Stuttgart 21 / 2019 - Kosten, Artenschutz, Eidechsen & Propaganda


Stuttgart 21 / 2019 - Kosten, Artenschutz, Eidechsen & Propaganda


Wie die Bahn mit einem 0,2 % "Fürzchen" einen großen Medien-Ballon aufbläst


Aktueller Einschub 25.1.18


Die Bahn kalkuliert bei Stuttgart 21 mit Kosten von 8,2 Milliarden Euro. Darin enthalten ist ein Risikopuffer von rund 500 Millionen Euro, die eigentlichen Projektkosten liegen bei 7,7 Milliarden Euro. Bislang war der Finanzierungsrahmen inklusive Puffer auf 6,5 Milliarden Euro taxiert worden.


Im Jahr 2007 sollte das Projekt noch 2,8 Milliarden Euro kosten. Beim Volksentscheid über das Protzprojekt wurden der Öffentlichkeit noch 4,5 Milliarden Kosten versprochen. Heute sind wir schon bei den drei- oder vierfachen Kosten und mindestens drei Jahre längere Bauzeit. Bei der landesweiten Volksabstimmung wurden die Menschen belogen und die KritikerInnen bekommen Recht mit ihren Prognosen. Die Bahn hat also ein PR-Problem.

Schon früher hat das Unternehmen schon mit der "besten und umstrittensten" PR-Agentur der Welt, mit Burson Marsteller zusammengearbeitet, z.B. um die Bürgermeisterwahl in Stuttgart in ihrem Sinne zu manipulieren.

Jetzt geht es der Bahn darum, von den tatsächlichen Ursachen der Kostenexplosion abzulenken,
und die KritikerInnen anzugreifen. Die neue, geschickte und erfolgreiche PR-Strategie der Bahn ist es, mit den Kosten für den Artenschutz, vom eigenen Versagen und von den tatsächlichen Gründen der Kostensteigerung abzulenken. Kosten aus einer kleinen Nische des Projekts werden durch geschickte PR in den Medien gezielt aufgeblasen, um abzulenken. Sätze wie "Die Umsiedlung von Eidechsen kostet die Bahn ca. 15 Millionen Euro und verzögert Bauarbeiten am Projekt Stuttgart 21" stehen immer wieder in den Medien. Die PR-Abteilung der Bahn weiß, dass sich niemand vorstellen kann, wie viel 8,2 Milliarden Euro (8.200.000.000) im Vergleich mit den 15 Millionen (15.000.000) sind. Die knapp 0,2 % Umsiedlungskosten machen fette Schlagzeilen, die von Umweltschützern vorhergesagten Probleme beim Anhydrit eher nicht. Der Bundesrechnungshof geht inzwischen von Kosten in Höhe von zehn Milliarden Euro (10.000.000.000) aus.

Von badischen und schwäbischen Eidechsen
Mit einer besseren Planung der Artenschutzmaßnahmen ließen sich diese Kosten massiv senken, sagen Eidechsen-Experten.
Es stellt sich schon die Frage, warum die Umsiedlung von "badischen" Eidechsen auf der Rheintaltrasse der Bahn viel günstiger ist, als bei der Umsiedlung "schwäbischer" Eidechsen bei Stuttgart 21. Die Kritik der Bahn an den Artenschutzkosten fällt auf das Unternehmen selber zurück. Es mangelt an kostensparender Planung und am Controlling.

Dennoch muss auch die Umweltbewegung
über manchmal übertrieben teure Artenschutzkosten diskutieren und auf vernünftig-preisgünstige Lösungen drängen, Dies gilt gerade in einer Zeit, in der Behörden ein massives Interesse an möglichst teuren Ausgleichsmaßnahmen haben und die Bahn den Artenschutz gezielt zum Buhmann macht um vom eigenen Versagen abzulenken.

Die gezielt geführte, postfaktische Nischendiskussion
passt gut in die Zeit und die aktuellen PR-Strategien großer Unternehmen. So schafft es die Kohle- und Pro-Klimawandellobby, die Windräder verhindern will, dass im Schwarzwald mehr über Infraschall von Windrädern als über realen Motorradlärm diskutiert wird. Aus dem gleichen Grund sind 100.000 Vögel die jährlich in Deutschland an Windrädern sterben ein mediales Großthema, nicht aber die 18 Millionen Vögel, die gegen Glasscheiben fliegen und sterben. Und die PR-Agenturen der Agrochemielobby sind intensiv dabei, von den Hauptursachen des Insektensterbens, von Gift & Dünger abzulenken und die veröffentlichte Meinung geschickt auf Nebenursachen zu lenken. Das "schönste" aller Ablenkungsmanöver ist der Nistkasten für Wanderfalken am Kühlturm des AKW Leibstadt. Erfolgreich wird das positive, naturnahe Image des Wanderfalken auf das gefährliche, alte AKW übertragen.

