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Ökologische Flutungen und Integriertes Rheinprogramm IRP. Die Meinung von Alsace Nature, BUND, NABU, AK-Wasser & Aueninstitut und des Bundesverwaltungsgerichts

21.02.2017

Ökologische Flutungen und Integriertes Rheinprogramm IRP. Alsace Nature, AK-Wasser, BUND, NABU, Aueninstitut und Bundesverwaltungsgericht


Eines der Hauptkonfliktfelder des Integrierten Rheinprogramms sind die Ökologischen Flutungen, ein zentraler Naturschutz-Aspekt des IRP. Während die Experten von Alsace Nature, BUND, NABU und die Fachleute des Aueninstituts diese Maßnahmen einhellig begrüßen, wird entlang des Rheins massiv Stimmung dagegen gemacht. Kiesindustrie, Jogger, Landwirte, Sportvereine und andere Nutzer der Auen verstecken ihre Interessen hinter vorgeschobenen ökologischen Argumenten. Wir erleben es zur Zeit immer öfter, dass Einzelpersonen, Naturnutzer und Gruppen in den großen Topf der Ökologie hineingreifen, sich eine einzelne Art herausholen und darauf ihre Argumentation aufbauen. Doch Ökologie ist mehr, Ökologie ist immer auch die Lehre von den Zusammenhängen. In einigen Gebieten am Rhein hat sich aus der Wechselwirkung zwischen örtlichen Bürgerinitiativen und Medien eine "lokale Insel-Wahrheit", ein undurchdringlicher "Echoraum" der eigenen Meinung herausgebildet.


Das Integrierte Rheinprogramm (IRP)
soll nicht nur dem Hochwasserschutz dienen, es ist auch eines der ganz großen Umwelt- und Naturschutzprojekte in Baden-Württemberg. Der dringend notwendige Hochwasserschutz für die Menschen am Rhein soll mit großflächiger Auenrenaturierung verbunden werden und ist so eine Chance für mehr Natur entlang des Rheins. Ein unerlässlicher Bestandteil des IRP sind Ökologische Flutungen. Mit ihnen soll der dynamische Wechsel zwischen niedrigen und hohen Wasserständen in den ehemaligen Rheinauen ein Stück weit wieder hergestellt werden. Nur so können Flora und Fauna an kommende Hochwassersituationen angepasst werden. Nur die Ökologischen Flutungen bieten die Chance, dass aus den geringen Resten an Natur, die der Mensch dem Fluss gelassen hat, wieder Auewälder werden. Doch seit einiger Zeit begleitet zunehmender Widerstand das Rheinprogramm und insbesondere die Ökologischen Flutungen. Überall, wo Polder geplant werden, und wo die Gemeinden viel zu nahe am Rhein Siedlungen gebaut haben, sind Bürgerinitiativen gegen die Planungen und insbesondere gegen die Ökologischen Flutungen aktiv. Argumentiert wird "ökologisch". Doch die Angst vor nassen Kellern, vor Schnaken, Schlamm, “Unordnung“ und Wildnis im Wald stehen im Hintergrund dieser Argumentation.

Ordnung & Sauberkeit contra „wilde“ Natur
Bei vielen großen Konfliktthemen im Naturschutz am Oberrhein und im Schwarzwald schimmert immer wieder eine deutsche Urangst hervor. Es ist die große Angst vor Veränderung und Unordnung. Das beginnt im Kleinen, beim sauber auf- und ausgeräumten Garten, in dem kein Vogel mehr einen Brutplatz findet. Es geht weiter mit der auf- und ausgeräumten Kulturlandschaft, wo Hochstammbäume und Hecken in der Maissteppe nichts mehr zu suchen haben. Doch auch die großen Konflikte um den Nationalpark Nordschwarzwald oder um die Ökologischen Flutungen beim Integrierten Rheinprogramm sind von solchen Ängsten geprägt. Ein Wald, der sich „ungeplant und nicht von Menschen gesteuert“ verändert, eine neu entstandene Kiesbank nach einem Hochwasser im Taubergießen... Solche Veränderungen oder gar „Wildnis“ lösen tiefsitzende Ängste aus.
Hier könnten die örtlichen Medien aufklären, doch häufig verstärken sie die geschickt geschürten Ängste vor Veränderung und Natur.


