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Neusprech - Greenwash & Atomenergie

20.11.2008

Neusprech - Greenwash & Atomenergie


Eine Blüte der Desinformation und des Greenwash
erleben wir im Zusammenhang mit Klimawandel und Atomenergie. „Es gibt keine menschengemachte Klimaveränderung“ war eine der vielen Werbeaussagen der PR-Firma Burson Marsteller im Auftrag der Öl- und Kohlekonzerne in den USA. „Wegen der drohenden Klimaveränderung brauchen wir unbedingt mehr Atomkraftwerke“ ist nun die gegensätzliche, neue Werbebotschaft von Burson Marsteller, denn die industriellen Meinungsmacher arbeiten jetzt auch für die Atomkonzerne. Der Begriff Atomkraftwerk wird von vielen Menschen immer noch mit der Atombombe assoziiert. Darum wurde schon vor Jahrzehnten der harmloser klingende Begriff der Kernenergie eingeführt. Eine Offenbarung in Sachen Neusprech ist die Notfallschutzbroschüre des Regierungspräsidiums Freiburg für das AKW Fessenheim. Aus dem Katastrophenschutz wurde der Notfallschutz, aus dem Atomunfall das Ereignis und Radioaktivität tritt bei diesem Ereignis nicht etwa unkontrolliert aus, sondern Radioaktivität wird freigesetzt... Auch auf vielen Wikipediaseiten heißt der AKW-Schornstein zur Abgabe von krebserzeugender Radioaktivität immer noch Abluftkamin.

AKW – KKW
Atomkraftwerk – Kernkraftwerk
Plutonium-AKW – Schneller Brüter
Atommülllager – Entsorgungspark
Atomunfall – Ereignis
Zwischenlager für hochradioaktive "Brennstäbe"- Abklingbecken
Atomkatastrophe – bedeutsames Ereignis
Katastrophenschutz – Notfallschutz
Katastrophenschutzbroschüre - Notfallschutzbroschüre
Austritt von Radioaktivität – Freisetzung von Radioaktivität
Entgiftung – Dekontamination
AKW-Schornstein – Abluftkamin


George Orwell war ein realistischer Visionär.
Er hat Neusprech, die Gedankendiktatur und den Überwachungsstaat beschrieben. Viele Diktaturen des letzten Jahrhunderts in Ost und West waren schrecklich, aber glücklicherweise technisch noch unvollkommen. Heute, in der Demokratie, sind wir da technisch „weiter“. Das zentrale Problem der Menschen sind nicht die unter entsetzlichen Opfern überwundenen Katastrophen und Diktaturen. Das Problem ist unsere offensichtliche Unfähigkeit, daraus zu lernen. Gegen Neusprech, Propaganda und Greenwash lässt sich in der real existierenden Demokratie leichter angehen als in einer Diktatur. Wann, wenn nicht jetzt, sollten wir beginnen, uns gegen die Manipulation der Sprache und des Denkens zu wehren?

Ein persönlicher Beitrag von Axel Mayer
(Der Autor ist BUND-Geschäftsführer in Freiburg, Kreisrat und Vizepräsident im Trinationalen Atomschutzverband)


Info: Atomenergie
Info: Greenwash
Info: Neusprech, Greenwash & Propaganda

Ein "netter und passender Text" von Gerhard Seyfried
Die Bundesregierung informiert:
Eine erwiesenermaßen nicht stattgehabte Ungefahr durch behauptetes Nichtverbleiben unbedeutend geringer restschwachaktiver Minimalstrahlungsmengen innerhalb des Ultrahochsicherheits-Reaktorgefäßes ist zum einen weder gegeben, noch kann von einer Solchen die Rede sein!
Das Bundesministerium für Volksverdumpfung





Einige Reaktionen und Ergänzungen auf diesen Beitrag


Lieber Axel,
vielen Dank für deine Arbeit zu Greenwash, ein wie ich denke von vielen unterschätztes Phänomen zur Manipulation der öffentlichen Meinung. Aufklärung darüber ist deshalb wichtig.

Ein weiteres Beispiel, wie mit Sprache die Bevölkerung manipuliert wurde, am Beispiel des Atomforschungsreaktors FRM 2 in Garching bei München:

Der Atomreaktor wurde vom damaligen Ministerpräsident Stoiber immer als Heimatquelle bezeichnet.

