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Fessenheim und Erdbeben: Das AKW ist akut erdbebengefährdet – unsicherstes Werk in ganz Frankreich

Nordwestschweizer Aktionskomitee gegen Atomkraftwerke
Murbacherstrasse 34, 4056 Basel


Basel, den 23. Juni 2004

Teilübersetzung und Kommentar zu den Protokollen der EDF/IRSN


Fessenheim ist akut erdbebengefährdet – unsicherstes Werk in ganz Frankreich
Französische Sicherheitsbehörde hält Fessenheim für höchst erdbebengefährdet und möglicherweise für nicht sanierungsfähig. Von der Organisation „sortir du nucléaire“ hat das NWA in den letzten Wochen die zitierten Unterlage erhalten (Beilage), aus denen hervorgeht, dass die unabhängige Behörde „Bureau d’Expertise et de Recherches Sismiques (BERSSIN)“ die Erdbebensicherung von Fessenheim und Bugey, nebst anderen Atomkraftwerke für stark sanierungsbedürftig hält.

Es scheint so, dass Fessenheim das älteste und unsicherste Werk in Frankreich ist. Die jüngsten Vorkommnisse bestätigen dies und zeigen auch, dass die Direktion in Fessenheim eine Reihe von Sicherheitsproblemen nicht zu lösen gewillt ist.

Der Text ist französisch, wir zitieren aus dem Text:
Seite Deutsch
1
„Es gibt zwischen Berssin und der Eléctricité de France zuweilen sehr wichtige unterschiede Beurteilungen…“
Des divergences parfois très importantes apparaissant entre les évaluations du BERSSIN et celles d’EDF…

„Sehr wichtige Bedrohungen erscheinen namentlich von den Reaktoren von Bugey und Fessenheim auszugehen, für welche die angekündigten Werte weit über das hinausgehen, was man vernünftigerweise und angesichts der bestehenden [Bau-]Konzeption in Rechnung stellen sollte…“
Des menaces très importantes apparaissent notamment sur les réacteurs de Bugey et de Fessenheim, pour lesquels les valeurs annoncées en réunion vont bien au-delà de ce qu ?il est raisonnable de prendre en compte, compte rendue de la conception actuelle


Es ist dann weiter die Rede davon, die Branche wolle gegenüber den Sicherheitsbehörden „ausserhalb der technischen Debatte“ fest bleiben (une position ferme d’industriuel), also nicht nachgeben. („Position stratégiques de la Branche Energies“).

Insbesondere will man sich die Federführung in dieser Frage nicht aus der Hand nehmen lassen („c’est l’exploitant qui est responsable de l’application de la RFS [Règle fondamentale de Sureté]). Und man scheut die Kosten… („…pourraient condire à des coûts très importants“), insgesamt werden sie auf
Seite 2 Es gibt sowohl starke methodologische Unterschiede in der Beurteilung als auch als auch Ermessensspielräume in den seismischen Karten

Seite 3,4 In der Sache geht es dabei um Differenzen über die Interpretation der 2001 überarbeiteten Regel zur seismischen Auslegung von Kernkraftwerken (Regel RFD 2001-01). Differenzen bestehen dabei im Wesentlichen bei der Auswahl der seismo-tektonischen Zonen und der Auswertung der seismischen historischen Daten.

Hier wird die EDF sehr deutlich:

Sie will auf höherer Ebene intervenieren – zB. über die Ministerien die unangenehmen Seismologen ausschalten und ein „lobbying“ oder „contrefeu“ aufbauen.

Auf Seite 4 wird dann das eigentliche Zerwürfnis zwischen der Sicherheitsbehörde und der Eléctricité de France nochmals genannt, und es wird gesagt, dass die IRSN das Risiko „fast systematisch höher“ einschätzt als die Eléctricité de France:

Seite 5 werden die Kosten in Fessenheim auf 200 Mio.€ pro Reaktor geschätzt, also 400 Mio. € oder rund 650 Mio. SFr. Es wird von „sehr wichtigen Kostenfolgen“ gesprochen, namentlöich für die Atomkraftwerke Bugey und Fessenheim.

Man will nichts unterlassen, um die Sicherheitsbehörde auf die Seite der EDF zu ziehen:

Auf Seite 9 folgen dann Protokolle einer Sitzung vom 24.Oktober 2002, an der die Erdbebensicherheit zwischen den Sicheheitsbehörden und der EDF besprochen wurde.

Die Meinungsverschiedenheiten bleiben bestehen, doch bereitet die EDF ein Papier für das Publikum (grand public) vor, falls etwas nach aussen dringe.

Entscheidend sind die Anmerkungen in der Annexe 1:

Darin wird offen gelegt, dass die Beurteilung der ISRN (französische Sicherheitsbehörde) wesentlich weiter geht als was die EDF bisher erwogen hat.