Dort, wo die ersten Polder schon realisiert sind
(zum Beispiel in Altenheim), sorgen leistungsstarke Pumpen dafür, dass das Grundwasser nicht steigt. Schäden bei heutigen Hochwässern sind "höhere Gewalt", das heißt, wenn entgegen allen Annahmen in Zukunft Schäden auftreten, dann müsste der Staat die Folgekosten tragen und nicht die Anwohner. Wirtschaftliche Interessen stecken leider auch häufig hinter den Widerständen. Die Kieswirtschaft und ihre Paten in der Politik befürchten durch die Ökologischen Flutungen im zerstörerischen Kiesabbau entlang des Rheins, nördlich von Breisach, eingeschränkt zu werden. Der Widerstand der Kiesindustrie gegen die Ökologischen Flutungen war bisher noch kein Thema in den örtlichen Medien

Ökologische Schlutenlösung
Manche Bürgerinitiativen bringen als Alternative zu den Ökologischen Flutungen eine "Ökologische Schlutenlösung" ins Gespräch. Die ehemaligen, teilweise trocken liegenden, alten Rheinarme sollen ausgebaggert und zu ständig fließenden Bächle werden. Angedacht ist die Erweiterung der bereits vorhandenen Schluten und Öffnung und Durchflutung früherer Altrheinarme. Info der BI Breisach Aus Sicht des Naturschutzes ist die eher eine "Stadtparklösung", die mit echter Auenrenaturierung und Naturschutz wenig zu tun hat.

Ökologische Flutungen, Querriegel und die VertreterInnen der „reinen Lehre“

  • Wer „nur“ den technischen Hochwasserschutz sieht, muss möglichst hohe Querriegel, Dämme und maximale Einstauhöhen fordern.
  • Wer „nur“ auf Naturschutzaspekte achtet, verwirft alle Querriegel und fordert das freie fließendes Wasser in den Auen.


Und doch müssen wir Hochwasserschutz mit Naturschutz verbinden und das bedeutet eben Kompromisse.


Kieslobbyisten, Gruppen und Bürgerinitiativen,
die aus vielfältigen Gründen die Ökologischen Flutungen und damit die Naturschutzaspekte des IRP ablehnen, greifen immer wieder Teilargumente einzelner Vertreter der „reinen Lehre“ des Naturschutzes auf und missbrauchen diese, um die ökologisch sinnvollen und notwendigen Flutungen zu verhindern.
Wer den Wegfall oder niedrigere Querriegel fordert (was aus Naturschutzsicht durchaus sinnvoll wäre), der muss auch Dammrückverlegungen fordern und durchsetzen, damit die gleiche Menge Wasser für den Hochwasserschutz zurückgehalten werden kann.

Die großen Naturschutzverbände haben Kompromisse akzeptiert, um den dringend notwendigen, schnellen Hochwasserschutz nicht zu behindern.


Alsace Nature,
die große elsässische Dachorganisation steht voll und ganz hinter dem Konzept der Ökologischen Flutungen, wie Daniel Reininger, Präsident von Alsace Nature bei einer Tagung im Januar 2017 in Breisach erklärt hat.

Auch BUND, NABU, LNV, AK-Wasser und Aueninstitut
stehen dazu, dass beim IRP Hochwasserschutz und Naturschutz verbunden werden müssen. Und das geht eben nur mit den notwendigen Ökologischen Flutungen. Besonders wichtig ist dabei die Meinung von Experten wie Emil Dister, dem ehemaligen Leiter des Aueninstituts. Er hat über viele Jahrzehnte Auenforschung in Europa, Südamerika, Westafrika und an verschiedenen Flüssen wie z.B. Rhein, Loire, Elbe, Oder, Rio Magdalena, March und Donau betrieben.

