Der naturnahe Hochwasserrückhalt zwischen Weil und Breisach am Rhein - eine Chance für die Region!

Umweltverbände im Dreyeckland: Die "Tieferlegung" des Rheinvorlandes zur Wildstromaue weiterentwickeln!
hier: Mehr Infos zum Integrierten Rheinprogramm IRP, zu Rhein,Hochwasser und Hochwasserschutz
"Als einmalige Chance nicht nur für den Naturschutz, sondern für die Region insgesamt" bezeichneten die Umweltverbände aus der Schweiz, dem Elsass und Baden die Planungen zum naturnahen Hochwasserrückhalt am südlichen Oberrhein. Im Rahmen des Integrierten Rheinprogrammes will die baden-württembergische Wasserwirtschaftsverwaltung zwischen Weil und Breisach das Rheinvorland auf insgesamt 450 Hektar Fläche zurückverlegen, damit sich der Rhein bei Hochwasser wie-der breit machen kann.

Der Binnengewässerkundler Dr. JÖRG LANGE vom regio-WASSER e.V.
forderte, dass langfristig auf diesen "Ausweitungsflächen" wieder eine "Wildstromaue" entstehen müsse. Auf den neu geschaffenen Überflutungsflächen könnte ein abwechslungsreiches Mosaik unterschiedlichster Lebensräume entstehen: Kiesinseln, Auewälder und Laichrefugien für den Lachs in der vielgestaltigen Wildstromaue würden zu einer ökologischen Aufwertung der Region beitragen. Dort wo bislang der kanalisierte "Restrhein" durch vergleichsweise monotone Kiefernwälder fließt, könnten künftig Naherholung und Naturtourismus einen bedeutenden Aufschwung nehmen. Davon könnten auch die Anliegergemeinden am Restrhein profitieren.

AXEL MAYER vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) betonte, dass es den Umweltverbänden zusammen mit den Anliegergemeinden in den letzten zwanzig Jahren gelungen sei, einen rein technokratisch orientierten Hochwasserrückhalt zu verhindern. Angesichts von drohenden Milliardenschäden bei einem Katastrophenhochwasser nördlich von Karlsruhe sei es jetzt aber Zeit, endlich einen naturverträglichen Hochwasserrückhalt zwischen Weil und Breisach in Angriff zu nehmen. Die Vorschläge der Umweltverbände für eine Weiterentwicklung der Ausweitungsflächen zu einer "Wildstromaue" könnten den absolut notwendigen Hochwasserrückhalt, den Naturschutz und die Regionalentwicklung zusammenführen.

Die Biologin CORINNA BUISSON von der größten elsässischen Naturschutzorganisation, ALSACE NATURE, erläuterte, dass die Vorschläge der Umweltverbände auf einer gemeinsamen Expertise der Universitäten Njimegen (Niederland) und Karlsruhe beruhten. Damit sei ein erster Schritt zur Europäisierung des Hochwasserrückhaltes am südlichen Oberrhein unternommen worden. Die Umwelt- und Naturschutzverbände im Dreyeckland würden gemeinsam fordern, dass die Schaffung einer "Wildstromaue" auf den Tieferlegungsflächen zu einem europäischen

Modellprojekt bei der grenzüberschreitenden Umsetzung der EG-Wasser-Rahmenrichtlinie avancieren müsse. Den Umweltverbänden sei es bereits gelungen, sich in zwei europäische INTERREG-Projekte einzuklinken, um den Hochwasserrückhalt am Oberrhein ökologisch zu optimieren. ALSACE NATURE wolle sich dafür einsetzen, dass die "Wildstromaue" auch auf das französische Rheinvorland ausgedehnt werde. Der französische EdF-Stromkonzern habe hierfür bereits eine gewisse Bereitschaft signalisiert: "Der Rhein kann sowohl Strom als auch Lachse produzieren", so die EdF.

Der Binnengewässerkundler NIKOLAUS GEILER vom Arbeitskreis Wasser im Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz appellierte wegen der skeptischen Haltung vieler Anliegergemeinden an die Wasserwirtschaftsverwaltung, zunächst die Tieferlegung des Rheinvorlandes mit kleineren Beispielprojekten zu beginnen, so dass sich die Bevölkerung davon überzeugen könne, dass die "Wildstromaue" tatsächlich zu einer Bereicherung der Landschaft führen wird.

Die Umweltverbände haben am 4. Febr. eine zweisprachige Farbbroschüre in französisch und deutsch veröffentlicht, in der die Vorschläge für einen naturverträglichen Hochwasserrückhalt zwischen Weil und Breisach im Detail erläutert werden. Die Broschüre kann in Einzelexemplaren kostenlos unter nikakwasser.de angefordert werden.

[Alsace Nature ist die mit Abstand renommierteste und mitgliederstärkste Umweltorganisation im Elsass; der BUND Regionalverband ist seit zwanzig Jahren in die Auseinandersetzungen um eine naturverträgliche Hochwasseretention am südlichen Oberrhein involviert; der regioWASSER e.V. kümmert sich seit mehreren Jahren um die regionale Wasserwirtschaft in Südbaden; der in Freiburg ansässige Ak Wasser im BBU ist als bundesweit tätige "Fach-Agentur in Sachen Wasser" in allen wasserwirtschaftlichen Sektoren aktiv.]

Corinna Buisson / Dr. Jörg Lange / Nikolaus Geiler / Axel Mayer

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Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer