Windows XP: Computerwegwerfprogramm und geplante Obsoleszenz durch Support - Ende?


Windows XP "am Ende": Ein Millionen-Computerwegwerfprogramm und geplante Obsoleszenz?


Nach 12 Jahren wird Microsoft das Betriebssystem Windows XP nicht mehr mit Sicherheitsupdates versorgen. Der Support läuft am 8. April aus und die Gefahr durch Computerviren wächst. 12 Jahre "Laufzeit" für so ein Programm ist tatsächlich eine recht lange Zeit.

"XP ist noch immer das am zweithäufigsten eingesetzte PC-Betriebssystem. Auf knapp 30 Prozent der etwa 1,5 Milliarden Rechner weltweit läuft die betagte Software mit ihren quietschbunten Knöpfen und den abgerundeten Fensterecken.", schreibt die Süddeutsche Zeitung und warnt wie viele andere Medien vor den zu erwartenden Angriffen der Hacker.

Was erstaunlicherweise nicht kritisch diskutiert und berichtet wird, ist die Tatsache, dass das Ende von Windows XP auch das Ende für einen Großteil der "30 Prozent der etwa 1,5 Milliarden Rechner weltweit" bedeuten könnte. Bei keiner anderen Technik ist das "Schneller kaufen - Schneller wegwerfen" mehr akzeptiert als in der Computer-Branche und bei den von der Industrie dazu gut erzogenen NutzerInnen. Schon seit einigen Jahren drängt Microsoft nach dem Sachzwangprinzip die NutzerInnen zum Umstieg und Neukauf auch dadurch, dass die neuesten Programme und Endgeräte nicht mehr unter XP laufen. Millionen von NutzerInnen werden so gezwungen, eine neue Software zu beschaffen, obwohl sie mit dem „alten Programm“ durchaus zufrieden sind. Jahrelang hat die Mehrzahl der NutzerInnen die Windows-Nachfolgeprogramme wie Vista schlicht boykottiert. Jetzt werden sie zum Neukauf gezwungen. Für Microsoft ist das Ende von XP finanziell eine äußerst lohnende Sache.

Die Frage, ob es nicht möglich wäre Computerprogramme wie Windows XP (gerne auch kostenpflichtig) einfach weiter zu entwickeln und damit eine gigantische Verschwendung von Rohstoffen und Energie zu vermeiden, wird nicht gestellt.

Um den Umstieg zu beschleunigen, wird jetzt in den Medien heftig vor dem drohenden Virenbefall gewarnt. Es gibt eine erstaunliche, öffentlich nie diskutierte Realität. Hacker & Virenproduzenten schaden nicht etwa den Computer- und Softwarekonzernen. Manchmal nützen sie diesen und wenn es sie nicht gäbe, müssten die Konzerne sie erfinden.

Viele gut funktionierende „ältere“ Computer haben massive Probleme mit der Nachfolgesoftware und Fachleute sagen, alle Computer die älter als zwei- bis drei Jahre seien, gehören auf den Müll (Recyclinghof). So ist das Ende von Windows XP auch ein nicht hinterfragtes, gigantisches Computerwegwerfprogramm. Während Computerrohstoffe immer seltener zu finden sind und in Afrika blutige Kriege für Computerrohstoffe wie Coltan geführt werden, gibt es in Deutschland bisher keine kritischen Stimmen zu diesem aktuellen Verschwendungsthema. Eine sinnvolle, gerne auch kostenpflichtige, Weiterentwickung eines Computerprogrammes widerspricht der Ex- und Hopp Systemlogik, die Wachstum braucht wie eine Droge und dieses Wachstum nur noch über immer kürzere rohstoffverschwendende Produktlebenszyklen erreicht.

Zugegeben: In unserer schnelllebigen Zeit sind 12 Jahre "Laufzeit" für ein Computer-Programm tatsächlich eine recht lange Zeit. Dennoch sollten die Medien und die kritischen ComputernutzerInnen einen technischen Fortschritt fordern, der gigantische Computer- Rohstoff- und Energiewegwerfprogramme vermeidet und den Menschen und nicht den Konzernen dient. Tipps wie "alte" Computer nachgerüstet werden können, um den Neukauf zu verhindern, finden sich in der Berichterstattung fast nie.

Das Ende von Windows XP ist vielschichtig zu bewerten. Es ist einerseits tatsächlich ein technischer Fortschritt und andererseits eine Bevormundung einer Vielzahl von KundInnen, die mit dem alten Programm sehr gut noch viele Jahre hätten leben können. Es ist eine Gelddruckmaschine für den Microsoft-Konzern (der als großer Steuervermeider fast keine Steuern zahlt) und für die Computerhersteller. Und es ist ein globales Computer- und Rohstoffverschwendungsprogramm von gigantischem Ausmaß. Es wäre nützlich das Supportende von XP in dieser Differenziertheit darzustellen und zu diskutieren. Die Geplante Obsoleszenz in all ihren Variationen ist die vergessene Seite der dringend notwendigen Energie- und Rohstoffwende.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer

Wie aufgrund des Textes zu erwarten, ist der Autor das Gegenteil eines Computer-Nerds. Er ist 58 Jahre alt und ein klassischer "User", der aus beruflichen Gründen täglich bis zu 8 Stunden vor der Kiste sitzt.


Nachtrag:
Die Homepage von Microsoft bestätigt diese Thesen und kritischen Fragen.
„Wenn Sie Windows XP nach Ende des Supports weiterhin verwenden, ist Ihr Computer anfälliger für Sicherheitsrisiken und Viren. Da viele Soft- und Hardwarehersteller ihre Produkte für aktuelle Versionen von Windows optimieren, müssen Sie zudem damit rechnen, dass eine Vielzahl von Apps und Geräten nicht mit Windows XP kompatibel sind. (...)
Wenn Windows 8.1 auf Ihrem aktuellen PC nicht ausgeführt werden kann, ist es möglicherweise Zeit, einen neuen zu kaufen. Sehen Sie sich unsere große Auswahl an neuen PCs an. Sie sind leistungsstärker, leichter und eleganter als je zuvor."
(Zitatende)


Mehr Infos: Geplante Obsoleszenz


Informationsblätter zum Thema geplante Obsoleszenz gibt´s
zum Selbstkostenpreis (90 Stck = 4€) hier.

Den Flyer zur geplanten Obsoleszenz können Sie als PDF-Datei auch hier herunterladen.










Supportende für Windows XP: Ein Computerwegwerfprogramm und geplante Obsoleszenz?