Auch das Bundesamt für Naturschutz
schrieb in einer Presseerklärung am 1. Oktober 2003: "Auetypische Flutungen am Oberrhein sind notwendig" und weiter: “Die Hochwasservorsorge darf nicht vernachlässigt werden. Das Bundesamt für Naturschutz begrüßt deshalb, dass Länder wie Baden-Württemberg mit dem “Integrierten Rheinprogramm“ (IRP) zum Hochwasserschutz beitragen“, sagte der Präsident des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Professor Dr. Hartmut Vogtmann. Das BfN unterstützt das IRP stromabwärts von Breisach im Hinblick auf eine naturverträgliche Hochwasservorsorge. Insbesondere werden "ökologische Flutungen im natürlichen Wechsel mit anhaltend niedrigen Wasserständen" als Voraussetzung für einen naturverträglichen Hochwasserschutz vom BfN befürwortet. Nur naturnahe Hoch- und Niedrigwasserstände vermögen in den Auen wieder die natürlichen Bedingungen für eine auetypische Tier- und Pflanzenwelt zu schaffen. Naturnahe Überflutungsauen sind auch am besten geeignet, hohe Abflüsse zu verzögern, großräumig abzusenken und so Menschen vor Schäden zu bewahren". Zitatende
(leider fand sich diese Presseerklärung nicht in der örtlichen Presse, die um so intensiver über die Argumente der BI´s berichet)

Am 19. September 2014 hat das Bundesverwaltungsgericht die Rechtmäßigkeit von Ökologischen Flutungen beim IRP bestätigt.





Hier geht´s weiter mit älteren Texten und Zitaten zu den Ökologischen Flutungen



Über die geplanten Einstauhöhen
und die Höhe mancher Querriegel in den Wäldern kann und sollte mit den Planungsbehörden noch verhandelt werden. Dammrückverlegung ist immer die bessere Alternative zu den Querriegeln. Insgesamt aber steht der BUND mit den anderen Naturschutzverbänden hinter den Planungen, die Hochwasserschutz und Naturschutz miteinander verbinden sollen und die ungewöhnliche Möglichkeiten zur Schaffung und Entwicklung selten gewordener Lebensräume eröffnen. Nach über drei Jahrzehnten Planung darf der dringend notwendige Hochwasserschutz aber auf keinen Fall verzögert werden, denn das nächste Jahrhunderthochwasser könnte sich schon morgen aufbauen.






Ein Leserbrief von Reiner Ehret, langjähriger, ehemaliger Vorsitzender des Landesnaturschutzverbandes



