Bahnausbau, ein neuer Gewerbepark, Schwerindustrie und den "neuen Europäischen Druckwasserreaktor EPR" ins Elsass, eine "wachstumsorientierte" Metropolregion, bis die Zerstörung das Wuchern beendet. Die umweltbelastende Schwerindustriezone der französischen Rheinseite ist mit der TREA, der Müllverbrennungsanlage im Gewerbepark Breisgau, zumindest optisch schon ins Markgräflerland geschwappt. Die Scheiben, die von der "Salami"-Landschaft am Oberrhein abgeschnitten werden, werden immer dicker und die geplante Metropolregion wird diesen Prozess beschleunigen.

Dennoch gibt es Lösungsansätze,
die Zerstörung zu verhindern. Wir brauchen grenzüberschreitend auch in der Rheinebene mehr Naturschutzgebiete - die Rheinauen und andere wertvolle Flächen müssen unter Naturschutz gestellt werden! Das Integrierte Rheinprogramm und die Renaturierung des Rheins ab Kembs bis Breisach könnte eine Chance für mehr Natur sein. Aus den zu Kanälen gewordenenen Bächen und dem Rhein müssen wieder naturnahe Gewässer werden. Wir werden um kleinere Bauplätze in den Baugebieten, um eine Verringerung des Abstandsgrüns in Gewerbegebieten und um Parkplätze auf den Dächern der Fabriken und Einkaufszentren nicht herumkommen. Die regionalen Grünzüge und Grünzäsuren dürfen nicht mehr angetastet werden. Wir brauchen unbedingt eine starke, konsequente und vor allem grenzüberschreitende Regionalplanung, obwohl wir zur Zeit genau das Gegenteil erleben. Gerade der Klimawandel am Oberrhein zeigt, dass in Zukunft echte Nachhaltigkeit, ein anderes, nicht zerstörerisches Modell des Lebens und Arbeitens überlebensnotwendig wäre.

Eine Gewerbeansiedlung dort, wo Flächen bereits entwertet sind,
beispielsweise auf den Flugplätzen in Lahr und Bremgarten, ist auch für den BUND akzeptabel. Gerade wegen der großen ungenutzten Abwärmemengen der Müllverbrennung in Bremgarten (TREA Breisgau) sprechen sogar energetische Argumente für die Bündelung der Ansiedlung. Täglich wird bei der TREA Breisgau eine Wärmemenge, die 120 000 Litern Heizöl entspricht, ungenutzt an die Umwelt abgegeben. Und viele große Industrieunternehmen, die Wärme abnehmen könnten, gehen auf die "ehemals" grüne Wiese der Gemeinden im Markgräflerland und nicht auf die Militärbrache des Gewerbeparks Breisgau. So kommt Flächenverbrauch zur Energieverschwendung.

Die Situation im Elsass, im Ballungsraum Basel und in Baden
zeigt deutlich, dass wir auch hier an die Grenzen des Wachstums gestoßen sind. Unbegrenztes Wachstum zerstört begrenzte Systeme. Was für die Erde gilt, gilt auch für den Oberrhein, auch wenn PolitikerInnen und Medien dies nicht wahrhaben wollen. Wir brauchen eine nachhaltige, umweltfreundliche Entwicklung und kein hemmungsloses Wuchern. Wir werden sicher auch Lebens- und Wohnqualität neu definieren müssen. Dafür gibt es hier auch positive Beispiele wie den Stadtteil Vauban in Freiburg. Nachhaltige Entwicklung, d.h. schonender Umgang mit den Ressourcen und den Flächen bedeutet nicht weniger, sondern mehr Lebensqualität. Die Alternative dazu heißt Wuchern des Flächenverbrauchs, Zerstörung der Lebensräume, Zersiedelung der Rheinebene, Verlust von Natur und Erholung und auch Verzicht auf einen Teil von dem, was jetzt das Leben hier noch lebenswert macht.

Der BUND will
mit dieser Information die Probleme aufzeigen, mitplanen und mithelfen, Visionen zu entwickeln. Wir sind der Meinung, dass der Flächenfraß unbedingt gestoppt werden muss! Ein kleiner, wichtiger Ansatz dazu ist das Aufzeigen des Problems und eine intensive, breite und öffentliche Diskussion zu diesem Thema. In Sachen Metropolregion erleben wir leider nur eine "von oben nach unten" Diskussion.

Es gibt "die sich selbst erfüllende Prophezeiung"
Wir haben eine mögliche Entwicklung aufgezeigt, getragen von dem Wunsch, dass sie sich eben nicht erfüllt. Wir beschreiben die Megapole, die hässliche Bandstadt, das Ende des "Paradieses am Oberrhein", um Streit um Zukunft auszulösen, damit das beschriebene, negative, sehr wahrscheinliche Zukunftsszenarium nicht Realität wird.

Axel Mayer / BUND Geschäftsführer



Mehr Infos:
hier:Transitland Oberrhein - Verkehr und Verkehrsprobleme
hier: Die Verscheußlichung des Breisgaus
Bedrohte Natur & Artenvielfalt am Oberrhein
Wachstum und Wachstumskritik


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Dieser Artikel wurde 8796 mal gelesen und am 27.10.2015 zuletzt geändert.