Die Umweltbewegung, aber auch die Medien, setzen sich zu wenig mit den neuen, geschickten Durchsetzungsstrategien auseinander.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer


Stuttgart 21- Kosten, Artenschutz, badisch-schwäbische Eidechsen & Propaganda





Übersicht 2019: Verkehr, Verkehrsprobleme, Autos, Straßen, Klimawandel und verkehrsbedingte Luftverschmutzung (nicht nur) am Oberrhein


Leitartikel: Südbaden unter den Rädern

  • Umweltplaketten, Fahrverbote, Europa & Maut Europäische Lösungen beim Umweltschutz statt Insellösungen
  • Motorradlärm, Autolärm, Verkehrslärm Lärm-Terror immer unerträglicher
  • Stuttgart 21: Kosten, Artenschutz, badisch-schwäbische Eidechsen & Propaganda.
  • Flugtaxi / Luftaxi & Kritik
  • Nein zum Protzprojekt Stuttgart 21 Eine Rede von Axel Mayer
  • Autobahn - Privatisierung Profite auf Kosten von Mensch, Natur und Umwelt
  • LKW-Maut und PKW-Maut Eine Kurzkritik
  • Bahnausbau, Neubaustrecke am Oberrhein Ein Positionspapier des BUND-Regionalverbands Südlicher Oberrhein
  • BUND Stellungnahme: Neubaustrecke Bahn ABS/NBS Karlsruhe – Basel, Planfeststellungsabschnitt 8.1
  • Kritik an Grünbrücken Sind Grünbrücken und Querungshilfen in Einzelfällen teure Ökofallen?
  • Wichtige Thesen und Überlegungen zu Mobilität und ökologischem Wohlstand Toblacher Thesen
  • BUND Stellungnahme zum Luftreinhalteplan FreiburgStellungnahme von BUND, Landesverband Baden-Württemberg, BUND-Regionalverband Südlicher Oberrhein und Freiburger Ortsgruppe.
  • "Bürgerinitiative" für Umgehungsstrasse Wirtschaftslobby und Bauindustrie benutzen Bürgerinitiativen










  • "Die Wahrheit", Warnungen & Hinweise 2019:

    Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer
    Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht von selber kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafener Nacht)


    Aktueller Einschub vom 7.11.2019:

    Grüne Kreuze & Artenausrottung in Deutschland 2019: Neue Studien


    Während gerade bundesweit Landwirte mit Grünen Kreuzen & Demos für Agrargifte & Glyphosat demonstrieren, gab es neue, erschreckende Studien:

    Vogelsterben


    "Die Fachgruppe „Vögel der Agrarlandschaft“ der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft hat mit Unterstützung des DDA ermittelt, dass die Zahl der abnehmenden und stark abnehmenden Arten von 55 Prozent auf 68 Prozent gestiegen ist. Die Bestandsrückgänge von Rebhuhn (89 Prozent seit 1992), Kiebitz (88 Prozent seit 1992), Feldlerche (45 Prozent seit 1992) und vieler weiterer Arten halten nicht nur an, sie haben sich sogar noch beschleunigt. Als wesentliche Ursache für die Bestandsrückgänge sehen die Fachleute die fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft, insbesondere durch Pestizideinsatz, starke Düngung, den Verlust von Landschaftselementen wie Ackerbrachen und die Einengung der Fruchtfolgen.
    Quelle: Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) e.V.

    Insektensterben


    Der Rückgang der Insekten und Spinnen in Deutschland reicht weiter, als bislang angenommen. Seit 2009 ist etwa ein Drittel aller Arten aus Wiesen und Wäldern verschwunden. Die Auswertung ergab insgesamt: Sowohl die Zahl der Insektenarten nahm massiv ab wie auch die Biomasse – allein auf den Wiesen um mehr als zwei Drittel. Der Insektenschwund war überall dort besonders stark, wo die Wiesen von Ackerland umgeben waren. Damit weist das Forscherteam um den Ökologen Sebastian Seibold darauf hin, dass die Hauptursache in der Landwirtschaft zu finden ist.
    Quelle: Studie der TU München

    Lügen


    Der Bauernbund bezeichnet das Insektensterben als „Agrarlüge“
    Landwirte sollen ein Mitschuld am Insektensterben haben? Davon will der Bauernbund nichts wissen. Geschäftsführer Reinhard Jung spricht von der „größten Agrarlüge seit BSE“... Landwirte tragen aus Sicht des Brandenburger Bauernbunds gar keine Mitschuld am Insektensterben. „Die Behauptung des Nabu, in den letzten 25 Jahren sei die Masse der Insekten um mehr als 70 Prozent zurückgegangen, können wir nicht nachvollziehen“, sagte Bauernbund-Vorstand Thomas Kiesel. „Fest steht allerdings, dass sich auf landwirtschaftlicher Seite die Lebensbedingungen für Insekten in den letzten 25 Jahren nicht verschlechtert haben.“
    Quelle: Märkische Allgemeine vom 25.3.2019