INTEGRIERTES RHEINPROGRAMM / "Hochwasserschutz mit Naturschutz verbinden"
Zur Lesermeinung "Schlutenlösung ist utopisch" vom Mittwoch, 12. August, erreichte uns folgende Leserzuschrift:
Am 12. August stand ein Leserbrief von Herrn Nikolaus Geiler, zum wichtigen Naturschutzthema IRP/ Rheinprogramm, in der Badischen Zeitung. Er schrieb unter anderem "Für das Regierungspräsidium und die Naturschutzverbände ist klar, dass mit den ökologischen Flutungen die Entwicklung aueähnlicher Lebensgemeinschaften in den Poldern gefördert werden kann." In zwei BZ-Artikeln reagierten die Bürgerinitiative in Breisach und die der BI sehr nahestehende "AG Limnologie" wie immer sehr heftig und gereizt auf Widerspruch und Herrn Geiler wurde indirekt unterstellt, eigentlich keine Ahnung vom Thema zu haben.
Als langjähriger, ehemaliger Vorsitzender des Landesnaturschutzverbandes kenne und schätze ich Herrn Geiler seit vielen Jahren. Wenn es in Deutschland einen Umweltfachmann in Sachen Wasser, Trinkwasser, Flüsse und Auen gibt, dann ist es Herr Geiler, der sich in den letzten Jahrzehnten in unermüdlicher Arbeit für Flüsse und Wasserqualität große Verdienste für dieses Land erworben hat. Aber nach Ansicht der örtlichen BI´s hat er keine Ahnung. Die eher positive Bewertung der Naturschutzaspekte des IRP (Ökologische Flutungen) durch Herrn Geiler entspricht der Haltung der Fachbehörden und wurde gerade letztinstanzlich vom Bundesverwaltungsgericht in Leipzig bestätigt, das schrieb: "Da die relativ seltenen Hochwassereinsätze des Rückhalteraums die Natur und Landschaft erheblich und nachhaltig beeinträchtigen würden, sollen zusätzlich so genannte Ökologische Flutungen durchgeführt werden. Sie sollen die Pflanzen und Tiere sowie die Landschaft an die bei Hochwasserrückhaltung auftretenden Überflutungen adaptieren beziehungsweise die Sukzessionen im Rückhalteraum so beeinflussen, dass sich überflutungstolerante Gemeinschaften bilden können." Dies entspricht im Wesentlichen auch dem, was BUND, NABU, Alsace Nature und LNV seit vielen Jahren sagen. Doch die großen deutschen Naturschutzverbände, das Bundesamt für Naturschutz und das Aueninstitut, das sich seit Jahrzehnten mit Flüssen und Auenrenaturierung beschäftigt, kennen sich nach BI-Meinung natürlich mit Naturschutz und Auenrenaturierung überhaupt nicht aus.

So gibt es die Meinung der örtlichen BI’s, die in den Lokalausgaben der BZ sehr häufig und einseitig wieder gespiegelt wird und die Meinung der vielen Anderen. Ich wünsche mir eine kluge, differenzierte und verantwortbare Berichterstattung zu diesem großen Naturschutzthema und zur einmaligen Chance, Hochwasserschutz mit Naturschutz am Rhein zu verbinden. Reiner Ehret, Kirchzarten




Weitere Stimmen zum Rheinprogramm und den öklogischen Flutungen:


Die ehemalige Umweltministerin des Landes Baden-Württemberg Tanja Gönner in einem Brief vom 22.11.2005
Die Hochwasserschutzstrategie des Landes hat zum Ziel, die Hochwassergefahren durch gemeinsames Handeln zu mildern und Hochwasserschäden durch ein gezieltes Hochwassermanagement zu vermindern oder ganz auszuschließen. Eine wichtige Rolle dabei spielt das Hochwasser-Flächenmanagement, das versucht, natürliche Überschwemmungsflächen zu sichern bzw. zurückzugewinnen. Die Entwicklung naturnaher Fließgewässer, die Bereitstellung von Flächen und die Wiederherstellung der Auedynamik tragen ebenfalls zum Hochwasserschutz bei. Auch die Maßnahmen des „Technischen“ Hochwasserschutzes müssen umweltverträglich sein und ökologische Belange berücksichtigen. Für den kommunalen Bereich haben wir einen Förderkorridor für Maßnahmen eingerichtet, die einen engen Zusammenhang zwischen Hochwasserschutz und Verbesserung der gewässerökologischen Situation erkennen lassen.


Speziell beim Integrierten Rheinprogramm (IRP) setzen wir nach wie vor auf eine umweltverträgliche Planung und einen umweltverträglichen Betrieb der erforderlichen Rückhalteräume. Zu den vorgesehenen ökologischen Flutungen in den Rückhalteräumen sehen wir keine Alternativen. Wir halten deshalb trotz des Widerstandes, der sich insbesondere in Südbaden zeigt, an den ökologischen Flutungen fest. Hier habe ich die Hoffnung, dass sich die Oberlieger ihrer Verantwortung für die Unterlieger bewusst werden und wir möglichst schnell die erforderlichen Planfeststellungen erhalten. Das Land ist hier in der Pflicht, den vereinbarten Hochwasserschutz zügig herzustellen.


