Windenergie, Windräder, Windkraft, Vögel, Fledermäuse & Vogelschlag 2018: Ein komplexes, schwieriges Thema / Windräder, Glasscheiben, Freileitungen, Straßenverkehr, Katzen, Eisenbahn & Insektensterben / Ein Vergleich


Windenergie, Windräder, Windkraft, Vögel, Fledermäuse & Vogelschlag 2018:


Ein komplexes,schwieriges Thema, bei dem es keine "einfachen" Antworten gibt.
Vögel, Windräder, Glasscheiben, Freileitungen, Straßenverkehr, Katzen, Eisenbahn & Insektensterben / Ein Vergleich


Erfreuliche Zwischenmeldung 2018:
„In Parks und Gärten leben derzeit mehr Vögel als vor einem Jahr. Das ist die Zwischenbilanz des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) für die Aktion "Stunde der Wintervögel 2018". Im Winter 2016/2017 waren die Zahlen deutlich gesunken. Tierfreunde hatten rund 15 Prozent weniger Vögel beobachtet. Jetzt liegt das Plus bei rund 20 Prozent.“

Jetzt gibt es auch die ersten interessengeleiteten Stimmen, die den generellen Rückgang der Vogelzahlen bezweifeln. Doch auch bei den Vogelzahlen gibt es jahresbedingte und witterungsbedingte Schwankungen und ein auf und ab. Es ist ähnlich wie beim Thema Klimaschutz, wo zwischen aktuellem, kurzfristigem Wetter und dem langfristigen Klima unterschieden werden muss. Wer jetzt aus den aktuellen Zahlen schließt es gäbe kein Vogelsterben, der erinnert an Herrn Trump, der Wetter und Klima nicht auseinander halten kann und an sein Zitat: „It's freezing and snowing in New York--we need global warming!“
Auch der BUND freut sich über die erfreuliche Zwischenmeldung 2018. Wichtig und bedrohlich sind aber die langfristigen Trends.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer 10.1.2018


Windräder töten Vögel und Fledermäuse. Das ist so, das wird in der Öffentlichkeit und den Medien heftig diskutiert und in einer Zeit, in der manche Vogelarten bedroht sind, ist jeder getötete Vogel (insbesondere die bedrohten Arten!) einer zu viel.

Dennoch ist es erstaunlich, dass die über 18 Millionen Vögel, die jährlich in Deutschland an Glas und Glasscheiben sterben, kein öffentliches Thema sind. Auch zu den wesentlich massiveren Schäden durch Vogelschlag im Straßenverkehr und entlang von Bahn- und Hochspannungstrassen, zur Bedrohung der Vogelwelt durch Agrargifte und Naturzerstörung gibt es keine Debatte.

Warum wird die kleinere Bedrohung wahrgenommen und die andere nicht einmal diskutiert? Wer redet von einem Vogelsterben durch Windräder? Wer hat ein Interesse, dass die zentralen Ursachen des Artenschwundes, nämlich Klimawandel und Verlust von Naturlandschaften nicht zum Thema werden?

Das Thema Windenergie, Windräder, Vögel, Fledermäuse & Vogelschlag ist komplex, schwierig und es gibt keine einfachen Antworten. Dennoch sollte sich auch diese Debatte an Fakten orientieren.

„Irgendwo zwischen 10 000 und 100 000 pro Jahr“
liegt die tatsächliche Zahl der durch Windräder getöteten Vögel nach Einschätzung von Hermann Hötker vom Michael-Otto-Institut im Naturschutzbund Deutschland. Das entspräche bei den damals etwa 20 000 bundesweit installierten Windkraftanlagen (heute 27.000) einer Quote von ein bis fünf Vögeln pro Anlage und Jahr.
Quelle: Focus


In der sehr umfassenden Progress-Studie vom Juni 2016
wurden knapp 570 Windkraftanlagen in 55 Windparks im norddeutschen Tiefland jeweils über zwölf Wochen einmal wöchentlich nach Totfunden von Vögeln abgesucht. Dies entspricht circa 4,5 Prozent aller Anlagen in der norddeutschen Tiefebene. Es wurden insgesamt 291 getötete Vögel gefunden, die zu 57 Arten gehören. Die fünf am häufigsten gefundenen Vogelarten sind die Ringeltaube (41 Individuen), die Stockente (39), der Mäusebussard (25), die Lachmöwe (18) und der Star (15). Der Rotmilan liegt bei PROGRESS auf Platz 12 mit fünf Totfunden.
Quelle: Bundesministerium für Umwelt


