Taubergießen 2018: Schöne & bedrohte Natur im Naturschutzgebiet in den Rheinauen (Seilbahn)


Taubergießen 2018: Schöne & bedrohte Natur im Naturschutzgebiet in den Rheinauen (Seilbahn)


07.12.2018

Aktueller Einschub


Kehrtwende oder taktische Verschiebung in Sachen Europapark Seilbahn?



Wie wir soeben erfahren haben, hat Michael Mack, einer der Inhaber des Parks, über Twitter mitgeteilt, dass die „Seilbahn über das Naturschutzgebiet Taubergießen", jetzt sprachlich gut verpackt "Seilbahn der Freundschaft" genannt, in den nächsten fünf Jahren nicht weiterverfolgt werden soll.

Die bisherige Kritik des BUND an diesem Projekt finden Sie unten auf dieser Seite.

Der BUND Regionalverband begrüßt den jetzigen Schritt des Europaparks, der erst einmal Druck aus dem Kessel nimmt. Wir hoffen, dass es jetzt nicht darum geht, das naturgefährdende Projekt "netter" als bisher durchzusetzen und einfach nur geschickter und besser zu kommunizieren. Neue Begrifflichkeiten wie "Seilbahn der Freundschaft" klingen eher nach nach neuen Durchsetzungskonzepten.

Die massiven Parkplatzprobleme des expandierenden Parks dürfen auch in fünf Jahren nicht auf Kosten der Natur gelöst werden.

Wenn Herr Mack den Park endlich besser an den ÖPNV anzuschließen will, wenn ein ICE Halt gefordert wird und dieser umweltfreundlich angeschlossen werden soll, dann ist der BUND gerne bereit, solche Konzepte zu unterstützen.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer




Der ständig expandierende Europapark Rust plant eine Seilbahn über das Naturschutzgebiet Taubergießen. Wie immer, wenn in der "Ökoregion" Südbaden Natur gefährdet ist, wird solchen Projekten gerne ein "grünes Mäntelchen" umgehängt und Greenwash betrieben.
Die Naturschutzverbände und Planungsbehörden waren vom Vorstoß Herrn Macks, einer der mächtigsten und einflussreichsten Personen in Südbaden, überrascht. Einer der genialsten Schachzüge der Werbeabteilung von Herrn Mack ist es, aus dem naturgefährdenden Projekt eine "Vision für Europa" zu machen. Dennoch lehnen die badisch-elsässischen Umweltverbände dieses Projekt einhellig ab - Verbände, die das Europa der Menschen seit Jahrzehnten praktizieren.

Mehr Infos zu den Seilbahnplänen und der Kritik von BUND und Verbänden.


Es gibt sie noch,
Wildkatze, Eisvogel, Pirol, Graureiher und Kormoran, Grasfrosch und Gelbbauchunke, Ringelnatter und Prachtlibelle. Altrheinarme mit kristallklaren, von Quellen gespeisten Giesßen. Mächtige Bäume mit Lianengirlanden. Alte, hölzerne Fischerkähne, unter Weidengalerien. Wunderschöne Auewälder mit großen Orchideenwiesen.
"Richtiger Dschungel"... nicht im weit entfernten Amazonien sondern hier am Oberrhein, Urwald & Rheinwalddschungel im Naturschutzgebiet Taubergießen. Erinnerungen an lang verlorene große Wälder und Landschaften, die einst überall entlang des Rheines vorzufinden waren und manches Hochwasser zurückhalten konnten. Natur, Naturreste, Naturfragmente.

Die Restauen am Oberrhein sind ein bedrohtes, fast verlorenes Paradies ...
denn von den ursprünglich vorhandenen Auewäldern am Oberrhein sind nur noch ca. 2% in naturnahem Zustand übriggeblieben. Hier, vor unserer Tür, hat über zwei Jahrhunderte hinweg ein Zivilisations- und Zerstörungsprozess stattgefunden, wie wir ihn im Moment in den Wäldern Amazoniens beobachten und beklagen.


