Blühflächen: Insektensterben staatlich gefördert

Der BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein, der NABU-Bezirksverband Südbaden und die GRÜNEN im Landkreis Emmendingen verweisen darauf, dass Blühstreifen zur Todesfalle für Insekten werden können und fordern, die Förderrichtlinien in der Landwirtschaft anzupassen und die Samenmischungen zu zertifizieren.

In der Landwirtschaft nach FAKT E2.1 und E2.2 geförderte Blühflächen werden zur Insektenfalle durch die Vorschrift, dass die Pflanzen vor Beginn des nächsten Frühjahrs entfernt, gemulcht oder in den Boden eingearbeitet sein müssen. Soweit tatsächlich insektenfreundliche Blühpflanzen ausgesät waren, wird der gesamte daran lebende Tierbestand vernichtet. Denn viele Insekten überwintern als Ei, Larve oder Puppe in oder an Pflanzenstängeln.
Konkret beobachteten NABU-Aktive dies im Markgräflerland beim Malven-Dickkopffalter, dessen Raupen ausschließlich an Malven überwintern können. So wie er verlieren viele Schmetterlingsarten in jedem Herbst ihren gesamten Nachwuchs.

Ebenfalls problematisch sind „Schmuckbeete“ an Ortseinfahrten und Ackerrändern aus nicht zertifiziertem Saatgut. „Schmetterlingswiese, Bienenschmaus und Hummelmagnet“ ist der Titel einer kritischen Veröffentlichung des Bochumer Botanischen Vereins zu diesem Thema:

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Allzu oft sind es nur bunte Zuchtformen und nicht einheimische Blumen, die in den handelsüblichen Samenmischungen enthalten sind. In untersuchten Samentütchen fanden die Bochumer Forscher hauptsächlich Samen von Blumen, die in Asien, Afrika oder Nord- und Südamerika heimisch sind. Aus Sicht unserer Insekten taugen diese bunten Blühmischungen nicht einmal als „Wirtshaus“, da sie kaum Nahrung bieten. Für die Brut erweisen sie sich als „unbewohnbar“, da die Tiere nicht an sie angepasst sind.

Es ist offensichtlich, dass hier nicht den Insekten, sondern in erster Linie dem Image geholfen wird. Landwirte, Kommunen und Vereine werden im Glauben gelassen, etwas Gutes für die Insektenwelt getan zu haben. Um eine wirklich vielfältige Insektenpopulation zu stabilisieren, ist dies aber kontraproduktiv.
Und es ist absurd, dass Steuergelder dafür ausgegeben werden, gebietsfremde Pflanzen zu bekämpfen, während gleichzeitig Kommunen und Private ungehindert nicht zertifizierte Blühmischungen ausbringen, die genau solche Pflanzen beinenthalten.

Unter dem Strich sehen wir in Sachen Blühflächen viel Populismus und wenig Naturschutz - im Gegenteil: Dieser teure Aktionismus schadet unseren Insekten!

Deswegen fordern wir, BUND, NABU und GRÜNE:

1) Die bisherige Förderung einjähriger Blühflächen ist bis auf wenige fachlich begründete Ausnahmen einzustellen und durch eine bessere Förderung der mehrjährigen Brachebegrünung (ähnlich FAKT E 7) zu ersetzen.
Wenn die zuständigen Behörden schon wissen, dass die einjährige Brachebegrünung in heutiger Form nicht hilfreich ist, dann sollte die Landwirtschaftsverwaltung diese Förderung auch umgehend anpassen.
Denn was nützen die Initiativen grün geführter Ministerien wie das „Sonderprogramm Biologische Vielfalt“ und das „Kompetenzzentrum Artenkenntnis“, wenn gleichzeitig andere Förderprogramme das Insektensterben verschärfen?

2) Eine einheitliche, verbindliche Zertifizierung von Samenmischungen, die für Landwirtschaft, Kommunen, Gewerbe und Private gleichermaßen unter dem Label „Insektenfreundlich“ in den Vertrieb kommen. Nur regional angepasstes, gebietsheimisches Saatgut erfreut Mensch und Insekt!

Freundliche Grüße