Die Gefahren der Windenergie
für die Vogelwelt, insbesondere für die bedrohten Arten, können durch eine gute Standortwahl und Vermeidungsmaßnahmen stark minimiert werden. Dies bestätigen zahlreiche Studien. Die Auswertung von 127 Einzelstudien aus zehn Ländern zeigt, dass durch die Berücksichtigung von seltenen und windenergiesensiblen Tieren bei der Planung und Errichtung von Windenergieanlagen negative Auswirkungen vermieden werden können. Konkret kann dies etwa bei Fledermäusen durch das Abschalten von Anlagen zu Zeiten erhöhter Fledermausaktivität geschehen. Bei vielen Vogelarten, wie z.B. dem Rotmilan, kann ein ausreichender Abstand zwischen Horst und Windenergieanlage Konflikte vermeiden.

Für eine gute Standortwahl und Vermeidungsmaßnahmen zu sorgen ist eine wichtige Aufgabe für den BUND und die Naturschutzverbände bei allen Planungsvorhaben. Dennoch wird es weiter auch Verluste geben.


Über die 100.000 bis 200.000 von Windrädern getöteten Vögel wird interessengeleitet viel diskutiert, doch wie sind die Zahlen bei Glasscheiben, Freileitungen, Straßen, Bahnstrecken und beim Fischfang?



Glas und verspiegeltes Glas an Bauten töten eine unglaubliche Zahl von Vögeln
"An Glas­scheiben sterben europaweit nach Schätzungen 240.000 Vögel pro Tag, im Jahr wären das knapp 90 Mio. Tiere" schreibt das Bundesamt für Naturschutz und erläutert das einem Beispiel: "Bei einer einjährigen Untersu­chung am Bonner Post Tower kollidierten etwa 1.000 Vögel allein mit diesem Gebäude, 200 davon starben dabei sofort, einige Hundert weitere waren Todeskandidaten durch Desorientierung oder Verletzungen."

Bundesweit sterben mindestens 18 Millionen Vögel durch Vogelschlag an Glas.
"Glas tötet unspezifisch also potentiell alle Vogelarten, denn es wird in fast jeder Flughöhe verbaut. Es tötet Vögel unabhängig von Art, Alter, Geschlecht und Uhrzeit. Das belegen Studien aus den USA. Man kann natürlich sagen, dass Vögel, die oft vorkommen ("Allerweltsarten") natürlich auch oft betroffen sind, Vögel, die selten vorkommen nicht so oft, was aber nur an der vorhandenen Anzahl der Vögel liegt. Viele Vogelstationen haben regelmäßig Glas-Vogelschlag-Opfer aus verschiedensten Arten: Greifvögeln, Spechte (sogar sehr oft), Singvögel, Waldschnepfen, Zugvögel, standorttreue Vögel... einfach alles ... bis hin zu einem Storch, bei dem die Kollision sogar live beobachtet wurde." sagt Dr. Judith Förster, Projektleiterin des Projektes "Vermeidung von Vogelschlag an Glas" des BUND NRW.

Freileitungen und Vogeltod
Eine neue NABU-Studie aus dem Jahr 2017 sagt, „dass es in Deutschland jährlich zu Kollisionsopfern an Vögeln in der Größenordnung zwischen 1,5 bis 2,8 Millionen Individuen kommt“ und dass durch geeignete Maßnahmen bis zu 90 Prozent der Verluste vermieden werden könnten. „Im Hoch- und Höchstspannungsnetz sind Kollisionen für Vögel die fast ausschließliche Todesursache an oberirdischen Stromleitungen, während im Mittelspannungsbereich der Stromschlag auf ungesicherten Strommasten die größte Gefahr darstellt.“ Quelle: Sonnenseite: "1,5 Millionen Vögel sterben pro Jahr an Stromleitungen"


"Für den Weißstorch stellen Stromschlag und Anflüge an Freileitungen nach wie vor die häufigste Todesursache dar. Beim Uhu gehen 50 % der bekannt gewordenen Todesfälle auf Kollisionen mit Verkehr und Freileitungen zurück. Besonders gefährdet sind Jungtiere, von denen in der Eifel jährlich schätzungsweise 25% durch Straßentod verenden." schreibt das BfN

Fischfang und Vogelschutz
"Die industriell betriebene Fische­rei bedroht nicht nur die Bestände vieler Fischarten, sondern auch die zahlreicher anderer Tierarten, darunter Seevögel. In der Nord­ und Ostsee führt vor allem der Einsatz von Stellnetzen und Reusen zu Verlus­ten unter den Seevögeln. Jährlich ertrinken in beiden Gewässern insgesamt etwa 100.000 bis 200.000 Seevögel in Stellnetzen, davon etwa 80 % in der Ostsee. Allein entlang der Küste von Mecklen­burg-Vorpommern sind es bis zu
20.000 Vögel pro Winterhalbjahr." Quelle: BfN

Das globale und bundesweite Insektensterben
nimmt (nicht nur) Schwalben, Mauerseglern und Fledermäusen die Nahrungsgrundlage und führt zu einem massiven Rückgang der Populationen. Wenn die Zahl der Insekten in manchen Gebieten Deutschlands schon um bis zu 80% abgenommen hat, dann hat das natürlich auch Auswirkungen auf die Vogelwelt und das Vogelsterben. Vögel wie Schwalben oder Mauersegler leben von Insekten. Für eine Vielzahl von Kleinvögeln sind Insekten in der Aufzuchtphase besonders wichtig. Wenn ein wichtiger Teil der Nahrungsgrundlage wegbricht, dann hat das extreme Auswirkungen auf alle Arten am Ende der Nahrungskette. Die Lobbyisten der Agrargift-Industrie haben ein massives (und gut organisiertes) Interesse, dass dies nicht zum Thema wird.

Vogelschlag an Eisenbahnzügen
"Sieben verschiedenartige Untersuchungen (an deutschen und anderen europäischen Bahnstrecken), die 70 Tage bis mehrere Jahre dauerten und zwischen 1982 und 2002 publiziert wurden, zeigten, dass es pro Streckenkilometer(!) und Jahr zu 0,29 bis 61 Vogelschlägen kommt. Auf Strecken, die nur mit bis zu 160 km/h Geschwindigkeit befahren wurden war dieser Wert maximal 20, an Strecken mit 200 km/h und mehr Maximaltempo zumindest 38,1. Die Aussagen zu Vogelschlag an Zügen sind auch auf Fledermäuse zu erweitern. Als Ursache hoher Vogelschlagfrequenz an Zügen wird gesehen, dass Züge mit Stromabnehmer 8 m über Schienenoberkante hoch sind und damit doppelt so hoch wie Kfz auf Autobahnen." schreibt Wikipedia und bezieht sich auf das Eisenbahnbundesamt. Dieses sagt: "Auf den Streckenkilometer bezogen ist die Mortalitätsrate im Schienenverkehr offenbar höher als im Straßenverkehr. Im Vergleich zur Gesamtindividuenzahl sind Eulen und Greifvögel
überdurchschnittlich betroffen. Besonders gefährdete Arten sind Bussard, Schleiereule, Steinkauz und Seeadler."

Mehr Informationen zu diesem Thema hier.

Vogelschlag im Verkehr an Straßen und Autobahnen
Wer mit dem Auto unterwegs sein muss, der sieht "links und rechts der Autobahn" erschreckend viele tote Vögel, darunter viele große Greifvögel. Zu diesem Thema sind wir kaum auf konkrete, belastbare Zahlen gestoßen. Eine Literaturstudie aus dem Jahr 2004 liefert nähere Informationen zu der Wirkung von Straßen auf die Mortalität von Vögeln:

"Es gibt eine Vielzahl an Wirkungen von Straßen, welche die Mortalität von Vögeln beeinflussen. Da die Opferraten von Vögeln, die durch den Straßenverkehr umkommen, mit hoher Wahrscheinlichkeit im mittleren zweistelligen Millionenbereich anzusiedeln sind, ist der Verkehr als Massenvernichtungsmittel für Vögel anzusehen. […]