Der Taubergießen ist ein wunderschönes Auen-, Orchideenwiesen- und Naturschutzgebiet
am südlichen Oberrhein. Er ist ein Teil der winzigen, nach dem Rheinausbau verbliebenen, naturnahen Restaue. Er ist so wertvoll, weil er das letzte Teilstück am Rhein war, in dem nahezu der gesamte Auewald noch oberirdisch von Hochwasser erreicht, überflutet und verändert werden konnte. Das Taubergießengebiet wurde 1979 zum Naturschutzgebiet erklärt und ist mit 1.697 Hektar eines der größten Schutzgebiete in Baden-Württemberg. Es hat eine Nord-Südausdehnung von mehr als 12 km. Die größte Breite beträgt etwa 2,5 km.

Die größte Gefahr für die Natur im Taubergießen ist die zunhmende Verrummelung und die Erstarrung durch die ausbleibende Überflutungsdynamik.


Das Naturschutzgebiet besteht aus zwei unterschiedlichen Landschaftstypen:
Auf der Rheinseite hinter dem Hochwasserdamm liegt der Überflutungsbereich des Rheins mit seinen Altwassern und den urwaldähnlichen Auenwäldern aus Eichen, Ulmen, Silberweiden und Silberpappeln und östlich davon eine liebliche Wiesen- , Hecken- und Wasserlandschaft, deren Flußläufe jedoch keine Verbindung mehr zum Rhein haben, was diesem gesamten Gebiet auch den Namen gegeben hat: "Tauber Gießen".
"Gießen" sind von Grundwasser gespeiste Fließgewässer, die für das Schutzgebiet charakteristisch sind. Mit den Altarmen des Rheins und der überfluteten Innenrheinmündung bilden sie einen vielfältigen, vom Wasser geprägten Lebensraum, der zahlreiche gefährdete Arten beheimatet. Die Verlandungszonen und schwer zugänglichen Auwälder sind von überregionaler Bedeutung, vor allem für rastende und überwinternde Wasser- und Watvögel. Auf den eher trockenen Bereichen der Hochwasserdämme finden sich Magerrasen mit den charakteristischen Tier- und Pflanzengesellschaften.

Ungefähr zwei Drittel des Taubergießen
besteht heute aus geschlossenen Waldbeständen, während ein Drittel Gewässer und Wiesen sind. Bis vor ca. 160 Jahren gab es noch die alte, ursprüngliche Wildstromlandschaft, die mit jedem Hochwasser ihr Gesicht veränderte. Gewässerläufe die nach jedem Hochwasser ihren Lauf veränderten, zahllose Inseln, Sand- und Kiesbänke, Gebüsch und Niederwald. In Deutschland und Europa wurden fast überall die Flußlandschaften dem "Fortschritt" geopfert.

Naturschutzgebiet Taubergießen: Bedrohte Natur




Der Konflikt um das Naturverständnis wird in einem sehr ablehnenden Beitrag einer Lokalzeitung zu den Hochwasserfolgen deutlich:
"Die Kraft des Wassers war enorm: An vielen Stellen wurde die Bodenschicht bis auf den Kies abgeschwemmt und das Wurzelwerk der Bäume freigelegt. Im "Hausgrund" stürzten deshalb sogar zwei große Bäume um." (Zitatende) Umgestürzte Bäume, freigeschwemmte Kiesinseln..., genau das ist Dynamik die ein Naturschutzgebiet in einem Auewald und Naturschutzgebiet benötigt. Es wäre schön, wenn auch die Lokalausgaben der Medien hier differenzierter berichten und informieren würden.


Es gibt ein unauflösbares Dilemma zwischen der Notwendigkeit die bedrohten Arten zu schützen
und dem Wunsch Menschen an die Natur heranzuführen. Je mehr der Siedlungsdruck und die Verscheußlichung am Oberrhein zunimmt, desto mehr Menschen drängen verständlicherweise in die bedrohte Restnatur und in die letzten Naturschutzgebiete. Von den ursprünglich vorhandenen Auewäldern am Oberrhein sind nur noch winzige Relikte in naturnahem Zustand vorhanden, die meisten davon im bedrohten Taubergießen. Umso wichtiger ist es, größere Naturflächen zu schützen, zu erhalten und neu zu schaffen. Das Integrierte Rheinprogramm IRP zum Hochwasser- und Naturschutz und der Nationalpark Nordschwarzwald könnten endlich ein wenig mehr Natur in unser auf- und ausgeräumtes Baden-Württemberg bringen. Dammrückverlegungen an Dreisam, Glotter, Elz, Leopoldskanal, Kinzig und Wiese brächten mehr Natur und Lebensqualität vor unserer Haustür und mehr Hochwasserschutz für die Menschen, die rheinabwärts wohnen, für die wir "Oberlieger" auch Verantwortung tragen.