Entscheidend ist der folgende Passus, der besagt, dass Bugey und Fessenheim unter Umständen baulich gar nicht zu sanieren sind:

Mehr Infos:
Rudolf Rechsteiner-Fischer, Dr.rer.pol., Nationalrat



Das AKW Fessenheim und Erdbeben ( Text vom 5. Mai 2009)
La Centrale Nucléaire de Fessenheim et le risque sismique


AKW KKW Fessenheim & Erdbeben

Der Oberrheingraben gehört zu den seismisch aktivsten Zonen in Frankreich
und Deutschland. 1356 hat ein Erdbeben der Stärke 6,5 auf der Richterskala die Stadt Basel zerstört. Das AKW Fessenheim sei erdbebensicher und für ein Erdbeben wie das Basler Beben ausgelegt, sagen EDF und EnBW. Die Atomkonzerne haben recht! Das Atomkraftwerk Fessenheim könnte sogar noch einem viel stärkeren Beben als dem Basler Beben standhalten! Dieses Beben muss nur sehr sehr weit von Fessenheim entfernt stattfinden. Wissenschaftler bestätigen: "Das AKW Fessenheim übersteht möglicherweise ein zweites Beben von der Stärke des Basler Bebens wenn dieses Beben sein Epizentrum mindestens 30 km vom AKW Standort entfernt hat." Wer aber sagt, dass sich dieses Beben nicht direkt unter Fessenheim abspielt? Wenn das AKW Fessenheim einem Basler Beben am Standort Fessenheim nicht standhält dann ist es nicht erdbebensicher und gehört abgestellt. Dann ist die Aussage "Fessenheim ist erdbebensicher" ein Lüge. Es war unverantwortlich in Fessenheim ein AKW zu bauen und es ist skandalös es weiter zu betreiben.
Axel Mayer / BUND




Hier ein Beispiel für ein Nahbeben, direkt bei Fessenheim
Nahbeben>> Fessenheim/Elsass/Frankreich Q=A Manual mode Seismogramme
DATE TIME-UT LATITUDE LONGITUDE DEPTH ML RMS NL/NM GAP
081225 17:50:28.69 47.910N 7.556E 8.0 2.2 0.18s 26/11 81




" … Wiederum gemäss [1] hat EDF das Erdbeben, das dem Basler Beben entspricht, 34 km im Süden des KKW Fessenheim angenommen, mit einer Magnitude unspezifizierter Art (wahrscheinlich ML) von M = 6.2, und das IRSN 29 km im Süden, mit einer Magnitude von M = 6.0. Dies bedeutet, dass sich die Verfasser dieser
Studien sicher sind, dass ein dem Basler Beben von 1356 analoges Erdbeben Erdbebenrisiko des KKW Fessenheim 05/09/2007 Seite 12 zwingend im Bereich der Interaktion des Rheingrabens (N-S-Verwerfungen) mit dem Permo-Karbon-Trog (E-W-Verwerfungen) südlich von Basel auftreten müsste und somit in unmittelbarer Umgebung von Fessenheim ausgeschlossen werden kann."
Quelle: Studie - Erdbebenrisiko des KKW Fessenheim 05/09/2007 hier geht´s zur Studie


Hier umfassende Fessenheim-Infos:
hier: Fessenheim Infos
hier: Infos AKW und Atomgefahren
hier: KKW und Klimaschutz
hier: Uran, Öl, Gas und weltweite Energievorräte




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Aktuelle Informationen zum AKW Fessenheim


Über die Fessenheim-Schließung entscheidet Herr Macron (oder doch die EDF?)...
Prognosen sind immer schwierig, wenn es sich um Zukunftsfragen handelt.
Was tun?
Unser verstorbener Freund Walter Mossmann gab im "Gorleben-Lied" einen guten Tipp:

"Sie trommeln uns die Ohren voll, sie wären unaufhaltsam,
und trotzdem, mein ich, kommt es auch auf unser Zutun an ..."


Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer





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Aktueller Einschub:



Nuclear Pride Coalition, Michael Shellenberger & neue AKW: Atomkonzerne spielen Umweltbewegung


Nach Fukushima war die Atomlobby für kurze Zeit ein wenig in Deckung gegangen. Aufgegeben hat sie nicht. Jetzt beginnt eine massive, globale Werbekampagne für die Gefahrzeitverlängerung der bestehenden Reaktoren und für neue AKW. Doch die Atom-Propaganda wurde optimiert und die Konzerne treten nicht mehr öffentlich in Erscheinung. PR-Agenturen gründen Schein-Bürgerinitiativen und rechte und neoliberale Netzwerke rühren die Werbetrommel. In der Nuclear Pride Coalition, tarnen sich Lobbyisten als Umwelt-Aktivisten und weltweit spielen Vorfeldorganisationen der Konzerne Umweltbewegung. Solche PR-Kampagnen wurden in der Vergangenheit häufig begleitet von bezahlten Trollen, die unter wechselnden Identitäten Hunderte von Leserbriefen schreiben und die Internetforen, (nicht nur) der Medien, mit Werbebotschaften fluten. Auch Wikipedia-Manipulation gehört zum Alltagsgeschäft von Werbeagenturen und Atomkonzernen.

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Dieser Artikel wurde 7052 mal gelesen und am 4.5.2017 zuletzt geändert.