Direkte Gefährdung durch den Verkehr kommt durch die Lage und Linienführung zustande. Da Vögel die Straße auf der Höhe ihres Lebensraumes überqueren, kann die Lage auf einem Damm oder in einem Einschnitt die Gefährdung beeinflussen. Reichen Straßenrandbepflanzungen bis an den Fahrbahnrand, ist die Übersichtlichkeit nicht gegeben und Vögel haben keine Chance auf den Verkehr zu reagieren. Strukturreichtum fördert den Aufenthalt von Vögeln nahe der Straße, was negativ zu beurteilen ist. Außerdem ist die Straße an sich attraktiv durch gutes Nahrungsangebot an Körnern, Insekten und Kadavern, was vielen Vögeln zum Verhängnis wird.
Die häufigsten Verkehrsopfer sind die euryöken, kulturfolgenden Arten. Hier sind Amsel, Rotkehlchen, Buchfink und Goldammer zu nennen. In Abhängigkeit von den jeweiligen Biotopen am Straßenrand, können aber auch seltene Arten betroffen sein.
Die Häufigkeitsverteilung der Todfunde hängt stark mit der jahreszeitlichen Aktivität der Art zusammen. Es gibt drei Spitzen im Jahresverlauf. Diese fallen auf die Balz im Frühjahr, die Brut- und Fütterungszeit im Sommer und den Herbstzug.
Die Verkehrsdichte wie auch die Geschwindigkeit haben beträchtlichen Einfluss auf den Straßentod von Vögeln. Einzelne schnelle Fahrzeuge wirken sich gravierender aus als hohe Verkehrsdichte. Es gelingt nur wenigen Arten, wie z.B. Rabenvögeln und Bachstelzen, auf den Verkehr zu reagieren und rechtzeitig zu flüchten.

Indirekte Gefährdungsursachen kommen durch den Flächenverbrauch,
Zerschneidung, Barrierewirkung und die Immission von Schadstoffen zustande. Sie resultieren in einer Verminderung der Habitatqualität. Die Gesamtproduktion pro Flächeneinheit wird durch Störungen eingeschränkt, so dass der Straßenrand als Verschleißzone zu betrachten ist. Die Besiedelung hängt vom Überschuss in Lieferhabitaten ab.“

Quelle: Sandra Henze "Mordende Straßen - Ist Straßenverkehr ein Massenvernichtungsmittel für Vögel? Eine Literaturstudie zur Wirkung von Straßen auf die Mortalität von Vögeln.", Jahr: 2004


Mehr Informationen zu diesem Thema hier.

Vogelfang und Vogeljagd
"Jedes Jahr fallen in den Staaten rund um das Mittelmeer mindestens 25 Millionen Zugvögel der meist illegalen Jagd zum Opfer." schreibt www.spektrum.de

Einem Artikel der Süddeutschen Zeitung aus dem Jahr 2010 zufolge werden in Europa jedes Jahr bis zu 120 Millionen legal bei der Jagd und illegal 100 Millionen Wildvögel getötet. Bei der Jagd sind allerdings Fortschritte zu erkennen. Der Abschuss von Greifvögeln ist auch durch den starken Druck der Umwelt- und Tierschutzbewegung stark zurückgegangen. Und das Verschwinden der Nahrungsinsekten hat Rebhuhn und Fasan wesentlich stärker reduziert als die Jagd.

Mehr Informationen zu diesem Thema: hier.

Katzen und Vögel
Katzen & Vögel sind ein höchst emotional besetztes Thema wie viele Millionen Katzenvideos auf Youtube zeigen. Über 8 Millionen Katzen in Deutschland töten viele Millionen Vögel. Amerikanische Studien kamen zu dem Ergebnis, dass jedes Jahr in den USA zwischen 1,4 und 3,7 Milliarden Vögel und zwischen 6,9 und 20,7 Milliarden kleine Säugetiere von Katzen getötet werden. Diese Zahlen lassen sich nicht so einfach auf Deutschland übertragen und viele Fachleute gehen bei uns von geringeren Zahlen aus. Doch jährlich 5 bis weit über 20 Vögel töten viele "Hauskatzen mit Ausgang" und diese Zahlen sind sehr niedrig angesetzt. Das größte Problem für Natur und Vögel ist die zunehmende Zahl von verwilderten Hauskatzen. Allein in Deutschland gibt es schätzungsweise 2 Millionen verwilderte Katzen. Wenn es gelänge, die Bestände verwilderter Hauskatzen zu reduzieren, könnte das Problem auf ein erträgliches Maß verringert werden. Eine Hauskatze fängt zwar keinen Rotmilan, die extrem große Zahl an getöteten Kleinvögeln ist dennoch ein massives Problem. Mit den Ausgleichszahlungen aus dem Windradbau sollten auch Kastrationskampagnen für verwilderte Katzen finanziert werden.

Auch Eichhörnchen, Marder und Rabenvögel
gehen die Gelege von Singvögeln an. Wenn zur Brutzeit Eier und Jungvögel erreichbar sind, nehmen sie auch diese Nahrungsquelle wahr. Doch so hart es klingt: Das ist Natur. Es ist erstaunlich, dass in diesem Zusammenhang immer nur das „Problem“ der Rabenvögel heftig diskutiert wird und Hauskatzen, verwilderte Katzen, Eichhörnchen und Marder in der öffentlichen Debatte fast keine Rolle spielen. Das hat möglicherweise auch mit alten Ängsten vor den „schwarzen Vögeln“ zu tun.

Die größten Artenverluste wird der Klimawandel bringen.
"Die globale Erwärmung bedroht jede sechste Art" schreibt die Zeit. Windräder (die sich nach nur einem halben Jahr energetisch amortisiert haben!) sind eine wirksame Waffe gegen den Klimawandel.

Ein weiterer Hauptgrund des Vogel- und Insektensterbens wird von Naturschützern gerne übersehen.
Unsere Landwirtschaft konkurriert auf einem globalisierten Agrarmarkt im Rahmen des Freihandels mit Ländern wie Kanada. Eine immer noch erfreulich kleinräumige Landwirtschaft z.B. in Südbaden, verkauft auf dem gleichen Markt wie die giftdominierte großindustrielle Landwirtschaft in den USA. Wenn nur noch der Preis und die Ideologie des „freien Marktes“ zählt, dann haben Insekten, Vögel, Hecken aber auch die Mehrzahl der Landwirte selber keine Chancen. Die Naturschutzbewegung ist nicht der Feind der Landwirtschaft, sondern der potentiell Verbündete einer naturnäheren, giftärmeren, nachhaltigen und somit auch moderneren und zukunftsorientierten Landwirtschaft.

Notwendige Ursachenforschung und ihre Probleme.
Während das Vogelsterben, als Teil des großen Artensterbens, nicht mehr bestritten wird, gibt es bei der Ursachenforschung noch einen großen Forschungsbedarf. Wir sehen dies, sind aber gebrannte Kinder. Bei Themen wie Klimawandel, Holzschutzmittelgifte, Contergan und Asbest waren die Ursachen teilweise jahrzehntelang bekannt und eine industriegelenkte Ursachenforschung, verbunden mit Verharmlosungs-Kampagnen hat Maßnahmen zur Schadensbegrenzung jahrelang verzögert und verhindert. Dies hat bei Holzschutzmittelgiften, Contergan und Asbest zu Krankheit und Tod vieler Menschen geführt. Der organisierte Kampf der Klimawandelleugner wird weltweit noch größere Opfer fordern.

Die Forderung nach einer industrieunabhängigen Erforschung
der Ursachen des Vogelsterbens, erscheint angesichts der Macht von Bayer, Monsanto und Syngenta und den Energiekonzernen beinahe unrealistisch, muss aber angegangen werden und darf nicht zu einer Verzögerung bei der Bekämpfung des Vogelsterbens führen.

Vogelsterben, Insektensterben, Artensterben...
Unsere globale und bundesweite Raubbauwirtschaft und der unerfüllbare und zerstörerische Traum vom unbegrenzten Wachstum führen zu immer massiveren Schäden, nicht nur in der Vogelwelt. Hier muss der BUND und die Umweltbewegung ansetzen.

Noch einmal die zentrale Frage:
Warum wird das Thema Vogel- und Artengefährdung postfaktisch nur in der Nische der Windenergiedebatte geführt?


Gerade Atom- und Kohlelobbyisten, Klimawandelleugner, die großen Energieversorgungsunternehmen wie EnBW, RWE, Vattenfall und E.ON und einige große industrielle Stromverbraucher haben im Hintergrund schon lange an den Strippen des Widerstandes gegen die Windenergienutzung, zukunftsfähige Energien und die Energiewende gezogen. Die Konzerne treten in diesen Konflikten schon lange nicht mehr selber auf. Sie lassen die schmutzige Arbeit von gut organisierten Klimawandelleugnern, von der "Initiative Neue (un-)Soziale Marktwirtschaft" und industrienahen Verbänden, Stiftungen , von der AfD und Bürgerinitiativen erledigen.


Jedes privat gebaute Windrad kleiner Betreiber ist eine Konkurrenz zu den Atom- und Kohlekraftwerken und den Windparks der Großkonzerne von EnBW, RWE, Vattenfall und E.ON. Das Energieerzeugungsmonopol der Mächtigen wird von den Privaten gebrochen. Es gibt eine mächtige Lobby, die auf Kohle setzt und neue AKW bauen will.


Auch der Öl- und Kohlelobbyist und zukünftige US-Präsident Trump schimpft auf deutsche Windräder und sagt "Sie töten alle Vögel". Der Lobby der Kohle, Öl und Atomindustrie sind Windräder ein Dorn im Auge.


Ein Nachteil der Windkraftnutzung und ein Hauptgrund für den Widerstand ist auch die dezentrale gute Sichtbarkeit der Anlagen. Kohlekraftwerke und Atomkraftwerke gibt´s einfach weniger und Radioaktivität und CO2 haben einen großen Vorteil: Sie sind unsichtbar.

Für das komplexe Thema Windenergie, Windräder, Vögel, Fledermäuse & Vogelschlag
gibt es keine einfachen Lösungen. Dennoch braucht es bei Themen, bei denen es keine einfachen Wahrheiten gibt, eine abwägende, differenzierte Debatte und kluge Analysen. Bei den Freileitungen hat der Druck der Umweltbewegung zu Verbesserungen für die Vogelwelt geführt und die Forderung des BUND nach einer Trassenbündelung für Hochspannungsleitungen nützt Vögeln und dem Landschaftsschutz. Eine verwilderte Hauskatze tötet mehr Vögel als ein Windpark und eine Sterilisationskampagne für diese Tiere brächte schnelle Erfolge für den Vogelschutz. Wir brauchen die Windenergie im Kampf gegen den globalen Klimawandel und werden als BUND dennoch einige wenige, einzelne Standorte aus Gründen des Artenschutzes auch ablehnen müssen.

Die im Internet sehr hasserfüllt geführte Debatte zeigt,
dass es nicht genügt, in den großen bunten Topf der Ökologie hineinzugreifen, sich eine einzelne Art und ein Problem herauszuholen und die ganzen anderen Aspekte unter den Teppich zu kehren. Zur Ökologie gehört der tote Vogel unterm Windrad. Ökologie sind aber auch die vielen toten Vögel unter den Glasscheiben der Hochhäuser, entlang von Autobahnen, Hochspannungsleitungen und Bahntrassen. Zur Ökologie gehören die Gefahren der Atomkraft und die Gefährdung der Arten durch Agrargifte, Naturzerstörung und den menschengemachten Klimawandel.

Die einfachen, "nur guten" Lösungen gibt es leider nicht.

In Sachen Vogelsterben kann die Umweltbewegung durchaus auch auf Erfolge zurückblicken.
In der Mitte des letzten Jahrhundert wurde festgestellt, dass DDT dazu führte, dass Greifvögel Eier mit dünneren Schalen legten, was zu erheblichen Bestandseinbrüchen führte. DDT geriet auch unter Verdacht, beim Menschen Krebs auslösen zu können. Auch wegen des Drucks der Umweltbewegung wurde die Verwendung von DDT von den meisten westlichen Industrieländern in den 1970er-Jahren verboten. Artenschutz ist immer auch Menschenschutz.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer




Nachträge





Hochspannungstrassen bündeln!
Überall in Deutschland gibt es Planungen, das Stromübertragungsnetz zu verstärken. Ein Beispiel dafür ist die geplante "380-kV-Netzverstärkung Daxlanden-Eichstetten“. Sie bietet jetzt die einmalige Chance, die Energiewende auch einmal für den Landschaftsschutz und Vogelschutz zu nutzen. Die BUND-Idee, die vielen, parallel laufenden Strom-Trassen zu einer einzigen Trasse zu bündeln, wird am Oberrhein von der Politik aufgegriffen. Wenn wir es schaffen würden, alle parallel laufenden Trassen in Deutschland zu bündeln, könnten wohnortnah sehr viele Masten wegfallen.



Eine allgemeine Stellungnahme des BUND zur „Vermeidung von Vogelschlag an Glas“



Sehr geehrte Damen und Herren,
§ 44 (1) BNatSchG verbietet das Töten oder Verletzen aller wild lebenden Tiere der besonders geschützten Arten einschließlich aller heimischen Vogelarten. Unter das Verbot fällt auch eine signifikante Erhöhung des Tötungsrisikos durch ein Vorhaben, wie zum Beispiel dem Verbauen von gläsernen Bauelementen. Die Verbote des § 44 BNatSchG sind abwägungsfest.