Wie wünschen den Besucherinnen und Besuchern des Taubergießen viel Freude, Natur und Naturerleben. Auch um aus diesem Naturerleben Kraft zu schöpfen sich für mehr Natur und Naturschutz (nicht nur) am Oberrhein einzusetzen.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer



Taubergießen: Praktische Tipps:


Besuch und Anfahrt
Der Taubergießen ist als Ausflugsziel leider nur schwierig und indirekt mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar. Mit dem Zug nach Ringsheim. Mit dem Bus bis Rust Rathaus. Mit dem Auto bis Rust, Rheinhausen oder Kappel. Ein zentraler Anlaufpunkt ist das ausgeschilderte, ehemalige Zollhaus bei Kappel an der L 103. Es liegt am Rheinufer nahe dem Schiffsanleger zur kostenlosen Rheinfähre nach Rhinau. Es ist zugleich eine Informationsstelle für das Naturschutzgebiet mit einem angegliederten Parkplatz. Weitere Zugangspunkte mit Parkmöglichkeiten sind die Saukopfbrücke, Zuckerbrücke und im Süden die Fischtreppe.

Optimale Zeit:
für Tiere der Magerrasen Mai und Juni; für Libellen und übrige Wasserinsekten Mai bis September; für Zugvögel und Wasservögel Winterhalbjahr.

Wandern und Radfahren im Taubergießen


Bootsfahrten im Taubergießen
Bootfahrten sind nur auf einer von 8 bis 20 Uhr freigegebenen Strecke von Süden nach Norden möglich (Länge ca. 15 km, auch in Teilabschnitten). Der Großteil der Gewässer ist jedoch ganzjährig für Wasserfahrzeuge jeder Art gesperrt. Zusätzlich besteht die Möglichkeit das Gebiet in traditionellen Fischerbooten zu entdecken.




Ein Naturschutzgebiet, ist ein Naturschutzgebiet, ist ein Naturschutzgebiet...
Mit und in einem Naturschutzgebiet lässt sich auch Geld verdienen, durch Jagdpachten, Kahnfahrten, organisierte Bootsfahrten und auch Jäger und Fischer haben nicht nur naturschützerische Interessen. Wenn ein Naturschutzgebiet, ein Auewald der Überflutungen braucht, endlich wieder an die Flußdynamik angeschlossen ist, dann kommt die Gelddruckmaschine Taubergießen manchmal ins stottern. Und das führt dann immer wieder zu solchen Zeitungsartikeln im Lokalteil der Badischen Zeitung, wo zum Teil mit vorgeschobenen Naturschutzargumenten ökonomische Interessen verschleiert werden. Die organisierten Kahnfahrten im Taubergießen bringen Menschen näher an die Natur heran und sind darum wichtig. Und doch gehört es auch zur Natur, dass wegen Überflutungen einmal eine Tour ausfallen kann und muss. Diese Überflutungen "stören das Geschäft", sind aber für den Fortbestand der Natur (und damit der Geschäftsgrundlage) unerlässlich.







Wichtige Infos zur Revitalisierung des Naturschutzgebietes: Hier



Linkliste 2018: Natur & Naturschutz Oberrhein / Elsass:






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Wo sind die vielen NaturschützerInnen & BiologInnen
in den wichtigen, aktuellen Naturschutzkonflikten am Oberrhein? Es gibt am Oberrhein eine Vielzahl von Menschen mit einem großen Wissen und Sachverstand in Sachen Natur und Umwelt. Doch in den großen Konflikten um unsere bedrohte Restnatur, sei es beim IRP, beim Schmetterlingssterben, bei den Themen Flächenverbrauch und Zersiedelung halten sie sich meist "vornehm" und schüchtern zurück und überlassen die öffentliche Debatte & Leserbriefe den gut organisierten Lobbyisten und dem Stammtisch. Manche Spezialisten sehen auch nur ihr "Lieblingsbiotop" und vergessen darüber den großen Zusammenhang. Nur gemeinsam können wir wir die aktuellen Zerstörungsprozesse bremsen!
Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer










Taubergießen: Schöne bedrohte Natur im Naturschutzgebiet der Rheinauen