Der ehemalige CDU Umweltminister Ulrich Müller
verteidigt das Hochwasserprogramm am Rhein - Exstaatssekretär Ruder hält er für einen Agitator

(Stuttgarter Zeitung vom 20.12.2003 - Auszug aus einem längeren Interview)

Der südbadische Protest gegen die Hochwasserpläne am Rhein gefällt dem Umweltminister nicht. Was dort als Existenzbedrohung empfunden wird, ist für Ulrich Müller eine "Staatsaufgabe ersten Ranges". Mit ihm sprachen Thomas Durchdenwald und Josef-Otto Freudenreich.

Herr Müller, können Sie die Ängste der Südbadener eigentlich verstehen?

Ich kann sie dann verstehen, wenn sie auf berechtigten Zweifeln, auf objektiven Problemen beruhen. Ich bin nicht bereit, sie zu verstehen, wenn diese Ängste von außen geschürt oder wider besseres Wissen erzeugt werden.

Der ehemalige Staatssekretär Robert Ruder sagt, Sie behandelten seine Landsleute wie die "letzten Deppen".

Das ist diese Art von Agitation, die ich meine. Da hört es bei mir auf. Auf dieses Niveau begebe ich mich nicht. Solche Aussagen sind eines Staatssekretärs unwürdig.

Die Bürgerinitiativen vor Ort fühlen sich von Ruder durchaus gut vertreten.

Herr Ruder betont immer, keineswegs gegen den Hochwasserschutz zu sein, lehnt aber das Integrierte Rheinprogramm ab. Dann soll er mir mal erklären, wo er den Stauraum für 167 Millionen Kubikmeter Wasser hernehmen will, den wir zur Verfügung stellen müssen. Dazu haben wir uns international verpflichtet. Im Falle eines Hochwassers am Rhein haben wir Leib, Leben und Eigentum von 700 000 Menschen zu schützen, und Schäden in Höhe von sechs Milliarden Euro zu vermeiden. Das ist die Position der Landesregierung seit 15 Jahren, dazu gibt es Kabinettsbeschlüsse seit 15 Jahren und einstimmige Beschlüsse im Landtag.

Das juckt die Südbadener wenig, wenn sie um ihr Grund- und Trinkwasser fürchten.

Wir haben immer gesagt, dass wir zu hundert Prozent verantwortlich sind für Beeinträchtigungen, die wir im Zuge des Hochwasserschutzes auslösen. Wir haben alle Risiken, so weit es die Ingenieurskunst erlaubt, ausgeschlossen. Wenn es trotzdem zu Schäden kommt, werden wir Ersatz leisten. Und was kriegen wir zur Antwort? Dazu seid ihr eh verpflichtet. Wenn wir zusagen, die Pumpkapazität um 20 Prozent zu steigern, um den Grundwasserpegel niedrig zu halten, kommt die Replik: Aha, die trauen ihren eigenen Lösungen nicht.

Sie haben acht Bürgermeister und fünf Bürgerinitiativen gegen sich. Macht Sie das nicht nachdenklich?

Ich bin keine Dampfwalze, die alles plattmacht. Wir haben viele Anregungen der Bürger aufgenommen, ihre Einwände geprüft, wir haben unsere Planungen immer wieder erklärt und auch optimiert. Wir haben in Schwanau, wie sonst nirgends, über anderthalb Jahre ein Moderationsverfahren durchgeführt. Aber jetzt ist Zeit zum Handeln. Da bin ich sehr klar, sehr entschlossen. Es gibt für mich keinen Spielraum mehr im Hinblick auf das Ziel, auf das Stauraumvolumen und die Standorte. Daran habe ich nicht den geringsten Zweifel.

Dann sagen die Menschen: So werden unsere Rehe zu Flusspferden, und unsere Fasane zu Enten.