Bei der Errichtung von Gebäuden oder technischen Anlagen mit Glasfassaden oder -elementen kann sich das Kollisionsrisiko für Vögel stark erhöhen. Vögel verenden entweder unmittelbar durch die Kollision oder verletzen sich so, dass sie später an den Folgen sterben oder zu einer leichten Beute für Fraßfeinde werden. Glas ist für Vögel unsichtbar. Sie sehen entweder hindurch oder nehmen nur eine Spiegelung der Umgebung wahr. Neben großflächigen Verglasungen stellen Eckverglasungen, (begrünte) verglaste Dachterrassen, gläserne Verbindungsgänge und -tunnel sowie (Lärm-)Schutzwände und Balkonverglasungen eine besondere Gefährdung dar, da diese in viel genutzten Flugschneisen von Vögeln liegen können. Dabei kann Glas in jeder Höhe eine Gefahr darstellen, da verschiedene Vogelarten unterschiedliche Flughöhen bevorzugen. Auch kleine Glasflächen oder Fenster können insbesondere durch Spiegelungen natürlicher Grünstrukturen eine Gefahr für Vögel darstellen.

Das mit dem Vorhaben verbundene Kollisionsrisiko ist in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde zu beurteilen. Einem erhöhten Kollisionsrisiko ist durch Verwendung von vogelfreundlichem Glas gemäß der österreichischen Norm ONR 191040 (Kategorie A - hochwirksam) oder durch andere geeignete konstruktive Maßnahmen zu begegnen. UV-Markierungen sind nicht ausreichend wirksam, da eine Reihe von Vogelarten kein UV-Licht wahrnehmen kann.

Ausführliche Informationen zum Thema Vogelschlag bieten die Broschüren „Vogelschlag an Glas“ des BUND NRW e.V. und „Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht“ der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Fachliche Beratung bietet der BUND NRW e.V. außerdem im Rahmen des Projekts „Vermeidung von Vogelschlag an transparenten und spiegelnden Bauelementen“ (www.vogelsicherheit-an-glas.de).

Mit freundlichen Grüßen


Diese Stellungnahme wurde im Rahmen des Projektes „Vermeidung von Vogelschlag an transparenten und spiegelnden Bauelementen“ des BUND NRW e.V. verfasst, welches durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW gefördert wird.






Aktuelle Quellen, Links und Hintergründe zu diesem Thema



Aktueller Einschub:


Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Steffi Lemke, Harald Ebner, Annalena Baerbock, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN mit dem Titel "Stummer Frühling – Verlust von Vogelarten" vom 02. Mai 2017:

„ […] Über den 12-Jahres-Zeitraum zeigte ein Drittel aller Brutvogelarten (84 Arten) signifikante Bestandsabnahmen, über den 25-Jahres-Zeitraum war es lediglich ein Viertel der Arten (65 Arten). Dies deutet auf einen in den letzten 12 Jahren insgesamt zunehmenden Druck auf die Brutvogelbestände hin. Arten des Offenlandes und des Siedlungsbereiches zeigten die stärksten Rückgänge. […]

Auf einen Verlust von rund 300 Millionen Brutpaaren werden die Rückgänge in der Agrarlandschaft der Europäischen Union zwischen 1980 und 2010 veranschlagt. […]

Arten der Agrarlandschaft mussten die stärksten Bestandseinbußen hinnehmen. Bei rund der Hälfte dieser Arten nahm der Bestand zwischen Mitte der 1980er Jahre und 2009 ab. In den letzten 12 Jahren hat sich die Situation mit einem geringeren Anteil moderater und starker Abnahmen nur punktuell verbessert (z. B. Großtrappe, Raubwürger). Verschlechtert hat sich gleichzeitig die Situation bei Feldlerche und Goldammer. […]

Besonders prekär ist die Situation der typischen Grünlandbewohner. Bei diesen nehmen nach Wahl et al. (2015) fünf von sieben Arten ab. Bei den Arten, die mehrere Hauptlebensraumtypen nutzen, gibt es insbesondere bei den Bewohnern halboffener Landschaften Verschlechterungen vom 25- zum 12-Jahrestrend (z. B. Stieglitz, Star, Gelbspötter). […]

Gemäß den Bestandsangaben, aus denen der Teilindikator Agrarland berechnet wird (BfN 2017), zeigen folgende drei Arten dieses Teilindikators die größten negativen Trends seit dem Jahr 1990 bis zum Jahr 2013: Kiebitz: Bestandsabnahme um 80 Prozent, Braunkehlchen: Bestandsabnahme um 63 Prozent, Uferschnepfe: Bestandsabnahme um 61 Prozent. […]

Gemäß den Bestandsangaben, aus denen der Teilindikator Agrarland berechnet wird, zeigte die Feldlerche im Zeitraum von 1990 bis 2013 einen Bestandsrückgang um 35 Prozent. […]

Gemäß Angaben des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten sind die Bestände des Rebhuhns in Deutschland von 1990 bis 2015 um 84 Prozent zurückgegangen. […]

Besonders heben die Autoren folgende Faktoren für die Rückgänge hervor: Lebensraumveränderungen, Verringerung des Nahrungsangebotes (insbesondere Rückgang der Insektenbiomasse) und direkte Verfolgung (Prädation). […]"

Quelle: hier (als PDF-Datei).






