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MVA Müllverbrennungsanlage Straßburg: Alte und neue Probleme

28.05.2014

MVA Müllverbrennungsanlage Straßburg: Alte und neue Probleme

BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein
BUND Kreisverband Ortenau
Bund für Umwelt und Naturschutz



BUND dankt streikenden elsässischen Müllarbeitern

Dass sich ein deutscher Umweltverband wie der BUND bei streikenden französischen Müllwerkern bedankt, kommt nicht alle Tage vor.
Und doch bedanken sich Axel Mayer und Petra Rumpel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland bei den streikenden Müllarbeitern in Straßburg.
Ungefilterter Staub und schädliche Abgase aus den grenznahen, veralteten Müllverbrennungsöfen und mangelhafter Arbeitsschutz waren der Streikgrund.
„Das häufige Versagen der Elektrofilter von 10- bis 15-mal täglich, versichert der Belegschaftssprecher und Gewerkschafter Atef Labben, sei bis zur Übernahme durch Sénerval nicht vorgekommen. Allein 2013 sei es 90-mal zu Ausfällen gekommen. "Weil die Filter nicht vorschriftsmäßig funktionieren können, gelangen große Mengen Staub, unserer Ansicht nach auch krebserregende und das Erbgut schädigende Substanzen, in die Umwelt", stand in der Badischen Zeitung.
Jetzt hat der Streik zu besseren, umweltfreundlicheren Arbeitsplätzen und einem umweltpolitischen Erfolg für die Menschen auf beiden Rheinseiten geführt. Der Präfekt in Straßburg hat mit einem Erlass eine sofortige Nachrüstung der Verbrennungsöfen und der Filter angeordnet.

Dieser Erfolg des Streiks bringt auch für die Bevölkerung auf der badischen Rheinseite Fortschritte und sauberere Luft. Die Müllverbrennungsanlage steht an der Grenze und die vorherrschende Windrichtung geht Richtung Kehl und Ortenau.
Der Streik in Straßburg war auch ein Beitrag für ein umweltfreundlicheres Europa.

Mercy vielmols
Axel Mayer BUND Regionalgeschäftsführer Freiburg
Petra Rumpel, Kreisgeschäftsführerin Ortenau





Hier die "alte" Presseerklärung vom 11.1.2006

Endlich! Straßburger Dioxinschleuder / Müllverbrennungsanlage entgiftet


11.01.2006
An die Medien im Ortenaukreis und Straßburg

Die Straßburger Verbrennungsanlage MVA für Hausmüll, direkt am Rhein und der Grenze gelegen, war seit 1974 eine der problematischsten MVA`s in Europa.

Insbesondere Ultragifte wie Dioxine und Furane wurden in großem Umfang "freigesetzt" und belasteten Mensch, Natur und Umwelt in unerträglicher Weise. Die in der Vergangenheit immer wieder nachgewiesenen hohen Dioxinwerte in Kehl (Hauptwindrichtung) waren nicht zuletzt auf die alte MVA zurückzuführen. Diese Anlage war eine Schande für die europäische Metropole Straßburg.

Nach jahrzehntelangen Protesten von Umweltschützern von beiden Seiten des Rheins wurden jetzt endlich 35,8 Millionen Euro in technische Verbesserungen und die absolut notwendige Entgiftung gesteckt. Luftreinhaltung, technischer Fortschritt und bessere Umweltgesetze fallen nicht vom Himmel, sie wurden und werden immer auch von UmweltschützerInnen erstritten.

Wir erinnern hier auch gerne an das große Engagement der Bürgerinitiativen vor Ort, insbesondere an die Bürgerinitiative Umweltschutz Kehl, die sich in dieser Sache unermüdlich engagiert hat.

Nach Angaben der Betreiber sollen statt bisher vier nun nur noch 0,1 Nanogramm Dioxine pro Kubikmeter Abluft "freigesetzt" werden. Stand der Technik sind tatsächlich die in ersten Messungen erreichten 0,01Nanogramm Dioxine pro Kubikmeter Abluft. Auch im Bereich Stickoxide und Stäube gab es große, erfreuliche Fortschritte.

Der BUND begrüßt diesen lang erkämpften technischen Fortschritt, der allerdings sehr sehr spät gekommen ist. Weniger Dioxine in der Umwelt bedeuten tatsächlich auch weniger Krankheit und Tod.

Ein Tropfen Essig im Wein sind allerdings aktuelle Meldungen von elsässischen Medien über die neue "vielgelobte" Müllverbrennunsanlage von Mulhouse-Saussheim. Immer mehr französische Zeitungen berichten jetzt von massiven, dauerhaften Grenzwertüberschreitungen beim Ultragift Dioxin. Der Grenzwert liegt bei 0,1 Nanogramm pro m³. Die Medien berichten von einer "Freisetzung" von mindestens 0,3 Nanogramm pro m3. Das wäre das Dreifache des zugelassenen Grenzwertes, allerdings immer noch wesentlich weniger als die alten, bisherigen Werte der Straßburger Hausmüll-verbrennungsanlage. (Stand der Technik wären 0,01Nanogramm Dioxine pro Kubikmeter Abluft)

So gilt es auch in Zukunft immer wieder zu prüfen, ob der hohe Stand der Technik auch eingehalten wird und ob neue Emissionen von neuen Problemanlagen den erreichten Fortschritt nicht wieder negieren. Ob wir es uns dauerhaft erlauben können, immer größere Mengen Energie, Rohstoffe und Arbeitskraft in immer kürzerer Zeit in Müll zu verwandeln, steht auf einem anderen Blatt.

Axel Mayer, Geschäftsführer


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Dieser Artikel wurde 3398 mal gelesen und am 28.5.2014 zuletzt geändert.