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Ortwin Renn: Risikoforscher oder Atomlobbyist in der Ethikkommission?

16.05.2011
Seit kurzem sitzt Ortwin Renn in der von der schwarz-gelben Koalition ins Leben gerufenen "Ethikkommission für sichere Energienutzung" und warnt vor einem zu schnellen Atomausstieg und "German Angst".


Nein,
die Atom-, Gen- und Industrielobbyisten tragen nicht mehr die Sticker von E.ON, RWE, EnBW und Monsanto am Sakko. Unabhängig, neutral und gut getarnt treten die Lobbyisten heute gerne auf. Als "offizieller" Vertreter der Auto-, Gen- und Atomindustrie würde Herr Ortwin Renn in den Medien wesentlich weniger wahrgenommen.
Doch nicht nur in der "Ethikkommission für sichere Energienutzung" streitet der "Risikoforscher" Renn für die Interessen der Atomindustrie, wenn auch nicht mehr ganz so offensichtlich wie noch vor wenigen Jahren.

Ein besonderer Clou war der alten CDU FDP Landesregierung Baden-Württemberg
mit der Schaffung des so genannten „Nachhaltigkeitsbeirat Baden-Württemberg„ gelungen. Im April 2007 bestärkte der Nachhaltigkeitsbeirat mit einer neuen Studie die Kampagne der EnBW „Mit Kernenergie für den Klimaschutz“. Dies wundert nicht, war doch Prof. Dr. Ortwin Renn der Vorsitzende dieses Gremiums.


Prof. Dr. Ortwin Renn
hat in Baden-Württemberg lange im Auftrag der CDU FDP Landesregierung so genannte „Technikfolgenabschätzung“ betrieben. Sei es im Bereich Gentechnik, Mobilfunk oder Atomenergie. Technikfolgenabschätzung war und ist für Herrn Renn fast immer sanfte, aber gezielte Durchsetzung von Gefahrtechnologie. Akzeptanz durch Partizipation ist sein Zauberwort, beispielsweise bei der Durchsetzung von atomaren Endlagern. In der Realität ging es aber immer um die Akzeptanz durch die Illusion von Partizipation. Als so genannter "Risikoforscher" ist der Lobbyist ein gefragter Gesprächspartner für die Medien, insbesondere seit er Mitglied der "Ethikkommission für sichere Energienutzung" wurde. In den unterschiedlichsten Funktionen haben die Thesen und Arbeiten von Herr Renn immer wieder den verschiedensten Konzerninteressen gedient wenn es darum ging, Gefahrtechnologien politisch durchzusetzen. Jetzt betreibt er das selbe Spiel in der "Ethikkommission für sichere Energienutzung". Der Ausstieg aus der Atomkraft sei richtig, aber "nicht in dem rasenden Tempo, wie sich das viele vorstellen", sagte Renn in verschiedenen Medien. Offensiv für eine Gefahrzeitverlängerung einzutreten ist zur Zeit politisch und psychologisch nicht opportun. Das wichtigste kurzfristige Ziel der Atomkonzerne ist es Zeit zu gewinnen um Fukushima vergessen zu machen.

Die ehemalige Umweltministerin Tanja Gönner
(CDU) war mit der Pro-Atom-Studie des „Nachhaltigkeitsbeirat Baden-Württemberg„ , die die u.a. Laufzeitverlängerung für AKW fordert sehr zufrieden: „In wesentlichen Zügen bestätigt das Gutachten die politische Linie der Landesregierung.“ schrieb die Heilbronner Stimme. Der von der Landesregierung eingesetzte Vorsitzende des Beirats Ortwin Renn bestätigt die Haltung der alten Regierung, die ihn wegen dieser Haltung in diese Position gebracht hatte...

Warum will die Atomindustrie die Abschaltung der gefährlichen Atomanlagen verhindern?
Die Antwort ist einfach. "Its the economy stupid“ Es geht ums Geld, um sehr viel Geld. Atomkraftwerke bringt uns allen viele Risiken, den Atomkonzernen und vermutlich auch den Lobbisten aber viel Geld. Die Heinrich Böll Stiftung hat die satten Gewinne berechnet, welche die Triebfeder der Atomlobby sind: „Für die älteren – jetzt von Abschaltung bedrohten– Atomkraftwerke ergeben sich „Zusatz“erträge von durchschnittlich 200 bis 300 Mio. Euro jährlich, für die neueren Anlagen summieren sich die jährlichen Zusatzerträge auf 300 bis 400 Mio. Euro. Über alle (aktuell noch betriebenen) Atomkraftwerke und alle Betreiber summieren sich diese Zusatzerträge für jeweils ein Jahr Laufzeitverlängerungen auf ein Gesamtvolumen von 4,6 bis 6,2 Mrd. Euro.

Gerade nach Fukushima
brauchen wir objektive und unabhängige Risikoforschung und Technikfolgenabschätzung die nicht der geschickten Durchsetzung von Risikotechnologien dienen darf.

Axel Mayer / BUND Geschäftsführer




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Dieser Artikel wurde 4724 mal gelesen und am 22.5.2011 zuletzt geändert.