Windenergie, Windräder, Vögel, Fledermäuse & Vogelschlag



Artenschutz, Vogelschutz, Artensterben, Insektensterben, Nistkästen bauen...



Aktuelle Themen 2018


Eine Vielzahl von regionalen Naturschutzthemen finden Sie auf unseren regionalen Naturschutzseiten






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Wo sind die vielen NaturschützerInnen & BiologInnen
in den wichtigen, aktuellen Naturschutzkonflikten am Oberrhein? Es gibt am Oberrhein eine Vielzahl von Menschen mit einem großen Wissen und Sachverstand in Sachen Natur und Umwelt. Doch in den großen Konflikten um unsere bedrohte Restnatur, sei es beim IRP, beim Schmetterlingssterben, bei den Themen Flächenverbrauch und Zersiedelung halten sie sich meist "vornehm" und schüchtern zurück und überlassen die öffentliche Debatte & Leserbriefe den gut organisierten Lobbyisten und dem Stammtisch. Manche Spezialisten sehen auch nur ihr "Lieblingsbiotop" und vergessen darüber den großen Zusammenhang. Nur gemeinsam können wir wir die aktuellen Zerstörungsprozesse bremsen!
Axel Mayer





Übersicht: Windenergie, Wind, Windräder, Windkraft








Warnungen & Hinweise 2018:


Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer









Rote Liste - Einheimische Vögel Deutschland



Rote Liste Deutschland

Quelle: www.unter-geiern.com

Alle Aussagen über den Bestand der verschiedenen Vogelarten auf dieser Website beziehen sich auf die aktuelle offzielle "Rote Liste der Brutvögel Deutschlands" aus dem Jahr 2016. Diese teilt Brutvögel in die Kategorien 0 bis 3, sowie R und V ein. Im Folgenden sind zum Überblick noch einmal alle auf dieser Seite vorgestellten Arten in die jeweiligen Kategorien eingeordnet.

Kategorie 0: Bestand erloschen
In dieser Kategorie befinden sich 13 Arten, die bei uns in Deutschland als Brutvogel ausgestorben sind, u.a.



Kategorie 1: vom Aussterben bedroht
In dieser Kategorie befinden sich insgesamt 29 Arten, deren Bestand akut vom Erlöschen bedroht ist, u.a.


Kategorie 2: stark gefährdet
In diese Kategorie werden 19 Arten eingeordnet, u.a.


Kategorie 3: gefährdet
Dieser Kategorie wurden insgesamt 27 Arten zugewiesen, u.a.



Kategorie R: Art mit geographischer Restriktion
Diese Kategorie umfasst 29 Arten, die bei uns selten vorkommen. Meist brüten sie nur in Teilen Deutschlands, u.a.


Kategorie V: Vorwarnliste
Diese Kategorie beinhaltet 17 Arten, die noch nicht gefährdet sind, aber bei denen z.B. durch starke Bestandsrückgänge Grund zur Besorgnis besteht, u.a.



Das Fazit sieht wenig erfeulich aus: fast die Hälfte aller einheimischen Brutvogelarten findet sich mittlerweile in einer der oben aufgeführten Kategorien wieder. Doch der Vergleich mit früheren Roten Listen zeigt auch: durch konsequente Schutzmaßnahmen konnten einige Arten wieder erfolgreich ihre Bestände vermehren, sodass sie nicht mehr aufgelistet sind.





Vögel & Vogelsterben in Deutschland


Hühner


Krähen


Elster


Sperlinge


Enten


Tauben


Baumläufer


Lappentaucher


Wiedehopfe


Bienenfresser (Spinte)


Pirol


Eisvögel


Segler


Reiher


Meisen


Sturmvögel


Tölpel


Kuckucke


Pagageien


Ibisse


Störche


Ammern


Regenpfeiler


Kraniche


Rallen


Lerchen


Finken


Zaunkönige


Alken


Eulen


Würger


Schnepfen


Seeschwalben


Kormorane


Greifvögel


Möwen


Rohrsänger u.ä.


Spechte


Schnäpper u.ä.


Grasmücken


Stelzen


Schwalben


Goldhähnchen


Drosseln und Amseln


Stare


Mauerläufer


Grassänger


Kleiber


Laubsänger