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Tschernobyl und Schweiz - Über das gut organisierte Versagen des Staates

Wie die Schweizer Atomlobby die Tschernobyl-Wolke an der Grenze stoppte.

Bisher dachten wir immer, nur die französische Atomlobby hätte die Radioaktivität der Tschernobyl-Wolke medial an der Grenze gestoppt. Nach dem Beitrag in der Badischen Zeitung vom 26. April 2005 ist es möglich, dass auch in der demokratischen Schweiz der Staat, die Medien (ein Teil? Wenige? Alle?...) versagt haben. In Frankreich wird dieses Versagen und der Missbrauch der Medien durch durch die Atomindustrie zumindest aufgearbeitet.

Auszug aus der Badische Zeitung vom Dienstag, 26. April 2005

"Messung einstellen"
Wie der Umweltminister 1986 auf Tschernobyl reagierte
STUTTGART. Als der damalige Konstanzer Landrat Robert Maus (CDU) im Landtag einst rief, er habe "Tschernobyl gemanagt", provozierte er viele Lacher. Hätte er 1986 gesagt, was er heute locker erzählt, hätten die damalige CDU-Regierung Späth und vor allem dessen auch für die Umwelt zuständiger Landwirtschaftsminister Gerhard Weiser einen handfesten Skandal am Hals gehabt.

Maus (71) erinnert sich, wie ihn damals der Konstanzer Physiker Ekkehard Recknagel auf extrem hohe Caesiumwerte aufmerksam machte. "Ich habe sofort Katastrophenschutzleute geholt, die haben gemessen und eine unheimlich hohe Strahlenbelastung festgestellt." Umgehend warnte der Landrat die Bevölkerung vor allem vor dem Verzehr von Salat und Spinat. Ernteverbote wurden erlassen und die Eltern gewarnt, ihre Kinder nicht mehr in den Sandkisten spielen zu lassen. Mütter verlangten vom Landratsamt weitere Weisungen.

Die aber bekam Robert Maus, der Landrat, vom - inzwischen verstorbenen - Stuttgarter Umweltminister Gerhard Weiser. Der missbilligte den Einsatz des Landrats, zumal Messungen auf angrenzendem Schweizer Boden keinen Anlass zur Besorgnis lieferten. Weiser wies Parteifreund Maus an, "sämtliche Messungen sofort einzustellen, alle Messgeräte einzusammeln und in einem bestimmten Raum zu versiegeln." Dennoch ließ Maus weiter messen - die Katastrophe und ihre Folgen waren ja in ganz Europa zu spüren. Und erst 1987 erfuhr Maus, weshalb die Schweizer Messungen so harmlos ausgefallen waren: Die Geräte der Eidgenossen waren so geeicht, "dass sie erst ausschlugen, wenn die Radioaktivität erreicht ist, die ein Schweizer Soldat aushalten muss."



Schweizer AKW


Kernkraftwerk Beznau 1 und 2
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Lucens - nach schwerem Atomunfall aufgegeben

Weitere Atom Infos:
Hier: Hintergrundinformation Atomenergie und Atomkraftwerke
Atommüll Info Schweiz


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Dieser Artikel wurde 6219 mal gelesen und am 7.4.2008 zuletzt geändert.