Die Reaktorbetreiber sprechen von Swimmingpool-Reaktor und Neutronenquelle.

Das Wort Atomreaktor wird immer tunlichst vermieden.

Beim FRM 2 handelt es sich um einen Atomreaktor, bei dem mittels Kernspaltung von hochangereichertem, atomwaffenfähigem Uran235 Neutronen erzeugt werden. Die dabei auch anfallende Wärme ist im Gegensatz zu Atomkraftwerken zur Stromerzeugung nicht gewünscht, wohl aber die Neutronen. Der FRM 2 ist der erste Neubau eines Atomreaktors in der BRD nach der Katastrophe von Tschernobyl unter dem Deckmantel der Forschung, er ging im Jahre 2004 in Betrieb. Er dient mittlerweile auch als ‚Ausbildungs-Reaktor’ für neue Atomkraftwerksingenieure, denn EON finanziert auf dem Forschungsgelände in Garching einen Lehrstuhl für neue Atomkraftwerksbauer, dieser Lehrstuhl ist an die TU München angegliedert.

Atomreaktor = Heimatquelle, Swimmingpool-Reaktor, Neutronenquelle

Viele Grüße,
Gina Gillig

Vorstand BÜRGER GEGEN ATOMREAKTOR GARCHING e. V.
Tel. 089 / 31 77 28 13
Fax 089 / 31 77 28 14
ginagillig.de



Die Hohe Kunst des Lügens


Von der einfachen, plumpen Form der Lüge (Ladendieb zum Kaufhausdetektiv: "Ich weiß wirklich nicht, wie diese DVD in meine Aktentasche gekommen ist; die muß mir jemand heimlich hineingesteckt haben!") soll hier nicht die Rede sein, jedermann durchschaut sie sofort, auch wenn er sie nicht gleich widerlegen kann.

Die semantische Lüge
Etwas raffinierter lügt man schon, wenn man Begriffe aus der Umgangssprache benutzt, ihnen aber - ohne das zu erkennen zu geben -, einen anderen Sinn unterlegt, als sie in der Umgangssprache gemeinhin haben. Ich nenne das die "semantische" Lüge.

1. Beispiel:
Man spricht von einer "zulässigen Strahlendosis". und von "zulässigen Grenzwerten". - Für "zulässig" hält man doch wohl gemeinhin nur etwas, was ungefährlich ist? Aber eine ungefährliche Strahlendosis gibt es überhaupt nicht. Jede, auch die geringste Strahlendosis richtet Schaden an, besonders dann, wenn sie über längere Zeit einwirkt. Für "zulässig" erklärt eine dafür berufene Kommission diejenige Strahlendosis, die den Betrieb atomtechnischer Anlagen ohne allzu große Einschränkungen ermöglicht, auch wenn sie die Gesundheit der von Emissionen betroffenen Menschen gefährdet.
Beispielsweise fallen in vielen atomtechnischen Anlagen große Mengen des hoch gefährlichen radioaktiven Wasserstoffisotops H3 ("Tritium") an. Rückhaltemöglichkeiten für Tritium gibt es praktisch nicht. Um solche Anlagen weiter betreiben zu können, wurde der "zulässige Grenzwert" für die Belastung des Trinkwassers mit Tritium in der am 1. Januar 2003 in Kraft getretenen neuen Trinkwasserverordnung ohne Rücksicht auf unvermeidliche gesundheitliche Gefahren auf 100 Bequerel pro Liter festgesetzt. Das ist mehr als das Zweihundertfache (!) der natürlichen Belastung des Grundwassers, die zwischen 0,4 und 0,5 Bequerel pro Liter liegt.
Ehrlich wäre es, solche Grenzwerte nicht als "zulässig" zu bezeichnen, sondern als "zugelassen".

