Fragekatalog zur zweiten Zehnjahresrevision im AKW Fessenheim

Alsace Nature/CSFR/BUND

In Block Eins des französischen AKW Fessenheim läuft zur Zeit die "große" Zehnjahres-Inspektion. Aus diesem Anlaß haben die beiden französischen Umweltorganisationen Alsace Nature und CSFR, gemeinsam mit dem BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein, am 3.12.99 einen umfangreichen Fragekatalog verschickt. Das Schreiben ging an die Leitung des AKW Fessenheim, an den Leiter der Kontrollkommission des AKW, an den Präfekten in Colmar und an den Direktor der DRIRE. Der BUND wird den Fragekatalog auch an das Freiburger Regierungspräsidium, an die EnBW und an die EnBW Tochter Yello versenden, da Yello laut Presseberichten den Großteil seines Stromes aus den französischen AKW`s Fessenheim und Cattenom beziehen will.

Wir senden Ihnen die deutsche Übersetzung des französischen Anschreibens mit der Bitte um journalistische Verwertung.

Axel Mayer

Sehr geehrte Damen und Herren, zur Zeit läuft für Block Eins des AKW die zweite große Zehnjahresrevision. Wir sind ein wenig verwundert, denn Block Eins wurde ja schon 1977 in Betrieb genommen. Eine reguläre Zehnjahresrevision hätte also schon 1997 stattfinden müssen. Bei der letzten großen Revision sind dann ja einige Fehler unterlaufen (Risse am Deckel und im Sekundärkreislauf wurden nicht gefunden und erst durch Probleme im baugleichen AKW Bugey nachträglich entdeckt).

Als Umweltorganisationen haben wir selbstverständlich ein großes Interesse an einer gründlichen und umfassenden Inspektion des schnell alternden AKWs mit seinen vielen technischen Problemen.

Aus diesem Grund haben wir jetzt zum Beginn Ihrer Revision eine Reihe von Fragen, und bitten Sie um eine baldige Beantwortung.

1) Bei der aktuellen Revision werden auch viele Leiharbeiter eingesetzt, deren Schutz vor Strahlung uns ein wichtiges Anliegen ist. Wieviele Leiharbeiter sind während der Revision im strahlenden Bereich des AKW eingesetzt ?

1a) Welcher Maximalbelastung werden diese Leiharbeiter ausgesetzt ?

1b) Wie werden mögliche gesundheitliche Spätschäden bei diesen Arbeitnehmern erfasst ?

2) Heute wie vor 10 Jahren wurde eine internationale Expertengruppe mit der Erstellung eines Sicherheitsgutachtens beauftragt.

2a) Welche WissenschaftlerInnen wurden damals und heute mit diesem Gutachten beauftragt ?

2b) Welche finanziellen Mittel standen damals und heute für diese wichtige Arbeit der Experten-gruppe zur Verfügung?

3) Die Mehrheit der internationalen Expertengruppe hat im Jahr 1989 die zügige Realisierung von technischen und administrativen Verbesserungen und Ertüchtigungen am Reaktor" schnell nach der Wiederinbetriebnahme des AKW verlangt. Christian Küppers vom Ökoinstitut hatte sogar vor der Wiederinbetriebnahme gewarnt. Das französische Kommissionsmitglied R.Sene hat damals gesagt, die Wiederinbetriebnahme müßte "unter kräftigem gelben Warnblinken erfolgen".

Hier einige der wichtigen Forderungen der damaligen Expertenrunde, die schnell umgesetzt werden sollten:

a) Installation von Systemen, die im Reaktor ohne Zeitverlust Wasserstoff detektieren, durchmischen und rekombinieren, um die Wahrscheinlichkeit von Wasserstoffexplosionen im Reaktor zu verkleinern,

b) Sicherung des Brennelementelagers gegen Flugzeugabsturz,

c) Trennung der elektrischen Kabel,

d) Verbesserung der Verschlüsse der Dampfgeneratoren,

e) Trennung der Kennzeichnung der Apparaturen und Anlagen.

Bevor jetzt eine neue Expertenrunde Untersuchungen anstellt und möglicherweise Forderungen aufstellt, sollte geprüft werden, ob die Forderungen der alten Expertengruppe erfüllt wurden. Ansonsten sind die Zehnjahresinspektionen nur ein Ritual und eine Farce, die lediglich der Akzeptanzbeschaffung dient.

3a) Welche der Forderungen der damaligen Wissenschaftler nach einer schnellen Ertüchtigung des Reaktors wurden zwischenzeitlich erfüllt, und welche wurden nicht erfüllt?

3b) Der damalige Hauptkritikpunkt war die mangelnde Vorsorge gegen mögliche Wasserstoffexplosionen im Reaktor. Zu welchen technischen Veränderungen und Verbesserungen haben die Forderungen der Wissenschaftlergruppe geführt?

3c) Ist das Brennelementezwischenlager zwischenzeitlich gegen den Absturz von großen Flugzeugen gesichert?

4a) Welche Auswirkungen auf die Sicherheit des AKW läßt sich aus der Tatsache ableiten, daß vor wenigen Wochen das Epizentrum eines kleinen Erdbebens unterhalb von Fessenheim lag?

4b) In welchem Zustand sind die Dampferzeuger im AKW, die in den letzten Jahren immer größere Problem bereitet haben?

Sie sehen aus unseren Fragen, daß wir wie Sie ein großes Interesse an der Sicherheit des AKW haben. Wir bitten Sie um eine schnelle und gründliche Beantwortung unserer Anfrage.

Mit freundlichen Grüßen

Alsace Nature Colmar/CSFR/BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein