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Nitrat im Grundwasser im Landkreis Emmendingen

29.03.2017

Trinkwasser: Nitrat in Wyhl und im Landkreis Emmendingen / Sanieren statt verdünnen


Nitratproblem Oberrhein - das Beispiel Wyhl


An die Medien
29.3.17
Kleinkinder sollen aus Gesundheitsgründen das Wyhler Leitungswasser nicht trinken, denn der Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser von 50 Milligramm Nitrat pro Liter (mg/l) ist überschritten. Das Trinkwasser in Wyhl weist zunehmend hohe Nitratwerte auf. Auch bei der Messung im November 2016 wurde ein Nitratwert von 55 Milligramm pro Liter festgestellt.
Jetzt berichten die Medien, dass im Gemeinderat über die „Lösung des Problems“ diskutiert wurde. Eine Studie wird in Auftrag gegeben, die verschiedene Ansätze überprüfen soll: „Eine Nitratreduktion kann auf technischem Weg erreicht werden, mit einem neuen Standort für den Brunnen oder über einen Anschluss an Sasbach.“
Von einer Reduzierung des Düngereintrages in den Boden wird in den Presseberichten nicht gesprochen. Damit sind wir beim Grundproblem, das nicht nur die Gemeinde Wyhl betrifft.
Seit Jahrzehnten wird das Nitratproblem diskutiert. Schon als der Bürgermeister der Wyhler Nachbargemeinde Weisweil, Karl Nicola, ab 1972 Mitglied des Landtages von Baden-Württembergund dort Vorsitzender des Ausschusses für den Ländlichen Raum war, gab es Untersuchungen und Versuche das Dünger-Nitratproblem im Wahlkreis zu lösen. Doch in Sachen Düngung gab es (nicht nur in Wyhl) nur minimale Fortschritte. Fast alle Gemeinden setzen auf die „Problemlösung“, wie sie jetzt auch in Wyhl diskutiert wird. Wasser wird zugekauft, gemischt, verdünnt und neue Brunnen werden gebohrt, um nitratarmes Wasser zu erhalten, jedoch das Düngerproblem bleibt.
Die Nitratbelastung des Grundwassers ist hauptsächlich auf den Einsatz von mineralischem und organischem Dünger zurückzuführen. Die Art und Weise der Bewirtschaftung spiegelt sich im Grundwasser wieder. Der Anbau von Mais in der Rheinebene zeigt sich in einer flächenhaften Belastungsfahne. Auch der intensiv gedüngte Wein bringt starke Belastungen in den Vorbergzonen von Schwarzwald und Vogesen und im Abstrom des Kaiserstuhls. Dies zeigt gerade auch die aktuelle Grenzwertüberschreitung in Wyhl. Bei Konflikten um Düngung und die Ausweisung von neuen Wasserschutzgebieten haben die "Wassertrinker” die schwächste Lobby und die Behörden agieren eigenartig still.
Die Themen „Grundwasser und Grundwasserschutz“ sind wichtige Aufgaben des BUND und wir verstehen uns auch als Lobby der „Wassertrinker“ und des Bodenschutzes.
Doch ein aktueller Konflikt zeigt die Macht der Düngerlobby auch im GRÜN-Schwarzen Baden-Württemberg.
In einer Zeit, in der die Nitratbelastung der Böden und des Grundwassers nicht nur in Wyhl zunimmt und in der die EU Deutschland wegen mangelnden Grundwasserschutzes verklagt, kann der Satz "Zu viel Dünger auf dem Feld geht erst ins Wasser, dann ins Geld" nicht ganz falsch sein...
Auch wegen dieser „Bauernregel“ der Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte der baden-württembergische CDU- Landwirtschaftsminister Hauk, deren Rücktritt gefordert... In den Bauernregeln wurde niemand beleidigt, sondern es wurden real existierende Probleme auf den Punkt gebracht.
Wir sehen mit Sorgen den wachsenden Einfluss der Agrarmultis und Konzerne auf die europäische Gesetzgebung und die EU-Nahrungsmittelbehörde.
Nicht nur Dünger, sondern auch andere Agrargifte sind ein Problem, wie das aktuelle massive Insektensterben zeigt.
Theoretisch dürfte die Trinkwasserbeschaffung im Landkreis Emmendingen kein Problem sein, denn der Landkreis „sitzt“ auf einem der größten Grundwasserseen Europas mit geschätzten 45 Milliarden Kubikmetern Volumen im Oberrheingraben. Der große unterirdische Trinkwassersee am Oberrhein ist an vielen Stellen mit Schadstoffen aus Altlasten, aber auch mit Problemstoffen aus der Landwirtschaft, mit Pestiziden und Nitrat belastet.
Doch mit zugekauftem „guten“ Wasser, mit mischen, verdünnen und neuen Brunnen wird das Grundproblem des zu großen Düngemitteleintrages in das Grundwasser nicht gelöst. Nicht die Verursacher und die gut verdienenden Düngemittelkonzerne kommen für die Kosten auf, sondern die Verbraucher und Verbraucherinnen.
Der BUND fordert - zunehmend verärgert- seit Jahrzehnten und leider heute wieder „kontrollieren und sanieren statt verdünnen“ und mehr Anstrengungen der Behörden, um das Grund- und Trinkwasser im Landkreis zu schützen und Bäche, Flüsse und Meere zu entlasten.

Axel Mayer, Regionalgeschäftsführer






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