2. Beispiel:
Man spricht vom "Restrisiko" und sagt, das sei bei der Atomenergie "vernachlässigbar gering". Das klingt beruhigend, und bei einer vom Verfasser unternommenen Umfrage dachten mehr als 67 Prozent der mehr als tausend Befragten dabei an das umgangssprachlich Nächstliegende, nämlich an harmlose kleine Ereignisse, denen man keine große Bedeutung beizumessen braucht. Kaum jemand weiß, daß dem Begriff "Restrisiko" schwerste Unfallabläufe zugeordnet sind, die sicherheitstechnisch nicht abgefangen werden können, und deren Auswirkungen weit über die der Katastrophe von Tschernobyl hinausgehen würden. Solche Ereignisse werden lediglich für "derart unwahrscheinlich angesehen, daß sie nicht mehr Grundlage für die Auslegung darstellen". Und so gut wie niemand weiß, daß die häufig zu hörende Versicherung, das Restrisiko der Atomenergie sei "vernachlässigbar gering", sich nicht etwa auf das mögliche, in Wahrheit kaum vorstellbar große Schadenspotential bezieht, sondern allein auf die rein theoretische Einschätzung der Eintrittswahrscheinlichkeit.
Wie wenig man sich aber auf Wahrscheinlichkeitseinschätzungen verlassen kann, das haben wir in den letzten Jahren an vielen Beispielen erlebt: z.B. Bruch des Elbe-Seiten-Kanals vier Wochen nach der feierlichen Eröffnung, Bruch eines wenige Tage zuvor sicherheitstechnisch überprüften Radkranzes beim ICE "Wilhelm-Conrad Roentgen", Unfall des "absolut unfallsicheren" Transrapid, Ausfall des weit mehr als 3 Milliarden Euro teuren Teilchenbeschleunigers LHC bei Genf genau 36 Stunden nach der überschwenglich gefeierten Inbetriebnahme. - - Viele weitere Beispiele ließen sich anführen. Wie oft haben wir dann hinterher gehört: "Wir haben wirklich an alles gedacht; aber damit konnte nun wirklich niemand rechnen!" Sind die aus Spezialstahl gefertigten, im Turnus von fünf Jahren (!) überprüften Reaktordruckbehälter wirklich so viel sicherer als die aus Spezialstahl gefertigten, im Turnus von wenigen Tagen überprüften ICE-Radkränze?

Die Hohe Kunst des Lügens
Die wirkliche Hohe Kunst des Lügens besteht aber darin, zu lügen, ohne die Unwahrheit zu sagen. Wie das?

1. Beispiel:
Versuchen Sie mal, einen Vertreter oder einen politischen Befürworter der Kernenergie-Nutzung auf die Möglichkeit technischen oder menschlichen Versagens anzusprechen und dabei auf die Katastrophe von Tschernobyl zu verweisen. Sie werden erleben: Noch bevor Sie den Namen "Tschernobyl" zu Ende ausgesprochen haben, fällt man Ihnen schon ins Wort und versichert Ihnen: "Tschernobyl? Darüber brauchen wir überhaupt nicht zu reden! In Tschernobyl gab es einen völlig anderen Reaktortyp, und Unfallabläufe wie dort sind bei unseren Kernreaktoren gar nicht möglich! Unsere Reaktoren sind ganz anders konstruiert und sehr viel sicherer!". Und wenn Sie damit nicht gleich zufrieden sind, dann wird man Ihnen viel von einem graphitmoderierten Reaktor (Tschernobyl) und einem wassermoderierten (bei uns), von einem positiven Void-Koeffizienten (Tschernobyl) und einem negativen (bei uns) und von manchen anderen Unterschieden erzählen, bis Sie vor so viel Sachverstand und so vielen Fachausdrücken verstummen. Und dann wird man Ihnen nochmals versichern: "Wie es in Tschernobyl abgelaufen ist, kann es bei uns gar nicht geschehen".
Alles, was Ihr Gesprächspartner da gesagt hat, ist unbestreitbar wahr! Unsere Reaktoren sind anders konstruiert als es der in Tschernobyl war. Unsere Reaktoren sind wassermoderiert, der von Tschernobyl war graphitmoderiert. Unsere Reaktoren haben einen negativen Void-Koeffizienten, der von Tschernobyl hatte einen positiven. Ein Unfallablauf genau wie in Tschernobyl ist tatsächlich in unseren Reaktoren konstruktionsbedingt gar nicht möglich.
Gleichwohl wird die Rede zur Lüge, wenn man verschweigt, daß in unseren Reaktoren andere Abläufe möglich sind, deren verheerende Auswirkungen (und das wird auch von niemandem geleugnet) die der Tschernobyl-Katastrophe noch weit übertreffen würden.