Mit solchen Begriffen werden die Dinge falsch und polemisch beschrieben. Es geht um mehr Naturschutz, nicht um weniger. Es geht darum, Pflanzen und Tiere an Hochwasserereignisse heranzuführen, statt sie im Hochwasser zu opfern. Das ist ein Gebot des Naturschutzrechts, und das ist der Grund für ökologische Flutungen. Zu diesem Zweck fluten wir diese Gebiete flächenhaft an etwa 25 Tagen im Jahr, je nach Pegel des Rheins, aber immer so gering wie möglich. Dass die Bevölkerung dieses Gebiet dann nicht mehr in der Art nutzen kann wie früher, ist keine Frage. Aber es gibt eine andere Natur, eben eine hochwasserverträgliche. Und dort, wo wir das bereits gemacht haben, findet das auch seine Akzeptanz vor Ort.

Dann müssen sich die Südbadener an Seen vor der Haustüre gewöhnen.

Sie leben am Rhein. Ich möchte sie vor den Gefahren des Hochwassers schützen, und das in naturverträglicher Weise. Ich bin nicht versessen darauf, das Land unter Wasser zu setzen. Ich frage aber auch, was die Stuttgarter Zeitung schreiben würde, wenn wir 700 000 Menschen evakuieren müssten. Oder wenn wir bei einem Hochwasserfall in Rückhalteräumen eine auf Jahre hinaus völlig verwüstete Natur hätten. Im Übrigen können sich die Betroffenen die ökologischen Flutungen in Altenheim und künftig in Söllingen-Greffern ansehen. Die Bürgermeister der Gemeinden, in denen wir gebaut haben, haben wiederholt ihre Kollegen südlich von Iffezheim eingeladen. Dem kann ich mich nur anschließen. Deshalb mein Appell: Geht um Gottes willen dorthin und schaut euch an, wie es funktioniert. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.

Ihr Parteifreund Gundolf Fleischer scheint davon nicht überzeugt zu sein. Er schreibt, er habe volles Verständnis für den Protest seiner Landsleute.

Dazu müssen Sie ihn selbst befragen.

Fleischer ist nicht irgendwer. Er ist stellvertretender Fraktionschef Ihrer Partei.

Das ist für mich keine Frage des Status oder des Verhältnisses eines einzelnen Abgeordneten zum Ministerium oder mir persönlich. Ich versuche die Dinge so sachlich und nüchtern wie möglich zügig zu bewältigen, um eine Lösung zu erreichen. Ich kann allen Beteiligten nur in Erinnerung rufen, dass wir ein Konzept vertreten, das politisch zehnfach abgesichert ist. In anderen Landesteilen höre ich eher den Vorwurf, zu langsam zu sein. Den lasse ich mir eher gefallen, weil wir in der Tat relativ spät dran sind mit der Umsetzung, und zwar deswegen, weil wir immer wieder auf örtlichen Wunsch in Alternativplanungen eingetreten sind.

Können Sie nicht verstehen, dass es für diese Menschen schwer ist, sich an eine veränderte Landschaft zu gewöhnen, in der sie seit Generationen leben?

Die Veränderungen finden zwischen Deich und Rhein statt, in den Wohngebieten ändert sich nichts. Und diese Veränderungen muss man mit den desaströsen Schäden vergleichen, die wir erleben müssten, wenn wir nichts täten. Die Alternative wäre eine Totalverwüstung, deren Dimensionen ich mir gar nicht ausmalen will.

Die ehemalige Kaiserstühler Ministerin Gerdi Staiblin am 10. April 2000
"Hochwasserschutz und Naturschutz schließen sich gegenseitig nicht aus"

Jahresprogramm des Naturschutzzentrums Rappenwört eröffnet

(Auszug aus einer Presseerklärung)

"Hochwasserschutz und Naturschutz schließen sich nicht gegenseitig aus." Diese Feststellung traf die Ministerin für den Ländlichen Raum, Gerdi Staiblin, am Montag (10. April) in Karlsruhe-Rappenwört bei der Eröffnung des Jahresprogramms des Naturschutzzentrums mit dem Schwerpunktthema "Hochwasserschutz und Naturschutz". Das Zentrum greife damit ein vieldiskutiertes Themenfeld auf, um eine vorurteilsfreie Meinungsbildung in der Bevölkerung zu fördern.

Die Ministerin erinnerte bei einem Blick in die Vergangenheit daran, dass die Siedler in der Rheinebene den wilden Strom als Bedrohung empfanden. Seine Hochwasser rissen immer wieder ganze Siedlungen fort und setzten Felder wochenlang unter Wasser. Um diese Gefahr zu bannen, führte man nach den Plänen von Johann Gottfried Tulla von 1817 bis 1880 die erste Rheinkorrektion durch. Siedlungsraum wurde geschaffen und die sumpfige Ebene in ein fruchtbares land- und forstwirtschaftlich nutzbares Gebiet verwandelt.

"Aus heutiger Sicht hatte der damalige Fortschritt aber auch seine Kehrseiten, denn die Oberrheinkorrektur und die gravierenden weiteren Ausbaumaßnahmen im 20. Jahrhundert führten zu einem Verlust von Überflutungsflächen. Wichtige Lebensräume für seltene Tiere wie Eisvogel, Biber und Schwarzstorch gingen verloren", sagte Gerdi Staiblin. An der Stelle eines durchgehenden, vernetzten Bandes von Auen gebe es heute nur noch kleine, isolierte Reste der ehemaligen Rheinaue und wegen des Baues der Staustufen verschärfte sich die Hochwassergefahr stromabwärts. Hier setzt, so die Ministerin, das vom Land Baden-Württemberg 1996 geschaffene "Integrierte Rheinprogramm" an. Mit diesem umfassenden Rahmenkonzept sollen Hochwasserschutz und Naturschutzziele gleichrangig verwirklicht werden. Das Programm wolle die Folgen des Oberrheinausbaues hinsichtlich der Hochwassergefahr abmildern und gleichzeitig verbesserte ökologische Bedingungen schaffen. So beinhalte es Maßnahmen zur Wiederherstellung des Hochwasserschutzes und zur Erhaltung oder Regeneration auetypischer Systeme in einer lebensfähigen Rheinlandschaft.

Gerdi Staiblin dankte dem Minister für Umwelt und Verkehr, Ulrich Müller, für die sehr konstruktive Zusammenarbeit. Sie sei sich sicher, dass man gemeinsam weiter auf diesem Weg des Miteinanders von Hochwasserschutz und Naturschutz vorankommen werde. Sie verwies beispielhaft auf die sogenannten ökologischen Flutungen, die seit 1989 in den Poldern Altenheim durchgeführt werden. In den überfluteten Flächen der Polder und im Grundwasser konnte wieder ein aueähnlicher Wasserhaushalt als Voraussetzung für die Auenrenaturierung hergestellt werden. Es liegen nach Angaben der Ministerin bereits erste positive Ergebnisse vor. So hätten die Flutungen die Entwicklung von hochwassertoleranten Lebensgemeinschaften in Gang gesetzt. Dies trage wesentlich zu einer Schadensverringerung bei Hochwasserflutungen bei. Ökologische Flutungen seien daher für Wiederherstellung und Erhaltung einer funktionierenden Aue unverzichtbar.

"Für die Maßnahmen des "Integrierten Rheinprogrammes" spricht die schlichte wirtschaftliche Vernunft, da sie die Elemente der Schadensvorsorge und der Schadensvermeidung in den Vordergrund stellt", betonte Gerdi Staiblin.



hier: Mehr Infos zum Integrierten Rheinprogramm IRP









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Axel Mayer












Rhein & Integriertes Rheinprogramm – IRP


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Dieser Artikel wurde 12988 mal gelesen und am 21.2.2017 zuletzt geändert.