Man bedenke: Unlängst hörten wir häufig von schrecklichen Unfällen mit Reisebussen. Aber auch ein hochmoderner
ICE-Zug kann verunglücken (z.B. Eschede am 22. September 2006), obwohl doch jedermann weiß, daß ein ICE-Zug "ganz anders konstruiert und sehr viel sicherer" ist als ein Reisebus.


2. Beispiel:
Seit Jahren finden wir in vielen illustrierten Zeitschriften ganzseitige Anzeigen, in denen man unter einem wolkenlosen Himmel ein lieblich-blaues Flüßchen sieht, am jenseitigen Ufer inmitten saftiger grüner Wiesen ein Atomkraftwerk, irgendwo vielleicht einen Angler - kurz: eine vollkommene Idylle. Und dann lesen wir von der Klimakatastrophe, die wir ganz leicht verhindern könnten, wenn wir nur unsere Atomkraftwerke weiter betreiben würden, denn die stoßen ja kein CO2 aus und sind deshalb höchst umweltfreundlich.
Auch hier ist unbestreitbar wahr, daß Atomkraftwerke wenn überhaupt, dann nur sehr wenig CO2 abgeben.
Gleichwohl wird die Rede zur Lüge, wenn man verschweigt, wieviel CO2 bei der Uran-Gewinnung ausgestoßen wird und - vor allem - daß die Nutzung der Atomenergie die Umwelt auf andere Weise weit gefährlicher und noch sehr viel dauerhafter belastet, als es mit dem CO2-Ausstoß geschieht, so gefährlich der auf lange Sicht auch sein mag.

3. Beispiel:
"Künstliche Radioaktivität unterscheidet sich in nichts von natürlicher", wird uns immer wieder versichert, und dann rechnet man uns vor, daß die "künstliche" Strahlenbelastung weit geringer als die "natürliche" ist. Da denkt man gern - und das soll man ja auch wohl denken -: "Wenn's so ist, dann wird's ja wohl nicht schaden".
Und es ist unbestreitbar wahr, daß sich ein Alpha- oder ein Beta- oder ein Gamma-Strahl aus einem durch Kernspaltung entstandenen Atom wenn überhaupt, dann nur sehr geringfügig von einem Strahl aus einem in der Natur vorhandenen Atom unterscheidet.
Gleichwohl wird die Rede zur Lüge, wenn man verschweigt, daß "natürliche" Strahlung teils aus dem Weltraum kommt, sonst aber größtenteils aus ortsfesten, meist im Gestein gebundenen Strahlenquellen, die in Atomreaktoren in gewaltigen Mengen erzeugten Radioisotope dagegen vielfach nicht ortsgebunden, sondern leicht flüchtig sind und mit dem Wind fortgetragen werden können. Diese Strahlenquellen kommen in der Natur praktisch überhaupt nicht vor, und wenn es sie je auf der Erde gegeben hat, dann haben sie ihre Radioaktivität in erdgeschichtlich langen Zeiträumen abgestrahlt, lange bevor sich höher organisiertes Leben auf der Erde entwickeln konnte. Im Unterschied zu den häufigsten "natürlichen" Strahlenquellen können die künstlichen vom menschlichen (selbstverständlich ebenso auch vom tierischen) Körper mit der Atemluft oder mit der Nahrung aufgenommen und dort an bestimmten Stellen eingebaut werden. Sie bestrahlen dann ständig die gleiche Körperstelle und erzeugen in aller Regel Krebs, unter gewissen Bedingungen auch Mutationen und Erbschäden. Mit natürlichen Strahlenquellen ist das so gut wie ausgeschlossen.

Die angeführten Beispiele zeigen, wie wichtig es ist, vor Rattenfängern auf der Hut zu sein und sich gründlich zu informieren.
Viele weitere Beispiele lassen sich anführen


Ulrich Uffrecht - Braunschweiger Straße 4 - 21614 Buxtehude - Tel.: 04161-62341


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Dieser Artikel wurde 6004 mal gelesen und am 14.1.2013 zuletzt geändert.